Architekten sind oft Vielfahrer – und können bei Fahrtrainings Sicherheit und Spritsparen lernen. | Fred Wagner

Ausweichmanöver, Notbremsung, Kurventechnik: Wie man sicher Auto fährt, lernt man nicht in einer Fahrschule, sondern bei einem speziellen Fahrtraining.
Mit über 80 Stundenkilometern kommt der rote BMW schnell näher. Plötzlich schießen vor dem Fahrzeug riesige Wasserfontänen aus dem Asphalt. Der Fahrer zuckt zusammen, doch dann steigt er beherzt und mit der ganzen Kraft des Beines ins Bremspedal. So wie es der Instruktor zuvor im Unterrichtsraum erklärt hat. Danach lockert er die Bremse und fährt um das Hindernis herum, mit einem weich gelenkten Manöver – links, rechts, links. Wenige Meter später kommt der Pkw sicher zum Stehen. Ein kurzer, zufriedener Blick des Fahrers durch die Seitenscheibe hinüber zum Ausbilder. Dieser hebt lächelnd den Daumen und winkt das Fahrzeug für einen nächsten Versuch weiter. Vielleicht gelingt das Bremsen beim zweiten Mal noch besser. Übung macht hier wirklich den Meister – und kann im richtigen Leben Unfälle verhindern.
Die wenigsten Autofahrer wissen, wie man in Extremsituationen angemessen reagiert. Aus diesem Grund bieten Automobilclubs, Autobauer und private Anbieter seit Jahren mit wachsendem Erfolg Fahr- und Sicherheitstrainings an. Auf speziellen Übungsplätzen erlernen die Teilnehmer den Umgang mit dem Fahrzeug in Gefahrensituationen. Hunderttausende Autofahrer haben in den vergangenen Jahren daran teilgenommen. Im Mittelpunkt stehen die typischen Alltags- und Verkehrssituationen: die richtige Sitz- und Lenkradhaltung, wie erfolgt eine Notbremsung, wie verhält sich ein Wagen beim Über- und Untersteuern in Kurven, wie weicht man plötzlichen Hindernissen auf der Straße am besten aus. Aus gutem Grund. Ein Fahrtrainer von BMW: „Selbst vertraute Strecken wie die tägliche Fahrt zur Arbeit oder zum Supermarkt stellen immer wieder hohe Anforderungen an die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit eines Autofahrers.“
Je nach Art und Umfang des Trainings wird auf dem eigenen oder auf gestellten Fahrzeugen geübt. Die Angebote reichen vom mehrstündigen Kompaktkurs für unter 100 Euro bis zur mehrtägigen Schulung für einige Tausend Euro – verbunden mit einer Reise in landschaftlich besonders interessante Regionen, etwa nach Schweden, Finnland oder Italien.
Der Bedarf nach solchen Veranstaltungen steigt stetig. Allein die Deutsche Verkehrswacht (DVW) bietet jedes Jahr rund 10 000 Fahrtrainings überall in Deutschland an, an denen etwa 120 000 Autofahrer teilnehmen. Auf dem größten und modernsten Übungsplatz in Europa, dem ADAC Fahrsicherheitszentrum Linthe bei Berlin, trainieren jedes Jahr rund 30 000 Verkehrsteilnehmer ihr Reaktionsvermögen – vom Motorradfahrer über Gespannführer bis zum Brummi-Chauffeur.
Doch nicht nur in puncto Fahrsicherheit können Autofahrer dazulernen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Kraftstoffpreise kommen sogenannte Öko-Trainings immer mehr in Mode. Schließlich hängt der Verbrauch nicht nur vom Fahrzeug und seiner Technik ab, sondern auch vom individuellen Fahrstil. Unabhängig vom Automodell lassen sich mit einer cleveren, bewussten Fahrweise durchschnittlich 20 Prozent des Verbrauchs einsparen – und das ohne Zeitverlust.
Mit weniger Sprit genauso schnell
Geübt wird bei einem Spritspartraining in kleinen Gruppen mit maximal sechs bis zehn Teilnehmern. Die Kosten für den halbtägigen Kurs betragen je nach Anbieter bis zu 150 Euro. Darin enthalten sind ein Übungsfahrzeug, ausgestattet mit entsprechenden Verbrauchsmessgeräten, eine erste Verbrauchsmessfahrt, theoretische Grundlagen, die Umsetzung der besprochenen Spartipps in die Praxis und eine Verbrauchsmessfahrt im neu erlernten Fahrstil.
Peter Ziganki, leitender Fahrtrainer in Linthe: „Ein Bleifußfahrer kann mit der richtigen Fahrweise sogar bis zu 30 Prozent Sprit sparen.“ Wenn es nach ihm gehen würde, dann müsste jeder Autofahrer in regelmäßigen Abständen so ein Sicherheitstraining absolvieren. Und auch die meisten Teilnehmer sehen das so. Bei vielen lautet die Meinung nach dem Kurs: „So etwas müsste jeder Autofahrer direkt nach der Fahrschule machen.“
Nicht nur der ADAC, sondern vor allem die großen Automobilhersteller und Importeure bieten auch Fahrveranstaltungen an, bei denen es nicht in erster Linie um die Sicherheit geht. Das fahrerische Können und der Spaß sollen im Vordergrund stehen. Natürlich wollen die Automobilhersteller damit Kunden und potenzielle Käufer noch stärker an ihre Produkte und damit an ihre Marke binden, doch der Sache tut das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Die Teilnehmerzahlen gerade bei solchen Events sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert und viele der jährlich stattfindenden Veranstaltungen sind schnell ausgebucht. So haben bei Audi im Jahr 2007 über 17 000 Kunden an Fahr- und Erlebnistrainings teilgenommen, so viel wie nie zuvor. Neben den klassischen Fahr- und Sicherheitstrainings, die bundesweit und imösterreichischen Seefeld (Tirol) stattfinden, lassen sich auch das Fahren auf der Grand-Prix-Strecke und der Nordschleife des Nürburgrings buchen. Legendär sind die sogenannten Winterfahrtrainings auf zugefrorenen finnischen Seen.
Ab Mitte März werden die neuen Sommertermine vom Veranstalter Audi driving experience veröffentlicht. Erfahrungsgemäß sind die Rennstreckenveranstaltungen mit den Sportwagen Audi R8 oder RS4 auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona, auf dem Nürburgring oder dem Lausitzring am schnellsten ausgebucht. So ein „Pulsbeschleuniger“ kostet mit Anreise, Übernachtung und Verpflegung rund 1 100 Euro (Tel. 0841/89-32900).
Auch VW weckt das Reisefieber und organisiert Fahrstunden an spektakulären Plätzen dieser Welt. Im Sommerprogramm für 2008 geht es etwa nach Marokko, Island, Südafrika und Namibia. Auch hier sichert die rechtzeitige Anmeldung eine Teilnahme (Tel. 0800/8938368).
Mercedes-Benz bietet Offroadreisen, bei denen die Teilnehmer „abseits von ausgetretenen Wegen und vom Massentourismus“ eine Mischung aus Offroadfahren, Kultur und Urlaub erleben können. Für Geländewagenfahrer mit Fernweh geht es zum Beispiel zu einem Dünenfahrtraining in die tunesische Sahara, zu einer Australienreise quer durch den Kontinent oder in die Mongolei, mit einer Anreise im Auto durch Russland (Tel. 07732/970147). Je exotischer und ausgefallener die Ziele sind, desto tiefer dürfen die Teilnehmer in die Tasche greifen. Die 30-tägige Reise ins australische Outback mit Übernachtung in Zelten kostet für zwei Personen rund 25 000 Euro.
Dass man auch mit weniger Geld eine Menge Spaß haben kann, beweist BMW mit dem Mini Driver Training. Das Training auf dem Flugplatz in München – von 8 bis 18 Uhr – zum Preis von 350 Euro ist ein echter Geheimtipp, zu dem nicht nur Minifahrer aus ganz Deutschland anreisen. Bei den Brems- und Ausweichmanövern sowie Notspurwechseln im innerstädtischen Geschwindigkeitsbereich erfahren die Teilnehmer mit einem Mini Cooper S die physikalischen Grenzen des Automobils und können ihr Fahrzeug in Gefahrensituationen besser unter Kontrolle behalten. Abschluss und Höhepunkt des eintägigen Lehrgangs ist der Mini Contest. Bei diesem Slalomkurs-Wettkampf ist nicht etwa pure Geschwindigkeit gefragt, sondern das sichere Gefühl dafür, bei welchem Tempo und auf welcher Linie sich der Wagen am schnellsten und elegantesten durch den Parcours bewegen lässt.
Vom Anfänger bis zum Könner
Automobilclubs wie ADAC oder AvD und die großen Autohersteller bieten eine breite Vielfalt unterschiedlicher Fahr-, Erlebnis- und Sicherheitstrainings an. Allein bei BMW sind es über zwanzig
verschiedene Arten von Fahrveranstaltungen.
Wer daran teilnehmen möchte, sollte möglichst früh buchen, viele Veranstaltungen sind schnell ausgebucht. Informationen und Anmeldungen über die Internetseiten der Automobilclubs und Autohersteller.
Beispiele für Autofahrertrainings (BMW):
- Fahrsicherheitstraining: Kompakttraining, Aufbautraining, Intensivtraining, Perfektionstraining
- Spezialtraining: Basis-Security- Fahrertraining, Aufbau-Security-Fahrertraining, Intensiv-Security-Fahrertraining, Economytraining, Wintertraining für Berufsfahrer, Efficient-Dynamics-Fahrertraining
- Rennstreckentraining: Aufbautraining M, Intensivtraining M, Perfektionstraining, Faszination Rennstrecke, Streckentraining
- Erlebnisreisen: Namibia
- Off-Road-Training: All-Road-Training, Off-Road-Training
- Wintertraining: ein oder zwei Tage in Lungau, Sölden, Anttila, Arjeplog
Preise (Beispiele VW):
- Eco-Training: ca. 150 Euro
- Intensivtraining: ca. 350 Euro
- Eintägiges Offroadtraining: ca. 400 Euro
- Gespanntraining: ca. 650 Euro
- Sportliches Fahrtraining: ca. 600 Euro
- Grundkurs m. Übernachtung: ca. 600 Euro
- Aufbaukurs, zwei Tage: ca. 1400 Euro






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