Artikel drucken Artikel versenden

Leserbrief

HOAI und Bestandsbauten

Diesen Artikel teilen:

Dr. Stannek beschreibt zutreffend die Honorarprobleme bei Altbausanierungen, aber für einen jahrzehntelangen Kommentator der HOAI ist das ganze Ergebnis der HOAI-Reform ein einziges Desaster, dass die Architekten und Ingenieure vorrangig auszubaden haben. Die HOAI enthält derartig viele Ungereimtheiten und Widersprüche, dass man sich fragt, weshalb die Verantwortlichen dafür so lange gebraucht haben. Die Frage richtet sich aber auch an die Juristen der Verbände, die erkennbar die Finger nicht auf zahlreiche juristische Wunden gelegt haben, von denen anzunehmen ist, dass das Bundeswirtschaftsministerium vor der Endfassung hätte überzeugt werden können.

Was Dr. Stannek zu Recht kritisiert, sei an Berechnungsbeispielen deutlich gemacht:

Der Wegfall der Ansetzbarkeit planungsberührter Altbausubstanz (§ 10 Abs. 3 a HOAI a. F.) soll kompensiert werden durch einen bis 80 % möglichen Umbauzuschlag. Wer aus der bisherigen Praxis weiß, wie schwer, ja meist unmöglich es gewesen ist, auch nur den bisherigen Höchstsatz von 33 % (§ 24 Abs. 1 Satz 3 HOAI a. F.) zu vereinbaren, der wird es sicherlich nicht für realistisch halten, einen Umbauzuschlag bis zu 80 % zu vereinbaren. Wenn er aber den Verlust an Honorar durch den Wegfall der planungsberührten Altbausubstanz ausgleichen will, dann steht er vor folgenden rechnerischen und verhandlungstechnischen Problemen:

Anrechenbare Kosten 400.000,00 €
HZ III unten netto
anrechenbare Baukosten 400.000,00 €
§ 10 Abs. 3 100.000,00 €
500.000,00 €
100 % Honorar 44.243,00 €
zzgl. 20 % UZ 8.849,00 €
erzielbares Honorar nach altem Recht netto 53.092,00 €

Um nach dem Wegfall der planungsberührten Altbausubstanz auf das gleiche Honorar zu kommen, muss der Architekt einen Umbauzuschlag von 40 % erzielen, um mit 54.522,00 € netto etwa das gleiche Ergebnis zu erreichen wie nach altem Recht. Bei dieser Rechnung ist allerdings der 10%ige Aufschlag nach HOAI 2009 weitgehend entfallen.

Noch düsterer sind die Aussichten, wenn man von 600.000,00 € ausgeht, in denen 200.000,00 € planungsberührte Altbausubstanz enthalten sind. Dann entsteht nach altem Recht ein Honorar von 51.233,00 € zzgl. 20 % UZ = 61.480,00 €.

Um diesen Betrag nach neuem Recht zu erzielen, muss der Architekt einen Umbauzuschlag auf 41.940,00 € von 50 % aufschlagen dürfen, um den Betrag von 62.910,00 € zu erreichen. Selbst dabei geht der 10%ige Aufschlag weitgehend verloren.

Dass man bei vielen Bauten eine planungsberührte Altbausubstanz von einem Drittel ansetzen muss, entspricht ganz sicherlich der Erfahrung. Konkret bedeutet dies, dass sich die Honorarsituation solcher Architekten, die Altbauten sanieren, in erheblichem Um-fang verschlechtert, falls sie auf niedrigeren Umbauzuschlägen festgehalten werden.

Dr. Klaus Neuenfeld, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Weimar

Dieser Brief bezieht sich auf den Bericht zur HOAI für Bestandbauten in Ausgabe 7/10 auf Seite 32

Passend zum Thema





Kommentare

Wir freuen uns über Ihre Beiträge und bitten Sie, die Regeln dieses Forums einzuhalten:

  • Bitte nennen Sie uns Ihren Namen und Ihre e-Mail-Adresse. Anonyme Statements werden nicht veröffentlicht. Ihre e-Mail-Adresse wird selbstverständlich nicht mit veröffentlicht und nur im Falle von Rückfragen durch die Redaktion genutzt.
  • Schreiben Sie zur Sache.
  • Teilen Sie etwas Neues mit.
  • Nennen Sie Argumente.
  • Bitte keine Beleidigungen.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zurückzuweisen.
Texte können erst nach Freischaltung durch die Redaktion erscheinen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.