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Sanitärtechnik

Perfekte Drücker

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Betätigungsplatten für Toiletten sind heute Designelemente für multifunktionale Spülsysteme | Von Wolfgang Heinl

Glas und Sensor-Elektronik statt Plastik-Drückerplatte: Die aktuellen WC-Betätigungsplatten wie das „Modell Visign for More sensitive“ von Viega zeigen sich als Kombination von elegantem Design und komfortabler Funktionalität.

Aktuelle WC-Betätigungsplatten und elektronische Spülsysteme integrieren sich mit ihrer reduzierten Formensprache in die zeitgemäße Architektur und bieten darüber hinaus teilweise individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, besonders für hochwertig ausgestattete Sanitärräume oder exklusive Hotelbäder. Das Design ist puristisch-zurückhaltend geprägt, mit minimaler Aufbauhöhe und der Möglichkeit des flächenbündigen Einbaus der Elemente. Trotzdem – oder genau deshalb – tritt die Betätigungsplatte optisch hervor und konkurriert dabei teilweise sogar mit den Wandfliesen. Darüber hinaus sind aber auch Maßstäbe wie Funktion, berührungslose Auslösung und Bedienbarkeit für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit von Bedeutung.

Material- und Einbau-Trends

Nicht nur Edelstahl und Glas bringen in designbetonten Bädern den WC-Bereich stärker zur Geltung. Die WC-Betätigungsplatten lassen sich auch durch Farbkombinationen, Sonderfarben, Lackierungen oder galvanische Oberflächen bis hin zur Einzelanfertigung auf die Inneneinrichtung abstimmen. Selbst mit Schiefer, Granit oder Leder werden Betätigungsplatten bestückt. Sie sind ein beliebtes Feld für Produktdesigner geworden. Es gibt Spiegeloberflächen oder Platten, die wie Touch-Panels aussehen, deren Bedienung mit Fingertip-Betätigung statt Drücken erfolgt. Auf Edelstahl oder Glas sind jedoch keine Fingerabdrücke erwünscht. Einige Anbieter schützen deshalb diese Oberflächen durch spezielle Beschichtungen. Andere Hersteller nutzen Holz, um das Behaglichkeitsempfinden im Bad zu stärken. Es sind sogar großformatige Echtholz-Verkleidungen (B x H = 600 x 1.200 mm) mit entsprechenden Ausschnitten für Betätigungsplatte und WC-Anschlüsse zu finden.

Wie das Gesamtbild wirkt, hängt auch davon ab, ob die Platten fliesenbündig, teileingelassen oder klassisch aufgesetzt eingebaut werden. Modular aufgebaute Systeme mit einem in der Tiefe verstellbaren Montagerahmen ermög­lichen es, dies erst bei der Endmontage zu entscheiden. Wirkungsvolle Designeffekte lassen sich außerdem mit Lichteffekten erzielen, die in spezielle Montagerahmen integriert sind.

Barrierefreie WC-Steuerungen mit kabelloser Funktechnik

In barrierefreien Bädern, die von Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit oder Behinderungen genutzt werden, ist eine berührungslose Auslösung der Spülung unbedingt sinnvoll. Einige Anbieter haben Ergänzungsprodukte für die elektrisch auslösende WC-Spülung, die beispielsweise über einen im Stützklappgriff integrierten Taster per Kabel oder Funk betätigt wird. Die Steuerung lässt sich einfach montieren und schnell nachrüsten. Mit Wandtastern lässt sich die WC-Spülung aus einer Entfernung von bis zu zehn Metern auslösen. Funksender mit einer zweiten, frei belegbaren Taste können mit einer zusätzlichen Funktion ausgestattet werden, etwa für die Auslösung eines Klingelsignals. Zusätzliche Batterieversionen bieten Sicherheit bei Stromausfall.

Eine berührungslose Auslösung ermöglicht auch das einfache Vorbeiführen der Hand über eines von zwei Sensorfeldern auf der WC-Betätigungsplatte. Die Elektronik hierfür wird als kompakte Baueinheit im Montagerahmen installiert. Auch hier ist der Betrieb über Netzteil oder Batterieeinheit möglich. Angaben eines Herstellers zufolge reichen vier handelsübliche Mignon-Zellen für etwa 7.000 Spülvorgänge aus. Um bei der Reinigung unerwünschte Spülvorgänge auszuschließen, gehört ein Magnetschlüssel zum Lieferumfang. Bei Stromausfall kann die Spülung über einen hinter der Platte verborgenen Taster manuell ausgelöst werden.

WC-Betätigungsplatten und Spülsysteme für öffentliche Sanitäranlagen

In öffentlichen Gebäuden sind die sanitären Einrichtungen besonders stark belastet, auch durch Vandalismus. Die Hersteller favorisieren darum Edelstahl, der sich leicht reinigen lässt und den hygienischen Ansprüchen Rechnung trägt. Flache Aufbauhöhen von nur acht bis zehn Millimetern unterstreichen auch hier eine reduzierte Formensprache. In der Regel ist sichergestellt, dass die Betätigungsplatten nicht willkürlich demontiert werden können — zum Beispiel durch eine zusätzliche Arretierung der Halteeinrichtung. Auch ein Vollverguss der Elektronik mit der IP-Schutzart IP 67 kann Funktion und Beschädigungsschutz sichern. Im Trend liegen generell Entwicklungen, die die berührungslose Betätigung mit robuster und vandalismusresistenter Ausführung verbinden.

Außerdem ist bei öffentlichen Sanitäranlagen ein möglichst niedriger Wasserverbrauch wichtig. Neben der bekannten Zwei-Mengen-Spülung lässt sich auch die benötigte Wassermenge je nach Verweildauer auf elektronischem Wege ermitteln. Ebenso ist eine individuelle Spülmengeneinstellung möglich. Für selten genutzte Sanitär-Einrichtungen empfiehlt es sich, eine frei zuschaltbare 24-Stunden-Hygienespülung zu integrieren.

Berührungslose, elektronische WC-Spülungen sind in öffentlichen und gewerblichen Objekten immer noch wenig verbreitet. Gerade in öffentlich genutzten Einrichtungen mit wechselndem Publikumsverkehr wird häufig die vordergründig preisgünstigste Lösung verbaut – oftmals mit Betätigungsplatten aus Kunststoff, deren Konstruktion zerstörungswütigen Nutzern keinerlei Widerstand leistet. Zudem spricht die hohe Benutzungsfrequenz öffentlicher Sanitärräume schon allein aus hygienischen Gründen für den Einsatz berührungsloser WC-Spülungen. Wolfgang Heinl ist freiberuflicher Fachjournalist für Sanitär-, Gebäude- und Energietechnik aus Wangen im Allgäu

Eine Marktübersicht zum Thema als PDF finden Sie hier.

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