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Leserbrief

„Gift“ für einen Holzboden

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Zunächst zu den physikalischen Randbedingungen: Es wird angenommen, dass sich auf der Bodenplatte sechs bis acht Zentimeter EPS-Wärmedämmung befi nden, dass die Raumtemperatur 20 °C beträgt und dass eine relative Luftfeuchte von etwa 50 % im Raum vorliegt. Weiter wird angenommen, dass im Betonboden ein ungünstiger Wassergehalt entsprechend 100 % relativer Luftfeuchte vorhanden ist. Aufgrund der Dämmung im Bodenaufbau stellt sich unter stationärer Betrachtungsweise auf dem Betonboden eine Oberfl ächentemperatur von etwa 10°C und unter dem Holzboden eine Temperatur von etwa 19°C ein. Der Dampfpartialdruck beträgt in diesem Fall 1228 Pascal bei 10°C und 100 % relativer Luftfeuchte und 1 240 Pascal bei 19°C und 53 % relativer Luftfeuchte. Wie aus den einfachen physikalischen Betrachtungen zu entnehmen ist, liegt somit kein nennenswertes Dampfpartialdruck-Gefälle vor. Eine fehlende Abdichtungsbahn (Dampfsperrbahn) auf dem Beton sowie Fehlstellen in der PE-Bahn haben für den betrachteten Fall folglich keinen wesentlichen Einfl uss auf den Diffusionsstrom. Wird die dampfbremsende Wirkung
der EPS-Dämmschicht (sd-Wert etwa zwei Meter) und zusätzlich die einer dünnen PE-Folie (sd-Wert etwa 20 Meter) berücksichtigt, besteht unter den oben zugrunde gelegten Randbedingungen folglich kein Grund zur Annahme, dass ein Holzboden wegen einer beschädigten oder fehlenden PE-Dampfbremsbahn Schaden nehmen könnte. Auch das Belegen
des Estrichs mit dampfdichten Materialien führt diesbezüglich nicht zu Schäden. Vorausgesetzt, die Wärmedämmung weist keine Sorptionseigenschaften auf, wäre somit selbst Tauwasserbildung auf der Bodenplatte unterhalb der Wärmedämmung unkritisch für den Bodenbelag. Fazit: Das Fehlen oder die nicht fachgerechte Verlegung einer Dampfbremsbahn mag zwar einen Mangeltatbestand und eine Abweichung von den technischen Regeln (DIN 18195, BEB-Richtlinien) darstellen, der Mangel muss aber nicht zwingend ursächlich für Wasserschäden an Bodenbelägen sein.
Zur Wärmedämmung: Die Beanspruchung der Bodenbeläge durch hohe Luftfeuchten aus einer Betonbodenplatte ist wesentlich von der Lage der Bodendämmung, das heißt genauer, von der Temperatur des Bereichs mit 100 % Luftfeuchtigkeit abhängig. Eine für Bodenbeläge kritische Luftfeuchte stellt sich daher dann ein, wenn die Dämmung ganz oder zum wesentlichen Anteil unter der Bodenplatte eingebaut ist und dadurch bedingt sich die Betontemperatur der Bodenbelagstemperatur annähert. In diesem Fall führen fehlende Dampfbremsen bei feuchteempfi ndlichen Belägen und/oder auch Belagklebern zu Feuchteschäden. Ebenso ungünstig wirkt sich aus, wenn eine Dämmung auf den Bodenbelag aufgelegt wird. Schließlich zur Baufeuchte: Hohe Raumluftfeuchten im Neubau oder auch nach Umbauten aufgrund von Baurestwasser aus Wänden oder Restwasser aus dem Estrich sind „Gift“ für einen Holzboden, der i. d. R. mit 9 % Holzfeuchte verlegt wird. Daher traue keiner CM-Messung, die nicht selbst durchgeführt wurde.

Axel Eisenblätter, Architekt, Siegburg


Diese Meinung bezieht sich auf den Artikel “Fußboden-Fallen” , erschienen in Ausgabe 1_2/2010, Seite 35

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