Artikel drucken Artikel versenden

Metallbau

Glanzstücke

Diesen Artikel teilen:

Aluminium, Zink, Kupfer und andere: Metalle werden durch ihre Vielseitigkeit in der Architektur immer beliebter, erfordern aber Umsicht bei Planung und Bau Text: Iris Kopf

Die ästhetisch ausgewogene Inszenierung von Form und Material der Gebäudehülle verleiht einem Bauwerk die individuelle Note. Die Komplexität dieser Aufgabe erfordert das Arbeiten im Team mit Spezialisten aus verschiedenen Fachgebieten. Gerade die Anwendung des Architekturbaustoffs Metall und seine technischen Möglichkeiten verlangen fundierte Fachkenntnisse und Spezialwissen bei Planung und Ausführung. Aufgrund der vielfältigen gestalterischen Varianten erfreuen sich Aluminium, Edelstahl, Kupfer oder Titanzink zunehmender Beliebtheit bei Bauherren und Architekten. Die Bleche, Bänder und Elemente erlauben frei geformte Gebäudehüllen mit fließenden Übergängen vom Dach zur Fassade. Ob Einfamilienhäuser, gewerbliche oder öffentliche Gebäude, ob Sanierung oder Denkmalpflege – die Metallwerkstoffe passen sich an, sind nahezu wartungsfrei und äußerst langlebig.

Foto: www.rsfotografie.de, Schindler Fenster + Fassaden

Geprägte Aluminiumbleche
An der Fassade des neuen Hauptsitzes der Lalux-Versicherung in Luxemburg wurden in wechselnden Abständen 2.500 Aluminiumlamellen in changierenden Gold-, Braun- und Bronzetönen installiert. Die Ähren eines angrenzenden Weizenfeldes hatten das Architekturbüro Jim Clemes, Atelier d’Architecture et de Design zu dieser Gestaltung inspiriert. Gefertigt wurden die Elemente von der Fielitz GmbH Leichtbauelemente aus Ingolstadt in einer völlig neuartigen Technologie. Die Aluminiumbleche wurden dreidimensional tief gezogen und mit dem eigens entwickelten Muster geprägt. Sie sind jeweils aus nur einem Blech gefertigt und damit äußerst torsionssteif und belastungsfähig. Foto: www.rsfotografie.de, Schindler Fenster + Fassaden

Mit neuen, eleganten Entwicklungen, etwa einer vorgehängten hinterlüfteten Fassadenbekleidung (VHF) aus Edelstahl, lassen sich außergewöhnliche architektonische Ideen umsetzen. Metall ist zudem mit anderen Materialien, wie Glas, Holz oder Ziegeln, gut kombinierbar. Weitere Spielräume ergeben sich, wenn Lochgitter, Streckmetall, Metallgewebe oder -gitter eingesetzt werden. Aufgrund der vielen Angebote ist ein völlig neuer, individueller, transparenter Architekturstil mit fließenden Grenzen zwischen innen und außen entstanden. Auch dient die Bekleidung längst nicht mehr ausschließlich dem Witterungsschutz, sondern übernimmt zusätzliche Aufgaben, wie zum Beispiel als Sonnenschutz oder Lichtgitter in Parkhäusern. Auch sind begehbare Varianten als Treppen- und Bodenelemente verfügbar. In Kombination mit der LED-Technologie reicht ihr Spektrum mittlerweile bis hin zu transparenten Medien- oder Werbefassaden.

Wärme, Wind und Verträglichkeit

Voraussetzungen für eine ästhetisch gelungene und dauerhaft haltbare Bekleidung sind eine detailgenaue Planung und eine qualitativ hochwertige Verarbeitung. Je nach verwendetem Material sind beispielsweise die temperaturbedingte Längendehnung und der Korrosionsschutz sowohl bei der Planung als auch bei der Verarbeitung zu berücksichtigen. Um der Wärmeausdehnung Rechnung zu tragen, sollte die Konstruktion einer Metallfassade so ausgelegt sein, dass jegliche Bewegungen aufgenommen werden können. Mit durchdachten System­unterkonstruktionen lassen sich Toleranzen problemlos ausgleichen, auch bei der Altbau­sa­­nierung. Fugen müssen entsprechend dem materialbedingten Ausdehnungskoeffizienten dimensioniert werden und es müssen gleitfähige Anschlüsse ausgebildet werden. Hinweise für einen dauerhaften Korrosionsschutz für die verschiedenen Metallbaustoffe sowie zu beachtende Normen findet man beim jeweiligen Hersteller oder unter www.korrosion-online.de. Weitere wichtige Kennwerte sind Dichte, Gewicht, Schmelzpunkt, Oberflächenstruktur, Farbe, Recyclingfähigkeit, Verarbeitungsprinzipien sowie die Verträglichkeit mit anderen Baustoffen. Es bedarf detailliert vorbereiteter Verlegepläne und Werkskizzen mit eindeutigen Angaben, beispielsweise zu Material und Oberflächen, Vorgaben zu Falzrichtungen, Verbindungstechniken, Haftabständen und Rastermaßen. Sie sind für den Materialzuschnitt, die fachgerechte Bauausführung sowie für die Kontrolle durch die Fachbauleiter vor Ort unverzichtbar. Die Bemessung der Windlast nach DIN 1055-4 und -5 sowie die Beachtung der Klempnerfachregeln gemäß der Richtlinie 11/2009 des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) mit der daraus resultierenden Sicherung der Metallfassaden und Dächer gegen Windsogkräfte sind ebenfalls unerlässlich.

Foto: Gassner & Hluma Communications

Beschichteter Stahl
Ville Verdi heißt eine Wohnanlage in Wien, mit der das Architekturbüro Albert Wimmer ZT neue ästhetische Akzente setzt. Die fünf „grünen Villen“ fallen mit ihren ungewöhnlichen, leicht geneigten Silhouetten und ihren Fassaden in natürlich anmutendem Grün sofort ins Auge. Für die attraktive Stahlfassadenoptik sorgt die Beschichtung ReflectionsCinc, eine naturnah bedruckte Oberfläche der Well- und Trapezprofile. Die Paneele sind zweischalig hinterlüftet im Abstand von 20 bis 40 Millimetern zu den Hauswänden angebracht. Die Wellprofile zeichnen sich durch hohen Vorfertigungsgrad mit verschnittfreier werksseitiger Vorkonfektionierung, Just-in-time-Lieferung und schneller, einfacher Montage aus. Die ReflectionsCinc-Beschichtung in PVDF-Qualität ist farbstabil und besonders langlebig, was praktisch wartungsfreie Fassaden ermöglicht. Foto: Gassner & Hluma Communications

Technik prägt Optik

Die Art der Verbindungen und Befestigungen von Dünnblechen, Tafeln sowie selbsttragenden, industriell vorgefertigten Profilbahnen und -elementen hängt von der Formgebung der Dächer und Fassaden sowie von den Beanspruchungen der umzuformenden Werkstoffe ab. Es gibt unterschiedliche Verbindungstechniken, wie die handwerkliche Falztechnik, maschinelles Falzen, CNC-gesteuertes Kanten, Rollnahtschweißen, bei industriellen Systemen auch Clip-Verbindungen – und deren Kombinationen. Die Techniken ermöglichen Rasterungen verschiedener Breiten und Ausprägungen für Fassaden und Dächer. Stehfalz-Verbindungen beispielsweise betonen durch Licht- und Schattenspiel den Baukörper horizontal oder vertikal und erzeugen eine starke visuelle Spannung. Spezielle Bauteile, wie Steckprofiltafeln für Verblendungen oder Klammerprofile, führen zu klar strukturierten Flächen. Auch die Dachentwässerung, Terrassen, Fenster oder Sonnenschutzelemente lassen sich mithilfe der verfügbaren technisch durchdachten Systeme elegant und unauffällig in den Baukörper einbinden. Aktuell wird die Integration gebäudetechnischer Anlagen, zum Beispiel der Solar- und Klimatechnik, in die Metallfassade konsequent weiterentwickelt.

Foto: HG Esch/Stahl-Informations-Zentrum

Matt Finish Edelstahl
Gekrümmte Linien und rasante Kurven machen den von HENN Architekten entworfenen Porsche Pavillon in Wolfsburg zu einer dynamischen Skulptur. Dach und Fassade der fugenlosen Gebäudehülle aus mattem Edelstahl bilden ein einheitliches, fließendes Kontinuum. Voraussetzung für den Einsatz des Materials war die dreidimensionale Stahlblechbearbeitung durch Kaltverformung. Die Schalenkonstruktion aus insgesamt 620 Edelstahlblechen wurde vom niederländischen Unternehmen Centraalstaal B. V. in der Werft in Stralsund vorgefertigt und vor Ort montiert. In Zusammenarbeit mit Centraalstaal fiel auch die Entscheidung für die Monocoque-Bauweise, bei der die raumbildende Hülle zugleich das Tragwerk bildet. Foto: HG Esch/Stahl-Informations-Zentrum

Individuelle Systeme

Zahlreiche Hersteller bieten heute nicht nur industriell gefertigte selbsttragende Rahmen-Profilsysteme für Dächer und Fassaden und vor Ort zu verarbeitende Metalltafeln und -bändern für Dachdeckungen an, sondern auch individuell gefertigte modulare Fassadensysteme in verschiedenen Qualitäten für unterschiedliche Anwendungen. Die projektbezogen geplanten Bausysteme sind nicht nur effektiv nach Verlegeplänen vorzufertigen, sondern sie sind in der Regel auch als Kalt- oder Warmfassade mit einer Wärmedämmung kombinierbar und bieten mit vielfältiger Farb- und Oberflächengestaltung und Formgebung großen Spielraum für architektonische Kreativität. Mit den oft gemeinsam mit Architekten erarbeiteten Systemen eröffnen die Anbieter den Planern neue Dimensionen und eine erweiterte Betrachtungsweise in der ästhetischen Entwicklung der Metallarchitektur. Anregungen und Kooperationspartner für Fassadenkonzepte finden sich auf den Internetseiten der Hersteller.

Iris Kopf ist freie Baufachjournalistin in Berlin

Passend zum Thema





Kommentare

Wir freuen uns über Ihre Beiträge und bitten Sie, die Regeln dieses Forums einzuhalten:

  • Bitte nennen Sie uns Ihren Namen und Ihre e-Mail-Adresse. Anonyme Statements werden nicht veröffentlicht. Ihre e-Mail-Adresse wird selbstverständlich nicht mit veröffentlicht und nur im Falle von Rückfragen durch die Redaktion genutzt.
  • Schreiben Sie zur Sache.
  • Teilen Sie etwas Neues mit.
  • Nennen Sie Argumente.
  • Bitte keine Beleidigungen.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zurückzuweisen.
Texte können erst nach Freischaltung durch die Redaktion erscheinen.

Ein Gedanke zu “Glanzstücke

  1. Edelstahl ist ein wichtiger Konstruktionswerkstoff und ermöglicht die Fertigung „edler Bauteile“. Dabei kommen gerade auf dem Gebiet der Fassadentechnik die umfangreichen Vorzüge zur Geltung. So können die unterschiedlichsten Gebäude mit individuellen Edelstahlfassaden verkleidet werden, weshalb in den meisten Fällen ein landschaftstimmiges Gesamtbild garantiert ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*