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Schwerpunkt: Wissen

Bildungsbau-Praxis

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35-39_ArtikelFarbkonzept für Schule, Dachabdichtung für Hochschul-Campus, Rolltreppe als Geländer, Akustik und Schallschutz in Kita, Selbsttest bei Bodenbelag für eine Schule. 

Schutz gegen Schmutz
Das Farbkonzept eines Schulneubaus in Berlin betont die Architektur. Dank einer neuen Beschichtung sollen die Fassaden auch lange sauber bleiben.

Mit ihrer intensiven Farbigkeit hebt sich die Ganztagsschule in Berlin-Wilmersdorf von den benachbarten, unscheinbar grau verputzten Pavillonbauten aus den 1960er-Jahren deutlich ab. Sie ist Teil des Evangelischen Campus Daniel, den Zoomarchitekten aus Berlin als ein Ensemble mit unterschiedlichen Bausteinen herausbildeten. Der Schulneubau sollte zusammen mit einer neuen Sporthalle in den bestehenden Gebäudekomplex integriert werden. Die Architekten lösten diese Aufgabe durch einen horizontal in drei Bereiche gegliederten, L-förmigen Baukörper. Zwecks Bildung einer Raumkante rückten sie ihn dicht an die Hauptverkehrsstraße, die das Gelände begrenzt. Die Sporthalle setzten sie als eigenständig wirkenden Baukörper obendrauf. Akzentuiert wird die unterschiedliche Nutzung durch die leicht versetzten Fensterbänder der Schulgeschosse; die Fassade der Sporthalle wird durch wesentlich kleinere, frei angeordnete Fenster unterbrochen. Außerdem werden die verschiedenen Nutzungen durch die Farbgestaltung betont. Das Konzept dazu entwickelten Zoomarchitekten gemeinsam mit dem Berliner Set-Designer Peter Hansen.

Für die drei Schulgeschosse wurde ein rotbrauner Farbton gewählt und die als Einschnitte gestalteten Zugänge im Erdgeschoss werden durch ein intensives Gelbgrün hervorgehoben. Im Gegensatz dazu vermittelt der helle Fliederton der Putzfassade der Sporthalle bei Tageslicht einen fließenden Übergang in den Himmel. In den Abendstunden wirken die „tanzenden“ Fenster wie ein Stück vom Sternenhimmel. Ausgeführt wurde der Anstrich mit „Evocryl 200“, einer neuen Reinacrylat-Fassadenfarbe von Brillux, die die Eigenschaften eines organisch gebundenen Beschichtungssystems besitzt und gleichzeitig gegen Verschmutzungen schützt. Durch die in mehrjähriger Forschungsarbeit entwickelte Evoflex-Technologie werden die organischen Bindemittelpolymere mit anorganischen Bestandteilen ausgerüstet, die wie ein starker Schutzmantel die Pigmente umhüllen. Das führt zu einer flexiblen Oberflächenhärte, so dass Schmutzpartikel an der Oberfläche der Beschichtung kaum noch Halt finden und nicht haften können. Evocryl 200 zeichnet sich neben gutem Applikationsverhalten, geringer Kreidung und Farbtonbeständigkeit vor allem durch die große Farbtonvielfalt aus. Auch dunkle Farbtöne für WDVS sind möglich.

www.brillux.de

Universell geeignet35-39_Artikel2
Trotz unterschiedlicher Beanspruchungen konnten alle Flachdächer der 19 Gebäude des neuen Hochschul-Campus in Kleve mit einem System abgedichtet werden.

Für die Hochschule Rhein-Waal entstand im niederrheinischen Kleve ein komplett neuer Campus an einem zentralen Ort der Stadt – im ehemaligen Hafen. Wo früher Schiffe und Lagerhäuser dominierten, finden sich heute Hörsäle, Laborräume und studentisches Leben. Die Mischung aus vorhandener und erhaltenswerter Bausubstanz und modernen, drei- bis viergeschossigen Neubauten verleiht dem Areal einen modernen eigenständigen Charakter. Das Vergabeverfahren gewannen nps tchoban voss architekten, Hamburg, gemeinsam mit Hülsmann & Thieme Architekten, Kleve, und Professor Junker + Kollegen Landschaftsarchitektur, Bramsche. Grundidee des Entwurfes ist die „Stadt in der Stadt“. Der Campus weist eine hohe Eigenständigkeit auf, gliedert sich aber gleichzeitig in das Stadtgefüge ein.

Die zentrale Linie bildet der Spoykanal als Wasserachse und ideelle Mitte. Rechts und links davon sind Bibliothek, Sprachzentrum, Service-Center, Hörsaal, Mensa und zwölf Institute angeordnet – insgesamt 19 Gebäude. Der denkmalgeschützte Wissensspeicher diente einst der Allgemeinen Speditionsgesellschaft AG. Aufgrund seiner stattlichen Höhe und seiner markanten Backsteinarchitektur bildet er die weithin sichtbare Mitte des Hochschulkomplexes. Der Campus erstreckt sich über eine Fläche von etwa 48.000 Quadratmetern; die Investitionskosten betrugen rund 126 Millionen Euro. Ausstattung und Baustoffe verkörpern modernste Technik und stehen für Nachhaltigkeit. Auch bei der Wahl der Abdichtung der insgesamt 14.500 Quadratmeter großen Dachfläche mit der EPDM-Dachbahn „Evalastic“ der Alwitra Flachdachsysteme GmbH aus Trier kamen diese Kriterien zum Tragen. Die Dachbahn ist chlorfrei und enthält auch keine chlorierten organischen Verbindungen.

Neben weiteren Parametern sind auch diese in der vom Institut Bauen und Umwelt (IBU) erstellten Umwelt-Produkt-Deklaration (EPD) überprüfbar dokumentiert. Aufgrund der Polymerbasis EPDM/PP lassen sich die Bahnen einfach verarbeiten: Sie werden durch Heißluftschweißen materialhomogen miteinander verbunden. Auch bei der Ausführung der Details zeigt sich Evalastic praxistauglich: Aufgrund ihrer Warmverformbarkeit ist sie sehr geschmeidig, was die Herstellung der Anschlüsse erleichtert. Die Dachbahn eignet sich für alle Verlegearten und Flachdach-Bauweisen und ist durchwurzelungs- und rhizomfest (FLL-geprüft). Daher konnte neben den bekiesten Flächen auch das Dach der Mensa, das begrünt wurde und über eine Dachterrasse verfügt, trotz der unterschiedlichen Beanspruchungen mit ein- und demselben Dachbahn-System abgedichtet werden.

www.alwitra.de

35-39_Artikel3Originell und praktisch
Rolltreppe als Rutsche, statt eines simplen Handlaufs mitten auf der Treppe

Sie braucht keine Energie, ist praktisch wartungsfrei und so sicher, dass schon die Kleinsten sie nutzen dürfen: Die erste Kinder-Rolltreppe, die eigentlich eine Rutsche ist, steht in der Kindertagesstätte St. Ansgar in Elmshorn. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Spielobjekt entwickelte das Büro hage.felshart.griesenberg Architekten, als sie bei der Planung der Kita eine scheinbar profane Bauaufgabe lösen mussten. Im Zentrum des Gebäudes befindet sich ein großer, durch ein Oberlicht natürlich belichteter Bewegungsraum mit Zugang zu den Neben- und Gruppenräumen sowie zum Eingangsbereich. Aufgrund eines geländebedingten Niveauunterschiedes liegt der Eingang jedoch etwa 60 Zentimeter höher, weshalb für den Höhenausgleich eine Treppe mit seitlich platzierter Rampe für die Barrierefreiheit erforderlich wurde. Das Problem dabei war: Die Treppe ist über vier Meter breit und hätte gemäß versicherungsrechtlicher Vorschriften (BGI/GUV-I561 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung vom Juli 2010) durch einen Zwischenhandlauf unterteilt werden müssen.

Optisch gefiel das den Architekten gar nicht. Sie schlugen stattdessen eine als Rolltreppe gestaltete Kinder-Rutsche vor. Dieses originelle Spielgerät ergänzt nun nicht nur die Ausstattung des Bewegungsraumes, es ist gleichzeitig als Handlauf ausgelegt, um die Vorgaben der DIN-Norm 18040 zur Barrierefreiheit erfüllen zu können: Die oberen Handläufe – vom Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen Kone gestiftete echte Rolltreppen-Handläufe – in 80 Zentimeter Höhe sind zur Benutzung durch Erwachsene vorgesehen. Die unteren Handläufe in 70 Zentimeter Höhe entstanden durch Aufsetzen von hölzernen Wangen auf die Außenseiten der Rutsche (Aufdopplung). Sie sollen von den Kindern im Krippen- und Kita-Alter genutzt werden (BG/GUV-SR S2 der DGUV vom April 2009). Im Übrigen ist der Bewegungsraum multifunktional ausgelegt. Bei Veranstaltungen kann er als Bühne genutzt werden. Dann wird die Rolltreppe einfach zur Seite geschoben. Sie ist nicht durch Stifte oder Schrauben befestigt, sondern wird nur durch ihr Eigengewicht an Ort und Stelle gehalten.

www.kone.de

Von Studenten für Studenten35-39_Artikel4
Das Wohnheimkonzept einer Projektarbeit berücksichtigt alle Wünsche der Bewohner – auch die nach bezahlbaren Mieten.

In einem interdisziplinären Projekt der FH Köln und des Instituts „KISD – Köln International School of Design“, unterstützt von der ALHO Systembau GmbH, entwickelten 16 Masterstudenten ein Wohnheimkonzept, das ganz ihren Wünschen entspricht. Die Studenten wünschen sich beim Wohnen eine Balance aus Privatsphäre und Gemeinschaftsraum, bezahlbare Mieten, aber auch ein ansprechendes Ambiente. Da sich die Planung konkret auf ein Grundstück nahe dem Campus Gummersbach bezog und in Modulbauweise erfolgte, ließe sich das Projekt auch praktisch sofort realisieren.

Das Modell des Wohnheims zeigt zwei viergeschossige, würfelförmige Baukörper, die durch eine verglaste Brücke in der zweiten Etage verbunden sind. Der Grundriss basiert auf einem Modulraster von 3,25 mal sechs beziehungsweise 3,25 mal zwölf Metern. Jede Etage setzt sich aus 15 Modulen zusammen – ein Gebäudekubus besteht somit aus 60 Raumzellen. Da die Module bereits alle bauphysikalischen Anforderungen und Vorgaben bezüglich Brandschutz, Wärmeschutz und Schallschutz erfüllen, konnte das Projektteam seinen Fokus auf konzeptionelle und gestalterische Schwerpunkte legen.

Jede Etage beherbergt eine Wohngemeinschaft mit zehn Personen. Um den großzügigen Küchen-, Ess- und Wohnbereich gruppieren sich jeweils 17 Quadratmeter große Schlafräume – alle mit eigenem Bad. Der Wohnbereich geht in einen auskragenden Lounge-Bereich mit großen Fensterflächen über. Am anderen Ende des Gemeinschaftsraums sorgt ein durch alle Geschosse verlaufender, begrünter Lichtschacht dafür, dass tagsüber kein künstliches Licht benötigt wird. Die Schlafzimmer wurden je Geschoss leicht versetzt und bieten so außen Raum für Loggien und innen Staufläche und Nischen für Schränke. Das Wechselspiel von querformatigen Loggien und hochformatigen, bodentiefen Fenstern schafft eine spannungsvolle Fassade. Ihr Eindruck wird durch die verwendeten Materialien verstärkt, etwa durch die Verkleidung aus Cortenstahl.

www.alho.com

 

35-39_Artikel5Entspannt kommunizieren
In der Wuppertaler Kita der „Edefanten“ können aufgrund der guten Raumakustik und des Schallschutzes alle in normaler Lautstärke miteinander reden.

 

In Kindergärten und Schulen geht es besonders laut zu. Damit Kinder, Erzieher und Lehrer stressfreier kommunizieren können, stellt die DIN 18041 zur Hörsamkeit in Räumen Anforderungen an die Raumakustik. Ihre überarbeitete Fassung liegt seit Januar 2015 vor und ist um Aspekte der Inklusion erweitert. Sogar übererfüllt wurde sie jetzt in der neuen Betriebskita des Einkaufsbüros Deutscher Eisenhändler in Wuppertal. Miriam Knop, pädagogische Fachberaterin des Trägers Kita Concept: „Hier merkt man gar nicht, dass gerade bis zu 15 Kinder in einem Gruppen- oder Nebenraum spielen.“

Erzielt wurde dieses Ergebnis mithilfe der Schallschutzelemente des Herstellers von Akustiksystemen Ecophon. Die neuen Anforderungen an die Nachhallzeiten konnten gut erfüllt werden. Über die Normvorschriften hinaus optimieren die Decken- und Wandelemente den Sprach- sowie Hörkomfort und reduzieren die Schallstärke. Die Decken der insgesamt etwa 850 Quadratmeter großen Kita wurden mit Platten der Produktreihe „Master Rigid“ und die Wände mit „Akusto Wall“-Elementen bekleidet. Beide integrieren sich mit ihren frischen und ansprechenden Oberflächen in die Raumgestaltung. Aufgrund ihrer Stabilität halten sie auch der Beanspruchung durch gelegentliche Ballspiele stand.

 

www.ecophon.de
Stresstest für den Boden35-39_Artikel6
Um sicherzugehen, dass der anvisierte Bodenbelag sich im Schulalltag bewährt, führte der Bauherr Selbsttests durch.

 

Kinder individuell fördern, fordern und befähigen für die Herausforderungen globaler Aufgaben – die Kämmer International Bilingual School in Hannover, kurz „KIBS“ genannt, steht für eine Schulform, die den Nachwuchs auf die steigenden Anforderungen einer immer vernetzter werdenden Welt vorbereitet. Dazu nutzt die Ganztagseinrichtung – von der Kita über die Grundschule bis zur Sekundarstufe – Lehr- und Lernmethoden, die ein Bewusstsein für unternehmerisches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung entwickeln sollen. Diesen Anspruch wollte die Schulleitung auch bei der umfangreichen Modernisierung ihres Gebäudes im vergangenen Jahr verwirklichen.

 

Im Zuge des Umbaus wurde ein elastischer Bodenbelag benötigt, der den hohen Beanspruchungen des Schulalltags standhält, gleichzeitig aber auch langlebig, einfach und kostengünstig in der Pflege und im Unterhalt sein sollte. Ursprünglich war für die insgesamt 3.300 Quadratmeter große Fläche Linoleum vorgesehen. Nach intensiven Produktvergleichen entschied sich der Bauherr aber für den dauerelastischen Bio-Polyurethanboden „Pureline“ der Marke Wineo von Windmöller Flooring. Der aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland produzierte Belag überzeugte nicht nur aus ökologischer Sicht, der Belag ist außerdem strapazierfähig (NK 43) und pflegeleicht. Pureline ist nach Angaben des Herstellers geruchsneutral und emissionsfrei, enthält keine Chlorverbindungen, Weichmacher oder Lösungsmittel. Im Brandfall entstehen keine toxischen Gase und kaum Rauch – so bleiben Fluchtwege im Ernstfall sichtbar.

 

Obwohl der Hersteller für sein Produkt neben zahlreichen internationalen Zertifikaten auch das Testat eines unabhängigen, international anerkannten Prüfinstitutes hinsichtlich seiner Strapazierfähigkeit und Wirtschaftlichkeit im Unterhalt (Lebensdauerkostenanalyse) vorlegte, wünschte der Bauherr angesichts der zu erwartenden hohen Beanspruchung und langjährigen Liegedauer des Bodens ein eigenes Testverfahren. Um intensive Verschmutzungs- und Reinigungstests durchzuführen, wurde ein Musterraum ausgestattet und der Belag drei Monate getestet – mit positivem Ergebnis. Pureline wurde in der Kita, der Mensa, den Klassenzimmern sowie einer Turnhalle in drei verschiedenen Designs verlegt.

 

Da in der Turnhalle erhöhte Trittschallschutz-Anforderungen bestehen, wurde der Belag in diesem Bereich auf der ebenfalls aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten, zwei Millimeter starken Akustikmatte „Sound Protect Eco Plus“ des Herstellers verlegt. Damit kann der Trittschall um etwa 19 Dezibel und der Gehschall um rund 28 Prozent reduziert werden. Aufgrund der eigenen Tests und der bisherigen Erfahrungen im Alltag sollen weitere 650 Quadratmeter Bodenfläche des Schulgebäudes ausgestattet werden.

 

www.wineo.de

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