Die Verbraucher stehen dem Hausbau mit Holz wieder offener gegenüber. Vor allem Fertigbau- und Baustoffbranche suchen speziell qualifizierte Architekten. Die Fachhochschule Rosenheim bildet diese jetzt aus. | Nils Hille

Mekka des Holzbaus: Rund 2 000 junge Menschen lassen sich jedes Jahr im Bereich Holz in Rosenheim ausbilden. Die Hälfte davon an der Fachhochschule. Solche Zahlen gibt es sonst nur im chinesischen Nanjing.
Holz hat ein neues Image. „Das kommt vor allem durch eine seit einigen Jahren gewandelte Einstellung zu dem Werkstoff“, sagt Professor Heinrich Köster, Vizepräsident der Fachhochschule Rosenhein. Zwar war der Markt für diesen Baustoff nie am Boden, doch andere Materialien hatten ihm den Rang abgelaufen. Köster: „Neben Beton, Stahl und Mauerwerk konnte sich der Werkstoff Holz oft nicht behaupten.“ Die Schuld sieht er auch in der sehr konservativen Holzbranche und in deren Zersplitterung. Rund 40 000 bis 50 000 Betriebe bearbeiten in Deutschland das Material. Eine ganz andere Situation als bei Baustoffen, bei denen der Markt von wenigen großen Konzernen beherrscht wird.
Dementsprechend schwierig gestalten sich die Ausbildungsmöglichkeiten für Architekten in diesem Bereich. Bei den meisten grundständigen Studiengängen ist das Thema Holzbau gar nicht oder nur mit wenigen Stunden vertreten, der Mangel an Fachleuten aus der Planungsbranche damit vorprogrammiert. Dagegen will Köster mit der neuen Weiterbildung „Holzbau für Architekten“ vorgehen, die in Form eines Masterstudiengangs angeboten wird.
Konzentriert am Wochenende

Nicht für Bachelor: Auch wenn der Abschluss als Master bezeichnet wird, richtet sich der Studiengang momentan nur an Diplomstudenten.
Durchweg positiv, sagt er, seien die bisherigen Rückmeldungen der ersten Gruppe, die im März dieses Jahres ihr dreisemestriges Studium begonnen hat. Die Teilnehmer können nebenher fest oder frei weiterarbeiten, da die Qualifizierung in Blockform angeboten wird. Viele Termine liegen kompakt am Ende der Woche (jeweils Freitag und Samstag); nur selten ist eine ganze Arbeitswoche mit Veranstaltungen belegt.
Die inhaltliche Struktur der Weiterbildung ist der Gliederung in drei Semester angepasst. Köster: „Im ersten Drittel wird das defizitäre Wissen der Absolventen ausgeglichen. Darunter fallen die konstruktiven Grundlagen, Werkstoffkunde und Bauphysik.“ Hinzu kommen in diesem Teil auch die für Architekten relevanten Informationen zu Fenstern, Türen und Fassaden sowie die aktuellen Themen ressourcensparende Gebäudetechnik und Passivhäuser. Köster: „Unser Schwerpunkt ist dabei immer das Bauen mit Holz und biogenen Stoffen unter dem Gesichtspunkt der Energieeffizienz.“
Im zweiten Semester wird es praktischer mit den Fächern Holzbaukonstruktion und -architektur. Neben den klassischen Ein- und Zweifamilienhäusern ist auch der Gewerbe- und mehrgeschossige Wohnungsbau mit Holz ein Thema. Außer Vorlesungen gibt es Exkursionen, Studienreisen oder Fachtagungen.
Im letzten Drittel schreiben die Lernenden ihre Masterarbeit, um den Titel „Master of Engineering“ zu erhalten.
Keine Massenveranstaltung
Kleine Gruppen zeichnen die Rosenheimer Weiterbildung aus. In der aktuellen Runde sind 16 Teilnehmer dabei, 150 Interessenten hatten sich auf die erste Ausschreibung gemeldet. Ein deutliches Zeichen für Köster, „dass der Markt wirklich wächst“. Für die Auswahl hat er mit seinen Kollegen die Bewerbungen sorgfältig geprüft. Nur wer mindestens ein Jahr fachbezogene Berufserfahrung nachweisen konnte, kam in die engere Auswahl, denn diese Teilnehmer „diskutieren auf einem ganz anderen Niveau und fragen auch kritisch nach“, so Köster. Zusätzlich mussten die Bewerber ein Gespräch absolvieren.
Trotz dieser Hürden ist die Weiterbildung für die Teilnehmer nicht kostenlos. Der Eigenanteil liegt bei 6.000 Euro. Den Rest bezahlen Firmen der Branche, die als Sponsoren auftreten. Unter den Dozenten befinden sich neben den Fachleuten aus der Rosenheimer Hochschule auch Vertreter aus den Unternehmen. Köster: „Das wird aber nicht zur Werbeveranstaltung. Die Referenten sind sorgfältig ausgewählt und unterschreiben entsprechende Verträge. Vor allem bieten sie aber einen guten Einblick in die spätere praktische Arbeit.“
Weiterbildung Master Holzbau für Architekten (berufsbegleitend)
Ort: Fachhochschule Rosenheim
Dauer: 3 Semester, in Blockform
Kosten: 6 000 Euro
Voraussetzungen: Abgeschlossenes Hochschulstudium der Architektur oder Ähnliches und einjährige Berufspraxis
Start: 3. März 2008
Bewerbungsschluss: 15. Januar 2008
Internet: www.fh-rosenheim.de/master-holzbau


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