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Architektur-Fotografie

Mit Bildern glänzen

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Schöne Technik: Auch Ingenieurbauwerke wie die Passerelle in Lyon von schlaich bergermann partner sind dankbare Objekte der Architekturfotografie hier von Michael Zimmermann.

Professionelle Fotos ihrer Projekte werden für Architekten immer wichtiger. Das gilt auch in der Ära von Digitalbild und Drohne.

Text: Simone Hübener

Drei wesentliche Aufgaben hat die Architekturfotografie zu erfüllen. Sie soll Bauwerke für die bürointerne Dokumentation festhalten sowie dem Marketing und der Neukundenakquise dienen; hierfür werden die Bauten meist schon idealisiert aufgenommen. Zu guter Letzt soll das Gebaute so interessant, hochwertig und gelungen erscheinen, dass Architekturfachzeitschriften und zunehmend auch Publikumsmagazine über die Projekte berichten.

Des Werts professioneller Fotografie sind sich viele Planer bewusst. So meint ­Tore Pape von pape+pape architekten aus Kassel: „Für uns ist sie mehr denn je das wichtigste Mittel, um über unser Werk, unsere Haltung und unsere Persönlichkeit Auskunft zu geben.“ Alexander Brenner aus Stuttgart sieht sie gar so: „Die Fotografie ist in diesem Gesamtwerk der letzte Baustein.“ Sie sei ihm „deshalb genauso wichtig wie alle davorliegenden Gewerke“. Er nutzt Fotos nicht zuletzt, da viele Häuser der Allgemeinheit nicht zugänglich sind: „Unsere Projekte werden meist privat genutzt. Nur mit einer professionellen und gekonnten Dokumentation können wir sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Sven Plieninger von schlaich bergermann partner aus Stuttgart verweist auf die wachsende Bedeutung des Internets: „Die Präsentation der Projekte, vor allem auch online, ist in den letzten Jahren wichtiger geworden. Websites leben von guten und spannenden Fotos, die auch zeigen, wie das Bauwerk entstanden ist.“ Ihm geht es nicht nur um den fertigen Bau: „Für uns besteht ein Projekt aus den vielen großen und kleinen Schritten, die zum Ergebnis geführt haben. Deshalb begleiten wir bei unseren Projekten, wo immer möglich, den ganzen Prozess. Dies dokumentieren wir mit manchmal spektakulären Baustellenfotos und Fotos von Details, die man später vielleicht nicht mehr sehen kann.“

Nach ihren eigenen Aussagen wollen Architekten es vor allem authentisch und originalgetreu. Kristin Dirschl von dirschl.federle architekten aus Frankfurt sagt: „Wir dokumentieren unsere Projekte nicht in Form von Kunstbildern.“ Sie will die wichtigsten Aussagen des Gebäudekonzepts abbilden, sodass der Betrachter es schnell erfassen kann – von der Fassade bis zum Innenraumdetail. Und sie hofft, „dass unsere Gebäude qualitativ für sich selbst sprechen“. Für Tore Pape sollen „die Gebäude so ehrlich und unverfälscht wie möglich dokumentiert werden“. Und Sven Plieninger will vor allem „mit Außen-, Innen- und Detailaufnahmen die erreichten Entwurfsziele dokumentieren. Besonders die Detailfotografien zeigen, wie wir die ingenieurtechnischen Herausforderungen gelöst haben.“

Natürlich nutzen die Architekten besondere Gegebenheiten und Techniken. Tore Pape:

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Klare Form: Skulpturales wie die Treppe an der Frankfurter Herderschule von dirschl.federle hebt der Fotograf Jörg Hempel hervor.

„Unsere Bauwerke entstehen meist in enger Zusammenarbeit mit einem Lichtplaner. Wir zeigen sie sehr gerne auch bei Dunkelheit, da hier oftmals beeindruckende neue Stimmungen entstehen.“ Und Kristin Dirschl gesteht: „Oftmals bleibt heute kaum Zeit mehr, um das fertige, noch ungenutzte Gebäude zu fotografieren. Die häufig nötigen, kleinen Korrekturen werden dann über Bildbearbeitungsprogramme vorgenommen.“

Vor überzogenen Erwartungen daran warnt freilich der Stuttgarter Fotograf Zooey Braun: „Mit der Digitalisierung hat sich der Arbeitsalltag sehr verändert. Die vielen Möglichkeiten in der Bildbearbeitung führen teilweise zu dem Glauben, dass in der Postproduktion alles zu lösen ist, und das auch noch schnell. Die Bilder sollen immer perfekter sein. Für mich bedeutet das, dass der Aufwand in der Nachbearbeitung ganz erheblich gestiegen ist.“ Und sein Kollege Dietmar Strauß von bildermacher architekturfotografie aus Besigheim mahnt: „Die Ansprüche mancher Kunden an die Nachbearbeitung der Bilder wachsen, da die moderne Technik dies auch immer stärker zulässt. Doch nach wie vor ist die eigentliche Aufnahme das A und O für ein gelungenes Abbild des Gebauten.“

Das bestätigt Tore Pape: „Wir haben sicherlich für jedes Bauwerk unsere Lieblingsperspektiven, die wir dann auch nicht missen möchten. Gleichwohl entstehen durch das Zutun und den Erfahrungsschatz eines guten Architekturfotografen immer neue, manchmal völlig überraschende Komponenten. Auf diesen künstlerischen Mehrwert lasse ich mich daher sehr gern ein und gebe dem Fotografen die größtmögliche Freiheit.“

Zugleich sollten Architekten präsent sein, meint Alexander Brenner: „Die Fotografie eines Gebäudes ist – wie dessen Gestaltung – immer die Leistung eines Teams. So sind wir bei den oft Tage dauernden Foto-shootings immer dabei, besprechen am Abend gemeinsam mit dem Fotografen das Ergebnis und planen den nächsten Tag.“ Und bewährt hat sich die langfristige Zusammenarbeit. Kristin Dirschl berichtet: „90 Prozent unserer Projekte lassen wir vom selben Fotografen aufnehmen, weshalb wir viel Vertrauen in ihn haben.“

Architekt und Fotograf arbeiten vielfach eng zusammen. Der Fotograf blickt womöglich unter ganz anderen Gesichtspunkten und aus neuen Perspektiven auf das Gebäude. Er entdeckt oft Aspekte und Details, die der Architekt oder der Ingenieur so noch nie sahen und die die entstehende Bildserie bereichern können. Oder er versucht, seinen Auftraggeber mit viel Fingerspitzengefühl von einer anderen als der bisher angenommenen Idealperspektive des Gebauten zu überzeugen.

Fotografen sind allzu enge Vorgaben gar nicht recht. Zooey Braun berichtet: „Ich versuche, ein eigenes, unvoreingenommenes Bild für die jeweilige Architektur zu finden. Nur die Visualisierungen nachzufotografieren, empfinde ich als eine vergebene Chance, die Qualitäten des realen Gebäudes zu entdecken.“

Gerade Landschaftsarchitektur und städtebauliche Projekte können vielfach erst im Großen und Ganzen erfasst werden. Eine Luftaufnahme muss her. Und auch bei Hochhäusern können Blicke von außen in die oberen Etagen die fotografische Dokumentation bereichern. Hier eröffnen Drohnen im Vergleich zu Helik-optern und Flugzeugen ganz neue Möglichkeiten: Sie sind wesentlich preiswerter, einfacher zu fliegen, wendiger und kommen näher an die Gebäude heran. Und Luftbilder können schon vor dem Bau wertvoll sein, erklärt der Fotograf Eckhart Matthäus aus Wertingen: „Oftmals werde ich beauftragt, mit meiner Drohne eine Aufnahme zu machen, die dann im Entwurfsprozess Teil einer Visualisierung wird.“

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Belebtes: Meist werden Räume leer abgelichtet. Bei der Mensa der Louise-von-Rothschild-Schule in Frankfurt machten die Architekten dirschl.federle und der Fotograf Jörg Hempel eine Ausnahme.

Dietmar Strauß bestätigt: „Für das Fotografieren von Landschaftsarchitektur und Städtebau eignen sich Drohnen wunderbar, denn sie ermöglichen nicht nur hier neue Blickwinkel. Deshalb nimmt der kommerzielle Einsatz weiter zu.“ Schon bieten Architekturfotografen Drohnenflüge als Dienstleistung für Kollegen oder Planungsbüros an. Dagegen ist Zooey Braun zurückhaltender: „Drohnen sind eines von vielen Werkzeugen, die für bestimmte Aufgaben sinnvoll sind. Ich selbst habe sie in den letzten zehn Jahren sehr selten vermisst. Häuser werden für Menschen gebaut, die auch nicht fliegen können.“

Genau wie Architekten selbst beschäftigen sich Architekturfotografen vor der eigentlichen Aufnahme tiefgehend mit den örtlichen Gegebenheiten. In welche Himmelsrichtungen zeigen die Fassaden des Gebäudes? Auf welcher Seite des Hauses liegt der zu fotografierende Garten? Zu welcher Jahreszeit wird idealerweise fotografiert – und welche Bedingungen bietet die aktuelle? Von welchen Standorten aus kann fotografiert werden? Sind Nachbargebäude, Bäume, Straßenschilder im Weg? Wie läuft am geplanten Aufnahmetag die Sonne? Wie kann der Betrachter der Bilder später das dreidimensionale Gebäude auf den zweidimensionalen Fotografien verstehen? Wie leitet man ihn am besten durch den Bau hindurch?

Diese Liste zeigt, wie viel vorbereitende Arbeit in hochwertige Architekturfotografie investiert werden muss. Sie kann mehr Zeit in Anspruch nehmen als das eigentliche Fotografieren. Sie geschieht jedoch meist im Verborgenen. Der Auftraggeber bekommt davon nur einen Teil mit und wundert sich dann häufig über den Preis, den der Fotograf kalkuliert hat.

Einen Blick hinter die Kulissen bietet zum Beispiel das Buch „Architekturfotografie“ aus der Basics-Reihe des Birkhäuser-Verlags.Es macht bewusst, dass Fotografieren eine physisch anspruchsvolle Tätigkeit ist und lange Arbeitstage mit sich bringt – besonders im Sommer. Denn das Licht ist in den frühen Morgenstunden generell am besten, da zu dieser Zeit am wenigsten Mikropartikel durch die Luft schwirren, die das Licht reflektieren und es diffus werden lassen. Gleichzeitig sind die Helligkeitsunterschiede zwischen Licht- und Schattenseiten des Hauses am geringsten, was den Aufnahmen ebenfalls zugutekommt. Sehr gut ausbalancierte Helligkeitswerte bringt auch die sogenannte blaue Stunde mit sich, die Zeit zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit. Und wenn dann noch Nachtaufnahmen gemacht werden sollen, hat der Arbeitstag schnell 16 Stunden und mehr.

Das Buch macht klar: Auch mit guter Technik können Laien mit ihren Bildern gute Profifotografen nicht ersetzen – sondern höchstens ergänzen, beispielsweise mit Baustellenbildern.

Fotografen können ihrerseits Kommunikatoren der abgelichteten Bauten sein, denn häufig versenden auch sie Newsletter, Bildübersichten und persönlich formulierte E-Mails an Journalisten, die so auf ein Projekt aufmerksam werden.Simone Hübener ist Fachjournalistin für Architektur und Bauen sowie Planredakteurin in Stuttgart.

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