Die Auftragslage von Architekturbüros verbessert sich, wie das ifo Institut bei seiner Umfrage im April und Mai herausfand. | Erich Gluch

Bessere Aussichten: Die Auftragslage von Architekturbüros entwickelt sich positiv.
Bessere Aussichten. Nach den Ergebnissen der vierteljährlichen Umfrage des ifo Instituts bei den freischaffenden Architekten hat sich das Geschäftsklima zu Beginn des zweiten Quartals 2007 weiter aufgehellt. Es ist damit so gut wie letztmals vor rund sieben Jahren.
Die Befragten waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufriedener als im Vorquartal. Per saldo äußerte sich lediglich noch jeder sechste Testteilnehmer zurückhaltend bezüglich seiner aktuellen Lage. Einen vergleichbar „günstigen“ Wert gab es letztmals Mitte 2000. Im Durchschnitt der Bundesländer bezeichnete immerhin jeder fünfte freischaffende Architekt seine derzeitige Auftragssituation als „gut“; gleichzeitig sank der Anteil der „schlecht“-Urteile von 46 auf 37 Prozent.
Die Geschäftserwartungen waren etwas zurückhaltender als vor drei Monaten, sie hatten sich jedoch bereits zum Jahrsbeginn kräftig verbessert. Im Durchschnitt der Bundesländer schätzten 12 Prozent der Architekten ihre voraussichtliche Auftragssituation eher positiv ein (Vorquartal: 14 Prozent). Wie bereits im Vorquartal, gingen 18 Prozent davon aus, dass ihre Geschäftsentwicklung im Verlauf der nächsten sechs Monate „eher ungünstiger“ verlaufen dürfte. Der größte Teil – immerhin rund 70 Prozent – erwartete in den nächsten Monaten keine Veränderung der Auftragssituation.
Im ersten Quartal 2007
konnten im Durchschnitt der Bundesländer rund 51 Prozent der freischaffenden Architekten neue Verträge abschließen. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Selbst dieser kleine Anstieg ist jedoch positiv zu werten, denn im normalen Saisonverlauf ist das erste Quartal in der Regel schwächer als das letzte Quartal des Vorjahres.
Allerdings lag das geschätzte Bauvolumen aus den neu abgeschlossenen Verträgen (Neubauten ohne Planungsleistungen im Bestand) rund 20 Prozent unter dem Niveau des Vorquartals.
Doch dieser Trend war nicht einheitlich: Der Wohnungsbau wies ein Plus von gut einem Zehntel auf. Dagegen waren die Planungsvolumina im Nichtwohnbau rund 30 Prozent geringer als im Vorquartal.
Im Wohnungsbau legten die Aufträge zur Planung von Ein- und Zweifamiliengebäuden im ersten Quartal 2007 kräftig zu. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Auftragseingänge im dritten Quartal 2006 einen totalen Einbruch erlebt hatten – Spätfolge des Booms vor Streichung der Eigenheimzulage. Die Zuwächse im ersten Quartal 2007 waren zum Teil beachtlich, allerdings mit Ausnahme von Baden-Württemberg und dem Nordwesten mit Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen.
Im Geschosswohnungsbau
waren die Auftragseingänge erneut leicht rückläufig. Auch das hat mit einer zuvor gestrichenen Förderung zu tun: Ende 2005 besorgten sich zahlreiche Bauherren sozusagen „Vorratsgenehmigungen“, bevor zum 1. Januar 2006 die degressive Abschreibung für Mietwohnungen abgeschafft wurde. Diese Genehmigungen dürften die Vergabe von Planungsaufträgen an Architekten noch bis Mitte 2006 gestützt haben. Da die darauf folgenden Rückgänge jedoch relativ moderat ausfielen, könnte bereits in den nächsten Quartalen wieder mit einer Belebung gerechnet werden.
Im Nichtwohnbau
waren sowohl im gewerblichen als auch im öffentlichen Bereich die Auftragsvolumina jeweils knapp 30 Prozent kleiner als vor drei Monaten. Die neu hereingenommenen gewerblichen Aufträge lagen aber immer noch auf einem erfreulichen Niveau, da es im vierten Quartal 2006, bedingt durch einige größere Einzelaufträge,
zu einer sichtlichen Auftragsspitze gekommen war.
Das von öffentlichen Auftraggebern vergebene Planungsvolumen bröckelte weiter ab. Noch vor einem halben Jahr hatten Aufträge in fast dem doppelten Umfang akquiriert werden können. Nach den eingegangenen Meldungen betrugen die Auftragsbestände zum Ende des ersten Quartals 2007 im Durchschnitt der Bundesländer 4,7 Monate, wie bereits im Vorquartal. Vor einem Jahr waren die Auftragspolster noch um einen halben Monat dünner. Mit durchschnittlich 6,0 beziehungsweise 5,9 Monaten erreichten die Auftragsreserven der Büros in Rheinland-Pfalz beziehungsweise in Hamburg und Bayern vergleichsweise hohe Werte.
Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtsch.-Ing. Erich Gluch, ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München


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