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Besucherbefragung zum Tag der Architektur

Tag des Erfolgs

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Besucher schätzen den Tag der Architektur: 97 Prozent würden ihn weiterempfehlen, ergab eine Befragung in Hessen | Von Marc Kirschbaum und Kai Schuster

Mit einem interdisziplinären Doppelseminar an der Universität Kassel des Fachgebiets Entwerfen im Bestand, Denkmalpflege sowie des Instituts für Psychologie haben wir uns mit 18 Studierenden im Sommersemester 2010 eine Evaluation des Tages der Architektur mit Unterstützung und in enger Zusammenarbeit mit der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet.

Die Untersuchung konzentrierte sich auf die Gäste des Tags der Architektur. Um ein repräsentatives Ergebnis zu erzielen, wurde eine möglichst große Stichprobe angestrebt. Gleichzeitig sollten alle Befragungen standardisiert, d.h. an jedem Befragungsort nach gleichem Schema ablaufen. Um dies sicherzustellen, wurden die Befragungen durch elf geschulte Teams von zwei Personen vor Ort durchgeführt. Ihre Aufgabe war es, nach der Führung im Objekt die Befragung und ihre Ziele kurz vorzustellen und möglichst allen Gästen einen Fragebogen auszuhändigen. An der Befragung nahmen insgesamt 490 Personen teil.

Die Darstellung der Ergebnisse orientiert sich an den drei Hauptsträngen der Befragung: a) Wer sind die Gäste und wie haben sie von der Veranstaltung erfahren?, b) was sind die Motive zum Besuch des Tags der Architektur? und c) wie wird die Veranstaltung bewertet und welche „Wirkung“ hat die Veranstaltung bezogen auf die Wahrnehmung von Architektur allgemein sowie im Hinblick auf den Berufsstand?

 

Wer sind die Gäste und wie haben sie vom Tag der Architektur 2010 erfahren?

Der Altersdurchschnitt der befragten Gäste lag bei 48 Jahren. Dabei zeigt die Altersverteilung eine ausgewogene Streuung. Insgesamt waren die weiblichen Gäste mit 56 % leicht überrepräsentiert. Auffallend an der Stichprobe ist der hohe Bildungsgrad: 66 % der Befragten besitzen einen Hochschulabschluss.

Uns interessierte, ob der Tag der Architektur eine Veranstaltung ist, die vorwiegend von Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern besucht wird – eine häufig zu hörende Beschreibung der Besucherstruktur. Die Befragung ergab jedoch eine relativ heterogene Berufsverteilung: Ein Viertel der Befragten kann explizit den genannten Berufsgruppen zugeordnet werden. Die zweitgrößte Gruppe stellen die Rentner dar, die 15 % der Befragten umfassen. Der drittgrößte homogen beschreibbare Berufsstand sind die Lehrer mit 10 % der Stichprobe. Alle anderen befragten Personen sind in unterschiedlichsten Berufsfeldern tätig. Insofern bestätigt sich damit zwar, dass die eigene Berufsgruppe durchaus vertreten ist, aber das Gros der Gäste eben nicht aus dem Berufsfeld von Architektur und Planung stammt.

Die besten Werbeträger für den Tag der Architektur 2010 in Hessen waren Printmedien sowie die persönliche Empfehlung: 40 % der Gäste erfuhren über ihre Tageszeitung vom Tag der Architektur, etwa ein Drittel der Befragten wurde von ihrem persönlichen Umfeld auf die Veranstaltung hingewiesen. Über das Internet (v.a. der Homepage der AKH), dem Katalog und dem Faltblatt wurden ca. 10-20% der Befragten erreicht. Veranstaltungshinweise im Radio sowie Plakate hatten kaum Werbekraft. Es wurde von den Befragten eine Vielzahl von Empfehlungen gegeben, um eine größere Öffentlichkeit zu erreichen, wie etwa größere Artikel in der Presse mit Darstellung des Gesamtprogramms, frühzeitigere Artikel, Infobeilagen in Zeitungen, verstärkte Plakatierung, etc.

Über die Hälfte der Gäste (58 %) hatte in den Vorjahren mindestens einmal den Tag der Architektur besucht. Oder anders ausgedrückt: 42 % der Gäste besichtigten 2010 zu ersten Mal die Veranstaltung. Diese Quote ist unter einem weiteren Aspekt interessant: 97 % der Besucherinnen und Besucher gaben an, den Tag der Architektur in ihrem sozialen Umfeld weiterzuempfehlen, also auch jene Gäste, die zum ersten Mal Besichtigungen durchführten. Von den 58% der Besucher, die schon einmal den Tag der Architektur besucht hatten, waren viele schon 2x (17%), 3x (18%), 4x (13%), 5x (16%) oder sogar 10x (11%) vorher dort Ebenfalls gut die Hälfte der Befragten besuchte 2010 mehrere Objekte, im Schnitt zwischen drei und vier Dies deutet auf eine hohe Zufriedenheit mit der Veranstaltung hin, worauf weiter unten ausführlicher eingegangen wird.

Motive und Häufigkeit des Besuchs

Die wichtigsten Gründe zum Besuch des Tags der Architektur sind nach Angaben der Befragten „Interesse an Architektur und Baukultur allgemein“ (68%), „Interesse an diesem speziellen Objekt“ (57%), und „Bekanntheit des Architekten“ (22%). Etwa ein Fünftel der Befragten (17%) gaben als Grund des Besuchs an, in der Nachbarschaft zu wohnen. Dieser Wert ist deshalb interessant, da zum einen vier Fünftel der Gäste mitunter weite Wege in Kauf nehmen, um zu Besichtigungsorten zu kommen und zum anderen nur relativ wenige Nachbarn zum Besuch eines Besichtigungsobjektes aktiviert werden. 14 % der Gäste besuchten das Objekt explizit aus Informationsgründen, da sie selbst bauen möchten – hinsichtlich möglicher Akquisitionsstrategien der teilnehmenden Büros eine nicht zu unterschätzende Tatsache. Knapp jeder zehnte Besucher kannte den Eigentümer des Objekts persönlich. Lediglich 5% der Besucherinnen und Besucher gaben als Grund der Besichtigung an, vorwiegend eine interessierte Person zu begleiten.

„Wirkung“ und Zufriedenheit mit dem Tag der Architektur

Besitzt der Tag der Architektur neben seiner baukulturellen Sensibilisierung in der Öffentlichkeit auch einen wirtschaftlich aktivierenden Effekt? Wenngleich im Rahmen dieser Evaluation keine exakte Potenzialanalyse ableitbar ist, gibt es Hinweise für eine positive Wirkung: 32 % der Befragten gaben an, dass der Tag der Architektur sie davon überzeugen konnte, im Bedarfsfall einen Architekten / Landschaftsarchitekten zu beauftragen. In Verbindung mit der Frage, ob der Tag der Architektur den Blick auf den Berufsstand veränderte, was 22 % der Befragten bejahten – und zwar ausschließlich in positiver Richtung, kann davon ausgegangen werden, dass der Tag der Architektur eine aktive und positive Werbung für den Berufsstand ist.

Diese Aussage wird auch durch die allgemein hohe Zufriedenheit mit den Führungen gestützt: Auf einer Zufriedenheitsskala zwischen 1 (sehr zufrieden) und 5 (nicht zufrieden) lag der Durchschnitt aller Befragten bei 1,58. Dieser Wert drückt eine sehr hohe Zufriedenheit mit den Führungen im Einzelnen aus und wird bestätigt durch einen allgemeinen Zufriedenheitswert mit dem Tag der Architektur von 1,60. Auch die Tatsache, dass 97% der Besucher den Tag der Architektur weiterempfehlen, ist ein beachtlicher Erfolg der Vermittlungsaktivitäten aller am Tag der Architektur Beteiligter.

Fazit und Ausblick

Aus der Perspektive der Gäste war der Tag der Architektur 2010 in Hessen ein Erfolg. Ihre gute Bewertung begründeten sie damit, dass die Führungen informativ waren, zum Teil äußerten sie in der Befragung sogar Verblüffung über den Ideenreichtum der Architekten und gaben oftmals an, dass die Führung und die Veranstaltung Spaß gemacht habe. Dies zeigt, dass sowohl die teilnehmenden Büros als auch die Eigentümer sehr engagiert arbeiteten und eine hohe Qualität bei den Führungen sicherstellten. Die Gäste waren von den Führungen so beeindruckt, dass im Prinzip alle Befragten (97%) angaben, die Veranstaltung weiterzuempfehlen.

Insgesamt kann der Tag der Architektur 2010 in Hessen somit als wirkungsvolle Veranstaltung gelten, da sie durch die Informationsgabe bei den Gästen sowohl den Wissensbereich positiv ansprach, als auch als anregend, angenehm und spannend, also emotional positiv beurteilt wurde. Die Befragung gibt ebenfalls deutliche Hinweise darauf, dass der Tag der Architektur das Berufsbild positiv stärkt und als Akquisitionsforum dient. Dazu ist es allerdings notwendig, dass die hohe Qualität der Veranstaltung und der gezeigten Architektur aufrechterhalten wird. Gleichzeitig sollten Bestrebungen unternommen werden, um den Tag der Architektur noch stärker in ländliche Bereiche hineinzutragen. Gerade dort gibt es gemischtes Publikum und es finden sich vorwiegend Nachbarn ein, die ggf. Anregungen für eigene Bauvorhaben mitnehmen.

Der Architekt Marc Kirschbaum und der Psychologe Kai Schuster sind Geschäftsführer der pragmatopia architektur.stadt.leben gbr in Kassel. Der Text ist eine gekürzte Fassung des im DAB 12/2010 in der Regionalausgabe Hessen erschienenen Berichts.

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