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Architektinnen

„Durch Erfahrung ­abgehärtet“

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Bremsen durch Geschlechter-Klischees, Doppelbelastung durch Kinder und Beruf, Siege durch Selbstbewusstsein: Sechs Architektinnen schildern ihren weiblichen Berufsweg Aufzeichnungen: Cornelia Dörries, Danuta Schmidt, Roland Stimpel

Frauen im Architekturberuf sehen sich oft mit Vorurteilen, Rollenbildern, Klischees und Konflikten zwischen Arbeit und Familie konfrontiert, die die Karriere erschweren. Das Thema haben wir zuletzt in den Beiträgen „Wenn Frauen nicht bauen“ (Heft 7/2011, S. 22, oder hier ) und „Rund um die Uhr gefordert“ (Heft 11/2012, S.30 oder hier) zur Diskussion gestellt. Hier berichten sechs Büro-Inhaberinnen, wie sie in Berufswahl, Studium und Praxis solche Probleme erlebt und gelöst haben.

Foto: Anja Beecken

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Anja Beecken, geboren 1963, gründete die heutige Anja Beecken Architekten Gesellschaft von Architekten und Energieberatern mbH mit Sitz in Berlin 1993. Zu den Schwerpunkten gehören Städtebau, energetische Optimierung und Energieberatung sowie Denkmalschutz. Das Büro hat derzeit fünf weibliche und zwei männ- liche Mitarbeiter. www.anja-beecken.de

Anja Beecken

„Mich nie unter Wert ­verkauft“

Als Kind habe ich Baum- und Bodenhöhlen gebaut und mir meine eigenen Welten errichtet. Ich wollte immer frei sein. Ich war laut und präsent, was mir viel Gegenwind einbrachte. Wie man diesem trotzt, habe ich von klein auf lernen müssen, und ich habe seitdem eine ausgeprägte Durchhaltekraft.

Als ich nach dem Abitur Architektin werden wollte, lehnte mein Vater das ab: Es sei nun mal ein Männerberuf. Ich setzte mich darüber hinweg, ging an die TU Braunschweig und finanzierte mir mein Studium selbst, zunächst am Fließband bei VW und als Kellnerin, später in Architekturbüros. In meiner ersten Vorlesung 1982 wunderte sich der Professor für Baukonstruktionslehre, dass auch Frauen im Hörsaal seien – zu seiner Studienzeit habe es das nicht gegeben. Und als ich seinem etwa 40-jährigen Assistenten den ersten Plan zur Zwischenkorrektur brachte, meinte er, ich solle den Plan an die Wäscheleine hängen; er korrigiere nichts von Frauen. Nach drei Monaten dieser Art war mir die Herausforderung klar. Aber ich beschloss, es durchzustehen – allen Widerständen zum Trotz. Nach dem Vordiplom ging ich von Braunschweig nach Darmstadt, wo die Professoren kreativere, freiere Ansichten vertraten. Später fand ich ­erfahrene und vorurteilsfreie Arbeitgeber wie ­Albert Speer, Günter Behnisch und dann Hans-Joachim Pysall. Für ihn vertrat ich nach dem Studium den Projektleiter beim 160-Millionen-Mark-Projekt Alexanderhaus. Gleich in der ­ersten Besprechung verkündete ein Bauleiter, er halte nichts von Frauen auf Baustellen. Ich ließ mich aber nicht beirren und kam dann gut mit ihm klar.

Ich habe immer nur das getan, was meiner Selbsteinschätzung entsprach, und habe mich nie unter Wert verkauft. Sehr positiv haben sich mir die neuen Bundesländer dargestellt – dort ist seit DDR-Zeiten die Ingenieurin etwas Normales. Ich traf dort im Berufsalltag viele Frauen, was die Arbeit häufig vereinfachte. Heute haben sich Männer am Bau an Frauen gewöhnt. Auch die Chefs großer Baufirmen bereiten selten Probleme. Anders die Geldgeber, bei denen ich oft noch die Haltung spüre: Wo es um Millionen geht, haben Frauen nichts verloren. Immer dann, wenn es um große Summen geht, muss ich besonders energisch kämpfen.

Foto: Dr. Markus Köcher

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Christine Wolf, geboren 1965 in Stuttgart, studierte an der FH Würzburg und an der Hochschule für Technik in Stuttgart. Seit 2011 führt sie ein eigenes Büro zusammen mit einer Mitarbeiterin in Gechingen bei Calw, Baden-Württemberg. www.cw-architektur.com

Christine Wolf

„Frauen müssen immer noch ­stärker kämpfen“

Dass ich einen kreativen Beruf ergreifen wollte, wusste ich schon sehr früh. Meine Entscheidung für die Architektur hatte vielleicht auch mit meinem Vater zu tun, der Bauingenieur war. Er hat mich jedenfalls nie vor diesem vermeintlichen Männerjob gewarnt. Auch an der Hochschule hatte ich nie den Eindruck, als Frau fehl am Platz zu sein. Allerdings war ich durch praktische Erfahrungen auch ein bisschen abgehärtet. Denn bereits vor dem Studium hatte ich schon eine längere Zeit in einem Architekturbüro und in einer Zimmerei gearbeitet. Der etwas handfeste Umgang in diesem Metier war mir also vertraut. Noch während des Studiums habe ich geheiratet und begann nach dem Diplom in einem Büro zu arbeiten, das hauptsächlich im Städtebau tätig ist. Es war ein guter Start in das Berufsleben – nicht nur, weil ich gleich an einem großen Projekt für Leipzig mitarbeiten konnte, sondern auch wegen des ordentlichen Anfangsgehalts. Ich verdiente mehr als mein Mann, der ebenfalls Architekt ist. Dennoch wechselte ich 1996 in sein Büro, allerdings nicht als Partnerin, sondern als Angestellte. In dieser Konstellation haben wir eigentlich eine traditionelle Arbeitsteilung praktiziert: Ich widmete mich der Bauleitung und war für die Kommunikation zuständig, die technischen und wirtschaftlichen Dinge regelte er. Als dann unsere Tochter geboren wurde, habe ich mich – ganz klassisch – sehr viel mehr um sie, die Familie und den Haushalt gekümmert.

2010 habe ich mich sowohl beruflich als auch privat von meinem Mann getrennt und stand nun vor der Frage: Wie weiter? Ich entschied mich, es allein zu wagen. Parallel zum Aufbau meines eigenen Büros war ich noch freiberuflich tätig, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Ich merkte dann schnell, dass diese Zweigleisigkeit schwierig ist. Jetzt führe ich mein eigenes Büro im dritten Jahr und sehe mit Freude, dass es immer besser läuft. Was mich damals im Zuge der Existenzgründung am härtesten getroffen hat, war nicht so sehr der Nachholbedarf in Sachen CAD oder Büroadministration, sondern die Tatsache, dass vielen um mich herum gar nicht bewusst war, dass ich auch Architektin bin. Ich glaube, Frauen müssen immer noch stärker darum kämpfen, von Bauherren als kompetente und belastbare Partnerin wahrgenommen zu werden. Mir gelingt das mit Engagement und Überzeugungskraft; ich denke, es kommt dabei auch sehr auf die Authentizität an. Ich mag den direkten Kontakt zu den Menschen und die Vielseitigkeit der Aufgaben, die der Architektenalltag so mit sich bringt.

Foto: Cordia Schlegelmilch

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Bärbel Kannenberg, geboren 1954, leitet gemeinsam mit ihrem Mann das Architekturbüro Kannenberg und Kannenberg in Wittstock. Zwei der drei freien Mitarbeiter sind Männer, ebenso der Angestellte. Von den vier Söhnen sind zwei Architekten und einer Bauingenieur geworden. www.kannenberg-architekten.de

Bärbel Kannenberg

„Mit Säugling auf die Baustelle“

Früh stand mein Berufswunsch fest: Ich wollte meinem Bruder nacheifern und Bauingenieur werden. Er war es wohl, der mich schon als Kind mit der Männerwelt vertraut machte und mir jegliche Angst nahm. Nach dem Abitur studierte ich auf einem Umweg in Neustrelitz an einer Baufachschule. Als auf einer Baustelle in Eberswalde für eine neue Fabrikhalle eine Urlaubsvertretung gesucht wurde, war das meine Chance als Bauleiterin. Ich kam vom Studium mit jeder Menge Theorie im Kopf. Auf der Baustelle musste ich mich in die Planung einlesen, die Arbeit organisieren und trug Verantwortung für 25 Männer. Wir akzeptierten uns und lernten voneinander. Nach Ablauf der Urlaubsvertretung wurde ich gebeten, weiterzumachen. Dieses „Nicht-vor-der-Praxis-Scheuen“ war für mich Gold wert und ist es bis heute. Zurück von der Großbaustelle, fanden wir unsere berufliche Erfüllung im „Planen nach Feierabend“. Hier gab es bei privaten Bauherren einen Hauch von Individuellem. Mein Mann und ich wollten uns gern selbständig machen, haben provokant Anträge gestellt. Nach meiner ersten Reise in die BRD 1986 wollte ich in keinem sozialistischen Betrieb mehr arbeiten. Das war nicht so einfach möglich, schließlich hatte das Studium den Staat Geld gekostet. Die Geburt unseres dritten Sohnes löste diesen Konflikt; ich ging ins Babyjahr. Diese Zeit nutzten wir zum Umdenken und belebten die seit 1755 im Familienbesitz befindliche Töpferwerkstatt wieder. Wir planten weiter nach Feierabend. Dann kam die Wende und ein Traum wurde Wirklichkeit: 1990 haben wir unser Büro eröffnet. Nun kamen wir vor Arbeit kaum in den Schlaf. Trotz aller Freude und Begeisterung an meinem Beruf habe ich meine Rolle als Mutter gleichberechtigt ernst genommen. Unser jüngster Sohn kam schon als Säugling mit auf die Baustelle. Wenn ich arbeiten musste und er quengelig wurde, sprangen die Handwerker ein. Unsere Kinder waren früh selbstständig; sie wussten aber, dass sie mit allen Problemen zu uns kommen konnten. Mit der Zeit wurden aus unseren Söhnen freie Mitarbeiter. Sie sind sozusagen ins Büro hineingewachsen. Davon haben beide Seiten profitiert.

Ich habe nie bereut, dass ich meine oberste Pflicht im guten Kompromiss zwischen Beruf und Familie gesehen habe. 1997 haben wir den Brandenburger Architekturpreis gewonnen, ein Jahr später wurde ich in den BDA berufen. Dort arbeite ich seit fünf Jahren im Vorstand mit. Die Diskussion um die Frauenquote interessiert mich weniger. Ich finde, wenn ein Viertel unserer Kollegen weiblich ist, dann ist das ein gutes Verhältnis. Ich bin überzeugt, dass eine Frau in jedem Beruf einen schwereren Weg gehen muss. Das Leben einer berufstätigen Frau und Mutter, die sogenannte Doppelrolle, ist vielseitiger und reicher als die eines Mannes. Das wirkt sich auch auf ihre Leistungsfähigkeit im Beruf aus!

Foto: Klaus Werner

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Professorin Marina Stankovic, geboren 1960, gründete 1986 in Berlin ihr eigenes Büro, das derzeit vier weibliche und drei männliche Mitarbeiter hat. Sie lehrt auch an der Hochschule in Leipzig. www.stankovicarchitekten.de

Marina Stankovic

„Eine Frage der Organisation“

Meine Eltern sahen mich als künftige Ärztin oder Anwältin, nicht in der brotlosen Baukunst. Ich musste diesen Berufswunsch also gegen ihren Widerstand durchsetzen. Und ich glaube, das erklärt bereits einiges. Ich hatte jedenfalls nie Probleme, mich in dieser männlich geprägten Realität zu behaupten. Ja, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es gar keine typisch männlichen oder typisch weiblichen Durchsetzungsstrategien gibt. Ich bin überzeugt, dass Erfolg eine Frage der Persönlichkeit ist.

Ich habe in Toronto studiert, wo von den 60 Studierenden meines Jahrgangs vielleicht zehn Frauen waren. Statt über Benachteiligung oder über Geringschätzung nachzudenken, waren wir vielmehr von Architektur besessen. Fragen der Gleichberechtigung waren für uns dort einfach kein Thema. Anders war mir dann freilich bei den ersten Baustellenbegehungen zumute. Das war eine andere Welt: rauer, direkter, härter. Der erste Architekt, bei dem ich arbeitete, war Aurelio Galfetti in der Schweiz. Er zeigte viel Wohlwollen und Verständnis für das Unfertige und die Unerfahrenheit einer 24-jährigen Absolventin. Sein Bekenntnis, sein erstes Haus auch erst nach der Fertigstellung vollständig gezeichnet zu haben, fand ich ermutigend. Heute ist für geduldige Betreuung, Unterweisung und ausführliches Erklären kaum noch Zeit: Es herrscht ein hoher Druck; das Tempo ist enorm. Ich finde das bedauerlich, zumal ich als Professorin ja die nächste Generation von Architekten ausbilde und weiß, dass auch sie auf die Großzügigkeit und die Weitergabe von Erfahrungen der etablierten Kollegen angewiesen ist.

Seit meiner Studienzeit hat sich das Geschlechterverhältnis ins Gegenteil verkehrt. Heute sind 65 bis 70 Prozent meiner Studierenden junge Frauen. Manchmal frage ich mich, ob und wie sich diese Situation auch auf den Architektenberuf insgesamt auswirkt. Die viel beschworene Doppelbelastung mit Beruf und Kindererziehung halte ich für eine Frage der Organisation. Ich habe ja selbst Kinder und empfinde diese „Doppelbelastung“ als Doppel-Gewinn – vielleicht auch, weil ich Beruf und Familie vereinbaren muss. Wenn ich so darüber nachdenke, ist Vielseitigkeit ein wichtiger Teil meines beruflichen Selbstverständnisses. Meine Arbeit erfordert eine gewisse Flexibilität: Analysieren, Entwerfen im großen und im kleinen Maßstab, das Nachdenken über lokale Themen oder globale Planungsprozesse, Unterrichten und Vorträge vor Studierenden und Fachleuten – kurz gesagt: Kommunikation und Inhalte kuratieren. Hier ist eine Fähigkeit gefordert, die uns vielleicht einfach leichter fällt!

Foto: Lichtschwärmer - Christo Libuda

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Barbara Hutter, geboren 1963, gründete 2001 mit Stefan Reimann das Büro hutterreimann Landschaftsarchitektur in Berlin, das heute sieben weibliche und drei männliche Mitarbeiter hat. http://hr-c.net/

Barbara Hutter

„Gemeinsam Aufgaben und Rollen gestalten“

Als Kind habe ich nie Kleider getragen – nicht etwa, weil sie nicht schön gewesen wären, sondern weil man sie nicht schmutzig machen durfte. Und schmutzig war ich immer. 1983 kam ich über die Umweltbewegung und den Wunsch nach Einflussnahme zum Studium der Landschaftsökologie. Da habe ich immer wieder Arbeitsgruppen mit anderen Frauen gebildet – sehr zweckorientiert, sehr effizient, ohne Dünkel und Statusabgleich. Diskriminierung durch Männer berührte mich wenig. Frauenfeindliche Bemerkungen von Professoren und Assistenten interessierten mich nicht, solange sie keinen wesentlichen Einfluss auf die Bewertung meiner Arbeiten hatten. Als ich nach Berlin wechselte, kam ich von einem rechtskonservativen in ein eher linksalternatives Milieu. Die Professoren waren zwar fast alle Männer, aber bewusste oder unbewusste 68er mit einem für mich akzeptablen Geschlechterverständnis. Auch mein langjähriger Arbeitgeber Hans Loidl machte da keinen Unterschied und ließ seine Mitarbeiter sehr frei agieren – mit viel eigener Verantwortung und Risiko, aber gerade das machte stark und selbstständig. Draußen in den Projekten gab es fast nur Männer. Mit guter Vorbereitung und dem nötigen Instinkt hat die Arbeit aber meist funktioniert. Allerdings gehörte es zur Gesprächs-Unkultur, stets die Fehler bei anderen zu suchen und anzuprangern. Da halfen mir dann Schlagfertigkeit, aber auch meine dunkle und, wenn nötig, laute Stimme. Ich bin eine kraftvolle Frau und habe das Glück, einen Mann und Büropartner an meiner Seite zu wissen, für den das selbstverständlich ist. Er hat miterlebt, wie aus der schrägen und taffen Studentin eine enorm ehrgeizige Landschaftsarchitektin wurde, die neben vielen Projekten auch das Büro geleitet hat. Er hat immer sein Ding gemacht, kreativ und unabhängig. Während ich meinen Willen zum Leiten und Entscheiden kennenlernte, mein Bedürfnis nach Verantwortlichkeit und Einflussnahme, hat er sich seine Freiheit in Kopf und Seele bewahrt. Wir können persönliche und berufliche Ziele verbinden und haben die Freiheit, gemeinsam Aufgaben und Rollen flexibel zu gestalten.

Foto: mkpoint

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Professorin Christa Reicher, geboren 1960, lehrt Städtebau an der Technischen Universität Dortmund und ist Gründerin des Planungsbüros rha reicher haase architekten + stadtplaner, das inzwischen rha reicher haase associierte GmbH heißt und im Moment neun weibliche und sieben männliche Mitarbeiter beschäftigt. www.rha-architekten.de

Christa Reicher

„Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft“

In meinem Heimatdorf in der Eifel war ich das erste Mädchen mit Abitur. Auf der Suche nach einem Studienfach, das praktische Gestaltung und bildende Kunst verband, kam ich auf Architektur. Deren Studium begannen mit mir 1979 an der RWTH in Aachen etwa gleich viele junge Frauen und Männer. Neben dem klassischen Hochbau kam ich immer mehr mit Städtebau in Berührung, dessen Komplexität mich von Anfang an stark gereizt hat. In Aachen, an der ETH Zürich und nach dem Diplom in Planungsbüros habe ich keinerlei Diskriminierung als Frau erlebt. Nach drei Jahren Praxis bot mir mein Städtebau-Professor eine Assistentenstelle an. Da ich noch Praxiserfahrung sammeln wollte, habe ich eine Teilzeitstelle angetreten, daneben an Wettbewerben teilgenommen und nach den ersten Wettbewerbserfolgen unser noch heute bestehendes Planungsbüro gegründet. Hier habe ich einen Büropartner, der sich sehr auf Konstruktion und die technische Realisierung konzentriert, sich nach außen eher zurückgehalten hat, so dass meist ich uns nach außen vertreten habe und das auch tun musste. Das unterscheidet uns von vielen anderen Büros, wo immer wieder Männer in die erste Reihe drängen.

In Studium und Beruf habe ich mir Zeit gelassen, um herauszufinden, was mich wirklich interessiert und wo die eigenen Stärken liegen. Wenn ich es herausgefunden hatte, habe ich mich stets sicher gefühlt und bin mit mehr Selbstvertrauen an die Sache gegangen. Nach der Assistentenzeit hatte ich Gefallen am Lehren gefunden, an der Zusammenarbeit mit jungen Menschen. 1998 habe ich mich um eine Professur beworben und habe sie – zu meiner großen Überraschung – bekommen. Die männlichen Kollegen hatten sich eine Kollegin gewünscht, aber ich fühlte mich nie als Quotenfrau. Als ich meine beiden Kinder bekam, habe ich ohne größere Pause weitergearbeitet. Ich wollte nicht, dass Kritik aufkommt wie: „Da nimmt man mal eine Frau, und dann fällt sie schon nach kurzer Zeit aus.“ Die Kinder habe ich, wenn nötig, mit in die Hochschule gebracht, doch das war eher die Ausnahme. Meist haben sich aber mein Mann, der seine berufliche Tätigkeit reduziert und fortan halbtags ausgeübt hat, sowie unsere Kinderfrau um die Kinder gekümmert.

Geringschätzung als Frau habe ich bis vor einiger Zeit nirgendwo erlebt. Jetzt aber sehe ich mich – auch im Hochschulalltag – schon damit konfrontiert. Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft, zumindest in zwischenmenschlicher Hinsicht. Ich bin mir sicher, dass der ein oder andere Kollege sich nicht trauen würde, mit anderen Männern so umzugehen wie mit einer Frau. Als ich einmal die Botschaft bekam: Einer oder wohl eher eine ist hier zuviel, habe ich gesagt: „Na gut. Dann werden wir am Ende sehen, wer hier zuviel ist.“

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Ein Gedanke zu “„Durch Erfahrung ­abgehärtet“

  1. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
    wann dürfen wir LeserINNen den ersten psychosozialen Bericht über Männer im Architekturbetrieb lesen?
    Zudem betrachte ich diese Form der Berichterstattung mit einigem Magengrimmen, und dies nicht nur angesichts der Sprachverwirrung wie z.B. weibliche und männliche Mitarbeit – er!
    Mit freundlichem Gruß,
    Luitgard Gasser

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