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Master Internationale Innenarchitektur

Länderübergreifend lernen

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Der Fachbereich Innenarchitektur der Stuttgarter Hochschule für Technik zeigt, wie der Master wirklich zu einem internationalen Abschluss wird. | Nils Hille

Unter der Brücke speisen: In einem Workshop in Istanbul entwickelten die Studenten ein Konzept für die Galata-Stahlbrücke, deren Reste an den Ufern des Bosporus lagern: Sie planten ein Restaurant ein.

Ein solches Zeugnis beeindruckt jeden, fast egal, welche Noten darauf zu lesen sind: Gleich fünf Hochschulen unterzeichnen dem „International Master of Interior Architectural Design“ (IMIAD) das Abschlusszertifikat. Dabei stammt jede Signatur aus einem anderen Land. Neben der Stuttgarter Hochschule für Technik (HfT) platzieren Universitäten aus Schottland, Finnland, der italienischen Schweiz und der Türkei Stempel und Unterschrift auf der Urkunde.

Schon zu Diplomzeiten pflegte die HfT gute Kontakte ins Ausland. Damals fanden einige Projektwochen in Ko­operationen statt. Da lag die Idee zu diesem länderüber­greifenden Masterangebot nahe. Auch die überschaubare Größe mit maximal 60 Bachelor- und 20 deutschen Masterstudenten empfanden die Initiatoren als ideal für ein auf internationalen Austausch ausgelegtes Angebot.

Beim ersten Durchgang des IMIAD hat dieses Konzept wunderbar funktioniert. Alle 15 Absolventen konnten eine Anstellung finden, so Professorin Diane Ziegler. „Die Teilnehmer können sich mit ihrem internationalen Hintergrund auf dem Markt viel besser positionieren.“ Ein Viertel der Gruppe ist nach den zwei Jahren Studium ins Ausland gegangen – oder manchmal: zurückgekehrt. Denn das zweite der vier Semester erleben die Lernenden im Ausland, bei einer der Partnerhochschulen. In diesen Monaten besuchen Masterstudenten aus den vier anderen Ländern die Stuttgarter Hochschule. An allen Hochschulen läuft die Verständigung dann auf Englisch.

Gemeinsame Sache

Zu Beginn des dritten Semesters lernen sich alle Teilnehmer der fünf Hochschulen kennen. Die Studenten treffen für zwei Wochen in einem der Teilnehmerländer zusammen. Beim gemeinsamen Workshop trainieren sie die internationale Kooperation an konkreten Projekten. Letztes Jahr waren drei Orte in Istanbul ihre Aufgabe: Für eine Brücke, ein Hamam und ein Wohnquartier waren Lösungen gefordert. Dieses Jahr geht die Reise nach Lahti in Finnland. Dort setzt Ziegler auf ein ganz anderes Arbeiten, denn die Kooperationspartner wurden nach möglichst unterschiedlichen Profilen ausgewählt. Hierdurch soll die inhaltliche Vielfalt der Ausbildung unterstützt werden.

Ansonsten sind die Lernenden an ihrer Stammhochschule anzutreffen: Im ersten Semester behandeln sie ein komplexes Gestaltungsprojekt, bei dem sie entwurfsrelevante Faktoren aus Technik, Marketing und Kommunikation berücksichtigen müssen. Nach dem Auslandsaufenthalt und vor der Master-Thesis im vierten Semester stehen die Module ­Gestaltung im Detail, berufsbezogenes Management sowie Wissenschaft und Mensch auf dem Stundenplan. Unter Letzteres fallen ­Soziologie, Psychologie, Philosophie und Ethik.

Die Bachelor kommen

„Unsere wirkliche Klientel ist noch nicht da“, sagt Ziegler. Damit spielt die Professorin auf die Umstellung zum Bachelor-Master-System an. Momentan sind die Studenten von der HfT vor allem Diplomanden, die sich weiter spezialisieren oder „internationalisieren“ wollen. Zum nächsten Bewerbungsschluss  haben jetzt die ersten Architekturstudenten in Stuttgart den Bachelor in der Tasche. Auch von immer mehr anderen deutschen Hochschulen kommen nun die neuen Absolventen auf den Markt. Ziegler rechnet für den IMIAD mit allein 40 bis 60 Bewerbungen aus dieser Gruppe. Auch aus dem Ausland, von nicht am Programm beteiligten Ländern, kommen Bewerbungen. Die Kandidaten müssen jedoch neben der englischen auch die deutsche Sprache gut beherrschen, da die nationalen Teile des Studiums auch in der hiesigen Landessprache unterrichtet werden.

Insgesamt wählt Ziegler mit ihren Kollegen bis zu 20 Teilnehmer aus. Das Ganze geschieht sehr sorgfältig, so die Professorin, „denn schließlich bilden wir zu Projektleitern mit Führungsaufgaben aus.“ Das Verfahren ist dabei klassisch. Zuerst senden die Bewerber eine Mappe ein, die das bisherige Spektrum zeigt. „Wichtig ist dabei, dass für uns ein Raumbezug zu erkennen ist. Und das technische Wissen, also wie Grundrisse, Schnitte und Ansichten auszusehen haben, sollte deutlich werden.“ Zu der schriftlichen Bewerbung gehört auch ein Motivationsschreiben auf Deutsch und Englisch. Im zweiten Schritt, dem Gespräch, werden vor allem die Beweggründe für das internationale Angebot hinterfragt. „Einige Bewerber waren vorher nicht einmal auf unserer Homepage“, musste Ziegler feststellen. Von den neuen Kandidaten verspricht sie sich eine höhere Qualität der Bewerbungen.

Jetzt überlegen die Stuttgarter, den Kreis der Kooperationspartner zu erweitern. Immer wieder klopfen andere Hochschulen an. Aus Indien, den USA sowie China kamen konkrete Anfragen. Ziegler: „Wir laden die ­Dozenten erst einmal mit einigen Studenten ein, an der Projektarbeit teilzunehmen. Dabei können wir dann ihre Art und Arbeit kennenlernen. Nur wenn das passt, denken wir über eine Aufnahme nach.“


International Master of Interior Architectural Design

Abschluss: Master of Arts
Ort: Hochschule für Technik Stuttgart
Dauer: 4 Semester
Voraussetzungen: abgeschlossenes Bachelor- oder Diplom Studium, gute Englischkenntnisse
Start: Ende September 2008
Bewerbungsfrist: 15. Juli 2008
Internet: www.imiad.org

IMIAD-Partnerhochschulen

  • Edinburgh College of Art – Schottland
  • Istanbul Technical ­University – Türkei
  • Lahti University of ­Applied Sciences – Finnland
  • Lugano Scuola Universitaria Professionale – italienische Schweiz

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