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Glosse

Wenn der Herrenfahrer pöbelt

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67_ArtikelWollen Sie steinzeitlicher wirken als die Neandertaler? Dann rein ins Auto und die Hupe drücken Getröte: Roland Stimpel
Duuuuuuuuuud!!!! Das dümmste Privatgeräusch im öffentlichen Raum macht der Huper. (Wir bleiben bei der männlichen Form, denn meist ist Testosteron im Spiel.) Der Neandertaler hatte schon deutlich mehr als zwei Ausdrucksformen, der Huper hat nur eine: draufdrücken, Krach machen. Angeblich ist die Hupe mal erfunden worden, um zu warnen. Die Straßenverkehrs-Zulassungsordnung träumt noch heute, dass ihr „Klang gefährdete Verkehrsteilnehmer auf das Herannahen eines Kraftfahrzeugs aufmerksam macht, ohne sie zu erschrecken und andere mehr als unvermeidbar zu belästigen“. Als unvermeidbar gilt ziemlich viel: In sieben Metern Entfernung darf die Hupe noch 105 Dezibel laut sein. Das liegt nach Akustik-Tabellen zwischen „Kettensäge in einem Meter Entfernung“ und „Disco, ein Meter vom Lautsprecher“.

Und von wegen „auf das Herannahen aufmerksam machen“: Man hupt, weil der Trottel vorn an der Ampel nach einer Zehntelsekunde Grün immer noch nicht Stoff gegeben hat. Man hupt am Bordstein, weil Babsi endlich aus der Boutique und auf den Beifahrersitz stöckeln soll. Man hupt im Konvoi, wenn man mit Alis und Adeles Stretchcar zum Standesamt krawalliert. Egal wie: Man erschreckt erst mal alle im weiteren Umkreis mit Kettensägen- und Discolärm. Auch alle, die gar nicht gemeint sind. Und ganz viele, die nicht wissen und nie erfahren werden, worum es überhaupt geht. Das auch nur anzudeuten, dafür ist die Hupe zu doof. Der Huper auch.

Die Hupe als Warninstrument diente schon immer den prolligen Herrenfahrern jeden Geschlechts: weg da, jetzt komme ich! Und ich hupe, statt zu bremsen. Immer drauf – wer nicht abhaut, ist selbst schuld. Damit macht die Hupe die Straßen nicht sicherer, sondern gefährlicher. Ohne sie hätten wir weniger Gebrüll und weniger Tote. Solange es sie gibt, sollten die famosen Software-Techniker der Autobranche mal was Nützliches tun und zwei Funktionen verknüpfen. Wer beim Fahren hupt, legt dann automatisch eine Vollbremsung hin und rettet wirklich „gefährdete Verkehrsteilnehmer“. Und wer stehend hupt, kann nach frühestens 30 Sekunden weiterfahren. Wetten, es würde sehr entspannt werden?

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