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Fliegende Kameras

Drohnen-Fotos

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Auch Architekten können fliegende Kameras nutzen – oder sie selbst betreiben und vermieten Text: Leila Haidar

Rotieren fürs Foto: Drohnen machen Luftbilder auf unkomplizierte Art. Sie steuern sogar selbsttätig an, was sie fotografieren sollen. Foto: AirRotorMedia GmbH

Martin Parschs Ausflüge mit seinem Air Robot 120 sind immer für einen Menschenauflauf gut. Wenn er die Drohne mit einem Durchmesser von etwa einem Meter bis zu 150 Meter über seiner Heimatstadt ­Lünen bei Dortmund fliegen lässt, bleiben die Menschen stehen, um das unbekannte Flugobjekt zu beobachten. Entweder per spaciger ­Videobrille oder auf dem Laptop betrachtet er in Echtzeit die hochaufgelösten Luftbilder und -videos, die sein Gefährt liefert. Gefällt ihm der aktuelle Bildausschnitt, kann er den Auslöser betätigen, und die fliegende Zehn-Millionen-­Pixel-Kamera schießt ein brillantes Bild. „Um spektakuläre Aufnahmen von Gebäuden und Grundstücken zu erhalten, war ich früher mit dem Hochbildstativ unterwegs“, sagt Parsch. Das ging nur bis 16 Meter Höhe und war im Gelände weniger flexibel. Sein Flugroboter kann dagegen dank GPS die aktuelle Position in der Luft genau halten; vier Rotoren helfen ihm dabei. Erst ab Windstärke vier reagiert das Gerät empfindlich.

Kirche aus Sicht einer Drohne. Foto: AirRotorMedia GmbH

30.000 Euro investierte der Architekt in sein „unmanned aerial vehicle“. Das gleiche Modell setzt die Bundeswehr zur Aufklärung ein. Mit dem ein Kilo leichten Hightech-Gerät entstehen Fotografien aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, die dieArchitektur eines Gebäudes neu in Szene setzen – als Alternativen zur Froschperspektive beim Blick am Hochhaus hinauf. Parschs Firma „Liftbilder“ hat sich auf Architektur-Aufnahmen für Maklerprospekte und auf Referenzbilder für Dienstleister spezialisiert. Aber auch ein Privatfoto vom eigenen Haus mit Garten bekommt man bei ihm ab 250 Euro. Inklusive sind alle Bilder, die innerhalb der Akkulaufzeit von 15 bis 20 Minuten gemacht werden, sowie deren Bearbeitung. Dazu kommen Kosten für weitere Flüge, Anfahrtskosten und Fotoabzüge.

Flexible Flieger: Winkel und Blickrichtung des Bildes können vorher programmiert und nachher erstellt werden. Abbildung: AirRotorMedia GmbH

Schwache Batterie? Sanfte Landung

Der Elektromotor ist emissionsarm. Nur ein leises Surren ertönt, wenn die Drohne aufsteigt. Zwar fliegt Parsch mit seinem ferngesteuerten Gerät über Wohngebiete, darf aber keine Privatpersonen beobachten oder fremde Gärten ausspähen. Das Flugobjekt muss in Sichtweite betrieben werden, also im Umkreis von 200 Metern. Ein Mindestabstand von 1,5 Kilometern zum nächsten Flughafen ist vorgeschrieben; ab 30 Metern Flughöhe brauchen Betreiber eine Genehmigung der Flugsicherung. Natürlich gilt das Recht am eigenen Bild – bei abgelichteten Personen – auch aus der Luft und die Genehmigung der Besitzer von Grundstücken oder Bauwerken sollte selbstverständlich ebenfalls eingeholt werden. Wird die Batterie einmal schwach, fällt das technische Wunder nicht wie ein toter Vogel vom Himmel, sondern landet selbstgesteuert und sanft.

Tagesfüllend ist der Drohnen-Job nicht; hauptberuflich plant Parsch in seinem Büro vor allem Wohnungen, Behinderten-Einrichtungen und energetische Sanierungen. Mit den Luftbildaufnahmen verbindet Parsch seine Leidenschaft fürs Fliegen mit einem bisher kleinen Nebenerwerb.

Mit ihren Fähigkeiten erobern die ursprünglich für den militärischen Gebrauch konzipierten Flugroboter zivile Einsatzfelder. Die Parrot AR.Drone etwa kostet nur wenige Hundert Euro, lässt sich via iPhone steuern und filmt ihre Umgebung mit einer hochauflösenden Kamera. Top-Modelle, wie die 40.000 Euro teure md4-1000 des Siegener Herstellers Microdrones, können dagegen fast eineinhalb Stunden in der Luft bleiben und bis zu 40 Kilometer zurücklegen. Dabei fertigen sie präzise Landkarten an, überwachen Fabrikanlagen oder helfen der Polizei bei der Suche nach Verdächtigen. Einsatzfelder für Architekten sind Baufortschrittsdokumentationen, Schadensbilder aus der Luft und alles, was mit Erfassen und Vermessen zu tun hat. Die mit GPS ausgestatteten Flugkörper können beispielsweise mehrmals an exakt der gleichen Stelle aufsteigen und aus derselben Höhe ein Bild schießen – und damit präzise einen Baufortschritt dokumentieren. Vermessungen oder kartografisches Erfassen von Landschaften oder Geländen sind ebenso möglich. Thorsten Kanand, Geschäftsführer der Air Rotor Media GmbH in Holzminden, empfiehlt sein Modell AR200 für Vermessungsarbeiten. Der Hexakopter erreicht mit seinen sechs Rotoren einen Durchmesser von zwei Metern und kann Lasten von mehreren Kilogramm transportieren. Im Moment trägt die Drohne eine High-End-Kamera, mit der die Deutsche Bahn ihre Gleise und Dämme vermisst.

Will ein Architekt ein Gelände erfassen, kann er mit spezieller Software für seine Drohne im Voraus eine Route festlegen, die das Gerät dann eigenständig abfliegt. Wer genau definiert, an welcher Stelle was gemessen oder erfasst werden soll, erspart sich Laufwege. Die Drohne nimmt geografische Daten auf und eine Software wandelt diese in eine Punktewolke um, mit der Vermesser arbeiten können. „Das Ergebnis ist gleichwertig mit dem Erfassen per Laserscanner“, erläutert der gelernte Bauingenieur Kanand. Rund 60.000 Euro müsse man für den Kauf eines solchen Systems investieren. Tagessätze mit Pilot fangen bei 2.500 ­Euro an. „Das ist weitaus günstiger und emissionsärmer, als mit einem Hubschrauber herumzufliegen.“ Der Clou verbirgt sich in Reichweite und Einsatzzeit: Das Miniflugzeug kann mit Brennstoffzellen betrieben werden und fliegt deshalb viele Kilometer weit, ohne aufzutanken. Erst vor wenigen Wochen wurde die Neuheit auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung vorgestellt.

Schadensaufnahme aus luftiger Höhe

Sachverständige nutzen mit Kameras ausgestattete Drohnen, um sich einen Überblick über Baumängel, Brände oder Schäden durch Naturkatastrophen zu verschaffen. Dank hochauflösender Bilder sehen Experten, ob es beispielsweise für Menschen zu gefährlich ist, ein einsturzgefährdetes Haus zu betreten. Der Magdeburger Architekt Andreas Eckerlin arbeitet seit zwei Jahren mit Drohnen. Für sein 2009 gegründetes Sachverständigenbüro aesacon GmbH dokumentieren die fliegenden Mini-Hubschrauber zum Beispiel Schadensfälle aus der Luft. Eckerlin schildert den Anstoß: „Wir haben nach einem Gutachten an einer Wasserburg angefangen, über Alternativen zum Hochstativ nachzudenken. Wegen des breiten Burggrabens kamen die Magdeburger nur mit Klettern und einem starken Teleobjektiv an verwertbare Fotografien. ‚Das muss doch besser gehen‘, dachte ich mir. So kamen wir auf die Drohnen“, sagt Eckerlin. Heute lässt er sich seine beiden Flugobjekte von einer kleinen Firma individuell ausstatten. Die Produkte großer Anbieter entsprachen nicht seinen Bedürfnissen. Seine größere Drohne wiegt etwa fünf Kilo und trägt eine Spiegelreflex-Kamera, mit der Schäden sehr genau und hochauflösend dokumentiert werden können.

Spinne am Boden: Die Flugkörper sind relativ leicht zu steuern. Ein par Regeln müssen beachtet werden; etwas Training mit einem Experten tut gut. Foto: AirRotorMedia GmbH

Bis jetzt hat er 40.000 Euro in sein Profi-Equipment investiert. „Das hat sich noch nicht rentiert, aber wir heben uns durch die spezielle Ausstattung von der Konkurrenz ab und können Aufträge übernehmen, vor denen andere kapitulieren“, erzählt der Architekt und Hobby-Flieger. Mit einem High-Tech-Spielzeug erfüllt sich Eckerlin einen Männertraum und leistet professionelle Arbeit für Denkmalpflege, Privatwirtschaft oder dem Solarbereich. Um die unbemannten Flugkörper bedienen zu können, bedarf es meist einer kleinen Schulung durch denHersteller oder einiger Übung. Es empfiehlt sich, Informationen im Vorfeld einzuholen und zunächst eine Drohne mit eigenem Piloten für einige Stunden zu mieten. Informationen und Kontakte bieten Internetseiten wie drohnenfotografen.de.

Leila Haidar ist freie Journalistin in Stuttgart

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