Esslinger Moschee aus Ortbeton

Kuppel und Minarett: Die islamischen Ornamente sowie die Öffnungen wurden bereits bei der Schalung berücksichtigt.
Mit der Yunus-Emre-Moschee entsteht zurzeit die erste Moschee im schwäbischen Esslingen, die als Gebets- und Integrationszentrum, also als Begegnungsstätte für Muslime und Nichtmuslime konzipiert ist. Zentraler Raum der Moschee ist ein würfelförmiger Gebetsraum mit 16 mal 16 Metern Länge. Den Würfel haben die mit der Planung beauftragten K+Ü Architekten aus Esslingen auf der 21 mal 46 Meter großen rechteckigen Grundrissfläche verdreht angeordnet. In Form und Ausrichtung orientierten sie sich an der Kaaba von Mekka, also der Gebetsrichtung nach Osten. Das insgesamt dreistöckige Bauwerk besteht komplett aus Beton, wobei die Ausführung der Kuppel über den Gebetsraum besonders anspruchsvoll war. Ihre Spannweite beträgt rund 13 Meter, im Scheitelpunkt ist sie 18 Meter hoch und ihre 16 Zentimeter dicke Schale setzt sich aus Stahlbeton (außen) und Sichtbeton (innen) zusammen. Eingeschalt werden konnte aber nur von innen. Um die Esslinger Moschee aus Ortbeton Rundung der Kuppel herzustellen, wurde deshalb der Beton von oben von der Mitte aus auf die Stahlmatten gegossen. Damit der Sichtbeton als ebenmäßige Fläche erscheint, musste die Transportbetonkonsistenz stets gleichbleibend sein. Verwendet wurde der selbstverdichtende Beton (SVB) der Druckfestigkeitsklasse C30/37 aus den Lieferwerken Nellingen und Stuttgart-Neckarhafen der Holcim Kies und Beton GmbH. Der Zementgehalt betrug 350 kg/ m³ (CEM II/B-T 42,5 N von der Holcim Süddeutschland GmbH). Für das knapp 26 Meter hohe Minarett verwendete man ebenfalls Beton. Die Gestaltung der Fassade von Minarett und Hauptbau ist der islamischen Ornamentik entlehnt. Architekt Murat Ülger: „Wir haben Quadrate mit einem Neigungswinkel von 45 Grad gewählt, so dass Rauten entstehen.“ Diese rautenförmigen Öffnungen waren in der Schalung der Außenwände präzise vorzubereiten. Man hat Extrakästen deshalb für jede Öffnung gebaut und in die Schalung eingesetzt. Diese Kleinteiligkeit machte Stahlmatten als Bewehrung unmöglich; Einzelteile aus Stahl waren zur Bewehrung nötig. Zudem ließ sich der Beton nur von außen mit einem Rüttler verdichten. Mit dem Ergebnis war man sehr zufrieden. Obwohl dieser Bereich gar keinen Sichtbeton erforderte, entstand eine qualitativ ausgesprochen hochwertige Oberfläche ohne Lunker und Nester. www.holcim.de
Repräsentatives Betontragwerk
Im Neubau der Deutschen Schule in Genf werden nicht nur Schüler unterrichtet. Das Projekt, das vom Verein für deutschen Schulunterricht in Genf zusammen mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Berlin realisiert wurde, sollte gleichzeitig als deutsches Kulturinstitut funktionieren. Der Entwurf von Soliman Zurkirchen Architekten überzeugte, da es dem Züricher Büro gelang, durch eine nach außen verlegte, statisch tragende Gebäudestruktur in Form diagonal angeordneter Betonstützen die gewünschte repräsentative Wirkung zu erzielen. Insgesamt erscheint die Konstruktion wie ein riesiges Fotos: siehe Hersteller; Soliman Zurkirchen Architekten/BetonBild Fachwerk; die Glasfassade ist dahinter angeordnet. Außerdem musste der Neubau dem in der Schweiz geltenden Minergie- Standard sowie den ökologischen Vorgaben für deutsche Bundesbauten entsprechen. Betondecken und Böden wurden deshalb nach dem Prinzip der Betonkerntemperierung ausgebildet, die zusammen mit einer kontrollierten Lüftung ein behagliches Raumklima garantiert. Die zum Gebäudebetrieb notwendige Energie wird ausschließlich durch erneuerbare Energien gewonnen, hier durch eine Erdsonde-Wärmepumpe. www.beton.org


Diesen Artikel teilen: