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Cebit

Tippen, touchen, transformieren

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Zwitter zwischen Notebooks und Tablets, zwischen Tablets und Smartphones, bessere Monitore und Drucker: Das und noch mehr für Büro und Baustelle sind Neuerungen von der Messe CeBIT 2013 Text: Marian Behaneck

Tasten oder touchen? Die neueste ­Generation mobiler Hardware macht ­beides möglich. Foto: Microsoft Deutschland

Vor allem ein Trend hat in diesem Jahr die Hardware-Neuerungen auf der CeBIT-Messe in Hannover bestimmt: das „Mobile Computing“. Die meisten prominenten Anbieter offerierten gleich mehrere neue Mobilgeräte. Erst vor Kurzem haben Notebooks die Desktop-Rechner in den Verkaufszahlen überholt; jetzt laufen Tablet-PCs den Notebooks den Rang ab. Die Flachrechner eignen sich für die Datenerfassung auf der Baustelle wie für Präsentationen beim Bauherrn – und sie werden immer besser. Zu den aktuellen Ausstattungsdetails zählen schnelle Vierkern-Prozessoren (Quad-Core), hochaufgelöste Full-HD-Displays mit 1920 x 1080 Pixel Bildauflösung sowie Tastatur-Docks. Letztere verwandeln ein Tablet in ein kompaktes Netbook mit vollwertiger Tastatur. Sogenannte Convertibles liefern diese Tastatur gleich mit und können durch ausgeklügelte Drehmechanismen ganz fix von einem Note- oder Netbook in ein Tablet verwandelt werden.

Foto: Panasonic Computer Products Europe Netbook oder Tablet? Dank mehr oder minder akrobatischer Drehmechanismen …

… lassen sich inzwischen viele Mobilrechner ­flexibel nutzen. Foto: Dell Deutschland

Ein Messe-Highlight war das Windows 8-Tablet Surface Pro von Microsoft. Anders als der Vorgänger Surface RT ist die Pro-Version ein vollwertiger PC, auf dem nicht nur Apps aus dem Windows Store genutzt werden können, sondern auch alle unter Windows 8 laufenden PC-Programme. Das leichte und schlanke Surface Pro ist mit 64- und 128-GB-Speicher erhältlich und verfügt über einen 10,6 Zoll großen Bildschirm mit Full-HD-Auflösung. Der Clou ist eine Schutzhülle (Touch-Cover), die zugleich als extrem dünne, allerdings druckpunktlose Tastatur dient. Auch das ElitePad von Hewlett Packard ist ein leichter und schlanker Windows 8-Tablet-PC für geschäftliche Anwendungen. Das 10,1-Zoll-Multitouch-Display aus bruch- und kratzfestem Gorilla-Glas ist in einem nur 9 Millimeter schlanken Aluminium-Gehäuse eingebettet. Mit der HD-Webcam auf der Vorder- und der 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist das Tablet sowohl für Videokonferenzen als auch für Baustellenfotos gerüstet. Als Zubehör gibt es eine Tastatur, eine Büro-Dockingstation, einen Zusatz-Akku sowie „Smart Jacket“-Schutzhüllen für noch mehr Flexibilität.

Dagegen ist das neue CF-AX2 von Panasonic auch ohne Schutzhülle Outdoor-tauglich. Stöße und Katzer werden ebenso klaglos hingenommen wie ein Sturz aus Tischhöhe und das anschließende Drauftreten des schwergewichtigen Baupoliers. Dank einer pfiffigen, um 360 Grad drehbaren „Flip-over“-Konstruktion und einem für robuste Geräte erstaunlich eleganten Gehäuse macht es als Touchscreen-Tablet auf der Baustelle eine ebenso gute Figur wie als Chef-Notebook auf dem Büroschreibtisch. Zu akrobatischen Verrenkungen ist auch der IdeaPad Yoga S11 von Lenovo fähig. Das unter Windows 8 bzw. Windows RT laufende Convertible erlaubt dank vier verschiedenen Arbeitsmodi (Notebook, Tablet, Stand und Zelt) unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten, sodass man zwischen dem Erstellen und Konsumieren digitaler Inhalte hin- und herwechseln kann.

Während obige Mobilrechner zu Yoga-Übungen fähig sind, bleibt die Verwandlung des XPS 12-Ultrabooks von Dell in einen Flachrechner sprichwörtlich „im Rahmen“. Quasi im Handumdrehen wird aus dem Windows 8-Rechner mit 12,5-Zoll-Display, Intel Core-i5-Prozessor und 256 GB großer SSD-Festplatte in einem Aluminium-/Karbonfasergehäuse ein schickes Tablet. Als einer der wenigen Anbieter offeriert Fujitsu mit dem Stylistic M702 ein unter Android 4 laufendes Outdoor-Tablet. Das semi-ruggedized Gerät (siehe hier zu robusten Geräten für die Baustelle) überlebt Abstürze aus Hüfthöhe, ist staub- und wasserdicht und ermöglicht laut Hersteller daher „Architekten, Bauzeichnern oder Bauunternehmern auch auf windigen, nassen Baustellen den sicheren Zugang zu elektronischen Bauzeichnungen“.

Riesen-Smartphone oder Zwerg-Tablet? Die neue Phablet-Gerätegeneration vereint beide Welten in einem Gehäuse. Foto: Samsung Electronics

Vom Smartphone zum „Phablet“

Klare Trends gibt es auch bei den Mobilrechnern mit Telefonfunktion – den Smartphones: Immer größere Touchscreens mit Full-HD-Auflösung, Cloud-Dienste für die bequeme Nutzung stets aktueller Applikationen und einen permanenten Datenzugriff sowie der neue, schnellere Datenfunkstandard LTE der vierten Generation zählen zu den wichtigsten Entwicklungen. Mit den immer größeren Displays verschwimmen die Grenzen zwischen Smartphones und Tablets immer mehr, sodass praktisch eine neue Geräteklasse entstanden ist – die „Phablets“. Das sind Smartphones, die mit ihren fünf bis acht Zoll großen Displays gerade noch in eine Mantel- oder Jackentasche passen, aber ähnliche Anwendungsmöglichkeiten bieten wie Tablets im 10 Zoll-Standardformat. Lediglich beim Telefonieren stören die großzügigen Abmessungen etwas. Man hat das Gefühl, eine Wandfliese ans Ohr zu halten.

Mit dem Galaxy Note 8 hat Phablet-Pionier Samsung einen Phone-Tablet-Zwitter mit einem für diese Geräteklasse riesigen 8 Zoll-Multi-Touchscreen vorgestellt, der dem iPad mini von Apple Paroli bieten soll. Als Alternative zur Fingergestensteuerung ist, wie bei allen Note-Modellen, auch ein elektronischer Eingabestift mit an Bord, der sich ebenso für die Bildbearbeitung, schriftliche Notizen oder Handskizzen eignet. Auch der chinesische Computerhersteller Huawei mischt im Phablet-Markt inzwischen kräftig mit. Das 6,1 Zoll große Ascend Mate soll die Vorteile der Smartphone-Mobilität mit dem Komfort von Tablets verknüpfen. Eine alternative Stifteingabe unterstützt das kaum 200 Gramm leichte Gerät allerdings nicht. Das neue HTC One des taiwanesischen Smartphone-Herstellers HTC punktet mit einem 4,7 Zoll-Display in Full-HD-Auflösung sowie mit dem neuen LTE-Mobilfunkstandard für besonders schnellen Datendownload. Über ein neues Gehäusekonzept verfügt das unter Android laufende PadFone Infinity von Asus. Dabei handelt es sich um eine interessante Kombination aus Smartphone und Tablet: Das 5 Zoll-Smartphone wird einfach in die Rückseite eines 10,1 Zoll-Tablets geschoben. Dadurch kann man alle Smartphone-Inhalte jederzeit auch auf dem größeren Tablet-Display anschauen und nutzen.

Außen hart, innen smart: Rugged-Smartphones fühlen sich erst bei Regen, Staub und Dreck so richtig wohl. Foto: Caterpillar

Auch Smartphones als Rugged-Version gibt es schon. Baumaschinenhersteller Caterpillar hat mit dem CAT B15 ein robustes, nach dem IP67-Standard zertifiziertes Android-Smartphone vorgestellt. Es ist wasser- und staubdicht und übersteht es, wenn einem das Smartphone beim Telefonieren aus der Hand fällt.

Auf die Kommunikations-Zukunft bot die CeBIT ebenfalls einen kleinen Ausblick. So konnte man mit den GlassUp Eyeglasses eine transparente Datenbrille ausprobieren, die passend zum aktuellen Sichtfeld des Brillenträgers Zusatzinformationen, etwa zu einem Gebäude oder Bedienhinweise zu einem Gerät einblenden kann. An einem ähnlichen Projekt, „Google Glass“ genannt, arbeitet derzeit auch der Suchmaschinen-Primus. Google will die Datenbrille kabellos über ein Smartphone an das Internet respektive das Mobilfunknetz anbinden und zusätzlich mit einer intelligenten Sprachsteuerung ausstatten, wodurch man beide Hände für andere Tätigkeiten frei hat.

Hoch- oder Querformat? LCD-Monitore mit Pivot-Drehfunktion sind da flexibel. Foto: AOC International (Europe)

Monitore haben den Dreh raus

Auch bei Computermonitoren soll Energie gespart werden. Effizienz ist bei LCD-Monitoren mit LED-Hintergrundbeleuchtung quasi mit eingebaut. Sie verbrauchen nur etwa ein Drittel so viel Strom wie die inzwischen in den meisten Büros ausgemusterten Kathodenstrahlröhren-Monitore. Einige Hersteller statten ihre Bildschirme zudem mit Stromsparsoftware aus, die durch eine Umgebungslicht-Anpassung oder Abschaltautomatik die Gesamtbetriebskosten weiter senkt. Da sich mit LCD-Displays auch extreme Breitformate realisieren lassen, haben Spiele- und Video-Anwendungen im Markt das 16:9-Format durchgesetzt. Neuester Trend ist das 21:9-Format.

Für Textdokumente oder CAD-Zeichnungen sind extreme Breitformate allerdings nicht gerade ideal – es sei denn, man nutzt sie für eine Zweiseiten-Ansicht, zusätzliche Programmfenster oder Architekturpräsentationen. Doch es gibt sie noch, die dem Seitenverhältnis des DIN-Blattformates eher entsprechenden 4:3 bzw. 5:4-Monitore. Allerdings muss man danach suchen – etwa beim Displayspezialisten AOC. Dieser hat auch ein neues 23-Zoll-Modell mit sogenannter Pivot-Funktion präsentiert. Damit lässt sich der Monitor per 90 Grad-Drehung auch senkrecht ausrichten – etwa bei langen Excel-Tabellen. Zudem bietet das Full-HD-Modell Funktionen wie eine Höhenverstellbarkeit sowie eine Neige- und Schwenkfunktion bei hoher Stabilität des Blickwinkels, was beispielsweise für Meetings am Arbeitsplatz vorteilhaft ist. Unter dem Label Philips offeriert der Monitorhersteller MMD einen 21:9-Monitor mit 29 Zoll-Diagonale und 2560 x 1080 Pixel Bildauflösung. Der Monitor kann Inhalte verschiedener Quellen gleichzeitig nebeneinander darstellen, was dem extremen Breitformat für geschäftliche Anwendungen wieder einen Sinn gibt. Zur Ausstattung des Profi-Monitors gehört natürlich auch eine integrierte Webcam für Videokonferenzen.

Klein, aber oho! Dieser DIN A4-Multifunktionsdrucker kann auch kleinformatige A3 CAD-Pläne ausgeben. Foto: Brother International

Drucker unter Kostendruck

Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit waren die beherrschenden Themen auch bei den Ausgabegeräten – spielen doch beide Aspekte angesichts steigender Energie- und hoher Druckausgabekosten in den Büros eine zunehmende Rolle. Branchenführer wie Canon oder Xerox stellten auf dem MPS-Park, einer Plattform für „Managed Print Services“, wirtschaftliche Drucklösungen vor. Aus ökonomischer Sicht scheint der Trend in Richtung Tintenstrahl-Drucktechnik zu gehen. Einer Epson-Studie zufolge lassen sich durch den Einsatz von Tintenstrahldruckern gegenüber Laserdruckern bis zu 80 Prozent Strom einsparen.

Mit besserer Technik, einem speziellen Energiemanagement und Cloud-basierten Dienstleistungen versprechen auch Laserdrucker-Hersteller wie Xerox mehr Sicherheit, eine bessere Kostenkontrolle und höheren Komfort. Canon will mit der Integration des Großformatdrucker-Herstellers Océ Deutschland neuer Global Player für Drucklösungen werden. Neu bei Canon war unter anderem auch ein Komplettsystem für das Drucken, Scannen, Archivieren und Verteilen von großformatigen Farb- und Schwarzweiß-Dokumenten. Interessant für „Büro-Einzelkämpfer“ war beim Druckerspezialisten Brother ein Multifunktionsgerät mit neuem Querformat-Druckwerk. Mit Druckgeschwindigkeiten von bis zu 20/18 Seiten pro Minute in SW/Farbe ist der A4-Tintenstrahldrucker MFC-J4710DW nicht nur schneller als so manche Lasergeräte. Er kann zusätzlich A3-Papier verarbeiten, was auch kleinformatige CAD-Planausgaben ermöglicht.

3D macht Druck: Die neueste 3D-Druckergeneration will mit preiswerten Geräten auch Architekturbüros erobern. Foto: Ultimaking

3D-Drucker für den Modellbau

Schon seit geraumer Zeit versuchen Hersteller, den 3D-Druck, der sich bislang nur in der Industrie durchsetzen konnte, auch anderen Branchen oder Privatanwendern schmackhaft zu machen. Sei es, um defekte Bauteile selbst kreieren und nicht teuer nachkaufen zu müssen, oder sei es, um identische Kopien beliebiger Gegenstände anzufertigen.

Auch auf der CeBIT offerierten drei Hersteller entsprechende Geräte ab 1.200 Euro. Der modular aufgebaute, einem Fischer-Baukasten nicht unähnliche Fabbster des deutschen Herstellers Sintermask kann 3D-Objekte aus verschiedenen farbigen Kunststoffen schichtweise „drucken“ – beispielsweise Modellbauteile oder ganze Architekturmodelle, wobei der Bauraum auf 22,5 x 22,5 x 21 Zentimeter beschränkt ist. Kaum größer können die Modelle des Replicator 2 von MakerBot sein. Als Baumaterial kann allerdings nur der Biokunststoff PLA verwendet werden. Der Ultimaker 3D Printer von Ultimaking und der Fabbster werden auch als Bausätze geliefert. Es können mehrere Farben und Materialien verarbeitet werden. Die maximalen Modellabmessungen betragen 21 x 21 x 22 Zentimeter.

Angesichts immer niedrigerer Gerätekosten scheint die 3D-Drucktechnik nicht weit vom Massenmarkt entfernt zu sein. Allerdings sind die Materialkosten und die Ansprüche an das Know-how des Anwenders immer noch hoch. Ausgabematerialien, Oberflächenqualitäten und Modellgrößen schränken zudem den Einsatz im Architekturbereich ein (siehe auch hier, zum Modellbau).

Marian Behaneck ist freier Fachjournalist in Jockgrim (Pfalz)

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