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Offenheit fördert Baukultur

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Wettbewerbe brauchen mehr Vielfalt und weniger Schranken | Von Sigurd Trommer

Foto: A. Höhner

Verfahrens-Kenner: Der Präsident der Bundesarchitekten- kammer, Sigurd Trommer, lobte als Stadtbaurat von Wolfsburg und Bonn von 1983 bis 2006 zahlreiche Wettbewerbe aus. Foto: A. Höhner

Bei Wettbewerben prallen zwei Welten zusammen: hier die Welt der teilnehmenden Architekten, die mit Engagement und Idealismus, mit Einfallsreichtum und ungewissen Erfolgsaussichten Vorschläge zur Lösung der Bauaufgabe erarbeiten. Dort die Welt der Auslober, die ihr Bauwerk kostengünstig, schnell und reibungsarm erstellt haben wollen. Man sucht das Wort Qualität! Leider steht es selten an erster Stelle.

Wie bringt man das zusammen: freies Schöpfertum, das zur Entfaltung möglichst großer Freiheit bedarf, und einen dichten Verhau von knappen Budgets und Zeitplänen, von europäischen und deutschen Rechtsvorschriften. Es klingt unvereinbar – aber es geht! Das zeigen aus Wettbewerben hervorgegangene öffentliche Bauten im ganzen Land, vor allem für Kultur, Bildung, Parlamente und Verwaltung. Sie sind oft die Leuchttürme der Baukultur, die nicht zuletzt von den Auslobern stolz präsentiert werden.

Aber ein hohes Niveau der Baukultur darf sich nicht nur in der Spitze zeigen, sondern auch in der breiteren Masse, also auch für Bauaufgaben wie Kindertagesstätten, Stadtteilbibliotheken oder Busdepots – und in den wichtigen Aufgaben privater Bauherren wie Einzelhandel, Wohnanlagen, Büros und Produktionsstätten. Auch hier sind die Lösungen niemals „alternativlos“ – ein inzwischen zu Recht berüchtigtes Wort. Und um das breite Spektrum der Alternativen sichtbar zu machen, bedarf es einer vielfältigen Teilnehmerstruktur an Wettbewerben. Büros mit Erfahrungen in der jeweiligen Bauaufgabe müssen ebenso teilnehmen können wie hochbegabte, junge Entwerfer, die sich dem Gebäudetyp unbefangen nähern. Die Handschriften unterschiedlicher Generationen müssen vertreten sein, ebenso die Denk- und Entwurfsweisen großer wie kleiner Büros.

Das geht aber nur, wenn auch alle im Wettbewerb vertreten sind. Ideal ist der offene Wettbewerb, der aus dem Teufelskreis der letzten Jahre herauskommen muss mit immer weniger Auslobungen, in die dann jeweils immer mehr Teilnehmer drängen. Aber auch bei beschränkter Teilnehmerzahl ist Vielfalt möglich. Hier gilt es, die Hürden niedrig zu setzen und die Eignungskriterien nicht an Erfahrung und Größe festzumachen. Wenn dies für den Auslober unumgänglich ist, müssen potenzielle Teilnehmer, die diese Qualifikation nicht nachweisen können, über Losverfahren oder über Quoten eine Chance erhalten. Manche Auslober haben Angst vor Klagen etablierter Büros, die sich von Quoten benachteiligt fühlen. Doch andere Auslober tun es, ohne dass bisher jemand geklagt hätte.

Die Architektenkammern setzen sich für mehr Offenheit und mehr Vielfalt in Wettbewerben ein. Wir sind ständig mit Auslobern in Kontakt; so manches Verfahren hat durch diskrete Innovation an Offenheit gewonnen. Wir beraten und qualifizieren Wettbewerbsbetreuer, überprüfen ständig Wettbewerbs- und Ausschreibungsregeln wie die RPW und die VOF, erarbeiten Alternativen und Novellierungsvorschläge. Und wir begrüßen Aktivitäten wie die der Wettbewerbsinitiative, deren Ziel letztlich eine höhere Baukultur ist.

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