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Leserbrief

Ruhrmuseum in der Zeche Zollverein

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Den Aufsatz über die Zeche Zollverein „Kohlenwäsche und Designstadt“ habe ich mit Interesse gelesen und er hat mich nachdenklich gemacht. Genau eine Seite weiter schreiben Sie über das Urheberrecht – als ob es so gewollt war. Wie kann es sein, dass die Zeche Zollverein, nunmehr in aller Munde und von großer Bedeutung für den Wandel des Bewusstseins von Industriearchitektur so in den Hintergrund rückt und dass z. B. ihre Architekten Martin Kremmer und Fritz Schupp nicht einmal genannt werden? Die Zeche, bereits zu Lebzeiten des Architekten Fritz Schupp unter Denkmalschutz gestellt, scheint mehr und mehr ein dekorativer Hintergrund einer Bildsprache zu werden, in welcher das Wort Industriekultur an sich schon ausreicht, den Topos neu zu definieren. Das hat Frau Oevermann in ihrem Aufsatz richtig erkannt. Kann es sein, dass man den Anspruch der Architekten auf Urheberschaft eines nunmehr zum Weltkulturerbe ­ernannten Denkmals mit dieser Ernennung gleichsam ausgehebelt hat? Wer sind eigentlich die Erben? Wir alle oder eine Gruppe von Fachleuten? Dürfen die Entscheidungsträger dieses Erbteil gleich wieder unter Wert an die Moderne veräußern? Ich denke nicht. Hat der Architekt – steinalt sollte er werden – oder haben seine verantwortungsbewussten Nach­fahren überhaupt eine Chance, ein in sich ­geschlossenes Kunstwerk der Nachwelt zu ­erhalten? Bei dieser Größenordnung sicher ein großes Problem; manchmal hilft „liegen lassen und abwarten“ sehr viel. Man hat sich für Eventkultur statt für den Charme des Vergänglichen entschieden. Aber wer überwacht ­diesen Prozess? Was macht eigentlich die Bundesstiftung Baukultur? Ich misstraue inzwischen fast jeder Institution, zumal wenn sie gerade neu geschaffen wurde. Sie ­verschleiert allzu oft, statt zu klären, sie schafft Posten und produziert Kosten. Dem Ruhrgebiet und vor allem seinen gebeutelten kleinen und großen Metropolen wünsche ich, dass sie nicht auf jeden Modernisierungszug aufspringen, der da vorbeifährt. Inzwischen hat die Finanzkrise sowieso manchen Ehrgeiz unsanft gestoppt.

Bruno Brandi, Architekt, Hamburg

Anmerkung der Redaktion: Die in unserem Text beschriebene Kohlenwäsche ist nicht von Kremmer und Schupp, sondern etwa 20 Jahre vor deren Hauptbau von heute unbekannten Ingenieuren errichtet worden.

Dieser Brief bezieht sich auf den Bericht über das Kulturjahr Ruhr in Ausgabe 4/10, Seite 22

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