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Kammern aktuell

Im Altbau altengerecht wohnen

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Architekten und Denkmalpfleger diskutieren den demografischen Wandel und seine Auswirkungen auf die Bestandspolitik. | Claudia Sanders

Expertenrunde: (von links nach rechts) Armin Hentschel, Direktor des Instituts für Soziale Stadtentwicklung in Potsdam, Prof. Dr. Gerd Weiß, Vorsitzender der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, Dr. Jürgen Tietz, Journalist und Architekturkritiker, Prof. Arno Sighart Schmid, Präsident der Bundesarchitektenkammer, Prof. Dr. Hildegard Schröteler-von Brandt, Universität Siegen, Dr. Lothar Helm, Wohngemeinschaft Sandberghof in Darmstadt-Bessungen.

Alter ist nicht gleich Alter. Und Wohnen im Alter ist so vielfältig wie das Alter selbst. Bei aller Differenzierung von Lebenslagen und Wohnbedürfnissen steht eines aber fest: Wohnen im Alter ist eine riesige Herausforderung an den Altbestand der Häuser. Angesichts des demografischen Wandels lag also nichts näher als das Thema der ersten gemeinsamen Veranstaltung der Bundesarchitektenkammer und der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger am 30. Oktober in Berlin: „Alte Bauten in einer alternden Gesellschaft“.

Alt ist nicht behindert

Zu Beginn räumte Armin Hentschel, Direktor des Instituts für Soziale Stadtentwicklung in Potsdam, mit einer Reihe von Vorurteilen auf. Altengerecht dürfe etwa nicht mit barrierefrei gleichgesetzt werden. Zwar müssten Wohnungen für eingeschränkte Mobilität taugen, aber Alter heiße nicht zwangsläufig Behinderung. Genauso gut bedeute Alleinwohnen nicht Alleinsein. Im Gegenteil: Die persönliche Zeit und damit auch der Freiraum für Austausch und Begegnung nehme gegenwärtig im Alter zu. Auch die Vorstellung, dass die Alten durch ihre Zuwanderung die Städte retten, lasse sich empirisch nicht belegen.

Wohnen im Alter sei hochgradig paradox: Einerseits entsprächen viele Wohnungen nicht den objektiven Bedürfnissen an altengerechtes Wohnen. Andererseits steige mit zunehmendem Alter die subjektive Wohnzufriedenheit, weil die Neigung wachse, sich mit dem Vorhandenen zu arrangieren.

Auf in die Mitte

Auch Hildegard Schröteler-von Brandt, Professorin für Stadtplanung und Planungsgeschichte an der Universität Siegen, mahnte eine Korrektur des Altenbilds an: „Die Differenzierung des Alters hat ganz unterschiedliche Wohnbedürfnisse zur Folge.“ Altengerechtes Wohnen sei vor allem eine Frage der Bestandspolitik. Die solle sich aber nicht an Barrierefreiheit, sondern an Barrierearmut orientieren. Neben selbstständigem Wohnen biete der Altbestand beste Möglichkeiten für dezentrale Wohngruppen, eine sinnvolle Alternative zum auf­wendigen Neubau monofunktionaler Seniorenheime.

Schröteler-von Brandt rief dazu auf, dem Ausbluten kulturhistorisch bedeutsamer Ortskerne entgegenzuwirken. Als Positivbeispiel nannte sie die hessische Verbandsgemeinde Wallmerod, der es mit dem Aktions- und Förderplan „Leben im Dorf – Leben mittendrin“ gelungen sei, ihre Ortskerne neu zu beleben. Das Programm verbindet restriktive Baulandausweisung an den Rändern mit einem finanziellen Anreiz zum Bau oder Erwerb von Gebäuden innerhalb der Ortskerne.

Gemeinsam wohnen im alten Haus

Wer nicht allein in einer zu groß gewordenen Wohnung auf das Lebensende warten will, sollte beizeiten nach einer Alternative suchen. Wie die aussehen kann, schilderte Dr. Lothar Helm, der mit seiner Frau und drei weiteren Paaren in Darmstadt ein Gehöft von 1759 sanierte. Jedes Paar besitzt eine abgeschlossene, ­allerdings vergleichsweise kleine Wohnung. Dazu gibt es Gemeinschaftsräume. Die Bewohner haben sich zu gegenseitiger Hilfe im Bedarfsfall verpflichtet, nicht aber zur Pflege. Allein die Planung des Projekts dauerte vier Jahre. Und auch die Barrierefreiheit blieb eine Illusion. Trotzdem ist Helm begeistert: „So gut, so schön hätten wir es uns nicht vorgestellt.“

Damit solche Initiativen kein Einzelfall bleiben, wird das Landesamt für Denkmalpflege Hessen 2008 einen Sondertopf für strukturschwache Regionen bilden, so sein Präsident Gerd Weiß in der abschließenden Podiumsdiskus-sion. Alte Bauten in einer altern­den Gesellschaft werfen neue Fragen auf – deshalb zum Schluss der Appell von Arno Sighart Schmid, Präsident der Bundesarchitektenkammer: „Wir dürfen das Wohnen nicht aus der Forschung entlassen.“

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