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Architekten in Auschwitz

Tiefpunkt der Architekturgeschichte

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Architekten planten in Auschwitz die Bauten für den Völkermord. Das hat vordergründig nichts mit der heutigen Planungs- und Baupraxis zu tun. Aber zum Thema Moral und Verantwortung gehört auch ein Blick in den berufsethischen Abgrund | Von Roland Stimpel

Planer des Todesfabriken: Die deutschen Mitglieder der SS-Zentralbauleitung posieren Anfang 1943 vor ihrer Auschwitzer Arbeitsbaracke, die Walter Dejaco entworfen hat. Chef der Bauleitung war der Ingeieur Karl Bischoff (1.Reihe vierter von rechts); seine wichtigsten Architekten waren die Abteilungsleiter Dejaco (3.von rechts) und Fritz Ertl (2.Reihe vierter von links). 100 polnische Häftlinge mussten für sie zeichnen und messen.

Sechs Wochen nach dem Überfall von 1939 schlägt Deutschland den Großteil des westlichen Polens seinem Reich zu. Das Städtchen Oświęcim heißt wieder so, wie deutsche Siedler es bei ihrer Besiedlung im Mittelalter getauft hatten: Auschwitz. Darüber freut sich Dr.-Ing. Hans Stosberg, 36-jähriger Stadtplaner in Breslau und seit zwei Jahren NSDAP-Mitglied. Er bekommt nun, wie er sich später erinnert, seinen „ersten größeren städtebaulichen Staatsauftrag“: Raumordnungsskizzen für 13 Gemeinden der überfallenen Region, und später auch die Stelle als „Sonderbevollmächtigter für den Bebauungsplan der Stadt Auschwitz“. Für Stosberg ist es „Ziel allen Planens, deutschen Menschen einen Boden zu bereiten“. Das heißt auch: fort mit der alten „Judenstadt unter der Burg“ und fort mit ihren 7.000 Bewohnern.

Für das Fortschaffen ist die SS da. Im Süden von Auschwitz findet sie eine polnische Kaserne mit 22 Blöcken, die zunächst Konzentrationslager für bis zu 10.000 widerspenstige Polen wird. Später sperrt sie auch Kriegsgefangene und Arbeitssklaven ein, dann errichtet sie das Vernichtungslager. Bis kurz vor Kriegsende ist Auschwitz ständig Baustelle. Architekten und Ingenieure der SS planen immer wieder Neues: Aufnahmekomplexe, um die hierher Verschleppten zu entlausen, ihnen Nummern auf den Arm zu tätowieren und sie kahl zu scheren. Hunderte von Baracken, um sie hineinzupferchen. Wachtürme und elektrisch geladene Stacheldrahtzäune, um sie an der Flucht zu hindern oder in den Stromtod zu hetzen. Folterkeller, um sie zu quälen, Bordelle und Menschenversuchslabors, um sie zu missbrauchen, Gaskammern und Krematorien, um sie zu vernichten. Und ein ganzes Lagerhausquartier mit den Erträgen von Raub und Leichenfledderei, in dem sich 1945 noch 1,2 Millionen Kleider, Mäntel und Anzüge fanden, 44.000 Paar Schuhe, 13.000 Brillen und 7.700 Kilogramm Haare, geschoren von Lebenden und Toten.

Für all das braucht es willige Planer wie Walter Dejaco. 1930 hat er sein Diplom auf einer Innsbrucker Bauschule gemacht, als gerade die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen ist. Er schlägt sich als Bergführer, Skilehrer undd Hilfszeichner durch, tritt 1933 in die SS ein, die in Österreich zu der Zeit verboten ist, kommt dafür fünf Monate in Haft und geht nach Frankreich, Italien und Deutschland. 1939 zieht ihn die SS zum Kriegsdienst ein; im Mai 1940 beordert sie ihn in die Bauleitung des geplanten Lagers Auschwitz. Zehn Tage nach Dejaco folgt Fritz Ertl. Er stammt aus einer wohlsituierten Familie von Architekten und Bauunternehmern, studiert in Salzburg sowie 1928 bis 1931 in Dessau, wo ihn sein Kommilitone Hubert Hoffmann „für die Umgangsformen am Bauhaus viel zu höflich“ findet. Danach steigt er im heimatlichen Linz ins familiäre Baugeschäft ein. Kaum sind die Deutschen in Österreich einmarschiert, tritt Ertl in die SS und die NSDAP ein und dient deren lokalem Wirtschaftsbeirat als „Sachbearbeiter Bauwesen“. Auch ihn beordert die SS zum Polen-Krieg und dann in die Auschwitzer Bauleitung.

Der Architekturhistoriker Niels Gutschow hat für sein Buch „Ordnungswahn. Architekten planen im ‚eingedeutschten Osten’“ die Spuren Dejacos, Ertls und Stosbergs verfolgt und ihr Umfeld beschrieben: „Im Dritten Reich gehörten sie zu der Funktionselite, die die Vernichtung in Gang setzte, um auf Vertreibung, Mord und Zerstörung aufzubauen.“ Dutzende planten in Auschwitz, in dem Berliner SS-Amt C 4 „Künstlerische Fachgebiete“ und anderswo für den Völkermord oder profitierten direkt von ihm. Die Historiker Deborah Dwork und Robert Jan van Pelt schreiben in dem Buch „Auschwitz von 1270 bis heute“: „Keiner war als Massenmörder geboren. Doch Schritt für Schritt, Zeichnung um Zeichnung gelangten die Architekten auf Geheiß ihrer Vorgesetzten dahin, dass sie den Schrecken planten und ausführten.“

Sie sind aber nicht nur passive Befehlsempfänger, sondern KZ-Karrieristen: Dejaco bekommt in Auschwitz seine erste Architektenstelle mit eigener Kompetenz. Für Ertl ist es zumindest ein relativ komfortabler Job in Kriegszeiten. Stosberg steigt auf vom Stadtbediensteten zum regionalen Planungschef. Und die drei setzen die Ziele ihrer Partei in Pläne um: Deutschlands Herrschaft und das Verschwinden der Juden.

Zeichentisch-Täter. Ein SS-Mann erinnert sich später: „Die KZ-Bauleitung war so stolz auf ihre Leistung, dass im Vorraum eine Zusammenstellung von Bildern aus dem Krematorium ausgehängt wurde.“

Dejaco und Ertl legen im Frühsommer 1940 los, damit ihre SS das Lager mit Gefangenen füllen und bald überfüllen kann. Von Anfang an planen sie mit dem Tod: Bei einem der ersten Umbauten wird das frühere Pulvermagazin zum Krematorium. Die Erfurter Firma Topf montiert zur Leichenverbrennung schon ab dem 5.Juli den ersten Doppelofen ihres neuen Typs „D-57253 Modell Auschwitz“. Während übers Tor der Metallbogen mit dem zynischen Motto „Arbeit macht frei“ kommt, macht die Bauleitung einen Kasernenbau zum Lagergefängnis mit 0,8 Quadratmeter kleinen „Stehzellen“ für bis zu vier Gefangene, richtet den nächsten für Sterilisierungen ein und baut zwischen beiden den Hof mit einer „Schwarzen Wand“ für Erschießungen aus. Zur Hand gehen müssen rund 100 in die Bauabteilung beorderte Häftlinge – Architekten, Vermesser und Ingenieure.

Draußen vor dem Lager zeichnet Stosberg Pläne für altdeutsche Stadträume. Häftlinge bauen seinen Rathaus-Entwurf im Stil des Heimatschutzes und sein Quartier im „Deutschen Gasthaus“. Und bis zu 30.000 Zwangsarbeiter schuften am Chemiewerk der IG Farben, das den industriellen Kern der Stadt bilden soll. Also gönnt Stosberg dem KZ in seinem Raumordnungsplan eine „genügende Reservefläche“.

Lager-Landschaft: 33 Quadratkilometer umfasst das KZ- “Interessengebiet“. Östlich der Bahn (orange) das Lager Auschwitz 1, links das große Vernichtungslager Birkenau. Rechts außerhalb der roten KZ-Grenze die Stadt Auschwitz.

Der Flächenbedarf der SS ist riesig. Sie steckt ein „Interessengebiet“ von 3.300 Hektar ab, mit schließlich 39 Einzellagern und Kommandos. Nachdem es zunächst nur zum Einsperren polnischer Widerstandskämpfer gedacht war, soll es bald auch billige Arbeitskräfte für Landwirtschaft und Chemie liefern. Die SS vermietet sie für drei bis sechs Reichsmark pro Tag; für Verpflegung und Unterkunft kalkuliert sie Kosten von 1,34 Mark. Die Expansion des Lagers finanziert sie aus dem Gewinn – und aus dem Verkaufserlös von Raubgut, das den Häftlingen gehörte. Die rege Nachfrage nach Zwangsarbeitern kann sie verstärkt bedienen, als Deutschland im Sommer 1941 die Sowjetunion überfällt und dort in der Folgezeit mehr als fünf Millionen Soldaten gefangen setzt. Für sie müssen riesige Lager her. Im Frühherbst kommt der Befehl aus Berlin, westlich des ersten Auschwitzer Lagers, in Birkenau, ein weiteres für zunächst 100.000 Kriegsgefangene zu bauen.

Fritz Ertl macht sich sofort an die Arbeit. Am 7. Oktober 1941 entwirft er einen Lageplan mit 180 Baracken. Für diese liefert er am nächsten Tag einen Detailplan mit zwei Meter breiten ungepolsterten Liegenflächen für je drei Gefangene – 550 pro Baracke. Sein Chef Karl Bischoff streicht die Zahl 550 durch und schreibt 744 hin – vier statt drei Gefangene pro Liegeplatz. Die Historiker Dwork und van Pelt: „Zum Schlafen, Sitzen und Aufbewahren seiner Habe erhielt jeder Gefangene jetzt einen ,privaten‘ Raum, welcher der Fläche eines großen Sarges oder dem Volumen eines flachen Grabes entsprach.“ Bischoff und Ertl hätten damit „die deutsche Gleichsetzung von Sowjetsoldat mit Untermensch ins Architektonische übersetzt“. Die SS kalkuliert Baukosten von 12.400 Reichsmark pro Baracke, also knapp 17 Mark pro Gefangenem.

Später muss es noch schneller und billiger gehen. Als Häftlingsbaracken dienen jetzt Bausätze für Heeres-Pferdeställe, allerdings nicht im Standard für Rösser mit Fenstern und festem Boden. In einer Baubeschreibung Dejacos heißt es: „Decke: keine; Be- und Entwässerung: keine.“ Und was für 52 Pferde entworfen war, muss jetzt für 400 Gefangene reichen. Die Bauakte vermerkt: „Bei Ausführung der Arbeiten in Eigenregie mit Häftlingen kommt eine Haftungs- und Garantiezeit nicht zur Anwendung.“

Für je 7.000 bis 8.000 Gefangene gibt es nur eine Waschbaracke mit ein paar Hähnen, aus denen Wasser oft nur tröpfelt, und eine Latrinenbaracke, ausgestattet mit einem offenen Betonkanal und einer hölzernen Rückenlehne. Nach späteren Umplanungen sind sie von den Schlafbaracken bis zu 800 Meter entfernt. Der Tod durch Ruhr und Typhus wird in Kauf genommen und tritt massenhaft ein. Diese Lagerplanungen bezeichnet der amerikanische Holocaust-Forscher Terrence Des Pres später als „Fäkalangriff“ gegen die Häftlinge; Dwork und van Pelt sprechen von „biologischer Kriegsführung“. Die Sowjetgefangenen bekommen nur ein Sechstel der kargen Sanitärausstattung, die die SS-Richtlinie für normale KZ-Häftlinge vorsieht. Auch der Bau der Terrorlager ist im Geiste Ernst Neuferts genormt, auf 25 Schreibmaschinenseiten mit präzisen Vorgaben für ein Muster-KZ mit 5.000 Insassen. Erstellt hat diese Richtlinien Hans Kammler, der seinen Dr.-Ing. an der TH Hannover gemacht hat und jetzt Chef der SS-Bauleitung in Berlin ist.

Heimeliges Steildach: Die Sorgfalt, die die Auschwitzer Architekten den Häftlingsunterkünften und Sanitäreinrichtungen verweigerten, verwandten sie auf das Krematorium.

An Seuchen, Hunger, Misshandlungen und Zwangsarbeit sterben Zigtausende. Zu ihrer Verbrennung sollen Krematorien her. Am 24. Oktober 1941 zeichnet Dejaco einen Prototyp mit Leichenräumen und -rutschen, solidem Kamin und heimeligem Steildach. Dwork und van Pelt: „Die Sorgfalt, welche die Auschwitzer Architekten dem Entwurf der Latrinen verweigerten, verwandten sie auf das Krematorium.“ Im November steigt Dejaco zum Leiter der Planungsabteilung auf. Mit Ertl, der mittlerweile Abteilungsleiter für Hochbau ist, feiert er in der nahen Großstadt Kattowitz und verprügelt auf der Rückfahrt einen Schaffner, der aufs Schließen der Zugtür gedrängt hatte. Ein SS-Gericht verurteilt Dejaco zu drei Monaten Haft; doch der SS-Reichsführer Heinrich Himmler in Berlin verkürzt persönlich die Strafe, denn Dejaco wird gebraucht. Kurz nach seiner Tat wird er sogar zum „Sonderführer“ ernannt.

1941 hat der systematische Völkermord begonnen, zunächst mit dem Erschießen, Erschlagen, Totspritzen, Ersticken- und Verreckenlassen vieler Einzelner. Schon bevor im Januar 1942 die Wannsee-Konferenz die „Endlösung“ organisiert, sucht die SS industrielle Tötungsmethoden. In Auschwitz probiert sie das Blausäuregas Zyklon B aus, das zuvor zur Entlausung verwendet wurde. Für Rest-Polens Generalgouverneur Hans Frank ist das Vergiften von Menschen nichts anderes. „Natürlich konnte ich in einem Jahr nicht alle Läuse und Juden vernichten“, meint er 1940. Ab September 1941 töten die Mordkommandos mit Zyklon B ganze Gruppen von Häftlingen im Lager Auschwitz 1. Im Dezember schütten hier SS-Männer zum ersten Mal die Blausäurekristalle durch Deckenlöcher und töten 900 gefangene Sowjetsoldaten.

Zu Silvester verschickt Hans Stosberg Grußkarten: „In diesem Jahr 1941 wurde der Aufbau einer neuen deutschen Stadt und die Wiederherstellung des alten schlesischen Ringplatzes geplant und begonnen.“ Am 30. Januar feiert Lagerkommandant Rudolf Höß mit Ertl und anderen den Jahrestag von Hitlers Machtergreifung und bespricht „vordringliche Bauaufgaben im Jahre 1942“, darunter eine neue Kommandantur, die später mit 3,3 Millionen Reichsmark kalkuliert wird. Akut wichtiger sind aber ein Krematorium und ein „Wäschereigebäude mit Entlausung, Zugang und Häftlingsbad“. Für die Neubauten sollen „2.000 einsatzfähige Häftlinge abgestellt werden“.

Als der Russlandfeldzug stockt, werden weniger gegnerische Soldaten inhaftiert und sterben hier. Aber die Krematorien sind geplant und die Öfen bestellt. Auschwitz wird zum Zentrum des Völkermords, zumal hier auch Bahn-Fernstrecken zusammenlaufen. Die Krematorien werden zu Tötungsfabriken erweitert. Ihre Beteiligung daran werden nach dem Krieg fast alle kleinreden. Fritz Ertl wird vor Gericht zu Protokoll geben, seine Arbeit sei „ausschließlich bauverwaltungstechnischer Natur“ gewesen. Zur Bauverwaltung des Massenmords leitet er am 19. August 1942 eine Planungsbesprechung über drei Krematorien für Birkenau. Im Protokoll schreibt er von „Badeanstalten für Sonderaktionen“. Vor Gericht sagt er Jahrzehnte später, dass „mir damals bekannt war, dass es sich hierbei um Vergasungen handelt“.

Zu dieser Zeit sind am Rand des KZs Birkenau mindestens 50.000 Leichen vergraben. Ihre Zersetzung droht das Trinkwasser von Stosbergs germanischer Musterstadt zu vergiften; die Toten müssen weg. Am 16. September reist Dejaco mit dem Kommandanten Höß ins Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno bei Lodz. Dort trifft er einen Berufskollegen, Standartenführer Paul Blobel. Der Prädikats-Absolvent der Baugewerkschule Barmen-Elberfeld war im Vorjahr zuvor Chef jener „Einsatzgruppe“, die allein in Babi Jar bei Kiew 33.000 Juden an zwei Tagen erschossen hat. Jetzt ist er Spezialist für das Beseitigen ausgegrabener Leichen, genannt „Enterdungsaktion“. Er empfiehlt Höß und Dejaco eine Konstruktion, bei der abwechselnd eine Schicht Leichen und eine Schicht benzingetränktes Holz auf einem Rost aus Bahnschienen gelegt werden. Dejaco zeichnet eifrig mit; nach seiner Skizze wird die „Sonderanlage“ in Auschwitz gebaut. Noch lebende Häftlinge müssen dann die 50.000 Toten ausgraben und verbrennen.

Ertl lernt eine Polin kennen, schwängert sie und schafft es später, sie als „Volksdeutsche“ einstufen zu lassen, damit er sie heiraten darf. Dejaco wird später sagen: „Ich fand das nicht korrekt.“ Doch Ertl geht von seiner Freundin und einem für Kriegsverhältnisse sicheren Platz im Januar 1943 zur Kampfausbildung an eine SS-Pionierschule – weit weg von Auschwitz. Allzu späte Gewissensbisse, Angst vor künftiger Strafe oder eine Flucht vor irgendetwas anderem? Sein Motiv für den Weggang lässt sich heute nicht mehr klären.

Stosberg hat in dieser Zeit planerischen Kummer mit der SS: Er will in Auschwitz altdeutsche Stadträume schaffen; die schwarze Truppe plant für ihre Offiziere Eigenheime, die „einen weniger städtischen als vielmehr siedlungsmäßigen Charakter“ haben. Nicht ethisch, nur baulich-ästhetisch stört ihn dies oder das in Auschwitz. Lebhaft diskutiert er laut einem Besprechungsprotokoll die drohende „Verschandelung der an sich reizvollen Landschaft“ durch einen geplanten Verschiebebahnhof. Besser solle das KZ sich „ungestört von den öffentlichen Verkehrseinrichtungen“ entwickeln. Das wiederum ist der SS ganz recht, denn auch sie fühlt sich von neugierigen Blicken gestört, als immer mehr Güterzüge mit zur Ermordung bestimmten Juden anrollen.

Dejaco zeichnet am 19. Dezember 1942 jenen Plan mit der Nummer 2003, der die Mordfabrik optimiert und den Tiefstpunkt der Architekturgeschichte markiert. Der Plan enthält nur wenige, scheinbar banale Änderungen für ein neues Birkenauer Krematorium: Bisher war eine Leichenrutsche in den Keller geplant, wo die Toten vor der Einäscherung in einer Halle liegen sollten. Jetzt wird die Rutsche durch eine Treppe ersetzt, die noch lebende Opfer hinuntergehen müssen. Im Keller müssen sie sich ausziehen und dann in den Raum gehen, der bisher als Leichenhalle dienen sollte. In die 210 Quadratmeter große Gaskammer treiben SS-Leute bis zu 1.600 Menschen und schlagen die Türen zu. Durch Deckenlöcher fällt das Zyklon B. Wenn nach einigen Minuten alle tot sind, schaltet jemand die Belüftungsanlage an. Häftlinge müssen durch Türen, die Dejaco eigens umplant, die Leichen herausholen, ihnen Goldzähne ziehen und sie zu den Verbrennungsöfen bringen.

Vergast wird bald Tag und Nacht. Überall in Europa treiben SS-Leute 1943 und 1944 Juden und Roma in die Güterzüge, von Norwegen bis Griechenland, von Frankreich bis Russland, transportieren sie nach Auschwitz und hetzen die meisten sofort in die Gaskammern. Mehr als eine Million Menschen sterben.

Boden und Blut: Vom Lager nur durch den Fluss Sola getrennt plante Hans Stosberg eine deutsche Musterstadt nach mittelalterlich- schlesischem Vorbild. Die „Judenstadt“ mit 7.000 Menschen hatte dafür zu weichen.

Für ihr Terrorregime will die SS 1943 das Lager noch zehn bis zwanzig Jahre betreiben. Stosberg und andere erwägen im Januar eine „spätere Verlegung des KZ-Lagers“. Ein Umzug wäre laut Besprechungsprotokoll „nicht nur für die Stadt, sondern auch für das Lager selbst von Vorteil, weil es zwischen Fluss und Bahn unorganisch“ liegt. Im Mai treffen sich Stosberg, Dejaco und andere im Stadtbauamt und diskutieren über die Straße zwischen Stadt und Lager. Dejaco notiert „in jeder Weise eine Einigung“. Stosberg träumt in einem „Idealplan“ für sein Auschwitz von einer „anheimelnden Wirkung intimer Wohnstraßenräume“ und einer „in der Landschaft sauber abgesetzten Silhouette“.

Doch im totalen Krieg gibt es kein ziviles Bauen mehr; auch Stosberg wird Soldat. Während sich die Qualmwolken der Leichenverbrennung über seine Stadt legen, wünscht er zum Abschied, dass sich das Projekt Auschwitz „würdig an die Seite stellen möge den Schöpfungen unserer Vorfahren, die diesen Boden bereits vor Jahrhunderten durch ihr Blut und ihren Schweiß geweiht haben“. Es gehe darum, „ein Stück versteppter Erdoberfläche zu einer wirklichen Kulturlandschaft zu gestalten und das geschändete Angesicht dieses Landes wieder der Gesundung zuzuführen“.

Dejaco entwirft nun Räume für eine neuartige Ultraschall-Entlausungsanlage von Siemens, schlägt sich mit Zementmangel herum, mit Luftschutzbunkern und Löschteichen sowie der „Tarnung der Krema” mit Rohrmatten. Zwischendurch ist er in Frankreich, kommt aber im Oktober 1944 zurück. Als die Sowjettruppen näherrücken, sprengt die SS die Krematorien von Birkenau, doch die meisten Baupläne bleiben erhalten. Die Mehrzahl kommt ins KGB-Archiv, wo sie rund ein halbes Jahrhundert unzugänglich liegt.

Hans Stosberg leitet ab 1948 das Planungsamt von Hannover, wo er 1933 an der TH seinen Doktortitel erworben hatte. Sein neuer Chef, Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht, hat seine Abhärtung in Albert Speers „Wiederaufbaustab“ bekommen. Der Architekturhistoriker Werner Durth beschreibt 1977 Hillebrecht und Stosberg in Hannover als „gut trainiertes Team, das auch ohne planungsrechtliche Voraussetzungen eigenständig Entscheidungen treffen kann”. Stosberg bleibt 20 Jahre Amtsleiter und lebt bis 1989.

Ertl gerät kurz in amerikanische Kriegsgefangenschaft, Dejaco für fünf Jahre in sowjetische. Beide arbeiten danach wieder als Architekten; 1961 werden sie von Auschwitz-Überlebenden angezeigt. Österreichs Justiz lässt sich bis zum Prozess elf Jahre Zeit. Dann sind viele Zeugen tot und andere erinnerungsschwach. Entscheidende Dokumente liegen noch in Moskau unter Verschluss. Das Gericht kommt zu dem Schluss, Ertl und Dejaco seien nicht die „geistigen Urheber“ der Gaskammern. Beide werden freigesprochen; sie leben bis 1979 und 1982.

Söhne von allen dreien wählen lange nach dem Krieg den Beruf ihrer Väter. Über einen hieß es in Wikipedia bis zum 7.November, kurz nach einer Anfrage des Architektenblatts in seinem Büro: „Als Architekt steht Ertl in einer familiären Tradition.“

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12 Gedanken zu “Tiefpunkt der Architekturgeschichte

  1. Auschwitz, Planung als Verbrechen

    Die Architekten von Auschwitz waren ja nicht die einzigen Bauleute, die in dieser Gegend ihr Unheil anrichteten. In die gleiche Zeit der Errichtung des Lagers Auschwitz fällt auch der Bau von BUNA IV/Monowitz, die große chemische Fabrik der IG Farben in der Nachbarschaft von Auschwitz. Sie wurde von Ludwigshafener Bauleuten und Ingenieuren der IG Farben (BASF) geplant und errichtet. Verantwortlich waren unter anderen Camill Santo, der Leiter der Ludwigshafener Bauabteilung und Ernst Mach vom Konstruktionsbüro der Ludwigshafener IG Farben.
    Die Entscheidung für den Standort des Werks Monowitz erfolgte zwar unmittelbar vor dem Bau des großen Konzentrationslagers, aber die Nähe des Lagers mit seinen vielen potentiellen Arbeitskräften machte sich gut für die chemische Produktion. Schon 1941, als mit den Arbeiten am Werk begonnen wurde, war auch das Lager Auschwitz im Bau.
    Das alles hört sich für die IG Farben noch ganz harmlos wie eine unglückliche Verstrickung an, die Fortsetzung war aber umso schlimmer. Denn für das Werk Monowitz wurde von der örtlichen Bauabteilung der IG ab 1942 in unmittelbarer Werksnähe ein eigenes Konzentrationslager, das KZ Buna-Monowitz errichtet. Die Insassen dieses KZ hatten im Werk Monowitz zu arbeiten. Der Vorschlag zum Bau dieses KZ kam vom Werkleiter der IG Auschwitz, auch hier war Camill Santo maßgeblich am Baugeschehen beteiligt.
    Es waren nicht nur Bauleute, die in diese verbrecherischen Machenschaften verstrickt waren. Denn einer der Hauptbeteiligten war das Vorstandsmitglied der IG Farben Otto Ambros, angeblich ein Mitglied des Freundeskreises Heinrich Himmler. Vermutlich wurden durch diese beiden die verhängnisvollen Entwicklungen eingefädelt und ge-steuert. Die Bauleute und anderen Ingenieure der IG waren diejenigen, die treu und brav ausführten, ja ausführen mussten, was von ihren Bossen angeordnet wurde.
    Camill Santo war nach dem Kriege weiterhin für die BASF in Ludwigshafen tätig, die Technische Hochschule Karlsruhe verlieh ihm 1951 die Würde eines Ehrendoktors.
    Die BASF hat im übrigen bis heute ein erfreuliches Interesse an der Aufarbeitung aller dieser Ereignisse gezeigt. Nachzulesen z.B. bei Niels Gutschow, Ordnungswahn und Abelshauser, BASF.

    Dipl.-Ing. TU Thomas Breier
    Architekt, Bauassessor
    Bad Dürkheim

  2. —– Ihr Artikel „Bauen für den Völkermord“ kommt mindestens 50 Jahre zu spät. Aber gut ist, dass er kommt! Die gewissenhafte Auseinandersetzung mit diesem Thema ist lange überfällig. Das betrifft die Planungsstäbe der SS mit den Bauten für die KZ- und Vernichtungsanlagen, aber auch die anders gelagerten Tätigkeiten der Architekten und Ingenieure der Organisation Todt. Aufzuarbeiten sind die Tätigkeitsfelder an den damaligen Standorten der Planungsstäbe. Es ist eine der zentralen Aufgaben der Architektenkammer, hier sachliche Aufarbeitung zu liefern. Da hilft auch das wohlmundige Vorwort „Verantwortung im Beruf“ nicht weiter, es ist unter diesem Leitwort geradezu deplatziert! Unter diesem Oberbegriff sollte anderes zu lesen sein! ——

  3. Der letzte Absatz des Artikels stimmt mich äußerst nachdenklich. Eine Frage muß man sich einfach stellen: Warum ergreifen Söhne den Beruf der Väter? Hier ein Verweis auf einige banale und doch plausibel klingende Gründe:

    http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20081222083553AAsmnPs

    Ich denke mit diesem Artikel ist der beste Zeitpunkt gekommen namhaften Architekten, die in die Fussstapfen der Eltern mit brauner Vergangenheit getreten sind, einmal die Möglichkeit zu geben ihre Familienvergangenheit offen darzulegen und aufzuarbeiten.

  4. Zu Ihrem Artikel über die Auschwitz-Architekten habe ich eine Frage, die mich seit Kindheit bewegt.
    Mein Vater hatte ein Architekturbüro in Kattowitz. Die Episode, die er erzählte, hat sich mir tief eingeprägt: Eines Tages sei der „österreichische Architekt von Auschwitz“ völlig verzweifelt zu ihm ins Büro gekommen und hätte berichtet, dass die von ihm geplanten Duschräume in Wirklichkeit als Gaskammern benutzt werden sollten. Dieser Architekt hätte sich unmittelbar danach erschossen.
    Gibt es Hinweise auf einen am Bau beteiligten Architekten, der so „anständig“ war, dass er mit dem Wissen um die Tötungsmaschinerie nicht hat leben können?
    Ich war noch ein Kind, als mein Vater 1959 bei einem Autounfall ums Leben kam, meine Fragen betrafen Gut und Böse, nicht Namen und Details – aber dieses von meinem Vater aus unmittelbarem Erleben wiedergegebene Vorkommnis kann doch nicht Fiktion oder Wunschdenken sein?

  5. Anmerkung der Redaktion

    In den uns bekannten Dokumenten steht kein solcher Fall und auch kein anderer Todesfall eines Architekten, der ein von der SS vertuschter Selbstmord gewesen sein könnte. Ein Teil des Geschehens deutet allerdings auf Fritz Ertl hin: Er stammt aus Österreich und war der einzige, der mit einiger Wahrscheinlichkeit schon damals in Frage stellte, was er tat. Er ging von Auschwitz in den Kriegsdienst; vielleicht hat sich dann das Gerücht verbreitet, er habe Selbstmord begangen. Aber das ist nur eine Vermutung; Belege gibt es nicht. Dagegen spricht, dass das Massensterben und Massenmorden schon vor der Einrichtung der Gaskammern begann und Architekten hierfür planten. Es ist unwahrscheinlich, dass sie all das ohne größere Skrupel taten, dann aber bei den Gaskammern solche Skrupel einsetzten.

  6. Der Sohn von Veith Harlan, Thomas Harlan, erwähnt in seinem Buch „Das Gesicht deines Feindes“, dass Walter Dejaco in den 1960er Jahren erzbischöflicher Baumeister in Reutte in Tirol gewesen sei. Auch das noch. Harlan berichtet auch über den ‚Fall Lübke‘, der, wie ich glaube, immer noch umstritten zu sein scheint (Heinrich Lübke, später Bundespräsident, der Architekt Walter Schlempp und ihre Verstrickungen um die Planung von Baracken).

  7. Anmerkung der Redaktion

    Über Dejaco habe ich Ähliches gelesen – allerdings in einer dubiosen Quelle, dem Text eines Holocaust-Leugners. Ich war in Reutte, aber dort schweigt man sich aus. Heinrich Lübke ist in diesem Kontext Unrecht getan worden: Er hat als Ingenieur in der Nazizeit Barackenpläne abgezeichnet – was für Baracken das waren, kann nicht mehr geklärt werden. Die Stasi hat in den 1960er Jahren zehn solcher Lichtpausen in einen Aktendeckel getan, auf dem stand: „Vorentwurf zur Erstellung eines KZ-Lagers für 2000 Gefangene der Fa. KALAG bei Schacht VI in Neu-Staßfurt.“ Diese Pläne wurden 1968 im Westen lanciert. Die Stasi setzte drauf, dass der damals altersschwache Lübke sich nicht mehr verteidigen konnte. Die Sache flog nach der Wende auf, als Lübke längst tot war. Laut einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ sagte der frühere Stasi-Oberleutnant Günter Bohnsack: „Es gab Baupläne für Baracken, aber dass diese für Gefangene in KZs gedacht waren, ging aus den Zeichnungen nicht hervor, auch aus jenen nicht, an denen Lübke mitgearbeitet hatte. Also ergänzten wir das Material, bis es zweifelsfrei ,bewies‘, was wir beweisen wollten: dass Lübke einst mitgebaut hatte an Nazi-KZs.“

  8. Das Architektenblatt hat ein vergessenes oder vergessen gemachtes Thema aufgegriffen. Das begrüsse ich sehr.
    Ich wünsche mir weitere Recherchen über die Täter am Zeichentisch damit junge Kolleg_innen eine Ahnung bekommen über daß, was man Mittäterschaft nennt. Offensichtlich ist, dass zumindest ein Teil der Mittäter,
    den einfachen Weg aus der fehlenden beruflichen Perspektive gegangen sind. Sie haben sich an die Vernichtungsmaschinerie verkauft. Das mag man als Geschichte abtun. Aber ein Bezug zu heute besteht durchaus.
    Wieviele junge aber auch ältere Kolleg_innen werden in Berufsfelder gedrängt die mit ihren Talenten und ursprünglichen Absichten nichts zu tun haben. Damals haben sich die Nazis als Retter angeboten. Wer sagt uns daß eine vergleichbare Entwicklung ausgeschlossen ist.
    Schon wieder werden in Deutschland rassistische Morde begangen, schon wieder lahmt der Staat auf dem rechten Auge.
    Meine Bitte: Weiter am Thema bleiben.

  9. zu Fritz Karl Ertl habe ich bereits in Heft 4, April 2000 der Kunstchronik des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, S. 141-144 einige Fakten zusammengetragen. Der Titel des Aufsatzes, den ich im Zusammenhang meiner Forschungen zu Toranlagen in der politischen Architektur des deutschen Nationalsozialismus publiziert habe: Einwand gegen die Ableitung der Banalität des Bösen in der moderneren Moderne aus der Verwchslung von Kunst und Politik bei Jean Clair. Ein Artikel zu Ikonologie und Emblematik von Lagertoren ist in Arbeit (HJ-Lager, RAD-Lager, StaLag, KL, Vernichtungslager).

  10. Da der weiter oben erwähnte Bau des IG-Farben Werkes BUNA IV / Monowitz in engem Zusammenhang mit dem KZ Auschwitz stand,
    empfehle ich zusätzlich zu Roland Stimpels für unseren Berufsstand unersetzlichem Beitrag

    das materialreiche Buch von

    Diarmuid Jeffreys: „Weltkonzern und Kriegskartell. Das zerstörerische Werk der IG Farben“ Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Werner Roller, Karl Blessing Verlag, München 2011, 688 Seiten, 34,95 Euro, ISBN 978-3-89667-276-6.

    Sein Hauptanliegen ist, die schrittweise Entartung der in den IG Farben zusammengeschlossenen Chemieunternehmen fassbar zu machen; doch werden auch Planung und Bau des riesigen Werkes Monowitz und des zugehörigen KZs als Vernichtungsmaschine durch Arbeit ausführlich beschrieben.

  11. Ich möchte eine Ergänzung zum Lebenslauf des späteren Bundespräsidenten Heinrich Lübke im 3. Reich anfügen.

    Ab dem Jahr 1938 war Lübke als Vermesser und Bauleiter im Büro von Walter Schlempp angestellt. Das Büro war an verschiedenen Bauvorhaben der Nazis beteiligt, z.B. auch an Plänen zum Umbau von Berlin in „Germania“. Lübke hat in Peenemünde die Bauleitung bei der Errichtung von Großbauten wie dem Kraftwerk für die Heeresversuchsanstalt übernommen. Das Kraftwerk wurde benötigt für die Fabrikanlagen zur Entwicklung und zum Bau der V-1 und V-2 Raketen. Zu den Bauarbeiten wurden im erheblichen Umfang Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Gefangene herangezogen. Man kann sich vorstellen, dass die Arbeitsbedingunegn entsprechend schrecklich waren, d.h. viele haben diese Zeit nicht überlebt. Es ist kaum vorstellbar, dass Lübke diese Verhältnisse nicht bekannt waren.

    Die spätere Debatte über Lübke als den möglichen Verfasser von Entwurfsplänen von KZ-Baracken überdeckt etwas die wahre Dimension des Falls Lübke. Dieser war wohl weniger ein „Schreibtischtäter“, wie man damals unterstellte, sondern er war in das Unterdrückunsgsystem der Nazis viel unmittelbarer eingebunden.

    Es ist schrecklich, dass die Bearbeitung und Anerkennung dieser historischen Umstände in großen Teilen erst so spät eingestzt hat. In der Nachkriegsgeschichte haben Leute wie Lübke oder Schrempp beinahe natlos an ihre Karrieren anknüpfen können.

    Das zuletzt Gesagte gilt übrigens auch für die Mitarbeiter deutsche Baufirmen. Mir sind aus der persönlichen Kenntnis eines Angehörigen die Verhältnisse in einer renommierten größeren deutschen Firma bekannt, in der bis weit in die siebziger Jaher alte Seilschaften von SS-Kameraden bestand hatten. Diese Verhältnisse waren der Firmenleitung nicht nur bekannt, sondern man muss davon ausgehen, dass diese rechtsradikale Gesinnung geteilt wurde. Besonders drastisch ist mir ein weihnachtliches Präsent dieser Firma in Erinnerung, dass in einer eigens aufgenommen Langspielpaltte des Betriebschores bestand. Dort fanden sich Ende der siebziger Jahre Stücke wie das Horst-Wessel-Lied udn andere Nazilieder, die deutsche Nationalhyme wurde selbstverständlich mit allen 3 Strophen gesungen!

    Cornelius Tauber, Architekt, Berlin

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