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Politik

Wohin mit BIM?

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Building Information Modeling (BIM) bewegt die Gemüter. Die Bundesarchitektenkammer engagiert sich in der nationalen Plattform; DAB-Leser diskutieren das Thema.

Kammern nehmen Einfluss

Die Bauen Digital GmbH soll als nationale Plattform die Digitalisierung von Bauprojekten fördern und begleiten; zahlreiche Verbände der Planung sowie der Bau- und Immobilienwirtschaft gehören ihr seit der Gründung am 20. Januar an. Auch die Bundesarchitektenkammer (BAK) beteiligt sich aufgrund eines einstimmigen Vorstandsbeschlusses an der Bauen Digital GmbH, nachdem diese in ihre Leitlinien auch die Trennung von Planung und Ausführung am Bau aufgenommen hat. BAK-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann: „Wir wollen auf der neuen Plattform dafür sorgen, dass bei der Digitalisierung die Interessen der Baukultur und des Berufsstands gewahrt bleiben. Dabei geht es besonders um die Verteilung der Kompetenzen in Planung und Umsetzung, aber auch um die Urheberschaft und um die Honorierung.“

Chancen als BIM-Koordinator

Anders als in ausländischen Märkten, in denen BIM bereits etabliert ist, zum Beispiel in Nordeuropa, fremdelt die deutsche Bau- und Immobilienwirtschaft noch mit dem Ungewohnten. Aber eines steht fest: BIM wird sich auch in Deutschland durchsetzen. Nicht nur wegen der Verordnungen des Gesetzgebers, sondern weil der Markt danach verlangt. Auf die umfassende Informationsdatenbank möchte doch im Zeitalter der Digitalisierung niemand mehr verzichten. Aus dieser werden ja nicht nur die Schnittstellen zu den AVA-Programmen, zur Bauerrichtung und zum FM bis hin zum Rückbau bedient, vielmehr hält sie alle für das Smart Home wichtigen Daten bereit. Danach werden auch Vertrieb und Marketing verlangen – und zwar weit über CAD-Daten für Renderings hinaus. Mithilfe der 3-D-Daten wird in Zukunft die virtuelle Begehung der Gebäude zum Standard werden. Bauherr, Mieter und Kunden werden das neue Büro, die neue Wohnung, die neue Verkaufsfläche demnächst durch eine Virtual-Reality-Brille betrachten wollen.

Die Architekten sollten sich also darauf vorbereiten, dass die Planer mittelfristig an einem (einzigen) dreidimensionalen CAD-Gebäudemodell medienbruchfrei arbeiten werden. Sie sind darum gut beraten, sich kurzfristig mit den notwendigen organisatorischen Festlegungen zu befassen – zum Beispiel für den Datenaustausch, die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten. Auch sind wichtige Fragen des Haftungs- und Urheberrechts zu klären, Planungs- und Bauverträge müssen juristisch und inhaltlich angepasst und die Frage der Honorierung noch beantwortet werden. Jedenfalls reichen die Regelungen der HOAI nicht aus.

In der Rolle des BIM-Koordinators liegt eine große Chance. Überlassen die ­Architekten diese Funktion jedoch externen Fachberatern, dann wird ihr Einfluss im Projekt weiter abnehmen. Es kann also nur einen Weg geben: den zum Architekten als BIM-Koordinator.

Heribert Leutner, Hamburg-Rosengarten

Alle Planungsbeteiligten einbeziehen

Meine Nachfolger in der baum-kappler architekten gmbh bearbeiten seit 2011 als Generalplaner zwei Gesundheitszentren als BIM-Pilotprojekte der ­Bayerischen Staatsbauverwaltung. Beide befinden sich in der Phase der Baudurchführung – noch nicht reif für eine abschließende Bewertung. ­Wesentlich ist dabei, dass alle Planungsbeteiligten einbezogen und frühzeitig verbindliche Entscheidungen getroffen werden. Dadurch wird eine ­größere Planungstiefe bereits in der Vorplanung ­erreicht und die Kostenwahrscheinlichkeit wird ­erhöht. Der Ansatz, BIM zum derzeitigen Zeitpunkt bei allen öffentlichen Planungsaufträgen verbindlich vorzuschreiben, ist verfrüht, weil dafür in Deutschland bislang noch durchgängige Werkzeuge und Erfahrungen fehlen. Deshalb werden neue Pilotprojekte zum Testen der Softwaresysteme und zur Harmonisierung des gesamten Planungsteams sehr begrüßt – weitergehende Erfahrungen aus Großbritannien und Skandinavien können einbezogen werden. Kleine und junge Büros sollen wegen der damit verbundenen Implementierungskosten nicht vom Markt ausgeschlossen werden.

Die Ausdehnung von BIM auf die Bauausführung ist ein weitergehender Schritt, um aus der Pilotfunk­tion jedes einzelnen Projekts herauszukommen und den Bauprozess zu optimieren. Dazu muss das ­Vergaberecht angepasst werden (Fortführung des Gebäudemodells „as built“). Aber auch hier darf es nicht zu Marktbereinigung und Wettbewerbsverzerrung kommen, weil die für BIM erforderlichen Aufwendungen nur von einigen Großunternehmen geleistet werden können. Die Politik, die stets ihre Mittelstandsfreundlichkeit betont, ist dabei ebenfalls gefordert.

Im Idealfall können beim Bau von Großprojekten keine größeren Verwerfungen auftreten, wenn alle an Planung und Bauen Beteiligten ihre jeweiligen Aufgaben in vollem Umfang wahrnehmen und sich auf das Projektziel fokussieren.

Dr.-Ing. Dietrich Kappler, Architekt, Hersbruck

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