Stimmung und Lage freischaffender Architekten sind gut – und ihr Auftragspolster ist angenehm dick | Erich Gluch
Das Geschäftsklima bei freischaffenden Architekten hat sich erneut verbessert, wie die vierteljährliche Umfrage des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung ergab. Das Klima hat sich seit rund fünf Jahren ganz behutsam und unterbrochen von zwei Rückschlägen aufgehellt und darf nun als „gut“ bezeichnet werden. Allerdings hinkt ein Drittel der Bundesländer der positiven Entwicklung noch hinterher.
Der Anteil der Befragten, die ihre aktuelle Lage als „gut“ bezeichneten, stieg gegenüber dem Vorquartal nochmals leicht von 33 auf 36 Prozent; der Anteil der „Schlecht“-Meldungen schrumpfte jedoch gleichzeitig von 29 auf 24 Prozent. Der Optimismus im Hinblick auf die Geschäftserwartungen blieb erhalten, obwohl ein etwas geringerer Teil der freischaffenden Architekten im dritten Quartal 2009 neue Verträge abschließen konnte: Zuvor waren es 54 Prozent gewesen, jetzt noch 53.
Berücksichtigt man, dass die Auftragseingänge im dritten Quartal in den Urlaubsmonaten Juli und August meist schwächer ausfallen, so kann von einer recht stabilen Vergabesituation gesprochen werden. Das geschätzte Bauvolumen aus den neu abgeschlossenen Verträgen (Neubauten ohne Planungsleistungen im Bestand) lag im Durchschnitt aller Bundesländer knapp zehn Prozent über dem Niveau des Vorquartals. Im Wohnungsbau war der Trend durchwachsen: Bei Mehrfamilienhäusern gab es einen geringen Rückgang auf ohnehin niedrigem Niveau. Dagegen stieg die Nachfrage nach Planungsleistungen für Ein- und Zweifamilienhäuser zum dritten Mal in Folge an, wenn auch nur um drei Prozent. Das insgesamt akquirierte Auftragsvolumen war so groß wie letztmals vor rund zweieinhalb Jahren. Der durchschnittliche Umfang der Planungsaufträge erhöhte sich in fast allen Bundesländern.
Im Nichtwohnbau gab es mit rund 17 Prozent einen kräftigen Anstieg. Bei gewerblichen Auftraggebern hatte es 2008 ein starkes Minus gegeben, 2009 nur noch ein kleines. Doch erreichte die Summe der gewerblichen Aufträge nur gut ein Drittel des Spitzenwertes von 2006. Die Ordertätigkeit öffentlicher Auftraggeber stieg weiter an. Gemessen am sehr niedrigen Niveau der Jahre 2003 bis 2005 hat sich ihr Vergabevolumen im Berichtsquartal sogar mehr als verdoppelt. Offensichtlich wirken hier die Konjunkturprogramme. Die Auftragsreserven erreichten sogar ein neues Hoch von durchschnittlich 5,5 Monate. Im Krisenjahr 2003 waren es nur 3,5 Monate.
Erich Gluch ist Wissenschaftler am ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München
Lesermeinung: 1


Diesen Artikel teilen: