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Kammern und Messen

Messen nach Maß

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Architekten präsentieren sich mit Erfolg auf Verbraucher-, Fach- und Immobilienmessen. Ein Stand auf der Mipim, die Bauherren aus aller Welt anzieht, wird von Regierung und Kammern unterstützt. | Michael Sudahl

Expo Real München: Aufmarsch der Stadtmodellierer – Dubai leuchtet.

Ist Architektur ein Messethema? Auf der Expo Real wird die Frage immer wieder neu mit Ja beantwortet. Sie ist eine der größten Fachmessen für Gewerbeimmobilien in Europa, von deren Besuchern ein Drittel aus dem Ausland kommt. So suchen etwa russische Investoren deutsche Architekturbüros, deren Know-how sie sehr schätzen. Überdies genießt die Expo Real den Ruf, eine Arbeitsmesse zu sein. Nach den drei Tagen, in diesem Jahr vom 6. bis zum 8. Oktober, gehen viele Aussteller mit Aufträgen in der Tasche nach Hause. Zu ihnen wollen auch die 111 Büros gehören, die unter der Ausstellerkategorie „Architekten und Stadtplaner“ bei der Messegesellschaft gelistet sind. Diese rechnet wieder mit mehr als 20 000 Besuchern auf den 60 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Das kann für manchen Architekten eine gute Plattform zur Geschäftsanbahnung sein. Zu den ausstellenden Büros in diesem Jahr gehören HWP aus Stuttgart, Koch Architekten aus Düsseldorf und Albert Speer aus Frankfurt am Main. Seit Jahren mit einem Gemeinschaftsstand dabei sind die Architektenkammern vieler Länder sowie die Bundesarchitektenkammer. Eine der weltweit größten Immobilienmessen ist die Mipim (Marché International des Professionnels de l’Immobilier) im südfranzösischen Cannes, das nächste Mal vom 10. bis 13. März 2009. Im Gegensatz zu München ist die Mipim keine reine Fachmesse. Unter der milden mediterranen Sonne und der Luxusatmosphäre zwischen Strand und Yachthafen ist die Mipim-Teilnahme zu einem Frühjahrsritual der internationalen Immobilienbranche gewachsen. Hier werden Wolkenkratzer, Stadtteile und Seniorenvillen von Bahrain bis Krasnodarsk durchgeplant und visualisiert. Eintrittspreise und Standmieten entsprechen Ambiente und Anspruch. Architekten aus Deutschland können sich jedoch zu günstigen Konditionen auf der Mipim präsentieren. Die Bundesarchitektenkammer organisiert mit ihrem Netzwerk Architekturexport NAX einen Gemeinschaftsstand, den das Wirtschaftsministerium aus seinem Auslandsmesseprogramm 2009 unterstützt.

Messekenner bestätigen, dass sich dies lohnt – etwa der Darmstädter Architekt Paul Schröder, der in Cannes Inves­toren und potenzielle Bauherren trifft. Der 58-Jährige sucht seit Jahren Immobilienmessen auf und führt dort täglich mehr als zwanzig Gespräche. „Daraus resultieren im Schnitt ein bis zwei Aufträge“, berichtet Schröder. Ein Beispiel für solch ein Mammutprojekt ist das „Senior Housing“ in Pavlovsk. Die Seniorenresidenz plant Schröder in einem Vorort von St. Petersburg in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer der ehemaligen Residenzen der russischen Zaren. Der Komplex hat eine Bausumme von 100 Millionen Euro.

Wer eher regional orientiert ist, sollte mit der Architektenkammer seines Landes reden. In Niedersachsen beispielsweise besucht die Kammer in diesem Jahr sechs regionale Verbraucher- und Energiemessen. Presse- und Öffentlichkeitsreferentin Meike Alonso: „Wir laden seit drei Jahren die Mitglieder ein, auf unserem Stand mitzumachen.“ Die Kammer wirbt auf den Messen für den Berufsstand insgesamt. Mehr als 150 freie Architekten nutzen dieses Jahr die Chance des gemeinsamen Auftritts, um auch in Einzelgesprächen auf sich aufmerksam zu machen. Wenn zum Beispiel auf dem Messegelände von Hannover vom 18. bis zum 26. Oktober neun Tage lang die Einkaufs- und Erlebnismesse infa mit Zehntausenden Besuchern stattfindet, werden wieder viele Mitglieder das kostenfreie Mitmachangebot der Kammer nutzen, weiß Meike Alonso.

Sie betont aber, dass es dort entscheidend auf gute und offensive Selbstdarstellung ankomme. Man müsse sich schon trauen, Messebesucher direkt anzusprechen und für die Dienstleistung der Architekten zu begeistern. Alonsos Rat: Drei Argumente, warum Bauherren mit einem Architekten arbeiten sollen, müssen die Standbetreuer sofort parat haben.

Eine Alternative zu Verbraucher- oder Immobilienmessen können Fachmessen sein. Guido Körkel aus Heidelberg, spezialisiert auf Alten- und Pflegeheime, stellt auf der wechselweise in Nürnberg und Hannover stattfindenden Messe „Altenpflege + pro Pflege“ aus. Für seinen neun mal neun Meter großen Eckstand zahlt er 2.000 Euro Gebühr. Hinzu kommen 1.000 Euro Spesen und ein Leihtransporter für 700 Euro sowie als Startinvestition 3.000 Euro für den Messestand, der jedes Jahr wieder einsetzbar ist. Im November will der 37-Jährige auch auf die Medica, die Fachmesse für Medizin in Düsseldorf. „Klar gibt es auf Fachmessen viel Laufpublikum“, sagt Körkel. Dennoch sei von den täglich fünf Gesprächen mit Klinikbetreibern, Chefärzten oder Heimleiterinnen ein Drittel fruchtbar. Für das Marketing spielen die Messeauftritte neben den Referenzen eine entscheidende Rolle, ist sich Körkel sicher. Die Aufmerksamkeit der Besucher zieht er mit einem Grundriss auf sich, der dem Inneren eines Wankelmotors gleicht: Drei geschwungene Gebäuderiegel bilden ein gleichschenkliges Dreieck, dessen Seiten gebogen sind. „Das wird vom Dr.-­Schmeisser-Stift in Eberbach aktuell als Seniorenzentrum gebaut. Und der Grundriss wirkt wie ein Magnet“, freut sich Körkel.

Trotz Globalisierung und Internet haben Messen ihren Sinn. Ihr Vorteil gegenüber der virtuellen Welt ist der direkte Kontakt. Im Gespräch unter vier Augen können Architekten punkten – egal ob internationaler Branchentreff oder regionale Verbrauchermesse.

Ausstellen auf der Mipim

Am Gemeinschaftsstand der Bundesarchitektenkammer und ihrem Netzwerk Architekturexport NAX können sich noch weitere Architekten beteiligen.

Michael Sudahl ist freier Wirtschaftsjournalist in Stuttgart.

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