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Objektbericht

Denkmalschutz-Premiere

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Dünnschichtphotovoltaik: Das Unesco-Weltkulturerbe Völklinger Hütte erhält ein Solardach.

Vor zehn Jahren brachte Alwitra als erster Hersteller eine Dachabdichtungsbahn mit integrierter Dünnschichtphotovoltaik auf den Markt. Anfangs mit Skepsis aufgenommen, sind die Evalon Solar genannten Dachbahnen mittlerweile bei europaweit über 1 000 Objekten verbaut. Vor allem in den vergangenen Jahren häuften sich die Anwendungen – eine der bedeutendsten ist die im Zuge der Denkmalsanierung der um 1900 entstandenen Völklinger Hütte im vergangenen Jahr. 1994 hatte die Unesco die ehemalige Roheisenproduktion des saarländischen Eisenwerks zum Weltkulturerbe erklärt.

Lang und ergiebig: Das Photovoltaikdach der ehema­ligen Gebläsehalle der Völklinger Hütte könnte 30 Einfamilienhäuser für ein Jahr mit Strom versorgen.

Herz der Anlage ist die 6 000 Quadratmeter große Gebläsehalle, auf deren Dach – zum ersten Mal bei einem Unesco-Industriekulturgut – eine Photovoltaikanlage installiert werden konnte. Die allgemeine Energiediskussion, die vielfach angemahnte Nutzung regenerativer Energien bei öffentlichen Einrichtungen und die jährlichen Energiekosten des Weltkulturerbes waren die Gründe, die den Bauherrn, die Trägergesellschaft Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur GmbH, veranlassten, sich für die Solaranlage einzusetzen. Zumal der Standort sich für eine Solarnutzung gut eignete – schon konservative Ertragsberechnungen zeigten, dass mit zwei denkbaren Solardächern auf den größten Gebäuden der Hütte, der Gebläse- und der Lagerhalle, rund ein Siebtel der jährlichen Energiekosten durch Einspeisung in das öffentliche Stromnetz vergütet werden könnte.


Die Gebläsehalle
ist mit der Hochofengruppe das wichtigste Objekt des Denkmalensembles Völklinger Hütte. In der Ausweisung als Weltkulturerbe wurde sie explizit erwähnt; Grund ist der einmalige Bestand an historischen Großgasmaschinen. Architektonisch ist sie eine klassische Maschinenhalle der ­Jahrhundertwende mit Rundbogenfenstern. Im Innenraum prägen original erhaltene Fußbodenfliesen, gusseiserne Geländer­elemente und ein Wandfries in Schablonenmalerei die Hallenatmosphäre. Für den Denkmalschutz war dementsprechend wichtig, dass zum einen Sanierung und Dachumgestaltung keine Einbauten im Inneren der Halle voraussetzten und zum anderen weiterhin eine einheitliche Optik der Dachflächen sichergestellt war. So kam nur eine flächenbündig in die Dachbahn integrierte Solaranlage infrage, die das Dach auch sicher abdichtet. Zudem musste sie eine festgelegte Farbe haben und die Photovoltaikmodule durften nicht als rechteckige Elemente erkennbar sein.


Die Solaranlage
auf dem Dach der Gebläsehalle umfasst eine Fläche von 2 772 Quadratmetern und besitzt 440 multifunktionale Solardachbahnen mit PV-Modulen. Sie erzeugen rund 105 000 kWh pro Jahr – was dem Strombedarf von etwa 30 Einfamilienhäusern entspricht. Die auf die Dachbahnen auflaminierten Solarmodule basieren auf der Dünnschicht-Triple-Junction-Technologie – drei übereinanderliegende Schichten an Siliziumzellen nutzen jeweils unterschiedliche Wellenlängen des Sonnenlichts. Das ermöglicht hohe Leistungen und konstante Erträge. Dank ihrer integrierten, gleichmäßig matten, schwarzblauen PV-Module besitzt die Evalon-Solar dachbahn eine ausreichende optische Nähe zur bisherigen bituminösen Abdichtung. Und mit einem Flächengewicht von 4 kg/m2 eignet sie sich auch für statisch ausgereizte Dächer.

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