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Querstreber

Der Barock-KGB

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Warum Schlossgegner alles tun, damit das Berliner Schloss kommt. | Roland Stimpel

Barock, barocker: Vom Palast der Republik zum Stadtschloss

Schon gemerkt, wie ähnlich die Namen Wladimir Putin und Wilhelm von Boddien klingen? Kein Wunder: Russlands Demokratielenker und der Berliner Schlosslenker sind geistig verwandt. Putin hat früher beim KGB gewühlt, Boddien unterwühlt nach KGB-Manier seine Gegner. Wir enthüllen sein Geheimprojekt „Gelenkte Monarchie“.

Zuerst musste Boddien den Palast der Republik schlechtmachen. Dafür bot sich die PDS an. Die Genossen um seinen Agenten Thomas Flierl manipulierten mit Erfolg das Palastimage: weg vom Haus der Volksnostalgie, hin zur DDR-Sehnsucht. Da fiel den anderen Parteien der Abriss leicht. Als Nächstes schickte er Leute in die Feuilletons: „Lasst die Klischees triefen! Stopft eure Texte mit Disney, Kaiser Wilhelm, Schlossgespenstern und Gespensterschloss. Und ab und zu mit Nazis. Seid so penetrant, dass irgendwann keiner mehr den Rest ernst nimmt.“ Ähnlich beim jüngsten BDA-Positionspapier zu Rekonstruktionen. Dessen Thesen sollten nicht zu stark wirken; also schummelten die Spione an den Schluss eine Prise Bizarres. „Ganze Epochen aus dem Geschichtsbild verbannt“ – das verdankt der BDA der Sprachgiftküche Boddiens.

Eine offene Flanke sind die Fassadenspenden. Hier hilft ihm der Architekt Philipp Oswalt. „Wettere gegen mich, aber mach dich immer angreifbar!“, instruierte ihn Boddien. Jetzt schrieb Oswalt in der „Bauwelt“ so, dass der Schlossverein eine ganzseitige Gegendarstellung erzwingen konnte. Zum Wettbewerb schließlich aktivierte Boddien seine Leute im Bauministerium. Sie streuten für die Jurybesetzung Namen moderner Architekten und deuteten an, dass die beiden Bundestagsbeschlüsse nicht so ernst zu nehmen seien. Eine Provokation natürlich, damit Regierungspolitiker ihre Barockvorgabe noch mal klar in die Ausschreibung drückten. Und die Jurybesetzung Richtung Traditionalismus verschoben wurde.

Zum Schluss ein Geständnis: Boddien hat auch uns eingespannt – über Falk ­Jaeger, der im Januar zum Boykott des Wettbewerbs ermunterte. Jetzt sind dort die Rekonstruktionsfans fast unter sich; kaum ein Moderner bringt die Jury in Versuchung. Das hätte Putin nicht besser hingekriegt.

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