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Leserbrief

DABkompakt „Schulen“

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Ich hoffe inständig, dass Sie recht behalten, dass die zur Architektur-„Mode“ erklärte (von wem eigentlich?) Betonkargheit, die sich mittlerweile über sämtliche Gebäudetypen auf der ganzen Welt erstreckt, endlich ein Ende findet! Fürwahr, die besuchte „eigene“ Schule prägt bis heute das erste, eigene Raumempfinden. Warum jedoch sollen Schüler, entgegen ihren eigenen Empfindungen, für scharfkantigen Sichtbeton Verständnis entwickeln? Ich bin der
festen Überzeugung, dass Schüler, die ihr innerstes, noch unvoreingenommenes, natürliches, noch nicht geprägtes Empfinden für Formen, Farben und Materialien nicht „verbiegen“ müssen, mündigere, empfindsamere Bürger mit großer Zivilcourage werden können. Leider sind jedoch die am Architektenmarkt etablierten, planenden und bauenden Architektengenerationen größtenteils nicht in der Lage, „sensibel auf die Bedürfnisse von Kindern“ einzugehen, geschweige denn, sie zu verstehen! Beton gehört dahin, wo er als Material sinnvoll ist: in den Keller.

Thomas Serwe, Architekt, Münster
Es ist erfreulich, dass Sie sich des Themas „Schulbau/Schulsanierung“ angenommen haben. Einen entscheidende Aspekt lassen Sie jedoch aus: die Be- und Entlüftung. Messungen in verschiedenen Städten, bewertet u.a. durch das Umweltbundesamt, haben ergeben, dass die Atemluft in deutschen Klassenräumen in der Regel gesundheitsgefährdend schlecht ist. Das ist auch kein Wunder: Bei 20 cbm/h Luftbedarf pro Kopf und heute weitgehend üblichen Doppelstunden ist der Luftvorrat in der Klasse nicht ausreichend. „Natürliche“ Lüftung über undichte Fenster gibt es in sanierten Schulen nicht. Die regelmäßige Stoßlüftung mit weit geöffneten Fensterflügeln ist im Normalfall auch nicht möglich, weil die Landesunfallkassen darauf bestehen, dass die Fenster nur Kipplüftung zulassen. Im Ergebnis gibt es entweder Klassenräume mit CO2-Konzentrationen weit jenseits von Gut und Böse, oder ständig auf „Kipp“ gestellte Fenster, die die Raumluft zwar verbessern (meist nicht ausreichend), aber natürlich eine energetische Katastrophe sind und aufwendige Dämmmaßnahmen ad absurdum führen. Bei ständig geöffnetem Fenster nützen Dreifachverglasung und ein dickes WDVS für die Außenwand nichts. Wenn man weiß, dass erhöhte CO2-Konzentration zu Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, nachlassender Merkfähigkeit, Kopfschmerz usw. führt, hätte man sich statt des Themas „Licht für helle Köpfe“ eher „Luft für helle Köpfe“ gewünscht.

Michael Hartwig, Architekt – Energieberater, Hamburg


Diese Meinungen beziehen sich auf DABkompakt 01/10 „Schulen“

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