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Schwerpunkt: Kommunikation

Dämmungslos, hemmungslos

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Der Architekt Konrad Fischer erreicht eine schillernde Prominenz mit seinem Protest gegen Wärmedämmung. Zu dieser ist ihm jeder Vergleich recht – selbst der mit dem Nazi-Völkermord  Text: Roland Stimpel

Konrad Fischers Heimat im fränkischen Hochstadt-Marktzeuln ist weit weg von allen Funkhäusern. Doch er ist präsent auf allen Kanälen: im November im Bayerischen und im Norddeutschen Rundfunk, im Januar in der Tagesschau, im Februar bei RTL und wieder daheim im Bayerischen Rundfunk. Auch gedruckt wird er oft:

Binnen drei Wochen schaffte er es kürzlich ins Fachmagazin „Immobilienwirtschaft“, in die „Rheinpfalz“, die „Welt“ und die „Wirtschaftswoche“. Er ist ein gefragter Redner auf Kongressen, ob zur Stadt-Ästhetik in Düsseldorf oder zum Schimmelpilz in Berlin, ob beim Betonbauteile-Industrieverband e. V. oder beim Thema „Denkmal-Doping Deutschland“.

Foto: D. Biscan / Wirtschaftswoche

Konrad Fischer. Foto: D. Biscan / Wirtschaftswoche

Derart viele Bühnen in Medien und Sälen bekommen andere Architekten nur, wenn sie spektakuläre, umstrittene Großbauten planen. Fischer schafft das allein mit seinem Protest gegen Wärmedämmung – einem Thema, das nicht nur in Fachkreisen mittlerweile viel Leidenschaft und Abneigung weckt. Da sind seine Zuspitzungen, seine teils gewagten Thesen zur Bauphysik und seine oft derbe Rhetorik geradezu erwünscht: Fischer artikuliert verbreitetes Unbehagen auf eine Art, in der es viele andere nicht einmal denken. Er äußert Verschwörungs-Theorien über die „ganz Deutschland zerstörende Ökomafia“ und deren permanente „Klima-Schutzgeld-Erpressung“. In seiner Wut greift Fischer zu jedem Mittel – bis hin zu geschmacks- und pietätfreien Holocaust-Vergleichen.

Als Architekt spezialisierte sich Fischer zunächst auf Denkmalschutz. Mitte der 1990er-Jahre fand er zwei neue Felder: den Anti-Dämm-Kampf und das Internet. „Bis 1996 war ich beim Energiethema absolut gläubig, hab Dachstühle gedämmt und WDVS auf Fassaden aufgebracht.“ Ausgerechnet auf einem Dämmstoff-Seminar packten ihn Zweifel, als ein Redner auf zahlreiche Haftungsrisiken bei fehlerhaftem Dämmen hinwies. „Da bin ich zusammengezuckt und habe gedacht: Wenn da so viel falsch laufen kann, dann ist diese Wärmedämmung grundsätzlich falsch.“ Fischer reaktivierte seine physikalische Bildung – „ich komme vom naturwissenschaftlichen Gymnasium“. Bald wusste er alles über die „Hyperbeltragik des U-Werts“ und den „Nulleffekt“ dicker Dämmung.

Tausendfach und unermüdlich hat er seitdem seine Statements zum Dämmen, Isolieren und Heizen wiederholt, die oft in kühnen Empfehlungen münden: „Sobald ein Dämmstoff auf der Wand ist, gehen die Heizkosten nach oben.“ „Wenn Sie Schimmel vermeiden wollen: Obere Gummilippendichtung rausrupfen!“ „Wenn Sie Energie sparen wollen, lassen Sie Ihre Einfachglasscheiben drin.“ „Lassen Sie Ihre Heizung durchlaufen. Nachtabsenkung kostet bis zu 30 Prozent mehr Energie.“

Auch auf angesehene Fachkongresse wird Fischer eingeladen. Trotz solcher Behauptungen? Wohl eher deswegen. Wer Dämmung nicht mag, erfreut sich an deftiger Polemik und kann seinen Vorträgen bis zu einem gewissen Punkt Unterhaltungswert abgewinnen. Fischer spricht eingängig und mit Experten-Habitus zugleich, ist rhetorisch gewandt und fix sowie firm in Details. „Kennen Sie irgendwen, der die ganze EnEV gelesen hat? Ich komplett, mit Fußnoten.“ Seine Gedankengebäude sind in sich logisch. Wird ihre Konstruktion von außen angriffen, schmettert er das gern pauschal und polemisch ab. „Es gibt gedämmte Häuser ohne Schimmel? Mag sein. Aber über Fungizide und Biozide will ich jetzt nicht weiter reden.“

In Vorträgen nimmt er kaum ein Blatt vor den Mund, in den vielen Winkeln und Nischen seiner Webseiten gar keins. Das klingt so: „Die Machenschaften der Bauinstitute, Baubehörden, Bauministerien und Regierungsmitglieder, um Hausbesitzer den WDVS-Mafiosi zum Abschuss freizugeben, nehmen ja im Verbund mit der von allen gleichgeschalteten Medien unterstützten Auslieferung der wehrlosen Bevölkerung an die anderen Ökoparasiten auch rund um die ‚Erneuerbare Energie‘ immer schauerlichere Formen an.“

Das Dämmen steht in seiner Sicht für eine dubiose, verschwörerische Öko-Welt. Fischer schreibt auf seiner Website von „Klimaschutz-Massenhalluzinationen, CO2-Psychosen, Weltuntergangs-Phantasmagorien, Öko-Bio-Hypnosen, Fortpflanzungsdepressionen und anderen … Hirnkrankheiten“ und schimpft auf „Ökoterrorismus und staatlich organisierten Völkermord durch Energiesparzwang und Klimaschutzerpressung“.

Früher als andere hat er das Internet für sich entdeckt – „zu einer Zeit, in der ungefähr zehn Architekturbüros eigene Webseiten hatten“. Er habe damals „gleich verstanden, was das für ein gigantisches Medium ist“. Fischer kaufte sich für drei Mark das Heft „Homepage selber basteln“, lernte HTML und startete seinen Auftritt. „Nach fünf Tagen hatte ich hundert Seiten drin. Ich hatte großen Textbestand aus meinen Seminaren, da hatte ich ja immer die dicksten Skripte.“ Und er schrieb eigens fürs Web – Fischer wurde Blogger, lange bevor das Wort zwischen Hamburg und Hochstadt-Marktzeuln überhaupt bekannt wurde.

Längst hat sich sein Web-Auftritt auf Tausende von Unterseiten verzweigt. Viele davon sind Sammelsurien von Renovierungstipps, Dämmflüchen und Links zu Klosterläden. Dazwischen schreibt er alles, was ihm zu Dämmern und Mafiosi, zu Musik und Zeitgeschehen gerade in den Sinn kommt. „Ich schreibe ja schnell, mit den Deutschaufsätzen war ich in der Schule immer schon um neun Uhr fertig.“

Dem Internet verdankt er auch seinen Erfolg in konventionelleren Medien. „Die Journalisten kommen alle über die Website zu mir. Die ist offen, lustig und faktenreich.“ Oder es bedient sich ein Massenmedium beim anderen. Wenn ein Architekt zugespitzt, farbig und offenbar mit Sachkunde in Details in zwanzig Blättern zum selben Thema zitiert ist, dann findet ihn auch das einundzwanzigste per Google. Und ein knackiges Statement ist auch ihm garantiert.

Zeitknappe Journalisten dringen nicht bis in die Untiefen seiner Website vor. Auch Kongressveranstalter mögen es nur für einen schmerzhaft misslungenen Scherz halten, wenn Fischer zur Dämmpflicht Sätze sagt wie „Da muss der Deutsche sich jetzt selbst vergasen.“ Zumal Fischer dabei etwas mit den Augen zwinkert und auf seiner Website zu solchen Tönen anmerkt: „Wichtiger Hinweis für Nörgler: Nur als Witz gemeint!“ Und Witze dürfe man über alles machen.

Zu einer mit experimenteller BASF-Energiespartechnik gebauten Schule und ihrer angeblichen Wirkung auf die Kinder schreibt er im Web: „All das erinnert doch sehr an die BASF-Vorgängerin IG Farben, die die KZ-Insassen in der Buna-Fabrik in Auschwitz-Monowitz als Zwangsarbeiter bis zum bitteren Ende austesten konnte.“ Ähnlich zu gedämmten Schulen in Nürnberg: „Jetzt werden schon unsere Kinder ins Gas geschickt – und all die willigen Helfer und Helfershelfer sitzen ihren fetten Arsch auf Beamtensesseln wund oder verdienen sogar Geld damit! Auschwitz 2.0 und wieder machen alle mit.“

Taktisch sind für ihn Völkermord-Witze ein Mittel zur Provokation und Erregung von Aufmerksamkeit. Emotional zeigen sie, wie ihm in seiner Leidenschaft Selbstkontrolle und das Gefühl für Grenzen abhandengekommen sind. Befragte Fischer-Einlader beteuern, sie hätten vorher von seiner Neigung zu solchen Ausfällen nichts gewusst.

Ist Fischer Nazi? Er selbst bezeichnet sich als Demokraten und steht öffentlich zu keiner Partei oder Gruppe. Rassist will er auch nicht sein – „meine Kinder sind schon auf mongolischen Knien geritten“. Zu einzelnen Juden habe er guten Kontakt. Böse aber sei die „stetige Völkermordpolitik Israels gegen die Palästinenser“, falsch sei auch Deutschlands „bedingungslose Unterstützung des israelischen Verbrechertums“.

Im vorigen Jahr wurde Fischer zu einer politischen Gruppenreise in den Iran eingeladen. Höhepunkt war eine Audienz bei Präsident Ahmadinedschad, der Israel im „Zornesfeuer verbrennen“ will und Auschwitz als „Märchen“ bezeichnet. Fischer fand ihn nett: „Er wirkt sehr bescheiden und furchtlos und bewies einen feinen Humor. Außerdem ist er ein kompetenter Bauingenieur.“ Das erzählte Fischer hinterher in einem ganzseitigen Interview der „National-Zeitung“. Jedes Podium sei ihm recht: „Dem Reinen ist alles rein.“

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Kommentare

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73 Gedanken zu “Dämmungslos, hemmungslos

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    nach dem Studium all der Briefe hier auf dieser Seite möchte ich einmal vorweg sagen, dass mir eine Diskreditierung eines Andersdenkenden Kopfschmerzen bereitet. Der Glaubenskrieg zwischen den römisch-katholischen Dämmern und der EnEv-Reformatoren, den nichtdämmenden Protestanten, weist große Parallelen zum historischen Vorbild auf.

    Dass Konrad Fischer mit seiner Webseite 5-stellige Werbeeinnahmen verzeichnet, ist sein Verdienst und es sei ihm unbenommen, seine Arbeit auf diesem Weg zu finanzieren. Fußballer nehmen z.B. für Haar- Rasierwasser und Unterwäschewerbung auch Geld ein und keinen Menschen stört das groß. Hauptsache, sie zeigen auf dem Platz Leistung.
    Auch dürfen Konrad-Fischer-Gegner gerne mal nach Fotos deutscher Politiker im Web suchen, auf denen sie in freundlicher Eintracht mit al-Gaddafi, Mubarak oder al-Assad zu sehen sind. Alle sind oder waren keine Israelfreunde und ihre Hände sind/waren blutbefleckt! Ahmadinejad ist da auch nicht viel besser, aber auch nicht schlechter.

    Argumente der Dämmpäpste, eine fachgerechte Dämmung verursache keine Schäden, setze ich mit einem Lotto-Sechser gleich. Jeder, der mal auf dem Bau gearbeitet hat, weiß, wie fachgerecht kreativ dort die Dinge gerne mal gehandhabt werden. Sollte, was nahezu ausgeschlossen ist, doch mal alles passen, dann kommt eben ein fröhlicher Specht, (www.spechtschaden.de) und haut ein oder zwei Löcher rein, und schon bald ist das ach so schöne homogene Gefüge ein Flickwerk sonders gleichen.

    Aber auch den Ketzern der Dämmung ist zu sagen, dass ich im Winter in meiner alten 36cm- Ziegelwand-Jugendstil-Mietwohnung in Berlin trotz Heizung die schönsten Eisblumenwiesen an den alten Kastenfenstern bewundern durfte und schon mal ins frösteln kam, als die Wohnung unterhalb mal einen Winter leer stand und nicht beheizt wurde. Trotzdem, ein Pulli und ein paar Socken halfen, diesen Mangel auszugleichen zumal man ob des ökologischen Gewissens, nicht unbedingt bei minus 20 Grad Aussentemperatur halbnackt durch eine überwarme Wohnung tänzeln sollte.
    Hier kann ich es mir nicht verkneifen, Herrn Drewer ob seines Vorschlags im Duell mit Herrn Fischer darauf hinzuweisen, dass er seinen Daunenschlafsack dann bitte noch mit einem Plastiksack als eine Art „Dampfsperre“ versiegeln sollte. Darf doch bei keiner fachgerechten Dämmung fehlen oder?

    Jedenfalls fand sich in all den Jahren in meiner Wohnung kein einziger Schimmelfleck im alten Gemäuer – im krassen Gegensatz zu dem supergedämmten Neubau, in welchem ich heute wohne. Trotz liebevoller Lüftungsrituale, zeugen hier und da schwarze Punkte davon, wie es hinter der Dämmung so aussehen mag. Gesundheitsfördernd kann das kaum sein und das erste Dämmverbot aus Oregon von 2007 scheint man hierzulande auch komplett ignorieren zu wollen.

    Als Neueigentümer eines alten, sanierungsbedürftigen Fachwerkhauses möchte ich natürlich kein ökonomisches wie auch ökologisches Desaster erleben. Leider erhalte ich bei der Recherche nach dem richtigen Weg stets diametrale Antworten. So wie mir geht es bestimmt auch abertausend Bauherren in dieser Republik. Angstvoll blicke ich auf all die Negativbeispiele sinnloser und ruinöser Dämmung. Die sich, davor können sich auch die Dämm-Katholiken nicht verstecken, inzwischen wie Sand am Meer finden und dem drohenden Ruin von Häuslebauern künden. Falls sie Glück haben, dann trifft es infolge Gewährleistung schlussendlich den ausführenden Handwerker und/oder den planenden Architekten. Für keinen der drei ein wünschenswertes Schicksal.

    Nehmen wir mal an, ich bin ein gewissenhafter Bauherr und bitte nun Konrad Fischer um eine Beratung für die Sanierung meines Fachwerkhauses. Das Rechenbeispiel auf seiner Webseite liegt um die 6000 €. Die Gegen-Meinung eines EnEv-Vertreters dürfte sicher nicht günstiger sein und schon bin ich bei 12000 € und dann ist noch kein Stein bewegt!
    Auf welche Beratung kann ich nun bauen? Die Sache mit dem Erfolgshonorar bei Ausführung wäre für den Bauherrn ein Gewinn. Ein Aspekt, den ich in dem Vorschlag des Berliner Architekten Christoph Schwan vom freien Wettbewerb erkennen kann. Im Darwin-Prinzip wird sich die bessere Idee durchsetzen.

    Nur noch eins, DDT, FCKW und Asbest waren einst Wundermittel und Heilmittel am Bau. Hemmungslos propagiert und angewendet wurden sie zum Fluch, deren Entsorgung uns noch auf Jahrzehnte hinaus Unsummen kosten wird. Ist die Dämmung unser Asbest von morgen?

    Edinger / Berlin

  2. Die Energiebilanz wird mittels Dämmung unwesentlich günstiger. Die Amortisation bleibt damit auch aus. Die einzigste empfohlene Dämmung ist für die oberste Geschossdecke und diese möglichst natürlicher Art. Die solare Energie, die tagtäglich anliegt, optimal nutzen. Ich mache das mit einer Solarthermieanlage. Bastel ständig rum, um das effizienter zu machen. Z.B. 1. Pufferspeicher ein Heizkörperkreis. Im Winter liegen immer Plus-Grade an. Die Heizung läuft nachts öfter als tagsüber, wenn alles ordentlich eingestellt wird. Das heisst, alle Räume nach Nutzung voreinstellen, individuell anpassen. Im Bad habe ich 20-21°C. Echt durchheizen, das verringert die Vorlauftemperaturen. Früher dachte ich, die Nachtabsenkung ist ok, bis ich mich selbst dafür interessierte. Bei mir war standardmäßig die Heizung nebst Pumpe nachts aus. Werkseinstellung. Großer Fehler. Nun ist die Heizung nach meinen Bedürfnissen eingestellt. Tag-Heiz-Zeit: 05:00 bis 18:00, Nacht-Heiz-Zeit 18:01 bis 04:59. Ich heize mit Heizöl, das vom Blaubrenner im überdimensionierten Niedertemperaturkessel verbrannt wird. Den Brenner stelle ich mir auch selbst ein. Der Schornsteinfeger meint, die Brennwertheizungen haben keine besseren Werte. Ich weiss. Niemand braucht eine Heizung oder einen Kessel umrüsten, das kostet und spart nichts. Haltet im Winter die Hand auf eine sonnenbestrahlte Backsteinwand, dann auf eine geputzte und weiss gestrichene Wand. Das ist dann für mich Beweis genug, dass Dämmung Irrsinn ist. Herrn Konrad Fischer und seinen Kollegen, die die Dämmung stark kritisieren, ihnen gebührt Ehre und Dank.

  3. Funktioniert Dämmung überhaupt? Oder doch besser: „Masse statt Dämmung“?
    Hier eine Nachricht für den „Architekten“ Fischer:
    —————–
    Schön, dass Herr Fischer u.a. hier mitlesen!
    Herr Fischer, ich biete Ihnen folgenden Vorschlag/Wette an:
    1. es werden 6 Holzkisten gebaut (1m x 1m x 1m)
    – die erste bleibt, wie sie ist (Spanplatte, 2 cm dick)
    – die zweite erhält außen Betonplatten (“Masse statt Dämmung”)
    – die dritte wird mit “Energiesparfarben” angestrichen (hier aus Salzkotten, da gibt es solche Leute)
    – die vierte mit silberglänzender Noppenfolie (Lu-po-therm)
    – und die fünfte mit Polystyrolplatten 10 cm ringsherum beklebt
    – und die sechste mit Holzweichfaserplatten, 10 cm, ebenfalls von allen 6 Seiten beklebt.
    2. in jede Kiste kommt eine Wärmequelle (500 W, elektrisch. können Glühbirnen sein, oder sonstwas). Außerdem ein Thermostat (auf 20° C eingestellt).
    3. die elektrischen Anschlüsse bzw. der Verbrauch werden draußen gemessen mit 6 geeichten Strom-Messgeräten
    4. das ganze in der kalten Jahreszeit (die kommt ja jetzt bald) auf dem Gelände eines Notars Ihrer Wahl. 24 Std. bewacht von einer Security-Firma. Dauer des Experimentes: 1 Woche.
    5. die Kisten müssen natürlich in der Sonne (d.h., nicht im Schatten oder einer Halle) stehen.
    Und jetzt der Clou:
    Wessen Kiste am meisten (Heiz)-Strom verbraucht – der zahlt das Ganze Experiment (ich schätze die Gesamtkosten auf ca. 10.000 €. (ein anderer Abrechnungsmodus ist auch denkbar: der letzte zahlt 50%, der vorletzte 30%, der drittletzte 20%.
    Für die erste und die zweite Kiste stehen ja wohl Sie, werter Herr Architekt Fischer, wie ich Ihre Veröffentlichungen kenne.
    No. 3 die ESP-Leute, No. 4 die Lu-po-therm-Leute
    und 5 könnte z.B. STO sein, und 6 STEICO oder Gutex oder dergleichen.

    Das Ganze mit großer medialer Begleitung. Wenn NDR/WDR und die anderen Dämmungs-ignorierenden Sendeanstalten nicht mitmachen – BILD macht’s bestimmt. Und FOCUS, STERN usw.
    Und natürlich die Fachpresse.

    Also, Herr Fischer:
    topp, die Wette gilt! Oder kneifen Sie?

  4. Sehr geehrter Herr Drewer,

    Ihr Experiment sieht naive einfache Aufbauten und eine primitive Begleitung vor mit denen nichts zu beweisen ist. Es differenziert nicht nach Bodenplatte, Flachdach und Wand. Auch Feuchte als Ursache von Schimmel und hohen Heizkosten spielen dabei keine Rolle. Ein Hoch auf sich selbst und eine verfrühte Feierlaune über eine scheinbar gewonnene Wette tragen auch nicht dazu bei den Sinn Ihres Experiments zu begreifen.

    Können Sie mir deshalb weiterhelfen und folgende wenige Fragen beantworten ?
    – Bei den Fragestellungen, die für die Medien sicherlich auch interessant sind, werden zunächst Themen zu Gesundheit, Ökologie, Resourcenschonung, nachwachsende Rohstoffe, Prinzip „cradle to cradle“, Trennung, Wiederverwertung, Entsorgung, Umweltbelastung Formstabilität, Verrottbarkeit, Druckfestigkeit, Brandschutz, Feuchteverhalten, Hygiene und Robustheit bei Baustoffen, insbesondere bei Dämmstoffen, lediglich am Rande betrachtet -.

    Sehr geehrter Herr Drewer,
    nun zu den Fragen:

    Wollen Sie mit Ihrem Experiment beweisen, dass künftig quasi speicherlose Häuser zu bauen sinnvoll ist ?

    Sollen diese dünnen und leichten Außenwände, Bodenplatten und Flachdächer aus 2cm dicken Spanplatten bestehen?

    Sollen die Dämmungen aus Polystyrolplatten immer fünfmal so dick sein wie die Bodenplatte das Flachdach und Aussenwand ?

    Wie berücksichtigen Sie beim Experiment den Stofftransport bei der Außenhülle des Spanplattenwürfels differenziert nach Bodenplatte, Aussenwand und Flachdach, jeweils im Querschnitt unter Wettereinfluss?
    Wie im Hinblick auf Bauschäden, U-Wert und Energieverlagerung, ebenfalls differenziert nach Bodenplatte, Aussenwand und Flachdach ?

    Wie wirken sich der größere Flächenverbrauch und das größere Gebäudevolumen, infolge dicker Dämmungen aus Polystyrol, auf die Baukosten und die Heizkosten eines Gebäudes aus ?

    MfG
    Rudolf Brand

  5. Lieber Herr Drewer,
    ach wäre das schön, wenn Bauphysik so einfach wäre, dass alle Probleme mit sechs Holzkisten gelöst werden könnten.

    Sie verlangen nun, dass das Experiment im Freien unter Einbeziehung der solaren Einstrahlung durchgeführt werden sollte. Das wundert mich bei Ihnen aber schon.
    Sie als Verfechter der Dämmtechnik sind zwangsläufig auch ein Kämpfer für die EnEV.
    Diese Verordnung sieht – was ich als den Kardinalfehler ansehe – wechselnde Randbedingungen ausdrücklich nicht vor. Die EnEV kennt nur ein Modell mit stationären – also nicht wechselnden – Randbedingungen. Dass die Wirklichkeit völlig anders aussieht, die EnEV daher mit grotesk fehlerhaften Berechnungsverfahren verknüpft und daher die EnEV erfolglos geblieben ist, kümmert Sie ja nicht sonderlich.

    Nun bringen Sie auf einmal die Solarstrahlung ins Spiel. Das ist ein kleiner Fortschritt.
    An dieser Stelle dürfen Sie aber nicht stehenbleiben. Das gibt es noch eine grosse Zahl weiterer Randbedingungen, die ich nur auszugsweise nenne:
    Diffusstrahlung, Strahlung aus der Gebäudeumgebung, unterschiedliche Temperaturen der Aussenluft, mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen verbunden, Eigenschaften der Gebäudeoberfläche wie vor allem der strahlungs – und absorptionsbezogene Emissionskoeffizient, Rauigkeit und Oberflächenstrukturen, Verschattungen, die astronomisch bedingt sich fortwährend verändern. Das alles wird in den EnEV – Berechnungen nicht einmal ansatzweise behandelt. Daher wird in der Fachwelt der Fehler in den EnEV – Berechnungen ja auch unwidersprochen mit +- 49% angegeben. Selbstverständlich sind Berechnungsergebnisse mit diesem Fehlerpotential vollkommen wertlos.

    Das hat Prof.Dr.-Ing.Gerd Hauser schon in seiner Replik zur GEWOS – Studie eingeräumt, als er schrieb, dass es besser gewesen wäre, wenn man in seine Berechnungen die „klimatischen“ Randbedingungen einbezogen hätte.

    Hätte man das getan, hätte das heute geltende EnEV – Verfahren niemals Teil der Verordnung werden können. Es hätte von Anfang an ein Rechenmodell mit wechselnden – wetterabhängigen – Randbedingungen geben müssen, für dessen Bearbeitung Simulationsrechnungen auszuarbeiten gewesen wären. In einem solchen Verfahren ist aber die Primitivberechnung des U-Werts bestenfalls ein winziger Teil.

    In einem richtigen Verfahren müssen die meteorologischen Randbedingungen möglichst genau -also stündlich – erfasst werden. Zu erfassen sind alle Einflüsse auf die Entwicklung der Oberflächentemperaturen durch Verechnung von Energieeintrag und Energieabtrag, die im Wesentlichen durch Strahlungsprozesse bestimmt werden. Dabei wird die Gebäudeoberfläche die alles entscheidende Systemgrenze.
    Erst danach ist es möglich, eine sinnvolle Aussage zur Energieverlagerung in Hüllkonstruktionen zu machen. Aber auch dann bringt uns die U-Wert – Berechnung nicht weiter. Statt dessen muss die Temperaturleitzahl berechnet werden, bei der
    sehr wohl auch die Wärmeleitfähigkeit der Baustoffe eingeschlossen ist.

    Das ist auch machbar. Die grundlegenden physikalischen Gesetze liegen alle vor. Sie gehen bis ins 19.Jhdt. zurück und sind unumstritten. Die Meteorologen liefern uns hervorragende Wetterdaten. Das Werkzeug für sinnvolle bauphysikalische Berechnungen ist also vorhanden.

    Eines ist aber schon heute klar: Würde sich ein derartiges Berechnungsverfahren durchsetzen, sähe es für die Dämmindustrie finster aus. Da kann nämlich nachgewiesen werden, dass ausreichend speicherungsfähige Konstruktionen mit hoher Wärmekapazität energetisch gute Konstruktionen sind, bei denen – wie die GEWOS – Studie ja schon gezeigt hat – zusätzliche Aussendämmungen in dem meisten Fällen die Energiebilanz sogar verschlechtern.

    Lieber Herr Drewer,
    Ihr spontaner Einfall, dass man Freilandversuche durchführen sollte, war ein Eigentor, zu dem ich Sie aber beglückwünsche. Freilandversuche sind nämlich nichts anderes als ein Experiment für die instationäre Betrachtung der energetischen Prozesse, also das glatte Gegenteil zu dem, was die EnEV uns abverlangt.

    Beste Grüsse
    Ihr
    Christoph Schwan
    Architekt AKB

  6. So ein Experiment wie es Herr Drewer hier vorgeschlagen hat wurde von dämmskeptischen „Ziegelphysikern“ natürlich schon längst durchgeführt. Gewonnen hat dabei interessanterweise die Steinmauer-Lösung (“Masse statt Dämmung”), die (angeblich) noch weniger Wärme durchließ als eine vor allem aus Dämmaterial bestehende Wand.
    Der „Trick“ dabei: Das Experiment war nur auf sehr kurze Zeit beschränkt, so dass hier die hohe Wärmekapazität (Speicherfähigkeit) zum Tragen kam. Auf einen auf mehrere Tage, Wochen oder gar Monate ausgedehnten Versucht wurde allerdings (wohlweislich?) verzichtet.

  7. Sehr geehrter Herr Christoph Schwan,
    sind Sie der Inhaber der Fa. „Thermofassade“?
    mfg
    Andreas Deppe

  8. zu Herrn Brandt:
    „naiv“ soll das Experiment sein? Dann lassen Sie es uns doch einfach durchführen.
    Natürlich wird „Bodenplatte“, „Dach“ und „Wand“ simuliert.
    Was hat die Schimmel-Problematik in diesem Experiment verloren? Ist mir schleierhaft. In gut bis sehr gut gedämmten Häusern gibt es keinen Schimmel! (ich weiß, wovon ich rede – wohne seit 20 Jahren in einem – für damalige Verhältnisse – sehr gut gedämmten Holzständerhaus mit 26 cm (Zellulose)-Dämmung in der Wand und 40 cm (!!) im Dach. Mir und meinen weiteren 11 Nachbarn (es handelt sich um ein 3-geschossiges Holzhaus in NEH-Bauweise) geht es hier seitdem sehr gut. Lade Sie und andere Skeptiker gerne ein.
    Themen wie Gesundheit, Ökologie und Ressourcenschonung behandele ich sehr gerne. Insbesondere die Verschwendung von fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas. Ein Liter Öl, in Form von Polystyrol an die Wand installiert, spart über die Lebensdauer hin mehr als 100 Liter Heizöl (Verbrennung/Beheizung) ein.
    Themen wie:
    „Trennung, Wiederverwertung, Entsorgung, Umweltbelastung Formstabilität, Verrottbarkeit, Druckfestigkeit, Brandschutz, Feuchteverhalten, Hygiene und Robustheit bei Baustoffen, insbesondere bei Dämmstoffen,“
    habe ich ausführlich in unseren Grundlagenwerk „Wärmedämmstoffe, ein Kompass zur Auswahl und Anwendung“ (Köln 2013) behandelt, welches Sie sicherlich gut studiert haben.
    „Wollen Sie mit Ihrem Experiment beweisen, dass künftig quasi speicherlose Häuser zu bauen sinnvoll ist “
    ja, das kann man tun. Tausende von PEH-Häusern im Holzrahmenbau beweisen das. Bundesweit.
    „Sollen diese dünnen und leichten Außenwände, Bodenplatten und Flachdächer aus 2cm dicken Spanplatten bestehen? “
    Entschuldigung – wer sagt das? „Mein“ Wandaufbau z.B. sieht so aus:
    GK, 6 cm Zellulosedämmung, Dampfbremspapier, 18 cm Holzständer, mit Zellulose gedämmt, Holzweichfaserplatte, Lüftungsebene, Faserzementplatten.
    „Sollen die Dämmungen aus Polystyrolplatten immer fünfmal so dick sein wie die Bodenplatte das Flachdach und Aussenwand ?“ – es gibt auch andere Dämmstoffe. 29 verschiedene Produkte sind in meinem „Dämmstoffkoffer“ präsent. Aber die kennen Sie sicherlich alle …
    „Wie berücksichtigen Sie beim Experiment den Stofftransport bei der Außenhülle des Spanplattenwürfels differenziert nach Bodenplatte, Aussenwand und Flachdach, jeweils im Querschnitt unter Wettereinfluss?“ – was meinen Sie denn damit? Verstehe ich nicht.
    „Wie wirken sich der größere Flächenverbrauch und das größere Gebäudevolumen, infolge dicker Dämmungen aus Polystyrol, auf die Baukosten und die Heizkosten eines Gebäudes aus ?“ Der bundesweit anerkannte und renommierte Architekt und Städteplaner Burkhard Schulze-Darup hat das untersucht und kommt zu dem Ergebnis: energiebewusstes Bauen ist nicht teurer als „normales “ Bauen.
    —————–
    und jetzt Herr Schwan:
    was passt Ihnen denn an meinem Versuchsaufbau nicht? Ich habe bewusst geschrieben, dass die Kuben im freien stehen sollten – damit die (angeblich vorhandene) solare Einstrahlung auch greifen kann.
    Dazu: leider ist es in den Altbauten rings um mich herum ziemlich kalt – bzw. die Leute heizen wie verrückt – , da die Sonne heute gar nicht aufging (und wenn, dann hinter Wolken), und nachmittags – wenn keine Wolken dawären – gegen 17.00 Uhr verschwindet.
    „Diffusstrahlung, Strahlung aus der Gebäudeumgebung, unterschiedliche Temperaturen der Aussenluft, mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen verbunden, Eigenschaften der Gebäudeoberfläche wie vor allem der strahlungs – und absorptionsbezogene Emissionskoeffizient, Rauigkeit und Oberflächenstrukturen, Verschattungen, die astronomisch bedingt sich fortwährend verändern“ – was ist das denn für ein Unfug? Ich kenne keine „Diffusstrahlung“, auch keine „Strahlung aus der Gebäudeumgebung“
    „Ihr spontaner Einfall, dass man Freilandversuche durchführen sollte, war ein Eigentor, zu dem ich Sie aber beglückwünsche. Freilandversuche sind nämlich nichts anderes als ein Experiment für die instationäre Betrachtung der energetischen Prozesse, also das glatte Gegenteil zu dem, was die EnEV uns abverlangt.“.
    Dann lassen Sie uns doch einfach das Experiment durchführen!!! Unabhängige Hochschulen und andere unverdächtige Organisationen stehen gerne zur Verfügung. Sie, Herr Schwan, können gerne sämtliche Randbedingungen diktieren – wie es Ihnen passt. Nur – einfach mal tun, und nicht quatschen!
    Arnold Drewer

  9. Lieber Herr Drewer,
    Sie diskutieren hier über bauphysikalische Probleme. Das ist grundsätzlich lobenswert.
    Ganz ohne Grundkenntnisse geht das allerdings nicht. Und da geben Sie ganz freimütig zu, dass Ihnen Umgebungsstrahlung und Diffusstrahlung unbekannt sind. Ich rate Ihnen auch, dass Sie sich mit dem Sttahlungsgesetz von Stefan-Boltzmann beschäftigen und damit im Zusammenhang mit dem Begriff „Emissionskoeffizient“. Unverzichtbar sind auch Kenntnisse zur Absorption und Emission von Wärmestrahlung. Das machen Sie jetzt einmal und dann können wir uns hier wieder treffen.

    Dieses Forum ist sicher nicht der Ort für einen bauphysikalischen Grundkurs. Vieles ist in Wilipedia recht orentlich dargestellt. Sie müssen sich also keine teuren Fachbücher kaufen.

    Gruss
    Christoph Schwan
    Architekt

  10. Lieber Herr Schwan,

    ich habe gestern, vorgestern und überhaupt seit einigen Wochen in meinen Heizungskeller geschaut. Dort sind die Anzeigen unserer (30 m² großen) solarthermischen Anlage. Leider kennt diese Anlage wohl die

    “ dass Ihnen Umgebungsstrahlung und Diffusstrahlung unbekannt sind. Ich rate Ihnen auch, dass Sie sich mit dem Sttahlungsgesetz von Stefan-Boltzmann beschäftigen und damit im Zusammenhang mit dem Begriff “Emissionskoeffizient”. Unverzichtbar sind auch Kenntnisse zur Absorption und Emission von Wärmestrahlung. Das machen Sie jetzt einmal und dann können wir uns hier wieder treffen.“

    nicht. Ersichtlich daran, dass die Kollektortemperatur selbst bei Sonnenschein (im Dezember) nicht über 25°C stieg. Und das auch nur sehr, sehr selten.
    Da ich bekennender Warm-Duscher bin, musste wohl oder übel die Gastherme jede Menge zuheizen. Werde mal Ihren Beitrag und entsprechendes aus wikipedia ausdrucken und der Solaranlage zeigen. Vielleicht findet sie ja dann doch die „Stefan Boltzmann’schen Strahlungsgesetze“ und wird wärmer.
    Übrigens: meine Kinder kennen die Strahlungsgesetze von dem Herrn auch nicht. Sie ziehen sich nämlich Mützen und Handschuhe an – und es sind noch nicht mal Minus-Grade …

  11. vielen Dank, Andreas Deppe, für den Hinweis!
    Jetzt wird mir einiges klar.
    Irgendwer erfindet die Physik komplett neu und macht daraus ein Geschäft (wäre ein Fall für die Sendung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“.
    Ob er wohl wirklich Architekt ist?

  12. Hallo zusammen,

    Herr Fischer versteht es hervorragend durch bewußtes weglassen von Fakten die Tatsachen zu verkehren. Er argumentiert z.B. fast ausschließlich mit der Wärmestrahlung und vernachlässigt Wärmeleitung und Konvektion. Bei derartigen Beiträgen und auch einigen Antworten hier im Forum frage ich mich, wieviel Wert auf technische Grundlagen im Architekturstudium gelegt wird. Schon in meinem 6. Schuljahr habe ich in Physik den Energieerhaltungssatz verstanden. Angewandt auf ein Gebäude bedeutet er, Energie, die das Gebäude nicht verlässt muss auch nicht (wie effizient auch immer) nachgeführt werden. Dabei spielt es keine Rolle, wieviel Wärmekapazität die Gebäudehülle hat (es sei denn diese is so groß, dass die im Sommer zugeführte und gespeicherte Sonnenwärme bis zu Frühling reicht)!
    Damit möchte ich den tatsächlichen Dämmwahn nicht gutheißen. Durch die starke Polarisierung dieses Themas wird ökologisch und ökonomisch viel Schaden angerichtet. Als Fachmann sollte man den Fragen und Möglichkeiten immer offen gegenüberstehen und nicht kathegorisch Fakten vernachlässigen. Ein guter Ingenieur schaut stets über den Tellerrand.

    @Herr Schwan
    Sie wissen zwar wie man Boltzmann richtig schreibt, aber schauen sie sich doch bitte die Zusammenhänge der Wärmestrahlung noch einmal genauer an. Wikipedia hilft hier tatsächlich etwas weiter. Kleiner Tip: die tatsächliche Wärmebilanz (über Strahlung) hat dabei etwas mit Wärmeaufnahme und Abgabe zu tun, Stichwort Temperaturdifferenz. Gebäude – Sonne oder Gebäude – Umgebung (diffuse Strahlung) macht da einen Unterschied, insbesondere da die Temperatur in die vierte Potenz eingeht.

    @Herr Drewer
    Ich würde Ihr Experiment noch um ein Fenster erweitern, je nach Wunsch des jeweiligen „Paten“ einfach- oder zweifach verglast. Fairer Weise würde ich ein zweites Experiment auf einem Berliner Hinterhof ablaufen lassen, da viele Wohnungen von November bis Februar keinen Strahl Sonne abbekommen.

    Viele Grüße
    Lutz Dornburg
    Dipl. Ing. Energiesystemtechnik

  13. Lieber Arnold Drewer,
    eine „Fa. Thermosfassade“ gibt es nicht. Ich bin allerdings der Erfinder, der Konstruktion, dieder der TERMOSFASSADE zu Grunde liegt. Da gibt es also ein Patent.
    Eine „neue Physik“ habe ich nicht erfunden.. Sie halten das für neu, weil Sie nichts davon verstehen und was betrüblich ist, auch nichts Neues hinzulernen wollen. Da halte ich einen meiner Wahlsprüche entgegen: „Ein Tag, an dem man nichts Neues hinzugelernt hat, ist ein verlorener Tag.“

    Wir bewegen uns offenbar in unterschiedlichen Welten.

    Da Sie nun auch noch meine Architektenschaft bezweifeln, empfehle ich Ihnen einen Blick in das Architektenverzeichnis der Berliner Architektenkammer.

    Falls Sie sich wider Erwarten doch mit der Bauphysik befassen wollen und mit meinen Thesen, finden Sie im Internet unter dem Stichwort „Termosfassade“ eine grosse Reihe von Fachtexten zum Thema. Da können Sie gerne auf Fehlersuche gehen.

    Beste Grüsse

    Christoph Schwan
    Architekt AKB

  14. Sehr geehrter Herr Drewer,

    vielen Dank für Ihre Einladung an Ihrem Experiment mitzuwirken. Bitte haben Sie Verständnis, dass Sie als Urheber dieses ohne meine Beteiligung durchführen müssen.

    Mit Ihrem umfassenden Expertenwissen zum Wetter und der Physik sowie bei Dämmstoffen zu Themen wie Gesundheit, Ökologie, Ressourcenschonung, nachwachsende Rohstoffe, “cradle to cradle”, Energieeffizienz, Trennung, Wiederverwertung, Entsorgung, Umweltbelastung Formstab ilität, Verrottung, Druckfestigkeit, Speicherfähigkeit und Zeit, Brandschutz, Feuchteverhalten und Schimmel, sowie Hygiene und Robustheit schaffen Sie das sicherlich alleine,

    Gestatten Sie mir die Prognose, dass mit Ihrer Auswertung des Experiments – in Verbindung mit Ihrem Faible für Styropor – Ihre Behauptung bewiesen, wie sinnvoll es ist, speicherlose Häuser zu bauen.

    Ihre eigene Styropor-Dämmstoffuniversaltheorie, die, als grundlegende Basis des Experiments, darauf aufbaut den Einfluss des Wetters und elementare Grundkenntnisse der Physik zu negieren, lässt zudem Schlussfolgerungen vorhersehen die Ihre bisherigen Ansichten vollumfänglich bestätigen.

    Aufgrund der gezeigten Kenntnisse ist Ihnen auch durchaus zuzutrauen, den Aufbau und die Simulation von Bodenplatte, Dach und Wand auf Basis Ihrer eigenen Theorien zu optimieren, insbesondere unter Berücksichtigung der Vernachlässigung aller Aspekte, die bei einer Gebäudehülle wichtig sind.

    Als Ergebnis des Experiments erwarte ich Ihrerseits ein „Hoch auf Styropor

    Styroporeinsatz steht bei Ihnen ja immer noch ganz oben.

    Haben Sie schon mal von Hexabromocyclododecan „als Wunderwaffe der Chemie“ gehört? (Quelle: Der Spiegel – Ausgabe Nr. 49 vom 1.12.2014 – ) Wissen Sie, wie die Bewohner durch den dämmenden Styroporeinsatz, der am und im Gebäude eingesetzt wurde, mit den gesundheitlichen und sicherheitstechnischen Risiken auf lange Zeit leiden werden, auch unter dem ab August 2015 verbotenen Hexabromocyclododecan (HBCD)? (Quelle: Der Spiegel – Ausgabe Nr. 49 vom 1.12.2014 -)

    Vielen Dank für den Hinweis auf das mir bis heute unbekannte Grundlagenwerk aus Ihrer Feder..
    Ihr hier zum Besten Gegebenes lässt darauf schließen, nichts versäumt zu haben und dass beim Kompass – “Wärmedämmstoffe, ein Kompass zur Auswahl und Anwendung” (Köln 2013) – jede Orientierung verloren gegangen ist. Es bleibt zu hoffen, dass dabei nicht von einem simplifizierten Verkaufsinstrument, auch für toxische und gefährliche Dämmstoffe auszugehen ist.

    Dass es hunderte von Dämmstoffen gibt, ist bekannt.
    Ein „Dämmstoffkoffer“ mit vielleicht 29 verschiedenen Produkten, die möglicherweise toxisch, gefährlich und an falscher Stelle eingesetzt werden oder gänzlich ungeeignet sind, kann bei Auswahl und Anwendung hochbrisant sein, wenn Verkäuferinteressen verbunden mit Unkenntnis dominieren und dieser in „falsche Hände“ gerät.

    Verständlich ist der für Sie leider nicht nachvollziehbare Zusammenhang des Feuchtetransports bei der Gebäudeaußenhülle, differenziert nach Bauteilen wie Bodenplatte, Außenwand und Dach.

    Die Begriffe „energiebewusstes“, „teures“, „normales“ und „gesundes“ Bauen erscheinen mir zudem unglücklich gewählt, da sie in Hinblick auf Flächenverbrauch, Gebäudevolumen, Dicke der Dämmungen aus Polystyrol, Baukosten, Heizkosten, sowie Nachhaltigkeit, Robustheit und Schadensfreiheit eines Gebäudes nicht klar definiert sind und sich aus ihnen falsche Schlussfolgerungen ergeben. Kann man demnach z. B. nicht „gesund“ bauen ohne „teuer“ zu bauen?

    Ich bin heute schon gespannt auf das Ergebnis Ihres Experiments. Auf dieser Basis wünsche Ich Ihnen ein gutes Gelingen eines neuen Grundlagenwerks, vielleicht unter dem Titel – “Bauen ohne Speicher mit neuen Erkenntnissen zum Wetter und der Physik“, ein Kompass zur Auswahl und Anwendung” – (Köln 2015 ?) .

    Mit freundlichen Grüßen

    Rudolf Brand

  15. Neue Erfindungen, und eine immer grösser werdende Auswahl an Bauteilen rund um das Gebäude, ….sind erstmal nicht schlecht!
    Jedoch sollten hier die richtigen Weichen gestellt werden, um künftige Energieberater in Akademien nicht nur auf Wärmedämmung zu trimmen, sondern es sollten hier auch Alternativen besprochen werden. Ob diese Vorgehensweise so verordnet wurde und zum wirtschaftlichen Zwecke missbraucht wird, mit dem einzigen Ziel die deutsche Wirtschaft zu fördern, lässt sich nur erahnen. So werden Häuser mit nur allen erdenklichen technokratischen Erfindungen bestückt, so dass ein Haus nicht mehr als Haus erkennbar bleibt.

    Die unbedingte Wille zum lukrativen Verkauf einer Immobilie, ist auf kurzfristigen schnellen Ertrag des Investors begründet,….verantwortungslos, ohne dabei an die Generationen von nachfolgenden Mietern und Eigentümer zu denken. Demnach entscheiden sich die Investoren eher für die Variante mit den billigeren Herstellungskosten: „Schlanke Aussenwände = mehr Mietfläche“, ohne zu wissen,dass eine Massivbauweise einen höheren Wohnkomfort und weniger Reinigungskosten der von Algen befallenen Fassade, bedeute. Nachhaltigkeit und Wohnkomfort heißt nicht unbedingt, 30cm Wärmedämmung, PV, Erdsonde und 3-Fach Verglasungen.

    Ja, es müssen technische Erneuerungen im Bereich der Gebäudeausstattung gemacht werden, aber nur, wenn dadurch das Gebäude nicht verfremdet wird.
    Einen guten Anfang für einen sensiblen Umgang mit Technik hat das Büro Baumschlager&Eberle mit einem Bau in Lochau vollbracht. Dieser besinnt sich zurück auf das gute „Bewährte“ mit massiven Außenwänden, Putzen und einer subtil eingesetzten Gebäudetechnik.

  16. So ein Mist…
    Wir haben vor 5 Jahren unser Haus mit Polystyrolplatten dämmen lassen.
    Nun haben wir unsere heizkosten von ca. 3000 Liter Öl auf 1400 Liter senken können.
    Was sollen wir nun tun? Laut den ganzen Experten hier dürfte das doch garnicht sein.

    Auch haben wir keinen Schimmel.
    Das ist ja doof. Vielleicht kaufe ich mir ein wenig Schimmelkäse uns schmiere ihn an die Wände, so dass Herr doch noch recht hat?

    Und dann werde ich auch noch die Handwerker verklagen. Schließlich kann es laut den obigen Aussagen ja garnicht sein, die die nicht gepfuscht haben. Eine Unverschämtheit, haben die Handwerker doch einfach einwandfreie Arbeite geleistet. So was gibts laut manchen Schreibern hier doch garnicht.

  17. Hallo Hr. Werner,

    ich versuche, der Diskussion mal mit rein rationaler Sicht zu folgen. Ihr Beispiel lädt ja auch dazu ein: 1600 Liter Heizöl eingespart (keinen Schimmel), macht bei angenommenen 0,70 € / l 1.120 € Ersparnis im Jahr. Darf ich mal fragen, wieviel 10.000 € die Komplettdämmung (auch neue Fenster?) gekostet hat?
    Einen sonnigen Tag

  18. Hallo Herr Kraft,
    Das erste mir bekannte Haus mit einem WDV-System wurde 1985 gebaut und ist auch heute noch in einem hervorragenden Zustand. Ausgehend von der Einsparung die Herr Werner angegeben hat beläuft sich das zu erwartende Einsparpotential doch auf ein stolzes Sümmchen. Übrigens wurde das oben erwähnte Haus 1985 mit einem WDV-System statt Klinker ausgeführt. Hierdurch wurden die Baukosten zusätzlich zu der zu erwartenden Heizkostenersparnis deutlich gesenkt.
    Ich wohne übrigens in einem Haus das der Dämmteufel persönlich gebaut haben muss. Das Haus ist aus diesen schrecklichen Styroporsteinen die mit Beton ausgegossen werden. Und, ob man es nun glaubt oder nicht alle Bewohner einschließlich Hund und Katze fühlen sich hier seit 10 Jahren pudelwohl. Die Heiz- und Brauchwasserkosten belaufen sich pro Jahr auf ca. 800.- Euro. Auch ohne Lüftungsanlage gibt es in diesem Plastik/Betonbunker keinen Schimmel. Bei einer durchschnittlichen Raumtemperatur von ca. 20 Grad würde mich das auch sehr wundern. Der Bau des Hauses hat ca. 10000.- Euro zusätzlich gekostet. Dies beinhaltete allerdings auch die Volldämmung des Kellers (incl. Bodenplatte).
    Theoretisch ist mein Haus, wenn man den Ausführungen einiger Kommentarschreiber glauben darf, die Katastrophe im Quadrat. Praktisch ist es (fast) das Paradies auf Erden.

    Ich wünsche allen die in ihren praktischen Styroporbunkern wohnen und zufrieden mit ihrer Dämmung sind einen guten Morgen und allen die das theoretisch nicht glauben können auch.

    Jürgen Gievers

  19. Ich warte immer noch darauf, dass die Dämmstoffkritiker sich einem Experiment anschließen, um zu beweisen, dass die Verbindung von „Masse“ mit „solarem Eintrag“ besser ist, als den Energiefluß von innen nach außen zu verlangsamen (d.h., zu dämmen).
    Wenn die Dämmstoffkritiker es ernst meinen und wissen, dass sie Recht haben, dürfte es doch ein leichtes sein, sich einem solchen Experiment anzuschließen. Wenn nicht – ist das der Beweis dafür, dass sie an ihre eigenen Thesen nicht glauben (und Angst haben, auf den Kosten für das Experiment sitzenzubleiben). Also – ich warte …

  20. Vom Passiv Haus Institut gibt es zwei Publikationen zu diesem Thema:
    Fachinformation PHI-1997/2 Der Einfluss der Speichermasse von Außenwänden auf den Jahresheizwärmebedarf von Passivhäusern
    und
    Fachinformation PHI-2000-4 Ist Wärmespeichern wichtiger als Wärmedämmen?

  21. Viele interessante Kommentare und Ansichten!
    Wenn man ein Haus aus den Styroporblockschalen baut welche mit dem spezial Flüssigbeton ausgegossen werden, dann ist das ein schlüssiges Gesamtkonzept. Bestimmt auch günstig durch Eigenleistung etc.
    Eine Aussendämmung von bestehenden Gebäuden reduziert Heizkosten. Falls neue Fenster eingebaut wurden und genügend gelüftet wird gib’s sicher auch keine Probleme. Wirtschaflich aus Renditegesichtspunkten unter Berücksichtigung der Lebensdauer ist es wohl eher nicht (da gebe ich K. Fischer) recht. Mann hat aber mehr Komfort und wer’s mag dafür zu bezahlen, warum nicht. Der eine kauft Skoda, der andere Porsche. Wenn man’s halt mag …
    Bei der nachträglichen Dämmung von innen halte ich es mit K. Fischer. Da gibt es einfach zuviele Probleme und das Risiko in einer Schimmelbude zu enden ist zu groß. Das Problem m.E. ist, daß man per Verordung noch gezwungen wird so ein Risiko einzugehen. Da hat Fischer absolut recht, dies erscheint nicht „rechtens“.

  22. Habe seit 1995 hunderte energetische Sanierungen begleitet, alle haben Einsparungen bei Brennstoffeinkauf, bis zu 80%, keiner verbraucht mehr als vorher, alle berichten von verbessertem Komfort.
    Herrn Konrads Theorien sind blanker Unsinn und halten keiner Überprüfung stand.
    Schimmel nach Dämmung von außen…(??!) selbst bei Innendämmung gibts genug funktionierende Lösungen…
    Schade dass sich hier jemand profilieren muss auf Kosten sinnvoller und angebrachter baulicher Maßnahmen, und wir regelmäßig damit unserer Zeit zubringen, von ihm verunsicherten Leuten wieder die Augen öffnen müssen.
    Wäre besser er suchte sich ein Feld auf dem er keinen solchen Schaden anrichten würde.

  23. Ich verstehe bei dieser ganzen Debatte um Dämmen oder nicht Dämmen nur eines nicht :
    Das überhaupt debattiert wird !!

    Ich rede vom Neubau – speziell Wohnhausbau – Ein – oder Zweifamilienhäuser.

    Ich bin überzeugt, daß es nach baubiologischen Grundsätzen und mit Blick auf die Nachhaltigkeit kein “ besseres Haus “ gibt als das Ziegelhaus.
    Alles andere ist Lobbyarbeit aus Ludwigshafen.

    Unser Sana Casa Bungalow sieht so aus :

    40 Porotonwand – wenn Klinker gewünscht dann 24
    ansonsten aussen Zementputz
    Innen Lehmputz über Wandheizung – Vorlauf 30 Grad
    Massivholzdielen auf KVH
    Unter Betonplatte Schaumglasschotter
    Geschoßdecke Holzbalken sichtbar oder nicht sichtbar
    Fenster dreifach Alu – Holz – ja wegen langer Lebensdauer
    Kaminofen mit Wasserteil 8 kW plus 3000 l Kaskadenpuffer
    zehn Tage ohne Zuheizung

    kein Gas und kein Öl – eine kleine Wärmepumpe im Graben zur Notversorgung – im Idealfall läuft die keine Minute.
    Dach konventionell Zimmermannsmäßig und Ziegelgedeckt
    Keine Sonnenenergie – wegen zu kurzer Lebens – bzw. Wirkungszeit

    Das Sana Casa ist demnächst im Net zu bewundern.

    Das nachhaltigste Wohnhaus der Welt. Punkt.

    Grüße an Alle,

    Werner Müller – Steinmetz, Betonbauer, Bautechniker, Ofenbaumeister,
    Baubiologe

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