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Wochenendseminare

Hand anlegen

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Glas, Holz, Farben. Arbeiten Sie doch einmal selbst mit den Materialien, die Sie sonst nur verplanen. Privat stellt kreative Wochenendseminare fernab vom Alltag vor. | Nils Hille


Saiteninstrumente bauen

Klangwerkstatt Markt Wald: In den Seminaren von André Schubert können die Teilnehmer das Monochord bauen.

Auch ohne musikalische und handwerkliche Vorkenntnisse wird jeder Teilnehmer sein selbst gebautes Instrument am Schluss in Händen halten. Das verspricht André Schubert, Leiter der Klangwerkstatt aus Markt Wald in Bayern. Für seine Kurse, die an unterschiedlichen Orten stattfinden, bereitet er die Materialien zwar so weit vor, dass er sein Versprechen auch halten kann. Trotzdem werden sich die Teilnehmer intensiv mit dem Material Holz beschäftigen.

Ein Instrument aus dem Bausortiment ist für Architekten besonders interessant: das Monochord. Schubert: „Es dient dazu, Raumverhältnisse hörbar zu machen. Nimmt man Länge, Breite und Höhe eines Raumes und setzt die Maße im Verhältnis auf die Saitenlängen um, kann man hören, was für ein Akkord entsteht.“ Bei der Planung von akustischen Sälen wird diese Methode oft angewandt. Echoeffekte und Hall lassen sich so vermeiden, in unterschiedlichen Gebäudetypen klingt das Monochord dann auch verschieden. „In einer Kathedrale entstehen Tonfolgen, wie wir sie in Mitteleuropa in der Kirchenmusik verwenden, in einer Moschee entstehen solche der arabischen Musik“, sagt Schubert.

Im September veranstaltet er ein Seminar in besonderer Kulisse. Die hessische Burg Fürsteneck, die zum Tagungshaus umgebaut wurde, dient für ein verlängertes Wochenende als Instrumentenwerkstatt. Besonders an den Abenden wird man sich wie zurückversetzt in eine andere Zeit vorkommen, wenn sie, wie bei Schuberts Seminaren üblich, gemeinsam bei Musik und Tanz verbracht werden.


Holzschnitzen

Nienburger Schnitzstube: Das Ambiente der Werkstatt genießen und die eigene Idee bildhaft werden lassen.

Das gleiche Material, aber ein ganz anderer Zweck: Der Kunstpädagoge Reinhold Büdeker aus Nienburg an der Weser öffnet seine Schnitzstube regelmäßig für Laien – und das bereits seit 18 Jahren: „Ziel ist es, einen Ort der Begegnung zu formen für Menschen, die sich für Kunst und altes Handwerk interessieren.“ An den Workshopwochenenden vermittelt er Wissenswertes über Schnitzhölzer, -werkzeuge und die anzuwendenden Techniken. Er verspricht Anfängern wie Fortgeschrittenen, arbeitend Entspannung zu finden.

Seit einem Monat gibt es auch ein Buch von Büdeker mit Beispielen und Übungen. Mit dem „1×1 des Schnitzens“ können die Teilnehmer nach dem Seminar zu Hause weiterarbeiten. Eine dem Buch beigelegte DVD zeigt in einem kompletten Workshop Schritt für Schritt, wie Reliefs, Figuren und Formen entstehen. Für Gruppen ab acht Personen bietet Büdeker auch das Wochenendprogramm „Fachwerk und Wein“ an, das durch die historische Altstadt von Nienburg führt.


Glasmachen

Glashütte Petershagen: In historischer Kulisse vermitteln...

Um den Umgang mit dem Material Glas kennenzulernen, bieten sich die Kurse im Industriemuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Petershagen an. Unter fachlicher Anleitung können die Teilnehmer die ersten Schritte der Kunst erlernen. Bei längeren Seminaren werden auch das Glasgießen sowie die Glasveredelung vermittelt. Der Techniker und Künstler Frieder Korff leitet zum Schneiden, Verschmelzen und Absenken an. Das Angebot reicht bis zur Gestaltung von Glasskulpturen bei den Fortgeschrittenenkursen. Auch der passende theoretische Hintergrund über unterschiedliche Sorten, deren Schmelzverhalten, ihre physikalischen, chemischen und thermischen Eigenschaften sowie Grundkenntnisse in Ofenkunde werden vermittelt.

... die Profis des Industriemuseums ihre Kunst des Glasmachens.

Alle Arbeiten finden in der Glashütte des Museums in Gernheim statt. Der Fabrikort aus dem frühen 19. Jahrhundert liegt am Ufer der Weser. Bis heute sind Arbeiterhäuser erhalten, die ehemalige Fabrikantenvilla, eine Korbflechterei und der kegelförmige Glashüttenturm von 1826. In ihm hat das westfälische Industriemuseum den historischen Schmelzofen rekonstruiert und mit neuer Technik ausgestattet. Wie vor 100 Jahren fertigen hier Glasmacher mit einer Pfeife aus der glühend heißen Masse verschiedene Gefäße. Die von einem Schleifer und Graveur veredelten Kunstwerke werden dann im Museumsladen verkauft. Auch der Ausstellungsbereich lohnt sich: Er bietet einen Rundgang durch die Glasgeschichte von 1800 bis heute.


Goldschmieden

Klangwerkstatt Markt Wald: In den Seminaren von André Schubert können die Teilnehmer das Monochord bauen.

Sägen, Feilen und Löten – das sind die drei Hauptarbeiten, um ein Schmuckstück zu fertigen. Bei den Seminaren von Petra Block-Gärtner und Udo Gärtner in Wuppertal soll aber die Freude am kreativen Werken in einer Gruppe im Vordergrund stehen. An ihren Wochenendseminaren können bis zu vier Teilnehmer gleichzeitig in einer gemütlichen Werkstatt kreativ werden. Gearbeitet wird in Silber; trotzdem wird das Handwerk von den Fachleuten als „Goldschmieden“ bezeichnet, da es sich um die Herstellung von Schmuck und nicht von Besteck oder Gerät handelt.

Mittags wird den Teilnehmern ein mediterranes Drei-Gänge-Menü serviert. Dieser Wohlfühlakzent verrät auch den Ursprung der Seminare: Anfangs wurden sie nur als Kreativurlaub in Südfrankreich angeboten. Petra Block-Gärtner: „Wir haben uns gesagt, dass eine Verbindung von mediterranem Ambiente, kulinarischen Köstlichkeiten und der Beschäftigung mit einem uralten Handwerk viele Menschen ansprechen würde.“ Ihre Vermutung wurde durch eine große Nachfrage bestätigt und so entstand zusätzlich das Wochenendangebot im „Atelier Objets d’Art“ in Wuppertal. Hier treffen die beiden immer wieder auf Teilnehmer, die schon einmal in ihren Kursen kreativ waren. Auch die Rezepte werden gerne nachgekocht. Alle Anfänger können am Wochenende ausprobieren, ob eine Goldschmiedewoche in Südfrankreich der richtige Urlaub für sie wäre.


Acrylmalen und Wellness

Villa Bellaria in Bad Tölz: Im Voralpenland wird mit Pinsel und Farben der Kreativität freier Lauf gelassen.

Dieses Seminar verspricht schon im Titel Kreativität und Entspannung. Und der Veranstaltungsort scheint sein Bestes dazu beizutragen. Das Wellness-Hotel „Villa Bellaria“ im bayrischen Bad Tölz liegt direkt am Kurpark, nahe den Isarauen.

Der Entspannungsbereich des 1860 erbauten Jugendstilgebäudes ist großzügig ausgestattet, unter anderem mit einem „Sabbia Med“. Dieser Raum ist mit warmem Sand gefüllt und soll den Sonnenlauf eines Tages simulieren. Zusätzlich zu dieser besonderen Art der Erholung bekommt jeder Teilnehmer eine Rückenmassage. Im kreativen Teil des Wochenendes vermittelt Brigitte Karasek die verschiedenen Techniken des Farbauftrags in der Acrylmalerei und die dadurch erzielten Effekte. Dabei soll es nicht so sehr darauf ankommen, die Natur wirklichkeitsgetreu abzubilden, sondern einen eigenen Stil zu entwickeln. Auch bei diesem Angebot gilt das Wochenende als „Schnupperkurs“. Im Oktober kann eine ganze Woche mit Acrylmalen und verschiedenen Wellness­anwendungen gebucht werden.


Parfums komponieren

Parfum Seminar Münster: Bis zu 200 verschiedene Komponenten stecken in einem Dufttropfen.

„Die Krönung des Dufts ist das Parfum“, sagt Uwe Manasse. In seinen Wochenendseminaren lernen die Teilnehmer diese Krönung selbst herzustellen; jeder komponiert seinen individuellen Wohlgeruch. Das professionelle Werkzeug eines klassischen Parfumeurs steht dazu bereit. Manasse erläutert detailliert den Charakter und die Verwendung der einzelnen Duftbausteine. An den zwei Tagen erfahren die Teilnehmer auch mehr über die Welt der Düfte: Wie arbeitet der Geruchssinn? Wie reagiert der Körper auf sie? Auch die Geschichte der Parfumierung steht auf dem Programm.

Vor über 15 Jahren hat Manasse mit der Entwicklung von Raumdüften begonnen. Auch seine selbst komponierten Massage-, Pflege- und Badeöle kamen gut an, sodass er seitdem wohlriechende Wochenendseminare anbietet.

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