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Leserbrief

My home is my castle

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Die Beiträge „Sinfonie der Vorstadt“ (Robert Kaltenbrunner) und „Heimarbeiten“ (Roland Stimpel) greifen getrennt eine untrennbare funktionale und ästhetische gesellschaftliche Aufgabe auf, die der siedlungs- und hochbaulichen Neu- und Umgestaltung unserer Umwelt.

Besonders am Beitrag „Sinfonie der Vorstadt“ wird deutlich, wie sich das Berufsbild und Verständnis des Planers in 40 Jahren offensichtlich gewandelt hat: weg vom „sozialen Imaginator“ wie ihn Siegfried Giedion und das Bauhaus gefordert haben: hin zum intellektuellen modernisierenden Erfüllungsgehilfen politisch durchgesetzter bürgerlicher Leitbilder und Gewohnheiten, die selbst nicht mehr hinterfragt werden.

Um es nochmals zu wiederholen:
Die überwiegende Mehrzahl der Einfamilienhaussiedlungen, die ursprünglich nur die ländlichen Regionen mit ihren Dörfern, Grund- und Mittelzentren prägten und die nun vermehrt den Rand der Oberzentren einnehmen, sind
- keine Zeugnisse eines gezielten Städtebaus und
- keine Beiträge zu einer nachhaltigen und ökologischen Nutzung des Produktionsfaktors „Boden“.

Sie sind vielmehr das beklagenswerte Resultat eines unprofessionellen kommunalen Umgangs mit dem bestehenden Planungs- und Baurechtsinstrumentarium, eines ausschließlich kommerziellen Bezugs der Besitzer des Bodens und einer fehlgeleiteten gesellschaftlichen Vorstellung von einer „My Home Is My Castle“-Ideologie.

Der Hinweis auf eine gänzlich unterschiedliche Wertigkeit eines landschaftlich oder ökologisch landwirtschaftlich genutzten Bodens gegenüber monogenutzten versiegelten, teilweise Umweltgifte transportierenden verkehrs- oder baugenutzten Bodens wäre an dieser Stelle nicht erforderlich, hätte der Autor nicht die erstaunliche Frage nach den „unmittelbaren Gefahren“ gestellt, die „vom Zuwachs an Verkehrs- und Siedlungsflächen für den Boden als Ressource ausgehen“.

Nachdem die beiden weiteren Produktionsfaktoren „Arbeit“ und „Kapital“ mehr oder weniger wegzubrechen drohen, bleibt eben nur noch der „Boden“ und damit „Landschaft und Freiraum als Versprechen einer geordneten Zukunft“. Um so wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang der Besitzer, der Kommunen, der Behörden und der Planer mit diesem Gut!

Die politische Bedeutung des Einfamilienhauses als wirksamster Grundbaustein der Dorf- und Stadtrandsiedlungen wird im Beitrag „Heimarbeiten“ überzeugend nachgewiesen. Nur, dass dieses heterogene, fast ausnahmslos ohne stadträumliche Konzepte räumlich zugeordnete individuelle Häuserangebot ein zu optimierendes „Potential“ darstellen soll, das über die „Allround-Beratung von Planern“ zu heben wäre, kann kaum nachvollzogen werden.

Aus eigener Erfahrung kann bestätigt werden, dass die Furcht der Kommunalvertreter vor einem fehlenden Kaufinteresse der Bauherren soweit geht, dass nicht einmal eine Südausrichtung paralleler traufenständiger Dachlandschaften bauleitplanerisch durchsetzbar erscheint, da bereits diese bescheidene, aber notwendige Maßnahme für eine effiziente alternative Energienutzung als Eingriff in die Gestaltungsfreiheit der Bauherren gedeutet werden kann.

Die nachweisbaren zahlreichen Bemühungen von Planerkollegen und eine siedlungsgenetische, d.h. den Formenkanon der bestehenden Dorf- und Stadtform interpretierende, ökologische, soziologische, ökonomische und freiraumgestalterische Aspekte berücksichtigende städtebauliche Planung neuer Baugebiete sind entweder an der fehlenden kommunalen Risikobereitschaft und/oder am Selbstdarstellungswunsch einer multikulturellen Bauherrenschaft – welcher Herkunft und gesellschaftlicher Zugehörigkeit auch immer – gescheitert.

Ohne ein öffentliches und privates Bewusstsein für die Notwendigkeit auch der siedlungs- und hochbaulichen Darstellung eines demokratischen Gemeinwesens durch Anpassung und Einbindung in verbindliches allgemeines Gestaltungskonzept, ist keine Änderung des Status Quo erreichbar. Ein solcher Bewusstseinswandel kann nur durch entsprechende Hinweise aus dem Elterhaus und aus dem Lehrangebot der Schulen bewirkt werden.

Prof. Dr.-Ing. Joachim Grube


Diese Meinung bezieht sich auf: Sinfonie der Vorstadt erschienen in: DAB 02/09, Seite 14

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