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Gebäudeautomation Wohnen

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Die Zahl der Anbieter von Smarthome-Systemen steigt rapide. Diese Kriterien helfen bei der Entscheidung Text: Michael Krödel

Alexander Schaper, Geschäftsführer der SmartHome-Initiative Deutschland, bringt es auf den Punkt: „Das beste System ist das, welches die von Nutzer definierten Anforderungen am zuverlässigsten umsetzen kann“. Denn nicht jeder Interessent oder Bauherr benötigt ein hochgradig intelligentes Gebäude. Vielen genügt ein gewisser Grad an Automation. Sollen beispielsweise nur Licht und Steckdosen angesteuert werden, benötigt der Nutzer ein weniger „smartes“ System als wenn auch noch die Verschattung angesteuert, die Heizung geregelt und Sicherheitstechnik zum Schutz vor Einbrecher integriert werden soll. Deshalb lässt sich auch keine allgemeingültige Rangliste der Systeme erstellen.

Der Teufel steckt im Detail

Smarthome-Systeme können dahingehend systematisch erfasst werden, welche Anforderungen sich mit ihnen umsetzen lassen. Ihre Funktionalität hängt entscheidend davon ab, ob passende Sensoren oder Aktoren verfügbar sind, die in das System eingebunden werden können. Wer zum Beispiel eine Raumtemperaturregelung wünscht, sollte ein System wählen, das auch Raumbediengeräte mit Solltemperatureinstellung anbietet. Denn nur damit kann der Nutzer über ein Stellrad oder ähnliches die Wärme selbst steuern. Eine Fußbodenheizung erfordert ein System, dass statt normalen Heizkörper-Stellantrieben passende Aktoren für Fußbodenheizung-Stellantriebe anbietet. Wer zur Heizung Zeitprogramme hinterlegen will, sollte sich informieren, ob das jeweilige System entweder eine Zeitschaltuhr im Programm hat oder das Zeitprogramm als Funktion eines Controllers oder Servers unterstützt. Wenn gefordert ist, dass sich die Heizung bei Abwesenheit ausschaltet, werden Präsenz- oder Bewegungsmelder benötigt, die auf die Heizungsaktoren wirken können. Soll sich die Heizung bei geöffneten Fenstern abschalten, müssen zum System auch Fensterkontakte oder Drehgriffsensoren gehören, die tatsächlich auf die Heizungsaktoren wirken können.

Abbildung 1

Abbildung 1: Checkliste Teil 1

In Abbildung 1 sind im oberen Teil diese wesentlichen Fragen zur Heizung als Teil einer kurzen Checkliste aufgeführt. Dort sowie in Abbildung 2 werden dann die weiteren Fragen in Bezug auf Licht/Geräte, Verschattung und Sicherheit dargestellt. Die Fragen lassen sich schnell mit Hilfe eines Produktkatalogs eines Herstellers oder im Gespräch mit einem Firmenvertreter ermitteln. Deshalb sollte die Erfassung eines Systems in weniger als 15 Minuten möglich sein.

Abbildung 2: ...

Abbildung 2: Checkliste Teil 2

Automatische Auswertung durch Online-Erfassung
Alternativ zur Papierversion steht hier (Unterbereich Smarthome/Onlineerfassung) auch ein Tool zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung. Die Eingaben können bequem über den Computer am Arbeitsplatz erfolgen. Die Internetseiten sind außerdem so gestaltet, dass diese auch unterwegs mit einem Tablet-Computer genutzt werden können. So lassen sich beispielsweise bei Messebesuchen die Gespräche mit unterschiedlichen Firmen sofort protokollieren.

Checkliste als „Online-Schnellerfassung“

Abbildung 3: Checkliste als „Online-Schnellerfassung“

Beim Ausfüllen sollten Architekten sich auf das konzentrieren, was sie als funktionierendes System von einem Anbieter (sei es direkt vom Hersteller oder als geprüfte Gesamtlösung über einen Systemintegrator) beziehen können oder selbst schon mal erfolgreich kombiniert haben. Wenn erforderliche Sensoren und Aktoren nicht im selben Katalog stehen, sondern mit dem Hinweis angeboten werden, man könne diese über (trickreiche) Kopplungen verbinden, dann ist das eher Plug-and-Pray statt Plug-and-Play, sprich nicht zu empfehlen.

Ist die letzte Frage beantwortet, erzeugt das Tool eine Auswertung, die sich die Nutzer einschließlich der getätigten Eingaben per Mail zusenden und ausdrucken können. Abbildung 4 zeigt eine solche Auswertung für ein fiktives System. Hier ist deutlich zu erkennen, dass der Schwerpunkt dieses System auf der Regelung der Heizung liegt. Damit ist es für Anforderungen aus den anderen Bereichen kaum oder gar nicht geeignet. Interessant dürfte zudem Folgendes sein: Werden mehrere infrage kommende Systeme (zum Beispiel KNX, EnOcean, LON, LCN, digitalstrom) erfasst, sind die Ergebnisse sehr verschieden, was viele überrascht. Auf diese Weise kommen Nutzer aber einer Antwort auf die Frage nach dem richtigen System für den konkreten Anwendungsfall schnell näher.

Abbildung 4: Auswertung der Online-Schnellerfassung

Abbildung 4: Auswertung der Online-Schnellerfassung

Nicht irritieren lassen
Gerne wird auf den Hochglanzbroschüren der Hersteller propagiert, dass ein System smart sei, weil es über ein App steuerbar ist. Viele Menschen glauben deshalb auch, dass ein Smarthome nur mithilfe eines Smartphones bedienbar ist. Das schürt auch Ängste. Dabei ist genau der umgekehrte Fall richtig. Smart ist ein Haus dann, wenn eben gerade nicht für jede Kleinigkeit eine Interaktion mit dem Menschen erforderlich ist. Ein Smarthome sollte in der Lage sein, selbst zu entscheiden, wann das Licht ein- oder auszuschalten ist oder wann es sinnvoll ist, die Heiztemperatur zu senken. In fast allen Gebäuden gibt es regelmäßig wiederkehrende Verhaltensmuster der Nutzer. Sie sollten der Automation im Vorfeld die angemessenen Verhaltensregeln hinterlegen und ihr damit ohne ständige Rückfragen zu ermöglichen, das Gebäude beziehungsweise die technischen Einrichtungen richtig zu betreiben. Nur so wird gewährleistet, dass der Nutzer nicht ständig gefordert oder gar genervt wird: Das gilt insbesondere für Sicherheitsfunktionen. Ein Smarthome-System, das lediglich den Nutzer per Smartphone informiert, dass ein Einbruch stattfindet oder Wasser ausläuft, ist nur bedingt hilfreich. Wie realistisch ist es, dass der Nutzer die Information auch tatsächlich sofort liest und in der Lage ist, Maßnahmen in die Wege zu leiten? Ist es nicht sinnvoller, dass das Smarthome-System selber in der Lage ist, den Einbrecher zu verschrecken (Licht, Geräusche, Türklingel) oder den Wasserzulauf abzusperren? Echte Intelligenz kommt nicht über das Produkt, sondern über die Art und Weise, wie es geplant und ausgeführt wird. Das wiederum funktioniert aber nur mithilfe eines kompetenten Fachbetriebes und nicht auf dem Weg der Selbstmontage eines Smarthome-Starterpaketes, das man im Baumarkt kauft oder über das Internet bezieht.

Michael Krödel ist Professor für Gebäudetechnik und -automation an der Hochschule Rosenheim und Leiter des Instituts für Gebäudetechnologie in Ottobrunn bei München

Quelle: IGT-Richtlinie 01:Anforderungen an Smarthome-Systeme, IGT-Institut 2014, www.igt-institut.de

Zahlreiche Fachbeiträge zum smarten Wohnen finden Sie hier – in unserem DABthema „Gebäudeautomation“.

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