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Leserbrief

HOAI und Bestandsbauten

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Der Artikel beklagt, dass die neue HOAI die Anrechenbarkeit mit zu verarbeitender Bausubstanz bei Umbauten, Sanierungen und Aufgaben im Denkmalschutz nicht mehr berücksichtigt und somit eine leistungsadäquate Vergütung zwangsläufig entfällt. Dem ist entgegenzuhalten:

1. Die Kostenberechnung in Leistungsphase 3 muss nach § 4 HOAI – anrechenbare Kosten – nach der DIN 276-1: 2008-12 erstellt werden. Darin sind alle zum Zeitpunkt erkennbaren Bauleistungen zu erfassen und zu bepreisen. Hierbei empfiehlt es sich, mindestens in der dritten bei Bedarf auch in der vierten Ebene nach DIN 276 zu rechnen, um die geplanten Bauleistungen hinreichend detailliert erfasst zu haben.

2. Beachtet man nun DIN 276 Ziffer 3: Grundsätze der Kostenplanung unter Ziffer 3.3.6, dann ist so zu verfahren: „Der Wert vorhandener Bausubstanz und wiederverwendeter Teile ist bei den betreffenden Kostengruppen gesondert auszuweisen.“ Fazit: Da die zitierte DIN ohne Einschränkung anzuwenden ist, sind unserer Auffassung nach die anrechenbaren Kosten unstreitig definiert.

Etwas schwieriger stellt sich das Thema „Probleme der Kostenberechnung im Bestand“ dar. Grundsätzlich sollten spätestens schon in der Leistungsphase 2 umfangreiche Voruntersuchungen nach eigener fachlicher Einschätzung veranlasst bzw. dem Bauherrn empfohlen werden. Dazu zählen zum Beispiel konstruktive Bewertungen durch den Tragwerksplaner, ein Schadstoffkataster hinsichtlich PCB, Asbest, Schimmelpilz etc. und das heute unumgängliche Brandschutzkonzept.

Sollten trotz aller veranlassten Untersuchungen, Prognosen und Annahmen deutliche Restrisiken hinsichtlich der zu erwartenden Bauleistungen bestehen bleiben, treffen wir mit unseren Bauherren folgende Vereinbarung: Abweichend von § 6 HOAI (Grundlagen des Honorars) wird nicht das Kostenberechnungsmodell, sondern das sogenannte „Kostenhochrechnungsmodell“ als Grundlage der Honorarermittlung sowie einer transparenten Kostenkontrolle gewählt. Dieses Modell bewährt sich insbesondere bei kurzen Planungsvorlaufzeiten, fließenden Entscheidungsprozessen und dem Anspruch ständiger Kostenübersicht. Die genehmigte Kostenberechnung (Plankosten = verabschiedetes Budget) werden im laufenden Planungs- und Bauprozess ständig mit den Aufträgen (Kostenanschlag) und Abrechnungen (Kostenfeststellung) zur „Kostenhochrechnung“ saldiert. Dabei ist zu beachten, dass alle zusätzlich beschlossenen Mehr- oder Minderleistungen stets in die Plankosten eingestellt werden müssen, um eine Kostensteuerung bis zum Abschluss der Maßnahme aus buchungstechnischer Sicht zu gewährleisten. Für den Bauherrn bietet das Modell eine ständige Einflussnahme auf das Budget und damit Kostensicherheit, für den Planer eine korrekte Vergütung der tatsächlich erbrachten Leistungen in Leistungsphase 5, 6 bis 7 und 8. Gelingt es nicht, das „Kostenhochrechnungsmodell“ vertraglich zu vereinbaren, bleibt nur der Weg des konsequenten Nachtragsmanagements, das schwerlich zur Erhaltung eines guten AN-/AG-Verhältnisses beitragen muss. Gerade auch bei ¬diesem Modell bleibt für die Leistungs- und Kostenverfolgung eine detaillierte Kostenberechnung unabdingbar.

Dieter Erlen, Architekt, Köln

Dieser Brief bezieht sich auf den Bericht zur HOAI für Bestandbauten in Ausgabe 7/10 auf Seite 32

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