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Bebauungspläne

Plant das Ende des Plans!

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Bebauungspläne veralten rasch und sollten nur zeitlich begrenzt gelten. Ein Anstoß zur Diskussion | Von Hans Walter Kopp

Der Verfasser dieser Zeilen muss mit Festsetzungen eines Bebauungsplans koexistieren, der etwa aus dem Jahre 1970 stammt und Vorschriften enthält, die nach heutigem Stand des Städtebaus vollkommen abstrus sind. Und auch viele jüngere Pläne untersagen die Verwendung sogenannter fremdländischer Gehölze oder den Einsatz von Solarthermie und Fotovoltaik, ja sie legen sogar Substrat und Pflanzzusammensetzung einer Dachbegrünung fest – und weitere Absonderlichkeiten mehr.

Vergessen wird bei all diesen Satzungen und Planwerken, dass sie dem Zeitgeist der Epoche des Entwurfes entsprechen. Planliche und textliche Festsetzungen können in der Regel nicht mehr revidiert werden. Es ist deshalb ­dringend zu fordern, dass Bebauungspläne etwa nach einem Zeitraum von sieben Jahren automatisch ihre Satzungskraft verlieren, sofern nicht detailliert und begründet die Not­wendigkeit der einzelnen textlichen und planlichen ­Festsetzungen und Bestimmungen von der Bauverwaltung dar­gelegt und begründet wird. Und der Beschluss über die Fortgeltung des geänderten Planes ist dann nicht mehr vom Gemeinderat zu treffen, sondern ausschließlich von den Grundstückseigentümern im Geltungsbereich – auch, um der Eigentumsgarantie des Grundgesetzes Rechnung zu ­tragen.

Bebauungspläne unterliegen wie jede andere rechtliche und gestalterische Festsetzung einer zeitlichen Abnutzung. Ein Bebauungsplan ist immer aus der Vergangenheit heraus entwickelt; er wird von den Zeitläuften überholt. Die gesellschaftliche, gestalterische und technische Entwicklung, sowohl in Gestaltungs- als auch Nutzungsfragen, orientiert sich nicht an textlichen oder planlichen Festsetzungen eines vergangenen Planwerkes. Zugleich werden Verstöße der Nutzer gegen die Satzungen, die sich etwa in „falschen“ Zäunen oder „unerlaubten“ Gehölzen manifestieren, oft nicht geahndet. Und eine Vorschrift, die nicht sanktioniert wird oder werden kann, sollte gleich zurückgezogen werden.

Die Festsetzungen der B-Pläne widersprechen oftmals der unübersehbaren Vielzahl anderer Ortssatzungen, etwa zur Gestaltung, zu Vorgärten, zum Baumschutz oder zu Stellplatzverordnungen. Ältere B-Pläne widersprechen oft auch geltendem Planungsrecht. Die in der bayerischen Bauordnung (BayBO) festgelegte Genehmigungsfreiheit von solar genutzten Dächern wird durch die Satzung im Ortsrecht oftmals unterlaufen. Das veränderte Nutzerverhalten und auch die veränderte Nutzerstruktur eines Siedlungsbereiches bedingen zwangsläufig veränderte Ansprüche an die bauliche Gestaltung des Bauwerkes und der Freifläche. Der technische Fortschritt ermöglicht heute den Einsatz anderer und besserer Baumaterialien, deren Existenz zum Zeitpunkt der Erstellung der Pläne noch gar nicht vorhanden war.

Ein besonders beliebtes Instrument der Gängelung ist die sogenannte Baufluchtlinie. Sie verhindert nicht nur die Ausbildung gewachsener örtlicher Strukturen, sondern erschwert auch die energetische und ökologische Optimierung von Einzelgebäuden und Siedlungsgebieten. Wie ist ein frei stehendes Gebäude bauplanungsrechtlich zu beurteilen, dessen Fassade nach einer Wärmedämmung entsprechend EnEV auf einmal 16 Zentimeter über die heilige Baufluchtlinie hinausragt? Ökologisch unsinnig und höchst bedenklich sind die Festsetzungen, die die Firstrichtungen und Dachneigungen von Dächern festlegen. So werden der Einsatz umweltfreundlicher Energiegewinnung und die Gewinnung von zusätzlichem Wohnraum langfristig auf Dauer erfolgreich verhindert. Dem Bürger wird verwehrt, sein Gebäude oder Bestandteile davon nach seinem ästhetischen Empfinden, optimal auf dem Grundstück und nach ökologischen Erfordernissen zu platzieren.

Wollen wir nachfolgenden Generationen auch unverbrauchte Flächen erhalten und bereitstellen, so müssen wir zusätzliche Bauflächen für Wohnhäuser durch Aufhebung von Grenzen, Baufluchtlinien, durch Aufhebung unsinniger Kniestock-Bestimmungen („Planer, knie nieder vor dem Kniestock!“) und auch durch den Rückbau von Straßen schaffen, sodass unverbaute Landschaft geschont werden kann.

Nicht zuletzt gibt es auch ökonomische Gründe, die bestehenden Bebauungspläne sehr kritisch zu prüfen und zu verschlanken, hat man doch häufig vollkommen überdimensionierte Straßenquerschnitte mit einem Unmaß an Parkraum gebaut.  Diese werden bei Erhebung des Straßenausbaubeitrages für den Bürger zu einer nicht mehr erträglichen finanziellen Belastung und belasten im Mischsystem die Kläranlagen im Übermaß. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist der Straßenquerschnitt zusammen mit den Bewohnern des Baugebietes in einem demokratischen Verfahren festzulegen.

Hans Walter Kopp ist Landschaftsarchitekt in Neumarkt (Oberpfalz)

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13 Gedanken zu “Plant das Ende des Plans!

  1. Sehr geehrter Herr Kollege Kopp, liebe Kolleginnen und Kollegen

    Zur zeitlichen Befristung der Bebauungspläne: Kann ich mir nicht vorstellen. Bebauungspläne sind örtliche Satzungen, also Gesetze. Gesetze gelten bis zur Aufhebung oder Änderung fort. Ein generelles Verfallsdatum ist daher nicht notwendig und wegen der unterschiedlichsten Sachverhalte auch kaum sinnvoll. Bei offensichtlichen Widersprüchen, oder wenn der Plan obsolet geworden ist, wird er geändert oder auch aufgehoben. Aber was dann, dann gelten plötzlich die jetzt vielleicht widersprüchlichen örtlichen Satzungen. Es gilt plötzlich das Einfügegebot, das nicht an jeder Stelle des Gebietes sinnvoll ist, und, last not least, Baugenehmigungen werden obligatorisch.

    Die Aufstellung von Bebauungsplänen ist für Planer und Komunen mühsam und zeitintensiv, für die Eigentümer und Bauschaffenden ist das Ergebnis oft unverständlich, lästig und manchmal nicht mehr zielführend. Sie als Planer sprechen von Gängelung, vor kurzem betitelte ein Kollegen einen längeren Satzungstext als Pamphlet. Hier kommt Kritik zum Ausdruck, die den Sinn einer umfassenden Bebauungsplanung grundsätzlich anzweifelt, mindestens aber Verschlankung fordert.

    Was steckt hinter der ungeliebten Satzung? Ohne Bebauungsplan kein neues Baurecht, ohne Bebauungsplan nur Lückenfüllung und dabei endlose Disskussionen und Streitereien, was Einfügen in den Bestand bedeutet, ohne Bebauungsplan kaum Möglichkeit der Steuerung oder Gegensteuerung einer Entwicklung oder Lösung von Spannungen und Konflikten durch die Gemeinde, der per Gesetzt die Planungshoheit obliegt, ohne Bebauungsplan keine Gehnehmigungsfreiheit.
    Bei schlanken Bebauungsplänen, seit längerem erklärtes Ziel der Obersten Baubehörde, besteht das Problem, dass alles, was nicht festgesetzt wird, erlaubt ist. Darum wurden die Satzungen teilweise immer länger, weil es zu unerwünschten Entwicklungen kam, die dem , natürlich zeitabhängigem, Planungsziel einer harmonischen, gemeinschaftsbildenden Ortsentwicklung widersprachen. Sicherlich geht manches in´s Leere, ist vielleicht übertrieben ordnungspolitisch, ist übernommen und nicht überdacht.

    Ob aber der Nachbar einverstanden wäre, wenn ihm z.B. ohne Baulinie und ohne Begrenzung der Wandhöhe eine schattenspendende Solararchitektur auf den Pelz rückt? Nur noch Tujahecken und Weihnachtsbäumchen gepflanzt werden? Was denkt der Planer, wenn aus der gewachsenen linearen Struktur dörflicher Holzzäune plötzlich eine zwei Meter hohe Mauer ragt, hinter welcher der Neubürger aus der Großstadt vielleicht seine zubetonierte Vorgartenfläche versteckt und dabei die Mülltonnen an die Straße platziert. Ich selbst bin kein Freund von Vorschriften und galt früher auch nicht als konservativ, ich empfinde es aber inzwischen als Verlust von Gestaltqualität, wenn z.B. an Berghängen, an die sich die Bebauung bisher harmonisch unauffällig anschmiegte, seit kurzem einzelne bunte Gebäude wie Ostereier herausstechen. Der Bauherr will sich verwirklichen, evtl. auffallen, der Planer sich “austoben”, der Anwalt bzw. Immobilienfachmann das Maximum herausholen. Bei Verlust eines Konsenses, was schön, was angemessen, was gerecht oder richtig ist, ist letztlich dann der Verwaltungsrichter oberster Hüter einer Baukultur, die das Auge eines mittelmäßig gebildeten Betrachters nicht beleidigen darf.

    Wer braucht eigentlich noch Städteplanung, wurde ich vor kurzem gefragt. Wer bringt aber dann in unserer pluralistischen, mobilen, schnelllebigen Gesellschaft die vielen egoistischen Ziele unter den einen Hut, der auch die nachbarlichen, die öffentlichen Belange berücksichtigt? Dieser Hut kann, wie z.B. der Führerschein und die Straßenverkehrsordnung m.M. nach keine Saisonware sein, sondern muss halten.

    Frohes Schaffen und freundliche Grüße
    Dipl. Ing. Rainer Frhr. v. Linden, Architekt und Städteplaner

  2. Sehr geehrter Herr Kopp, werte Kolleginnen und Kollegen,

    so nachvollziehbar der Aufschrei angesichts von Festsetzungsdetails in Bebauungsplänen ist, der Vorschlag nähert sich dem Problem von der falschen Seite.

    Mit dem Europarechtsanpassungsgesetz EAG Bau hat der Gesetzgeber 2004 die Überprüfung von Bauleitplänen diskutiert und in § 5 (1) für Flächennutzungspläne vorgeschrieben. Im Dezember 2006 wurde diese Vorschrift schon wieder gestrichen.

    Für Bebauungspläne wurden Regelungen, wie sie z.B. in Luxemburg mit einem 7-jährigen Prüfturnus durchaus bestehen, 2004 gar nicht erst übernommen. Es erschien dem Gesetzgeber zu Recht schlicht als nicht durchführbar.

    Dies liegt wesentlich an der schwierigen Natur des § 34 BauGB, in dessen Anwendungsbereich bebaute wie unbebaute Grundstücke ja entlassen würden, wenn der Plan, wie angeregt, verfällt.

    a) “Einfügen” heißt nicht ein- oder gar unterordnen.
    b) “Einfügen” bezieht sich auf “bodenrechtliche Spannungen”, nicht auf Gestaltung.
    c) “Einfügen” richtet sich nicht nach dem Möglichen, sondern nach dem vor Ort realisierten Bestand.

    Jeder möge sich selber ausmalen, was es bedeutet, wenn ein letztes Grundstück erst nach dem Verfallsdatum des Bebauungsplans erstmals bebaut werden soll, oder wenn ein Gebäude, das den ehemals gültigen Bebauungsplan nicht ausnutzte, nunmehr erweitert werden soll.

    Alle diese Implikationen müsste eine Gemeinde für jeden Bebauungsplan, der zu verfallen droht, prüfen. Gegebenenfalls steht die Gemeinde sofort mit dem Ablauf des Bebauungsplans wieder in der Planungspflicht gemäß § 1 (3) BauGB.

    Alleine eine Prüfung bestehender Bebauungspläne wäre aber für eine Stadt wie Bonn mit rund 1.100 rechtskräftigen Bebauungsplänen bei einer siebenjährigen Frist für über 150 Pläne pro Jahr nicht realistisch.

    Wer hier nur den Verwaltungsaufwand sieht, verkennt, dass Bebauungspläne ein wesentliches Betätigungsfeld kommunaler Politik darstellen, in denen die gewählten Vertreter, die Bürgerinnen und Bürger selber sowie eine Vielzahl von Interessenvertretern und Behörden miteinander ringen. Dies gilt auch für die Aufhebung eines Planes.

    Vielfach soll der Bebauungsplan zur Berücksichtigung der genannten Beteiligten Regelungen aufnehmen, mit denen er schlicht nicht belastet werden darf: Verbot der Ölfeuerung (Lufthygiene), Verbot der Verwendung von Tropenholz (globale Klimaschutzziele), Verbot von Vorgarteneinfriedungen (öffentliche Sicherheit).

    Auch die Abwehrhaltung der Nachbarschaft gegen bauliche Veränderungen im Plangebiet greift oftmals so weit auf den Plan durch, dass die Neubebauung durch den Bebauungsplan bis zur Verunstaltung gegängelt wird.

    All das würde sich in der Diskussion, ob der Plan jetzt verfallen kann, oder ob es jetzt vielmehr notwendig wird, ihn neu aufzustellen, wiederholen.

    Wir brauchen also kein Verfallsdatum für Bebauungspläne, sonder Pläne, die über kurzlebige Moden und tagesaktuelle Widerstände hinweg eine “geordnete städtebauliche Entwicklung” gewährleisten. Hier müssen sich Planer, Politiker, Bürgerinitiativen und Umweltgruppen erklären, wie sie in sieben, fünfzehn oder mehr Jahren noch mit den von Ihnen jetzt in den Plan ‘diktierten’ Festsetzungen arbeiten wollen.

    Wer Bauleitpläne entwirft und durch das Aufstellungsverfahren führt muss ohnehin früher oder später erkennen: Durch den Bebauungsplan lassen sich gute Architektur und Gestaltung ebenso wenig erzwingen, wie sich schlechte Ergebnisse verhindern lassen. Dennoch kann sich der Zweck des Bebauungsplans nicht darin erschöpfen, ‘Bauland zu machen’, unauffällig zu bleiben und dann möglichst schnell wieder zu verschwinden.

    Insofern, Herr Kopp, machen Sie bessere Pläne! Als Planer (vielleicht zusammen mit einem versierten Kollegen), als Bürger, als Mitglied in einem Naturschutzverband (nach Landesrecht anerkannter Verein) oder als Mitglied im Gemeinderat.

    Mit freundlichem Gruß,

    Ralf Thielecke, Stadtplaner
    Städtebauliche Arbeitsgemeinschaft, Bonn

  3. Plant das Ende des Planes!

    Seit es Bebauungspläne gibt, gaben die Inhalte Anlass zu Auseinandersetzungen und Ärger auf allen Seiten, die sich privat oder beruflich damit befassen mussten.
    Also von Anfang an, je nach Interessenslage der Beteiligten.
    Das ist auch gut so und gehört zur erwünschten demokratischen Auseinandersetzung eines jeden Gemeinwesens dazu.

    Der Autor und Befürworter einer zeitlichen Begrenzung oder gar Abschaffung der Bebauungspläne, bringt nach meiner Auffassung da ein paar Dinge durcheinander.
    Unbestritten gibt es in diesen Plänen zeitlich und technisch überholte Festlegungen oder Widersprüche zu anderen neuen rechtlichen Vorschriften, welche Anpassungen unbedingt erforderlich machen.
    Dafür wären vorgeschriebene Zeitrahmen zur Korrektur sicherlich angebracht.

    Keinesfalls dürfen diese angesprochenen Mängel aber zur gänzlichen Abschaffung von Bebauungsplänen führen. Der Trend dazu ist erkennbar.

    Damit komme ich zum offensichtlich wesentlicheren Anliegen des Autors, der sich in nachfolgendem Satz verdeutlicht: „Dem Bürger wird verwehrt, sein Gebäude und Bestandteile davon nach seinem ästhetischen Empfinden, optimal auf dem Grundstück und nach ökologischen Erfordernissen zu platzieren“.

    Das sind natürlich Traumvorstellungen von Interessengruppen, die uns ohnehin schon über Jahrzehnte, privat oder kommerziell, unübersehbar ihre baulichen Vorstellungen von Ästhetik präsentieren.
    Die Gemeinden setzen diesem Trend offensichtlich auch keinen großen Widerstand mehr entgegen.
    Ein Gemeindevertreter eines Bauamtes entgegnete mir auf Anfragen bezüglich Festsetzungen des B-Planes, welche durchaus im Interesse der zukünftigen Eigentümer einer Wohnanlage waren: „Wer hält sich denn heute noch an Bebauungspläne?“

    Entscheidend ist die Qualität und die Unabhängigkeit der Verfasser solcher Pläne.
    Hier sind Vorschriften erforderlich, die verhindern helfen, dass Bauherren und Bauunternehmen aller Art die Bebauungspläne selbst zusammenschustern oder
    einseitig, gegen die Interessen der späteren Nutzer, zu beeinflussen suchen.

    Wolfram Hübner, Dipl. Ing. Architekt

  4. Verehrte Kollegen,

    Die derzeitige Praxis der Bebauungspläne ist ein untaugliches Instrument zur demokratischen Entwicklung einer fortschrittlichen (Bau-)Kultur. Die Architektenschaft ist aufgerufen, sich diesem Gängelungsinstrument der Bauverwaltungen zu widersetzen und auch die bauwilligen Bürger auf die Abnormitäten derartiger Satzungen dezidiert hinzuweisen.
    Wenn der Cro-Magnon-Mensch Bebauungspläne gekannt und eine „funktionierende“ Bauverwaltung besessen hätte, würden wir alle noch in Höhlen hausen.
    Der Bebauungsplan, ursprünglich als Instrument der Erschließungs- und Parzellierungsplanung gedacht, hat sich zwischenzeitlich zu einem bürokratischen Monstrum sondergleichen entwickelt. Die Bebauungsplanbürokratie hat einen Kanon von abstrusen, unsinnigen, rückwärtsorientierten, leider auch umweltschädlichen Vorschriften entwickelt, der so scheint es dem Verfasser zum Einen vorrangig dazu dient, die Existenzberechtigung dieser Bauverwaltung nachzuweisen und zu sichern. Zum Anderen wird dieser Vorschriftenkatalog von willfährigen Stadtbaumeistern gerne dann aus dem Ärmel gezogen und in aller Strenge angewandt, wenn es darum geht, kritische Bürger maßzuregeln.
    Jedem Planer oder Kommunalpolitiker sind derartige Vorschriften allzu bekannt, jedem Bauwerber wurden diese schon entgegengehalten.

    Es gibt, zumindest in Bayern über die BayBO in Verbindung mit dem BauGB und der BNVO genügend Möglichkeiten anspruchsvolle Architektur zu verwirklichen. Das liegt an der Qualität der Planer und nicht an der der Satzung.
    Und, lieber Herr Kollege Thielecke, die von Ihnen genannten Mitwirkungsvorschläge habe ich persönlich schon alle genießen dürfen. Dieser Ratschlag war nicht notwendig und geht an der Sache vorbei. Oder haben Sie schon mal in einer Ratssitzung argumentativ gegen einzelne Satzungsbestandteile vorgetragen?
    Bitte noch anfügen:

    Grüße aus dem verschneiten Süden.

    Dipl.-Ing. H.W. Kopp

  5. Meinen Vorrednern kann ich nur zustimmen. Viele Vorschriften in älteren Bebauungsplänen stören mich auch, die Konsequenz ist aber, dass diese in Bebauungsplänen der heutigen Zeit gar nicht mehr aufgenommen werden sollten – was auch schon umgesetzt wird. Richtig ist, dass auch Bebauungspläne Kinder ihrer Zeit sind, aber das ist für den reinen städtebaulichen Teil auch gut so. Nicht nur das einzelne Haus, auch das städtische (oder ländliche) Quartier ist ein Gesamtkunstwerk, dessen Struktur durchaus in vielen Fällen erhaltenswert ist.

    Ich habe in meiner mehr als zwanzigjährigen städtebaulichen Praxis noch keine Gemeinde erlebt, die nicht bereit gewesen wäre einen guten architektonischen Hausentwurf zu diskutieren auch wenn er den bauplanungsrechtlichen Festsetzungen nicht entspricht. Fand der Entwurf die Zustimmung dann wurde früher von den Festsetzungen befreit, heute wird der Bebauungsplan mithilfe des § 13 BauGB schnell und unkompliziert geändert. Es kommt allerdings öfter vor, dass der Entwurf nicht überzeugt, die daraus folgende Ablehnung halte ich in einer lebendigen Demokratie für gerechtfertigt.

    Mit freundlichem Gruß
    Karsten Heuckeroth, Stadtplaner
    Rauschmaier Ingenieure GmbH, Bietigheim-Bissingen

  6. Guten Tag werte Kollegen,

    der B-Plan ist oft nicht das Problem, sondern ein 50-Jahre alter Durchführungsplan, wie sehr oft in Hannover der Fall ist.
    Diese alten “Schinken” widersprechen meistens dem Trend und dem Gewünschten “zurück in die Stadt”, da sie den Status quo von vor 50-60 Jahren über Baulinien, die die damalige Bebauung einfach nur umfahren, festlegen, d. h. eine bauliche Verdichtung der Stadträume ist gar nicht möglich.
    Da innerstädtischen Grundstücke bekanntlich recht teuer sind, stehe ich als Architekt in der Stadt, oft unter dem Zwang (entweder rechnet es sich und es gibt einen Auftrag oder nicht) einer wirtschaftlichen Bebauung. Der Gegenspieler, als Stadtplaner in der Bauverwaltung, entgegnet mir natürlich, dass für ihn die wirtschaftlichen Aspekte einer Grundstücksbebaubarkeit keine Rolle spielen, da sie nicht im öffentlichen Interesse liegen.
    Im öffentlichen Interesse liegen aber sehr wohl die mit der Baubranche verbundenen Arbeitsplätze, Steuern, ein ausreichendes Angebot an modernem städtischem Wohnraum, (von meinem Auftrag nicht zu sprechen) etc.. Diese Diskussion mit der Stadtplanung führt aber zu keinen Ergebnissen.
    Die Stadtplanung ist an so einen “alten Schinken” rechtlich gebunden, ob sie will oder nicht.
    Die Alternative ist die Aufhebung des Durchführungsplanes. Dazu muss aber auch das öffentliche Interesse vorliegen, was bei Einzelgrundstücken meistens nicht der Fall ist.
    Die Alternative zu der Aufhebung ist aber auch nur oft die Aufstellung eines neuen B-Planes, was ein “Wahnsinn” von bis zu 2-Jahren Zeit bedeutet, mit einem unsicherem Ausgang auch noch dazu (die Einspruchsmöglichkeiten der Nachbarn sind vielfältig und äußerst egoistischer Art).
    In Anbetracht solcher Realitäten bin ich eindeutig dafür, dass die Rechtsgültigkeit der B-Pläne automatisch, vielleicht nicht nach 7, aber max. nach 25 Jahren verfällt und in eine Bebauung gem. § 34 BauGB, zurückfällt.
    Diese § hat aber auch seine Tücken, da er auch nur den Status quo der Nachbarbebauung festlegt – also keine höhere Grundstücksausnutzung und höhere städtische Dichte zulässt, eben wie damals: große Gärten und kleine Häuser, die kaum einer in der Stadt so haben will und sich leisten kann.

    Mit freundlichen Grüßen

    Freier Architekt Robert Witt, Hannover

  7. Hallo Herr Kopp,

    selten hat mir ein Beitrag (Artikel wie Kommentar) so sehr aus dem Herzen gesprochen wie Ihrer! Ich kann Ihnen in allen Punkten nur voll zustimmen. Erst in jüngster Zeit wurden wir (bzw. unser Bauherr) an der Entwicklung eines Vorhabens zur behutsamen und verträglichen Nachverdichtung im Innenbereich eines “Berliner Blocks” durch die Festlegungen eines B-Planes aus den 50er Jahren gehindert. Obwohl die Verwaltung das Projekt (Barrierefreie, senioren- und familiengerechte Wohnungen) ausdrücklich begrüßt hätte, scheute man vor nachbarschaftlichen Auseinandersetzungen zurück. Die geplante Ergänzung eines nahezu ungenutzten Bestandstreppenhauses (Überbleibsel eines kriegszerstörten und abgebrochenen Seitenflügels) hätte eine rückwärtige Baulinie überschritten. Aber ganz unabhängig von meinen persönlichen Erfahrungen, muss man wohl – selbst wenn man einige der vorgebrachten Argumente für Bebauungspläne als solche sicher nicht gänzlich von der Hand weisen kann – auf jeden Fall zu dem Schluss kommen, dass das bürokratische Beharren auf zum Teil jahrzehntealte und ordnungspolitisch längst überholte Festlegungen nicht der richtige Weg sein kann, um vernünftig, fair und flexibel auf sich wandelnde Rahmenbedingungen zu reagieren. Die “eingebaute Halbwertszeit mit anschließender Überprüfung” von Gesetzen und Verordnungen sollte vermutlich in viel mehr Bereichen ein Standardmodel werden. Da wäre uns vermutlich so mancher Unsinn erspart geblieben.

  8. Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    es ist nachvollziehbar, dass man eine Diskussion über ein Thema durch einen provokanten Artikel einleiten möchte. Über das Thema kann man grundsätzlich sprechen und auch darüber, dass Planungen irgendwann obsolet werden. Wenn sie allerdings wie von Herrn Kopp gefordert bereits nach sieben Jahren außer Kraft treten sollen, weil sie dann veraltet sind, dann muss wohl bei der Aufstellung ziemlich geschlampt worden sein. Ein insgesamt interessanter Gedankengang des Autors: Ein Gesetz wird nach sieben Jahren automatisch außer Kraft gesetzt und eine Weitergeltung des Gesetzes wird davon abhängig gemacht, ob Grundeigentümer das möchten. Nicht der Gemeinderat, sondern die Grundstücksbesitzer entscheiden – soweit ging nicht einmal das preußische Dreiklassenwahlrecht.
    Aber der Kollege geht ja noch weiter. Ihm sind grundsätzlich Bestimmungen, die das private Verfügungsrecht seines Grund und Bodens schmälern, ein Dorn im Auge. Wie kann der Gesetzgeber Baulinien vorgeben? Was maßt der Staat sich an, Straßenbreiten festzulegen? Wie kann er Gehölze und Bäume vorschreiben? Demokratie ist eben immer dann, wenn ich als Grundeigentümer nicht belastet werde und das Gemeinwohl bestimmen darf. Ein Bebauungsplanverfahren, in dem Baulinien und Baugrenzen von der Gemeinde festgesetzt werden, kann eben nicht Demokratie sein!
    Hat Herr Kopp verstanden, dass die von ihm gescholtenen „überdimensionierten Straßenquerschnitte“ ein öffentlicher Raum sind, der gestaltet werden könnte? Von Landschaftsarchitekten zum Beispiel?
    Insgesamt ein ärgerlicher Artikel, der kein Anstoß zur Diskussion ist. Vielleicht wird da auch klar, dass Stadtplanung nicht jeder kann, der sich Architekt oder Landschaftsarchitekt nennt.

    Rainer Bohne, Stadt- und Regionalplaner und Geschäftsführer SRL, Berlin

  9. Sehr geehrter Herr Kopp,

    gerne hätte ich mich mit Ihrem Vorschlag im DAB 31, Bebauungspläne zeitlich zu begrenzen, auseinandergesetzt, schließlich bin ich einer von denen, die solche Pläne erarbeiten, aber dann lese ich in Ihrem eigenen Kommentar zu ihrem Beitrag:

    “Wenn der Cro-Magnon-Mensch Bebauungspläne gekannt und eine „funktionierende“ Bauverwaltung besessen hätte, würden wir alle noch in Höhlen hausen.”

    Sie sprechen dann weiter von einem “bürokratischen Monstrum sondergleichen”, von einem “Kanon von abstrusen, unsinnigen, rückwärtsorientierten, leider auch umweltschädlichen Vorschriften, die nur dazu dienen sollen, die Existenzberechtigung dieser Bauverwaltung nachzuweisen”. Dann geht es um willfährige Stadtbaumeistern”, die “kritische Bürger” maßregeln….

    Und ab da – lieber Herr Kopp – hatte ich spontan das Interesse an einer fachlichen Auseinandersetzung verloren.

    Im übrigen wird sehr schnell vergessen, dass gerade unsere sogenannten “gewachsenen” Altstadtkerne – soweit sie Krieg und Sanierung überlebt haben – im Mittelater entstanden sind vor dem Hintergrund rigider Regelungen; ansonsten wäre das engste Nebeneinander in den von Mauern begrenzten Städten überhaupt nicht möglich gewesen.

    Ich werde weiterhin dafür Sorge tragen, dass Bebauungspläne entstehen, die stabil genug sind, auch länger als sieben Jahre zu halten und wenn es gute Konzepte gibt, dann werden wir den Plan eben ändern, dafür ist das Planungsrecht auch da.

    Michael Zirbel
    Leiter Planungsamt Gütersloh

  10. Werter Herr Bohne,

    ich bin wirklich froh, dass nicht Sie alleine darüber befinden, was ein angemessener “Anstoß zur Diskussion” ist. Ihr für meinen Geschmack etwas zu aufgeregter Kommentar schießt nämlich doch in vielen Punkten über´s Ziel hinaus. (Ein Schelm würde vermuten, hier sei ein wenig gekränkte Eitelkeit des Stadt- und Regionalplaners im Spiel. Ich finde Ihre pauschalisierende Kritik an der Architektenschaft und den Landschaftsplanern nur etwas unangemessen. Erlauben Sie mir die Bemerkung: Es soll auch Stadtplaner geben die „es“ nicht können – habe ich zumindest mal gehört.) Wäre das – ich nenne es mal – deutsche Modell so erfolgreich und über jeden Zweifel erhaben wie Sie anscheinend glauben, dann hießen die schönsten und lebenswertesten Städte der Welt wahrscheinlich Berlin, Bielefeld oder Würzburg. Ein hübscher Gedanke! Zu Ihrer vehementen Verteidigung klarer gesetzlicher und zeitlich unbefristeter Regelungen kann ich nur sagen, dass z.B. der Ostteil Berlins zwar wesentlich weniger mit Vorschriften aus der Mitte des letzten Jahrhunderts überplant ist (war) als der Westteil, aber eben gerade deshalb in der notwendigen, stets intensiven Diskussion mit den Planungsbeteiligten (lebendigen Bauherrn, Nachbarn und Behörden!) in der Regel anspruchsvollere, zeitgemäßere, gerechtere – und letztlich nachhaltigere – Lösungen für die heutigen urbanen Herausforderungen entwickelt werden können, als es die längst überholten und dogmatisch formulierten Ideale der Nachkriegszeit (Funktionstrennung, Licht, Luft, Sonne, Mobilität) erlauben. Gerade die Forderung nach Einfügung in den Bestand zwingt doch zur immer neuen demokratischen Auseinandersetzung darüber, wie unsere Städte aussehen sollen, erlauben eine flexible Anpassung und organisches Wachstum. In einigen Berliner Bezirken erleben bauwillige Bürger (unsere manchmal ungeduldigen Bauherren, ohne deren Initiative NICHTS! passiert) die B-Pläne der Vorväter (deren Horizont vermutlich eher durch „Das steinerne Berlin“ und die Charta von Athen markiert wurde, als durch Klima- und demografischen Wandel) zunehmend als Hemmschuh und Gängelung. Das sollte man nicht achselzuckend ignorieren oder mit dem Hinweis kontern, eine Änderung der bestehenden Plangrundlagen sei grundsätzlich möglich, dauere aber eben seine (lange) Zeit. Der Kollege Witt hat die Problematik ja schön beschrieben. Die Wünsche und Probleme der Nachkriegsgeneration sind inzwischen ebenso wenig unsere, wie unsere Fragen die der Generationen nach uns sein werden. Warum diese also damit belasten? Der Wunsch nach “stabilen Bebauungsplänen” ist – so lehrt uns doch die Lebenserfahrung – schon ein bisschen naiv. Einflussnahme und Kontrolle durch die Gemeinschaft in allen Ehren, aber mancherorts regieren zum Teil buchstäblich die Toten, ohne dass man darin einen besonderen Mehrwert für die heute lebende oder zukünftige Bevölkerung erkennen könnte. Fruchtbare Diskussionen über städtebauliche und architektonische Qualitäten können auf bürokratischer Ebene so nicht stattfinden oder bleiben folgenlos. Dazu hängen wir Deutschen wohl auch zu sehr am geschriebenen Wort. Ich habe einmal gelesen, dass die Hälfte der gesamten Steuerliteratur weltweit in deutscher Sprache verfasst ist – und trotzdem findet fast jeder, den ich kenne, unser System unsinnig – außer vielleicht die Mitarbeiter der Finanzämter – cui bono. Viel scheint nicht immer viel zu helfen. Die Regelungen zur Bezahlung kirchlicher Angestellte durch den deutschen Steuerzahler fußt auf Verträgen, die vor über 200 Jahren verfasst wurden und die bruchlos von den Königen über das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus bis in unsere Republik gerettet wurden. Da traut sich niemand ran, obwohl es den Staat jährlich Milliarden kostet. In England, wo ich einige Jahre verbracht habe, kommt man hingegen – streng genommen – ohne eine moderne geschriebene Verfassung wie unser Grundgesetz aus. Und englische Architekten, die sich über unsere HOAI nur wundern, werden meist besser bezahlt und höher geachtet. Auch dort gibt es aber sehr schöne Städte, zauberhafte Dörfer und Landschaften, auch diese Gesellschaft funktioniert – anders als bei uns zwar, aber durchaus sympathisch. Vilém Flusser hat einmal postuliert: „Wir müssen vergessen lernen.“ Das Abendland wird nicht untergehen, unsere schönen Städte werden nicht in Anarchie verfallen und verkommen oder unkontrolliert in den Himmel schießen, nur weil eine deutsche Behörde, die sich wahrscheinlich gerne sakrosankt sähe, nach einer bestimmten Zeit turnusmäßig einmal getroffene Entscheidungen hinterfragen muss oder schal gewordene Gesetze auslaufen. Vielleicht führt das aber insgesamt zu weniger bedrucktem Papier und größerer Bau- und Lebensqualität. Ich finde, es wäre längst einen Versuch wert.

    Nur Mut! sagt

    Jörg Kempf, Freier Architekt, Berlin

    P.S. Warum erstaunt mich nicht, dass hier die Gegner einer Befristung eher auf der Stadtplaner- und Behördenseite stehen…

  11. Lieber Kollege Kopp,
    es mag ja ab und an vorkommen, dass die eigenen beruflichen Freiheiten durch die Festsetzungen eines alten Bebauungs- und Grünordnungsplanes gebremst werden, aber daraus dann gleich den Schluss zu ziehen, dass diese Pläne nur noch eine begrenzte Zeit Rechtskraft haben sollen, finde ich absurd!
    Das BauGB hat mit den Anforderungen an die Bauleitplanung ein bewährtes Instrument geschaffen über das wir durchaus froh und vielleicht auch stolz sein können. Immerhin regelt es bei uns vieles, was in anderen Ländern zur Zersiedlung und unstrukturierten Entwicklung führt.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder Bebauungs- und Grünordnungsplan nach 7 oder 10 Jahren wieder das förmliche Verfahren mit allen Schwierigkeiten und Abstimmungs-problemen durchlaufen muss. Alleine welcher bürokratische Aufwand dadurch notwendig wird, ganz zu schweigen von den zusätzlichen Mitteln bei den eh schon knappen öffentlichen Kassen.
    Ich unterstelle Ihnen jetzt nicht, dass Sie diesen Vorschlag zur Arterhaltung sozusagen als Beschäftigungspolitik formuliert haben.
    Vor einigen Jahren gab es in Bayern die Initiative für den „schlanken“ Bebauungsplan das halte ich nach wie vor für den richtigen Ansatz, um unnötige Probleme für die zukünftige Stadt-und Ortsentwicklung auch älterer Bebauungs- und Grünordnungspläne auszuschließen.

    Ulrich v. Spiessen
    Wolfgang Weinzierl Landschaftsarchitekten GmbH, Ingolstadt

  12. „Das Ende des Plans“

    Das klingt als Überschrift verdammt gefährlich, assoziiert fast: das Ende des Planers. Denn damit würden die Architekten und Planer auf ihr ureigenstes Interesse verzichten. Für “den Plan”, ob Bebauungs- oder Hochbau-Plan, werden sie ja schließlich ausgebildet. Wie ein Arzt für die Gesundheit, ein Jurist für die unumgänglichen Rechtsstreitereien usw.

    Beim Bebauungsplan geht es in erster Linie um städtebauliche, landschaftliche, verkehrliche, ökologische, rechtliche, wirtschaftliche Zusammenhänge, die letztendlich die Gesellschaft (uns alle also) und nicht so sehr das Individuum betreffen. Hier werden vom Autor wohl eher indirekt in erster Linie Stadt- und Landschaftsplanung angesprochen. Das kann man doch nicht so ohne weiteres mit einem „Ende des Plans“ begraben!

    Der Anstoß des Autors ist hoffentlich so zu verstehen, dass er keinen Dolchstoß gegen die Stadt- und Landschaftsplaner als häufige und auch folgerichtige Bebauungsplaner vorhat. Auch wenn er indirekt von diesen Planern nicht so viel zu halten scheint. Er erähnt sie ja noch nicht einmal richtig und spricht von der Gemeinde.

    „Vom Pöbel gebodigt“

    Allein diese Überschrift: super! Und dabei ein neues Wort kennengelernt! Zu diesem schönen Artikel möchte man eigentlich als Münchner nur stoßseufzen: wie wahr!

    Die Architekten (und andere sog. Fachleute im Ingenieurbereich) werden nach Stuttgart 21 die Verlierer der Zukunft sein. Wie die Architekten noch mehr Verlierer sein werden, wenn sie “den Plan” aufgeben. Man wird sie dann noch weniger brauchen, obwohl sie mehr als zwingend nötig wären!

    Festsetzungen des Bebauungsplanes – zu fest?
    Veränderungen sind sehr wohl möglich!

    Das Argument, es hält sich sowieso keiner an den BP außer vielleicht am Anfang, mag in gewisser Weise richtig beobachtet sein. Die Meinung des Autors, dass nach weniger als einem Jahrzehnt der Bebauungsplan (BP) damit quasi nichtig sein, zeigt außer der schlechten Erfahrung doch bei den Beteiligten nur Schwäche, Mutlosigkeit und Wendehalsigkeit auf, z.B. die der Gemeinderäte und der Bürgermeister, die ihr Fähnchen, sattsam bekannt, im geneigten Winde schwingen, weil sie ja partout wieder gewählt werden wollen.

    Jeder Bebauungsplan kann durch Mehrheitsbeschluss jederzeit geändert und der Zeit und ihrem jeweiligen (Un)Geist angepasst werden. Auch die angesprochene Nachverdichtung kann so durch ein Änderungsverfahren im BP erfolgen. Praktisch scheitert das an den Nachbarn, wie wir es öfters schon erlebt haben. Aber es hat vereinzelt auch funktioniert, wenn z.B. tiefe Grundstücke hinten eine zweite Baureihe erhalten.

    Der Bebauungsplan ist nicht a priori schlecht und er ist nicht schlechter als die Bauherren der Häuser, die ja selten genug mit Architekten ihr Haus gebaut haben. Wobei viele Architektenkollegen auch nicht so recht darüber informiert zu sein scheinen, was ein BP denn wirklich ist.

    Vielleicht sollte man die BPs besser honorieren, damit noch mehr Sorgfalt walten kann, was heute ohnehin durch die differenzierte Gesetzgebung erwartet wird. Verschlankt haben sich nach unseren Erfahrung lediglich Aussagen zu Gestaltung. Zu Lärm und Umweltschutz, zu Nutzungsproblemen selbst wird immer mehr ausgesagt.

    Die Gestaltung aber blieb auf der Strecke, wenn sie vom Architekten nicht doch aus einem berufstypischen Sendungsbewusstsein heraus manchmal “gefühlt” in die Planung reingezwängt wurde.

    Ein BP nach 7 Jahren ohne Satzungskraft?

    Nach sieben Jahre, meint der Autor, auf den BP verzichten zu können. Warum nach sieben Jahren? In der Ehe spricht man vom verflixten siebten Jahr. Oder denken wir an Archibald Douglas: ich hab ihn getragen sieben Jahr/ und ich kann ihn nicht tragen mehr/ mein Häuschen einst doch so viel schöner war /wenn der Bebauungsplan nicht wär…

    Sieben Jahre, warum gerade sieben Jahre? Wobei die Douglasie als Nadelbaum (man verzeihe das Wortspiel) möglicherweise schon wieder im BP verboten ist.

    Ein BP, der nur aus rechtlichen Gründen um irgendein planerisches Häuslebauer-Konstrukt geschnürt wird, ohne die eigentlich notwendigen städtebauliche Grundsätze zu hinterfragen, ist in der Tat zu verwerfen. Dem sollte man nicht einmal eine Gültigkeit von 7 Jahren wünschen.

    Bebauungsplanung ist stets eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit, die aber leider von allen Beteiligten vielfach so nicht gesehen und keineswegs dementsprechend honoriert wird.

    Nach sieben Jahren sollen die Grundstückseigentümer im Geltungsbereich entscheiden-?

    Und dann soll nach Meinung des Autors die Mehrheit in einem auslaufenden BP darüber entscheiden können, ob der neue Bauherr X statt des abzubrechenden Schwabenhäusles mit Satteldach und vorgeschriebener Firstrichtung nunmehr einen hochmodern-modischen Betonkubus aus eleganter Architektenhand bauen kann? Wir wissen doch, wie das ausgeht! Architekt und Bauherr werden gleichermaßen von der doch meist spießigen Mehrheit (gehobener Obermittelstands-Pöbel?) „gebodigt“.

    Sollen die Bewohner wirklich nach 7 Jahren alleine entscheiden dürfen, wie sie wohnen wollen? Können sie es überhaupt? Sie sind geprägt von Bausparkassenfachzeitschriften, die sich immerhin bemühen. Überdies sind sie geprägt von Traumhausgewinnen im Fernsehen, die vor Jahren noch aus einer stilistisch alle Vorurteile bedienenden Säulen- und Erker- und Gauben-Architektur bestanden.

    Was haben die denn in der Schule von Architektur oder gar von Städtebau gehört? Oder sollten sie gar in ihrem eigenen Studium dauernd Vorlesungen über moderne Architektur gehört haben?

    In einem Schulsystem, in dem viele nicht mal richtig lesen können, in dem anderseits in Biologie Themen gelehrt werden, die Mediziner erst im 3.Semster lernen, wird doch auf Begriffe wie Städtebau, Wohnumfeld, öffentlicher Raum mit Straßen und Märkten ihren vielfältigen Funktionen nahezu keinerlei Wert gelegt! Das ist ein Defizit, was sich baukulturell rächt. Die Starbauten der globalen Weltstars übertünchen diesen erheblichen Mangel nur.

    Dabei sitzen sie doch alle so gern draußen in den Straßencafés, aber in ihrem bebauungsplanmäßig erfassten Wohngebiet ärgert sie das Verbot der hohen abschirmenden Thujahecke. Sie wollen sich doch verstecken. Die Öffentlichkeit findet doch ohnehin übers Fernsehen statt. Hier vereint sich eine Millionengemeinde um „Wetten dass“ und trauert mit dem Gestürzten, außerdem um Soaps, um endlich Leben, Lieben, Unglück, Kummer hautnah zu erfühlen…

    Die Bewohner sollen entscheiden? Wir sind das Volk. Und die Experten sind überflüssig. Warum studiert ein Architekt denn überhaupt? Der Architekt nur noch als Moderator, Mediator für Bürgerinteressen, wo doch nur recht hat, wer am häufigsten Leserbriefe schreiben, am lautesten schreien und am besten Demagogie mit Halbwahrheiten betreiben kann? Natürlich immer nur gegen „die da oben“, die nur ihre Macht missbrauchen, man sieht’s ja an der Politik usw.

    Diese schweigende, dumpfe Einfamilienhausmehrheit ist in der Tat widerlich. Und da muss ich dem Verfasser recht geben: ob mit oder ohne Bebauungsplan. Ein Spätzle wie das andere in eine Einheitssauce der Erschließung getaucht, was niemals Kriterium für „haute architecture“ sein kann. Kochsendungen gibt es viel zu viele, Architektursendungen über Städtebau viel zu wenige!

    Leute, die sich bei XXL Lutz (hübsch getarnt mit dem roten Stuhl eines fernsehbekannten Schauspielers und dabei auch so begnaden Kabarettisten) oder wie auch immer diese Riesen-Möbelmärkte heißen mögen, ihre monströsen Polster-Garnituren und immer noch nachgebauten Gelsenkirchener Barock-Möbel kaufen, sollen allen Ernstes über Architektur und Städtebau entscheiden?

    Es ist ja schon beim Thema Kunst im öffentlichen Raum ein permanentes Trauerspiel: mit diesem (modernen, jurybepreistem) Kunstwerk bin ich als Bürgermeister bei der nächsten Wahl erledigt! Also kommt doch der hübsch gefällige Brunnen, den alle lieb haben ob seines Plätscherns…

    Es gibt ja vernünftige Bürger, das sind natürlich die, die sine dubio pro reo, lies: pro Planer sprechen. Aber denken wir doch an die vielen Nachbarschaftskonflikte, Thema jedes Komödienstadels! Wie will man denn diese ohne BP lösen?

    Ein Bebauungsplan wird von den Zeitläuften überholt -?

    Was heißt das? Der BP ist aus der Vergangenheit entwickelt? Das alte ländliche Dorf ist ohne BP auch in und weiter dann aus der Vergangenheit entwickelt, ist aber, wie wir es heute empfinden städtebaulich noch harmonisch, die Auffälligkeiten liegen nur in unpassenden Fenstern und anderen Wandmaterialien der Baumärkte.

    Der alte fränkische Ort unter Denkmalschutz (ist der auch schon ein Zuviel ab Bindung?) stammt auch aus einer längst vergangenen Zeit. Mit Hilfe der Städtebauförderung konnte viel reaktiviert werden. Und das war gut so.

    Und genau so lässt sich auch ein alter Bebauungsplan (wenn er denn ein charakteristisches Wohngebiet zum Gegenstand hätte) reaktivieren und den heutigen Belangen anpassen. Wenn man die notwendige planerische Sorgfalt und ein Gespür für die Situation walten lässt!

    Der BP soll eine städtebauliche Ordnung schaffen. Das mag mancher Architekt nicht so gern haben, weil er scheinbar eingeschränkt wird. In der Beschränkung sollte sich aber nicht nur nach Goethe ein Architekt auch als Meister zeigen können. Machen wir uns doch nichts vor: manchmal wird doch auch von Kollegen recht ellbogenkräftig rein geklotzt ohne auf die Nachbarschaft Rücksicht zu nehmen.

    Mancher Bauherr baut um, vor allem wenn er sparen kann, z.B.an Energie. Dann kann man doch den BP sehr flexibel handhaben. Man muss es nur tun. Und dafür auch Geld ausgeben, was wohl ein Haupthemmnis einer Planüberarbeitung ist.

    Aber jeden sein Haus dorthin positionieren zu lassen, wo er mag, das verletzt doch nur zu leicht die Rechte der Nachbarn. Wie sagt doch so passend die Postbank: unterm Strich zähle ICH. Dieser verdammten EGO-ismus der Gesellschaft mitsamt der fachlichen Besserwisserei vor allem in akademisch verbauten Vororten ist doch kein Nährboden für einen sinnvolle städtebauliche Entwicklung und Architektur.

    Eigentumsgarantie des Grundgesetzes?

    Die Grundeigentümer sollen selbst entscheiden und nicht der Gemeinderat, was ja immerhin die gewählten Vertreter Gemeinschaft sind? Und das dann mit der “Eigentumsgarantie” des Grundgesetzes begründen? Das liegt doch ziemlich daneben. Eigentum verpflichtet heißt es doch. Das Eigentum an Grundbesitz verpflichtet auch! Übrigens auch zu sparsamen Umgang mit Grund und Boden. Es verpflichtet auch zur wechselseitigen Rücksichtnahme untereinander und gegenüber der Öffentlichkeit, deren Interesse ja letztendlich nicht als der geringste Punkt in einem BP zu berücksichtigen ist.

    Komisch, Lehrpläne werden von der Ministerialebene festgelegt, PISA Studien bescheinigen die Irrtümer und geben durch den internationalen Vergleich zu Veränderungen Veranlassung. Und wie schaut es bei Städtebau und den Bebauungspläne aus? Wo bleiben die entsprechenden vergleichenden Studien? Aber deswegen auf den BP zu verzichten?

    Die Gesellschaft muss endlich begreifen, dass Eigentum städtebaulich ein „pars in toto“ ist, ein Teil des Ganzen. Es ist Teil einer Gemeinschaft, in der nicht Geiz geil ist und in der nicht die Postbankmotti der Werbemacher gelten. Bis die eines Tage auch in die Motten kommen wie angeblich der siebenjährige BP als siebenjähriger Krieg mit den egoistischen Einzelinteressen der Bewohner.

    Muss man etwas Werbefirmen, wie es die Makler und Investoren manchen, einschalten, um die städtebaulichen Qualitäten eines neuen Wohngebiets werbend positiv zu vermarkten? Da brauchen wir dann den Spezialisten mit Erfahrung. Aber der Architekt oder Stadtplaner- ist denn der kein Fachmann?

    Die Architektenkammer selbst hat sich doch immer wieder in ihren Seminaren bemüht, den Städtebau in unserem Land der Dichter und Denker nicht gänzlich verkümmern zu lassen. Der scheint jedoch schon partiell verdorben zu sein durch die Starbauten der Arch-Stars, auf die man bewundernd bis neidisch schaut. Und das eigene Umfeld um den scheuklappenhaft gesehenen eigenen Bau übersieht man nur zu gerne. Und schimpft dann bei Bedarf auf die Bebauungspläne. Der Planverfasser ist der Schuldige, nicht wahr?

    Festsetzungen zu First, Dachneigung, Kniestock-?

    Es geht doch um mehr als ums Häuslebauen mit oder ohne Kniestock oder um irgendwelche Koniferen oder Einfriedungen, die einzuhalten sich manche Gemeinde nicht zu fordern trauen. Unser Dorf soll hässlicher werden. Darüber gab es mal interessante Ausstellungen, Fernsehsendungen und Bücher.

    Das Bayerische Fernsehent interessiert sich durchaus für Architektur, statt hässlichen Dörfern werden lobenswerterweise interessante Architekturen vorgestellt. Ist ja nicht schlecht. Aber es bleibt zu wenig!

    Das Gefühl des Menschen für sein direktes Umfeld ist leider weitgehend verloren gegangen. Was interessiert denn die Allgemeinheit, wenn es allein um mich geht, wenn nur das ICH unterm Strich zählt? Und zu dieser Gemeinheit kommt noch, dass die Politiker auch immer nur den eigenen Vorteil sehen. Das hat doch nicht zuletzt Wikileaks mehr als deutlich gezeigt mit seinen Enthüllungen. Die Leute gehen immer weniger zur Wahl, die Politiker sind schlecht, my home is my castle. Da verbarrikadiere ich mich geistig. Hinter der Thujahecke.

    Verstöße gegen Festsetzungen werden nicht geahndet

    Auch das ist ärgerliche Bequemlichkeit. Angst vor dem Bürger, der bei der nächsten Wahl seine Denkzettel verteilen könnte, rabiat, egoistisch.

    Und Architektenkollegen regen sich, auf, wenn die Gardinen nicht zu ihrer Fassade passen und verlangen die absolute Reinheit ihres Entwurfs. Der Städtebauer soll es nicht dürfen?

    Auch ein BP kann und sollte “Stadtbaukunst” sein (oder ist das zu altmodisch?), kann die Besonderheiten eines Ortes, einer Region erfassen, sich den lokalen Gegebenheiten anpassen, das Lokalkolorit wahren – und trotzdem modern sein, wenn man sich entsprechende Mühe gibt.

    Dem Bürger wird verwehrt, seine Gebäude …nach seinem ästhetischen Empfinden optimal auf dem Grundstück…zu platzieren,

    Ja, hat denn der Architekt nichts gelernt? Redet dieser Bauherr dem Chirurgen auch während der OP dazwischen, dass er es irgendwo in Focus oder Spiegel oder der Bunten unter der Bestoperiererliste es anders gelesen hat?

    Oder flüchtet hier ein Architekt mal wieder in Nachhaltigkeit und Ökologie etc. als Ausrede für fehlenden Gestaltungswillen? Das ist dann genau so ein Irrtum wie der Glaube, dass ein guter BP das Bewusstsein der Bewohner so verändern könnte, dass sie sich als Bewohner eines Quartiers und nicht nur als Bewohner ihres Rollladen-verbarrikadierten Hauses fühlen.

    Wenn die Bürger selbst entscheiden dürfen – dann entscheiden sie erst einmal gegen die Obrigkeit. Kein Wunder bei der Wahlmüdigkeit ob derzeitiger Politik. Man hat die Nase voll. Also fühlt man sich durch Behörden und den BP gegängelt.

    Da zeigt man zunächst noch Gemeinsinn, weil (fast) alle erst einmal dagegen sind. Wenn dann aber mein Nachbar geradeswegs sein Haus dorthin baut, wo ich nebenan meine frei besonnte Gartenwiese haben möchte, dann beginnt schon wieder der Konflikt in der Nachbarschaft. Wenn mein Nachbar am Doppelhaus seinen Balkon betoniert und ich lieber etwa locker leichtes haben möchte, dann ist die Streithanselei des weiteren vorprogrammiert.

    Die unerlaubten Gehölze….

    Die unerlaubten Gehölze, über die sich der Autor mokiert – es ist doch grausam, wie gerade bei den Eckgrundstücken die Thujen im Sonderangebot aus der Pflanzenabteilung des Baumarktes im Dutzend billiger geholt werden. Sie kosten wenig und machen als Immergrüne wenig Arbeit! So dass Herrchen oder Frauchen (meist letztere) getrost Grün wählen kann. Die Landschaft wird zersiedelt, aber wehe, wenn der BP einen Baum oder Strauch festsetzen mag.

    Das Problem ist dieser unsägliche Hang zum Einfamilienhaus, um das man partout auch noch herumgehen muss (my home is my castle), mit großer Grundfläche und schön plattierter Terrasse und einer überbreiten Garagenzufahrt (natürlich Doppelgarage) mit dem obligatorischen Stauraum – das ist die eigentliche Landschaftszerstörung. Intelligente B-Pläne können dem entgegenwirken. Das ist immer wieder einen neuen Versuch wert!

    Womit kann man den Grünzüge oder wenigstens Grünstreifen sichern – am besten doch über den Bebauungsplan. Es gibt auch B-Pläne nur für Grünflächen, sollen die nach 7 Jahren auch ungültig werden, um sie dann vielleicht doch noch zu verbauen?

    Überdimensionierter Straßenquerschnitt mit einem Unmaß an Parkraum

    Nicht die viel zu breite Erschließungsstraße ist das Problem – die kann man ja verschmälern und mit Baumgräben versehen, auch bei einer evtl. Planänderung. Man muss dann gleich fragen: wer plant denn heute noch in einem Wohngebiet so breite Straßen?

    Bei Wettbewerben werden diese aus graphischen Gründen oft so schmal gezeichnet und die Kreuzungen so klitzeklein, dass keine Feuerwehr durchkommt. Sieht aber beim 1.Preis gut aus. Und genau diese Feuerwehr wird spätestens im BP-Verfahren vom Bebauungsplaner fordern, dass die Straßen so breit sein müssen, dass man im Notfall zu jedem brennenden Haus durchkommt.

    Und wenn es dazu trotz allem Gerede von Ökologe und Nachhaltigkeit des Bauens so viele Autos auf dem flachen Land gibt, dann muss der BP dafür sorgen, dass diese wenigstens “geordnet” und so umweltschonend wie möglich platziert werden. und ein vernünftiger Planer wird dabei die Qualität des öffentlichen Straßenraums herausarbeiten, etwa durch die integrierte Grünordnung, eine absolute Notwendigkeit, die weitestgehend praktiziert wird.

    Das Unmaß von Parkraum – die Unmäßigkeit der Bewohner, die mangels ÖPNV jeder ein Auto haben wollen, lies: 4 PKW bei einer vierköpfigen Familie mit erwachsenen Kindern. Und auch die Oma in der Einliegerwohnung fährt heutzutage wahrscheinlich auch noch Auto. Die Autos müssen doch alle irgendwo stehen – auf versiegelten Flächen natürlich. Das ist zwar Wahnsinn, der aber leider auf dem flachen Land Methode hat. Wenn die Raumordnung derlei Entwicklungen ohne ÖPNV zulässt, darf man sich nicht wundern. Der Plan kann darauf nur reagieren, indem er die Versiegelung auf ein Minimum beschränkt! Und er kann die Parkplätze z.B. mit Bäumen gestalten.

    Bedenkenswertes zu den beiden Artikeln und offene Fragen

    Tante Emma ist gestorben, Aldidl triumphiert. Der Bebauungsplaner versucht mit Kreisverkehr und entsprechender Begrünung noch zu retten, was zu retten ist. Ohne BP wäre es doch noch so viel schlimmer. Ja, wenn es den österreichischen M-Preis mit seien hochinteressanten Architekturen in Deutschland geben würde… Felix Austria präsentiert sich durchaus als modernes Architekturland, aber wir sind nicht in Tirol, aber immer noch bei Geiz ist geil und anderen dummen Werbesprüchen.

    Ohne Sonderpreise geht gar nichts. Und so sehen die linksrechtsgestrickten EF-Gebiete aus, daran ändern auch die langen Stangen nichts, die demokratisch (weil ja gleichgeschaltet) und als ökologisch richtig (Besonnung usw.)…

    Aber von der Nachhaltigkeit des Bauens und des Städtebaus für die Seele des Menschen, davon redet man zu wenig. Da hilft dann der Psychologe bei dem, was der Stadtplaner nicht durch seien Planung helfen durfte. Erhöht die Gesundheitskosten noch weiter. die Gesundheitsreform ist ein Dauerthema, nicht aber der miese Städtebau mit seinem monotonen Einfamilienhausbaueinerlei. Eigentlich brauchen wir eien Städtebaureform.

    Und dann wird ausgerechnet die Städtebauförderung noch gekürzt: passt doch alles zusammen, wie dies Land sein eigenes Erscheinungsbild in Städten und Dörfern sieht. Eine einzige Ramsauerei!

    Dabei hat der B-Planer doch schuld, nicht wahr, weil er das gefühlte Toscanahaus oder den palladiohaften Villenverschnitt per Satzung verhindern wollte. Und die Engstelle für die Verkehrsberuhigung, im BP festgesetzt, will man natürlich auch nicht vor seinem Grundstück haben, weil ICH direkt vor meinem Haus parken will.

    Ein alter Ministerialrat, der vor längerer Zeit zuständig für den bayerischen Städtebau war, hat einmal sinngemäß gesagt: Plant den öffentlichen Raum in einem Baugebiet mit aller Sorgfalt so, dass dieser per se wirkt, dass die Stellung de Gebäude daran auch eine hohe räumliche Qualität hat, dass die Begrünung stimmt, dass also ein Straßenraum entsteht, an dem dann jeder im städtebaulichen Kontext des öffentlichen Raums so bauen kann, wie er mag.

    Wir können ergänzen: er sollte es doch lieber nicht mögen, einen viergeschossigen Flachdachkubus neben ein Toscanahaus oder ein Sylter Fischerhaus mit Reetdach zu setzen.

    Wie hörte ich mal einen Stadtbaumeister in Niederbayern sagen: ich erkenne alle Jahre wieder, wo die Leute im letzten Urlaub waren. Und die Urlaubswellen trecken immer weiter, waren es früher mal Oberbayern, dann Kärntner Seen. dann Oberitalien, dann die Balearen, Kanaren – und immer weiter, weil der Flug ja immer billiger wird. Es fehlt nur noch, dass zusammen mit der Sushi- und Thaifood und Chinesen-Invasion auch bei uns japanische und chinesische Häuser bei uns gebaut werden. Ob mit oder ohne Bebauungsplan…wenn es die Mehrheit der Bürger so will?! Na also….

    Die Honorierung von B-Plänen? Der BP ist der neuen HOAI ja auch nicht besonders viel mehr wert. Und daran sieht man doch, wie die politische Klasse und die ihr untertane Masse den Städtebau wertschätzt.

    Einer der heutigen Grundfehler ist ja, irgendwelche Stangen allüberball über das Land zu verteilen, vielleicht weil’s sich am Computer leichter zeichnen lässt und das dann mit Prinzipien wie sparsamer Umgang mit Grund und Boden, Ausrichtung zur Sonne, Nachhaltigkeit, geringen Heizkosten usw. zu tarnen – und dabei leider eines zu vergessen, was die breite Masse ja überhaupt nicht gelernt hat: Gestaltung!

    Ist der Bürger denn wirklich in der Lage, a l l e Verflechtungen, Vernetzungen, Abhängigkeiten einer Planung nachzuvollziehen, wie etwa auch der Abhängigkeit von Raumplanung, regionalen Überlegungen, überörtlichen Verkehrskonzepten? Wenn selbst mancher Planer an dieser Fülle der sogenannten Träger öffentlicher Belange scheitert.

    Das ICH der Bürger! Wenn für die Schule in richtiger Lage ein BP aufgestellt wird, dann wollen das doch die alten Anlieger nicht, weil Kinder laut sind. Alle Spielplätze auslagern? Oder nicht doch lieber wohnungsnah im BP verankern?

    Viele Bebauungspläne sind doch tatsächlich, wenn auch nicht im rechtlichen Sinne, vorhabenbezogene Bebauungspläne. Wenn ein Investor ein Wohngebiet mit plant, dann wird doch letztendlich der gemeinsam erarbeitete städtebauliche Vorschlag bebauungsplanmäßig erfasst, d.h. alle Ziele von Gestalt bis Ökologie, von Verkehr bis Nachhaltigkeit werden zeitbezogen erfasst.

    Daneben gibt es zwangsläufig auch die B-Pläne für die sog. individuellen Einfamilienhäuser, die sich ja ohnehin kaum unterscheiden, weil Architekt oder gar Landschaftsarchitekt vom Häuslebauer als viel zu teuer empfunden werden.

    Halten wir das Instrument BP doch so flexibel, wie es sein kann: veränderbar, anpassbar nach neuen Erkenntnisse. Oder will man dann lieber keinen geänderten BP, weil das dann kostet, weil der „arme“ planende Architekt nach einer ohnehin nicht gerade überreichlich dotierten HOAI planen muss?!

    Die Bürger schreien, wenn alte Bäume abgesägt werden oder ketten sich zuvor daran. Die Bürger schreien aber auch, wenn ein neuer Baum genau vor ihr Grundstück gepflanzt wird und gießen Öl drauf. Die Bürger sind doch viel komplizierter als es jeder BP nur sein kann!

    Nicht der BP gehört abgeschafft – sondern diese entsetzliche Gleichgültigkeit der meisten Menschen unserer gebauten Umwelt gegenüber. Oder wird der Rollladen zum hermetischen Ausdruck des „my home ist my castle“ hinter dem undurchdringlichen Schutzwall der Thuja- Hecke? Amen!

    Dennoch lebe der Bebauungsplan! Man nehme ihn ernst! Man sehe ihn nicht nur als Rechtsinstrument! Man schütze durch ihn den Menschen – auch vor den Menschen selbst! Man begreife ihn als Chance für einen in jeder Beziehung nachhaltigen Städtebau, für einen menschen- und seelenfreundlichen Topos – und nicht zuletzt für eine anspruchsvolle und lebenswerte Stadtbaukunst.

    So schnell wie leider oft der Ruf Ausländer raus könnte es auch schallen. Architekten raus. wir Bürger sind die wuchtige mediokre Mitte, um die sich alle Politiker reißen. Wir sind ja schließlich das Volk. Und wir haben auch recht, wenn es um Planen und Bauen geht. Schließt die Hochschulen, denn die Architekten sind doof. Wie steht unter “Querstreber”: für Architektur ist es zu doof? Wie wahr! Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen .. und als die fühlen wir uns natürlich alle, nicht wahr?

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Becker-Nickels, Architekt+Stadtplaner, München

  13. Liebe Kollegen,

    ich habe nicht erwartet, dass meinem Denkanstoss mit Jubel begegnet wird, vor allem nicht von den Kollegen, deren täglich Brot das Erstellen derartiger Pläne ist.
    Nur, ist es nicht so, dass sich die Architektenschaft in eine, von Verwaltungsvorschriften bestimmte, Zwangslage begibt, anstatt zu fordern, dass Architektur, Stadtplanung und auch Freiflächengestaltung sich in bestimmten Rhytmen immer wieder neu definieren muss.
    Bedenklich erscheint mir bei einigen Beiträgen die durchschimmerende Arroganz des Planers, der dem mündigen Bürger das Recht zur Mitsprache abspricht. So ensteht Stuttgart 21!
    Eine definierte Ablaufleistung von Plänen, die ich nicht gleichgesetzt habe mit einer Aufhebeung, sondern mit einer sinnhaften Überprüfung bietet die einmalige Chance für Bürger und Planer, das Umfeld nach zeitgemässen Bedürfnissen zu gestalten.

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