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Leserbrief

Architektur-Fotografie

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Das bemerkenswerte Foto auf Seite 30 (hier) zeigt das Dilemma der akademischen Architektur: Diese hat sich verselbstständigt und hat mit dem Menschen nicht mehr viel zu tun. Menschen wirken darin wie Fremdkörper, verloren. Ihre Bedürfnisse sind nicht von Bedeutung. Immer mehr kann ich verstehen, dass die meisten Laien diese abstrakte Architektur bestenfalls noch bei Museen etc. akzeptieren, nicht aber für Wohnhäuser. Das Leben ist gottlob nicht gerade, steril und einfarbig. Gehe ich eine Stunde in freier Natur spazieren, fühle ich mich danach erfrischt und gestärkt, eine Stunde zu Fuß entlang der Autobahn bewirkt das Gegenteil. Bezogen auf die Wirkung von Architektur gilt das m. E. sinngemäß. „Spuren der Fantasie“ – ist auf einem Buchrücken im Foto erkennbar. Dieser letzte Rest freier Lebendigkeit wird hier aber von überdicken weißen sterilen Regalen im Zaum gehalten. Drumherum ist alles tot. Der Junge fühlt sich entsprechend. In welch einem Raum würde er wohl fröhlicher sein? Wir Architekten sind da leider ziemlich berufsblind. Schon im Studium wurden (werden?) wir auf „Bauhaus-Verherrlichung“ getrimmt. Später erklären uns Hochglanzmagazine und Architekturpreise konsequent diese Architektur als die einzig richtige. Dies dürfen wir hinterfragen. Am besten, indem wir uns in die unbefangene Wahrnehmung der Kinder hineinversetzen. Mehr Beschäftigung mit menschenkundlichen Themen tut Not!

Markus Pröhmer, freier Architekt, Stegen

Dieser Brief bezieht sich auf den Bericht über Architekturfotografie in Ausgabe 5/10, Seite 28

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