Dem ironischen und selbstironischen Reimen hat sich der Münchener Architekt Frank Becker-Nickels verschrieben. Stilfragen, Berufsnöte, Stadtplanung, Ökologie – alles behandelt er in Versform unter seinem Pseudonym Fra’Beni. Unten einige Kostproben mit freundlicher Genehmigung des Autors. Mehr vom Autor hier .
Fra’Beni: Arch’s Zeilen+Verse
Verlag BOD, Norderstedt
ISBN 978-3-83914-458-9
151 Seiten
10,80 €
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Kleine Träume ganz groß
Der ARCH wuchs auf in kleinen Räumen
Und neigte drum zum GROSSEN Träumen.
Als er dann plante für die VIPS,
trug er sogar mal einen Schlips,
und soff sich durch und trieb sich rum,
fand dies Trieb-Treiben gar nicht dumm.
Darum in alten Träumen
Wollt‘ ARCH nicht mehr aufräumen.
Er ließ die alte Fliegen
im tiefen Keller liegen.
Das Haus vom Nikolaus
Ein Architekt sah eine Gerade,
und fühlte Kummer dann:
die Grad‘ allein ist doch zu schade,
ich füg noch etwas an:
ein Winkel rechts, ein Winkel links,
eine Gerade oben quer
ein Schrägstrich rechts und einer links,
so ein Dach macht doch was her!
Doch irgendwie gefiel‘s ihm nicht,
kreuzt alles mittig aus:
das Haus mit Allerweltsgesicht,
das Haus vom Nikolaus.
Die CAD-Linie
Ein ARCHitekt der dachte sich:
Jetzt brauch ich doch C-A-D,
er müht‘ sich ohn-Ende-lich:
jetzt ich klare Linie seh’!
ARCH war drauf stolz, was ihm gelang,
wiederholte Linien stets,
vorm Computerabsturz war ihm bang,
linientreu blieb er gradeswegs.
So zog er Reihen ohne Ende,
verschob sie parallel,
er liebte nur noch grade Wände,
weil: Rundung ihm schlug fehl.
Stilgeschwätz
Ein Architekt kennt seinen Stil.
Und er kann sehr gut schwätzen,
drum taugt sein Baustil ja soviel,
Investoren ihn drob schätzen
Der neue Stil
Ein ARCH, der baute ein Modell,
am Brett der Sohn wild wackelt
zusammen fällt da alles schnell,
was grad‘…. wirkt nun gezackelt…
Mein Sohn, das war von dir zu viel,
dann lachte er gewitzt:
ich mach draus einen neuen Stil.
Und das hat ihm genützt.
ARCH ummauert
Ein ARCH sehr gerne darauf schaut,
dass einen feinen Stil er baut,
ARCH baute wunderbare Villen,
weil er der Bauherrschaft zu willen.
Ein bisschen von Palladio,
ein großes Portal, das sowieso,
die Säule fehlt nicht postmodern,
Dacherker walmt er auf so gern.
Nur eine Sorge plagt den ARCH:
Damit sein Bauherr dieblos schnarch—
tttt— ließ das Grundstück dieser hoch ummauern,
vom Haus drum nix mehr zu erschaue-r-n!
ARCHs Wiederkehr
Ein ARCHitekt, der etwas alt,
sah frühe Entwürfe an:
Betonmoderne, klar und kalt.
Da dacht sich der Mann:
Ich sehe hier die Wiederkehr,
denn modisch geht die Zeit;
nahm seine alten Pläne her
zum Fortschritt stets bereit!
Die geteilte Höhe
Ein ARCH der wollte hoch hinaus,
denn er geht mit der Mode,
und plante drum ein hohes Haus
wie der Dichter die lange Ode.
Er begehrte wahrlich hoch hinaus,
doch dann kam‘s Bürgerbegehren
Im Votum stürzte ein das Haus,
sie taten’s ihm verwehren.
Einhundert Meter und nicht weiter
hieß dann es bald in dieser Stadt.
Der ARCH, der war ein Blitz-Gescheiter:
den Plan geteilt er hat.
So stehen da zwei öde Stangen
direkt an der Autobahn.
Die Genehmigung tat er erlangen,
weil der Vorschrift Genüge getan…
Das Reihenhaus und der Essigbaum
Eingeklemmt in langer Reihn,
das Reihenhaus aus Beton gebaut.
Dort in der Mitte muss es sein,
man’s dunkel unter Bäumen schaut……
Wenn man den schatt’gen Steig durchgangen,
am Essigbaume macht man halt,
da wird man freundlich hell empfangen,
kein Rollladen hier niederknallt……
Die Vögel zwitschern früh am Morgen,
die Sonne bricht sich in der Linde,
hübsch unter vollstem Grün verborgen…..
….. als ob im Walde man sich finde…….
Was haben jene Architekten
Bei vier Meter Achsmaß sich gedacht?
Was war’s, das damit sie bezweckten?
Doch K u n s t der Architekt ja macht!
Hat man sich durch den Schlauch bewegt,
schaut man sich gern die Gärten an:
Die Hausfrau ihr Achsmaß hegt und pflegt,
da kommt kein anderer wohl ran!
Und ach, des Essigbaumes Äste,
die recken sich so himmelwärts,
hoffentlich fall’n sie nicht auf Gäste,
Bäume beschneiden – Weh fürs Herz!
Wohltätig ist des Baumes Macht,
wenn es der Mensch bezähmt, bewacht,
doch furchtbar Essigbaumes Kraft,
wenn er mit Wurzeln sich entrafft
und überall sucht seine Spur,
die wilde Wurzel der Natur!
Der ARCH liebte mal den Essigbaum,
weil der schön graphisch anzuschaun,
und was so stur Beton-gestylt
wird durch den Essigbaum geheilt-
er schafft da was an Atmosphär’,
was ohne diesen Baum nicht wär.
Plattenbauweise auf dem Boden
Der neue Platz, plattierte Größe,
und kaum ein Baum bedeckt die Blöße.
Plattenbauweise auf dem Boden,
grau und geordnet nach der Moden.
Gemütlichkeit kann zwar betören,
doch würd‘ sie Platzes Wirkung stören!
Den Königsplatz machte man Grün,
dessen Platte anderswo erschien.
Eine weite Leere wie Chirico,
der ARCH der sieht das wirklich froh,
das ist der Klarheit schönste Sicht
kommt auf den Platz der Bürger nicht!
Der geplatzte Platz des ARCHs, der platzt
Ein ARCH, der einen Platz gebaut
entsetzt nach Jahren auf den schaut.
Denn dieser Platz platzt ungeniert,
weil man ihn fürchterlich möbliert
mit Trögen, dicken Koniferen,
den Blick vom Freisitz zu verwehren
auf diesen seinen schönen Platz,
der ARCH vor Augen hält die Tatz‘:
Ein Bushalt dort mit Wetterschutz,
Telefonstelen blitzblank wie zum Trutz,
der Schirme Zigaretten allerlei,
Automaten außer Betrieb, ja mei,
Fahrradständer vor Geschäften dumm,
die noch nicht fort ins Einkaufszentrum,
verschiedene Poller, metallene Wehr
gegen der Autos Parksuchverkehr.
Holztafelständer mit Wanderwegen,
weil Erholungsgebiete ganz nah gelegen,
zwei alte Bänke aus rundem Holz,
des Tourismusvereines ganzer Stolz,
Wegweiser bunt zu Hotels, Pensionen,
die einen Umweg wohl kaum lohnen,
Papierkörbe voll am Überquellen,
Verkehrszeichen an ganz blöden Stellen.
ARCH plante diesen Platz als Wucht,
doch ist er heut nicht gut besucht.
Das Blumenbeet, das man mal wollt,
voll Hundekacke, wild rumgetollt,
die Platten teils sind schon geknickt,
der Stein in der Fahrbahn arg verdrückt,
der Imbissstand mit halben Hähnen
kommt freitags nur, muss man erwähnen.
Dem Baum kaum Blätter noch entsprossen,
weil er zu selten mal gegossen.
Beim Sexshop Mann denkt uu-ii-oo,
daneben das Sonnenstudio.
Der Ein-Euro-Shop viel präsentiert,
dass etwas auf dem Platz passiert.
Tagsüber geschlossen Pizzeria ist,
Tische und Stühle stehn da trist,
ein alter Köter lässt es laufen,
ein andrer beschnuppert die andern Haufen,
am leeren Eck-Shop Moped-Jugend.
Der ARCH gestaltet einst voll Tugend,
dass dieses wird der schönste Platz
für alle Bürger, der Heimat Schatz!
Gefördert einst ein schöner Plan.
ARCH schaut ihn heut, verfällt in Wahn……
ARCH macht Schule – Des Schul-Bauers Vision
Unsere Schule, betonhart,
sind heut’ge Schüler etwa zart?
Betonkubistisch, eine coole
robuste zeitgemäße Schule,
die solchen Schüler auch verträgt
der mal den Tisch, mal Lehrer schlägt.
Die Klasse groß, ein schöner Raum,
der ARCH träumt einen wilden Traum:
Als neulich er in der S-Bahn war,
er schon sehr niedergeschlagen war,
wie konnt’ sowas Brutales sein?
Und seine Schule gar als Keim?
Ja, sind denn etwa Schüler friedlich?
Was nutzt da eine Schule niedlich?
Eine Schule der Geborgenheit?
Dafür hat doch kein Lehrer Zeit!
Der ARCH wirkt schon etwas entrüstet,
und sich mit Betonklarheit brüstet.
Und grad als er die Bauwelt liest,
als die S-Bahn zu den Villen düst,
da verspürt er einen dumpfen Schlag,
und fühlt, dass jemand ihn nicht mag,
erst wollt’ er lautstark sich beschweren,
doch konnte er sich nicht recht wehren,
denn irgendwer zog ihn am Schopf,
auf harte Kante stürzt sein Kopf:
du hast unsere Schule knallhart gebaut
nun sieh dich um, wer nach dir schaut,
wir sind wie deine Schule: kalt,
wir scheißen drauf, fall um, du Alt…
Dem farblos’ Bau doch tut es gut,
paar Theaterspuren frisches Blut…
Der ARCH im Innersten erschrickt,
der ARCH war träumend eingenickt,
da ist ja niemand, gar kein Täter
viel freundlicher doch baut er später….
Leben von Visionen
Ein ARCH blieb den Visionen treu,
erfand dieselben immer neu,
entwarf ein tolles Zukunftsbild,
der Auftraggeber lächelt mild:
sie sind zwar nett, all die Visionen,
doch davon leben … kann kaum lohnen….
schult zum Heilpraktiker dann um.
Visionen in der siebten Reihe
Feierlich eröffnet wird die Halle,
Staatsminister im Geigenschalle,
der Bauherr spricht von Visionen,
die hier gebaut und die sich lohnen.
Begrüßungsworte, lang Litanein
der Leute, die Staats-VIPpig sein,
auf einer List‘ unendlich lang,
dass mancher Müdigkeit empfand.
Man begrüßt sie hoch-ministerial,
der ARCH als Planer zweite Wahl,
seine Ideen staatlich aufgerieben,
platziert man ihn in Reihe sieben,
bis endlich man seinen Namen nennt,
das Auditorium fast schon eingepennt.
ARCH und‘s Häusle
In einer Kurpromenade baute man
Pavillons aus Stahl und Glas,
das kam bei den Leuten gar nicht gut an,
sie liebten das Häuslebau-Maß.
Der stört unsre schwäb‘sche Behaglichkeit,
(ein Haus dort ja gleichet dem andern),
drum hänget den ARCH, ihr lieben Leit‘,
am Pavillon… oder lasst ihn auswandern…
ARCHens durchgezirbeltes Alpenland
Natürlich baut ARCH alpenländisch,
Bad und WC modern inwendig,
das Kreuz schön in der Ecke hängt,
den Blick nach unten Christus senkt
zur Wellness-Fit- Beauty-Etage,
auf runden Hüften Duftmassage.
Im Zirbenstüberl dann hinterher
Aperol, Prosecco schlürfend und mehr,
im Stüberl drin dann auch Chiles Wein,
am Tegernsee muss global man sein!
Das Dorf – The Village
Die Straße windet sich lebendig
es ist sie nicht, die gläsern’ Gerade,
die Preise niedrig sind inwendig,
nur zum Parken wirkt es eher fade.
So ein schönes Dorf auf freier Flur,
wie öd sind Dörfer an den Straßen,
hier schönes Fachwerk, Blickkultur,
billig Edles kaufen und in Massen.
Dem Village sie zu Willen sind,
in die Altstadt pendelt noch ein Bus,
in dem Outlet-Dorf man alles findet,
in der Altstadt ist das kein Genuss.
Die Menschen hier mit Freud spazieren,
der ARCH verzweifelt ist im Sinn,
soll er sich denn schon wieder zieren,
ARCH plant das nächste Village in….(?)
Alles Denkmal –oder?
Ein ARCHitekt, der dachte nach,
denn denken konnt‘ er schon,
der Spießer will nur Satteldach,
ich würfle in Beton…
Ein Spieler war ich immer schon
bei Menschärgeredichnicht verlor‘n
jetzt lache ich den Spießern Hohn:
Beton- Würfel mit nichts vorn!
Nach Süden zu der Fenster sechs
um Sonne einzufangen,
da steht dann mancher leicht perplex:
einsehbar zur Lust gelangen?
Und wenn ich dann gestorben bin
dann kommt der Denkmalschutz
schiebt den Kubus in die Liste rin,
so war ich zu was nutz…
Erfahrungen
1.
Ein ARCH aus einer großen Stadt
plant voll in der Provinz.
Und als er ausgeplanet hat,
ohne ihn dann weiter ging’s.
2.
Ein ARCH plant neu zwischen Fassaden,
die fälschlich Jugendstil genannt,
ein wenig moderner könnt doch nicht schaden!
Der Denkmalschutz fand’s…. allerhand!
3.
Zu den Barockschlössern baute man
ganz haltbar verfallene Ruinen.
Schaut ARCH sich seine Plattenbauten an,
ihm die sehr ruinös erschienen.
Berliner Schloss
Ein ARCH, der plante jüngst ein Schloss,
stilvoll, in Wettbewerbes Hast,
das ein links’scher Staat dereinst abross,
dafür baute den Republik- Palast.
Die Demokratie nahm die Republik,
die sozialistische in Besitz.
Dem linken Bau sie Abriss beschied,
wollt‘ ein neues Schloss, so ein Witz.
Doch plante es nicht ein deutscher ARCH,
nein, wie früher ein Italiener,
zu Barockmoderne auf geht der Marsch,
Berlin wird immer noch schöner.
Doch irgendwie ist es absurd:
Dreiseitig barockes Hülle…
Zwei Paläste entschwanden so einfach fort,
das war der Deutschen ihr Wille….
Doch ach die Kollegen missgönnten es ihm,
sie hatten nur dritte Preise,
einem so kleinen Büro geziemt kein Gewinn,
doch die Ämter wurden nicht leise.
Man plante im Stillen, fast unter der Hand,
bis ein neuer Stern, die Stella, erstand.
Viel Wasser wird fließen noch durch die Spree-e
Bis barock man das Schloss einst wieder sehe….
Das spitze Dach
Ein Architekt, der dachte nach,
entwarf ein spitzes Satteldach,
doch brachte es ihm Ungemach,
er empfand es geradezu als Schmach,
drum macht das Dach er gänzlich flach.
Ein Kubus ist eine feine Sach‘!
Der Bauherr aber sagte: ACH…


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