Für den Versand großer Plan- und Bilddateien taugen manchmal weder Mails noch CD-ROMs. Doch es gibt Alternativen im Internet. | Eric Sturm
Dateiversand per E-Mail ist auch bei Architekten und Planern der gängigste Weg. Doch es gibt Tücken: Wer Mails mit zu großen Dateianhängen versendet, riskiert, dass seine Nachricht den Empfänger nicht erreicht. Je nach E-Mail-Server auf Empfängerseite kann es vorkommen, dass Dateien nicht zugestellt werden, die größer als zehn, zwölf oder 15 Megabyte sind. Auch wenn die Empfänger – zum Beispiel in ländlichen Gebieten – nicht mit einer breitbandigen Internetverbindung wie DSL am Netz sind, macht man sich mit derart großen E-Mail-Anhängen keine Freunde.
FTP-Server statt E-Mail-Versand
Als Alternative blieb in der Vergangenheit lediglich das Brennen der Dateien auf CD-ROM oder DVD. Durch den zeitlichen und finanziellen Aufwand für Verpackung und Versand ist dies jedoch auf Dauer kein befriedigendes Verfahren, hinzu kommen mitunter lange Laufzeiten für den Post- und Kurierversand und ein gewisses Verlustrisiko. „Bis vor Kurzem habe ich alles gebrannt und per Kurier verschickt. Dabei ging viel Zeit verloren“, sagt der Architekturfotograf Victor Brigola. Seit Anfang des Jahres nutzt der 36-jährige Berliner einen FTP-Server zur Bereitstellung von Daten für seine Kunden (FTP = File Transfer Protocol). Voraussetzung dafür ist die Anmietung von Speicherplatz im Internet, der heutzutage jedoch recht günstig zu mieten ist. So sind zum Beispiel für ein Gigabyte (GB) monatlich circa fünf Euro zu bezahlen. Beim FTP-Verfahren werden die Dateien mit einem FTP-Programm auf einen Server geladen. Die FTP-Programme sind entweder kostenlos oder für rund 30 bis 50 Euro erhältlich. Die in den Datenaustausch eingebundenen Projektpartner können – je nach Zugriffsrechten – ebenfalls mit einem FTP-Programm (ähnlich wie vom „Windows Explorer“ gewohnt) auf ein oder mehrere Ordner zugreifen und sich die gewünschten Daten per Doppelklick herunterladen. Ungeübte Computernutzer kann der Datenzugriff per FTP-Programm jedoch überfordern. In die en Fällen gibt es eine Alternative, die zum Beispiel Thomas Steinhart vom Stuttgarter Büro Blocher Blocher Partners nutzt: Er schickt den Empfängern direkte Links auf einzelne Dateien mit dem Hinweis: „Durch Anklicken des Links können Sie die Daten ohne weitere Einstellungen einfach herunterladen.“ Für den Empfänger, sagt Steinhart, sei dies die komfortabelste Art des Empfangs von sehr großen Datenmengen. Er weist aber auch auf einen Nachteil bei der Nutzung von FTP-Servern hin: „Der Aspekt der Dokumentation bleibt hier auf der Strecke.“
Dokumentation im virtuellen Projektraum
Um eine lückenlose Dokumentation der Planbereitstellung und des Planempfangs zu garantieren, werden bei mehr und mehr Bauprojekten „virtuelle Projekträume“ eingesetzt. Dirk Risse, Fassadenplaner in Falkensee in Berlin: „Damit stehen allen Beteiligten – Zugriffsrechte vorausgesetzt – immer die aktuellsten Pläne zur Verfügung.“ Doch der Ingenieur hat nicht nur positive Erfahrungen mit Projekträumen im Internet gemacht: „Dadurch dass die Pläne immer aktuell sind, halten es die Einsteller häufig nicht mehr für nötig, die ausführenden Gewerke auf Planungsänderungen hinzuweisen, die diese Gewerke betreffen.“ Dirk Risse sieht hier das Projektmanagement gefordert, auf eine ausreichende Kommunikation zwischen den Nutzern zu achten. Für Thomas Steinhart bietet der Einsatz von Projekträumen eine Möglichkeit zur Qualitätssicherung in der Planung von Bauprojekten: „Insbesondere für unseren Auftraggeber ist dies ein entscheidender Vorteil, denn er hat im Anschluss alle für das Projekt relevanten Zeichnungen in einer Nomenklatur vorliegen.“
Eric Sturm ist Webdesigner und Publizist in Berlin.




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