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Leserbrief

Städtetour Braunschweig

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Schon immer ahnte ich aus den bisherigen Reise- und Architekturberichtchen eine gewisse jugendliche Flapsigkeit und Unbedarftheit. Nun also der Braunschweiger Bahnhof … Haben Sie eigentlich ’was gesehen? Zum Beispiel die große, gläserne und elegante Bahnhofshallenarchitektur („Stadtfoyer“) oder wenn man auf den Bahnhofsvorplatz rausgeht, die eigenartige, ganz ­eigenwillige Bodenpflasterung (als „kahl“ ­beschrieben …)? Und dann rechts die grünen Anlagen, links – vor ein paar Jahren (nach J­ahrzehnten) von mir erst wiedergesehen: die schöne, wohlproportionierte Wohnhochhaus-Aufreihung von Krämer mittels damals neuartiger Fertigteilbauweise? In Ihrem Text heißt dieses Stadteingangsensemble „öde, breite Schneise“. Nun gäbe es mehr zu erzählen von qualitativ ganz ordentlicher Nachkriegsarchitektur an manchen Stellen oder dem Wiederaufbaukonzept der Traditionsinseln (immer noch ablesbar – trotz untraditionellem Shoppingschloss) oder gar von dem klassischen Krämer-Ensemble an der Universität. Ob nun die expressionistische Hochschularchitektur als von „nationalsozialistischer Architektur­ideologie“ kommend zu kennzeichnen ist, hätte man als Redakteur vielleicht auch nicht zitieren sollen, zumindest nicht ungeprüft – siehe Höger etc. (meines Wissens mochten die Nazis diese undeutsche Expressionismusarchitektur gar nicht!). Naja, enden wir hier und hoffen auf weniger pauschale Geschmacks- und Meinungsmacherei gegenüber älterem Kollegenwerk, auf weniger Blindheit über andere ­architektonischen Zeiten und -metiers (zum Beispiel Städtebau) und beim nächsten Bericht aus der Provinz auf ein bisschen weniger lässige Flapsigkeit und behäbige Unwissenheit und auf mehr Hinschauen auf das, was wirklich zu sehen ist.

Klaus Brendle, freier Architekt, Lübeck


Diese Meinung bezieht sich auf: „Versteckte Perle“ Ausgabe 11/09, Seite 48


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