Im Beitrag „Der Schöngeist und das Biest“ (DAB 8/09) habe ich einen umgangssprachlichen Ausspruch vermisst. Darin heißt es: „Was ist schlimmer, als zu verlieren? Siegen!“ Natürlich ist das böse und überdies unverdient, denn Siegen ist ein „Aschenputtel mit Potenzial“. Dass dieses nun erforscht beziehungsweise wiederentdeckt wird, ist löblich. Dazu gehört auch die bereits im Bau befindliche Wiederöffnung und Renaturierung der Sieg und ihrer Zuflüsse. Sicher erst ein Anfang, aber eine Baustelle (die im August 2009 bereits existiert) ist doch schon mehr als eine Idee oder ein Plan. Der verbliebene Rest der „Siegplatte“ hat neben seiner Funktion als Pkw-Stellplatz auch weitere Aufgaben: Er ist Festplatz, potenzieller Ort für (politische) Demonstrationen, Maikundgebungen und Veranstaltungen (wir haben gerade Wahlkampf) oder Märkte. Siegen hat nicht viele öffentliche Plätze und innerstädtische Freiräume zu bieten. Die Siegplatte mit ihren beiden auf den Sockel gehievten Bronzeskulpturen (Hüttenarbeiter), einer minimalistischen, gärtnerischen Gestaltung und den angrenzenden, baumbestandenen Freiräumen vor dem Apollo-Theater und zur Fußgängerzone (Bahnhofstraße) hin bildet einen großen Platz inmitten des engen Siegtals mit Straßen, Bahnlinie und dichter Bebauung. Wer die Siegplatte nun abreißen will, muss im gleichen Atemzug einen adäquaten öffentlichen Freiraum als Ersatzforum anbieten und die Frage klären, wie Unter- und Oberstadt auch weiterhin durch ein bauliches Konnektiv miteinander verbunden bleiben.
Thomas Herrgen, Landschaftsarchitekt und Fachjournalist
Diese Meinung bezieht sich auf: Der Schöngeist und das Biest erschienen in: DAB 08/09, Seite 20


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