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Technik

Natürliche Module

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Europäische Schule in Frankfurt: Der dreigeschossige Erweiterungsbau ist aus insgesamt 98 Holzmodulen (Raumzellen) aus Brettsperrholz (BSP) mit einer Höhe von drei Metern und einer Grundfläche von drei mal neun Metern zusammengesetzt.

Für bezahlbaren Wohnraum sind jetzt Konzepte und realisierte Projekte mit Holzmodulen verfügbar.

Text: Susanne Jacob-Freitag

Der Holz-Modulbau wurde nicht erst jetzt erfunden, doch er wird regelmäßig wieder neu entdeckt. Seit letztem Jahr hat nun die 52_Artikel_Modulbau_3Notwendigkeit, schnell neue Unterkünfte für Geflüchtete und Asylbewerber zu errichten, den Holz-Modulbau zu einem wahren Aufschwung verholfen. Da bundesweit ohnehin bezahlbarer Wohnraum fehlt, will auch diese Branche mit flexiblen Konzepten den Doppeleffekt nutzen. Doch obwohl viele Kommunen entsprechenden Wohn- und Lebensraum zur Verfügung stellen wollen, fallen ihnen 52_Artikel_Modulbau_als Behelfslösung meist nur Stahl-Container ein. Die Hessische Architektenkammer sprach sich deshalb Ende Juli 2015 in ihrem Positionspapier „Flüchtlinge brauchen Wohnungen, keine Behälter!“ entschieden gegen Stahlcontainer aus und legte den Verantwortlichen nahe, die benötigten Wohnunterkünfte möglichst in Holz-Modulbauweise zu errichten. Auf diesen Appell reagierten holzaffine Planer und die Holzbaubranche sofort: In Windeseile erarbeiteten sie neue Konzepte und Typenentwürfe oder entwickelten vorhandene weiter. Damit wurde Städten und Gemeinden ein schneller und unkomplizierter Weg zu neuem Wohnraum geebnet, der seinen Namen auch verdient und bei späteren Nutzungsänderungen maximale Flexibilität bietet. Inzwischen sind bereits viele Unterkünfte in Holz-Modulbauweise entstanden, wie etwa das Internetportal www.wohnraum-fuer-fluechtlinge.info des Deutschen Holzwirtschaftsrats (DHWR) zeigt. Darauf finden interessierte Planer und Kommunen auch einen Anforderungskatalog an Gebäude für Geflüchtete sowie eine entsprechende Musterausschreibung zum Herunterladen und bundeslandbezogene Angaben, an wen sie sich bei Fragen zum Thema wenden können.

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Flüchtlingsunterkunft in Uhingen: Das aus 18 Raummodulen bestehende Gebäude beherbergt auf einer Gesamtfläche von 500 Quadratmetern zwei Kücheneinheiten, einen Haushaltsraum, acht Badezimmer, 22 Schlafzimmer sowie einen Gemeinschaftsraum.

Umfassender Lösungsansatz

Im Modulbau sind alle Funktionen einer eigenständigen Wohneinheit auf kleinstem Raum optimal zu organisieren, und die Bauten sind nach allen Regeln der Architektur auch optimal zu gestalten. Gleichzeitig ermöglicht es die Bauweise, Module hinzuzufügen oder wegzunehmen und damit Wohnraum je nach Bedarf zu bieten.52_Artikel_Modulbau_4

Modulbau wird meist mit Raumzellenbau gleichgesetzt, bei dem vorgefertigte Raumzellen aneinandergereiht und gestapelt werden. Modulbauten können aber auch Gebäude sein, die sich aus einzelnen Wand- und Decken-Elementen zu Raummodulen immer gleicher Abmessungen beziehungsweise solchen mit 52_Artikel_Modulbau_5entsprechendem Achsraster zusammensetzen und erst vor Ort montiert werden, zum Beispiel wenn es auf einen platzsparenden Transport ankommt. Klassische Gebäudetypen für die Modulbauweise sind solche mit sich wiederholenden Raumfunktionen, wie Studenten- und Schülerwohnheime, Hotels, Altenheime, Krankenhäuser, Schul(-ersatz-)bauten sowie Büro- und Verwaltungsgebäude. Seit dem Flüchtlingsansturm im vorigen Jahr hat sich das Spektrum um den sozialen Wohnbau erweitert. Ein Kostenvorsprung ergibt sich beim Holz-Modulbau aus der Serienproduktion der Raumzellen, gegebenenfalls mit eingebauten Nasszellen, Haustechnikinstallationen und sogar Möbeln, dem schnellen Zusammenbau und den sich wiederholenden Abläufen bei der Montage. Damit lassen sich auch die Bauzeiten erheblich reduzieren – bei gleichzeitig hoher Ausführungsqualität aufgrund der witterungsunabhängigen Vorfertigung im Werk.

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Mobi-skul in Weiterstadt: Für das dreigeschossige Gebäude wurden Wand-, Deckenund Bodenelemente vorgefertigt und diese vor Ort zu Raummodulen mit einer Fläche von 54 Quadratmetern montiert.

Neue und alte Konzepte

Viele Architekten sowie Holzbau- und andere Unternehmen haben erstmals eigene Module entwickelt; auch zuvor schon bekannte Konzepte wurden in der breiten Fachöffentlichkeit jetzt wahr­genommen. Von sich reden gemacht hat etwa das Frankfurter Architekturbüro ­NKBAK mit dem Erweiterungsbau der Europäischen 52_Artikel_Modulbau_9Schule in Frankfurt (Fertigstellung: April 2015). Für den modular konzipierten Holzbau nutzte es Raummodule von Kaufmann Bausysteme aus dem österreichischen Reuthe. Das Unternehmen ­betreibt das systematisierte Bauen mit Raumzellen seit Jahren und hat damit schon viele Gebäude errichtet, etwa Seniorenwohnheime, Hotels und Schulen. Sein jüngstes Projekt sind 52_Artikel_Modulbau_8zwei dreigeschossige Gemeinschaftsunterkünfte aus 180 Holz-Modulen für 250 Menschen in Hannover. Einen Namen gemacht haben sich auch werk.um Architekten aus Darmstadt mit ihren mobilen, das heißt temporär angelegten Schulersatzbauten in Holz-Modulbauweise namens „mobi-space“. Ursprünglich als Übergangslösung gedacht, wenn die eigentlichen Schulgebäude während einer Sanierung nicht genutzt werden können, gibt es inzwischen auch Bauherren, die diese Holz-Modul-Schulbauten als Dauerlösung beauftragen und solche, die als Büro, Kindertagesstätte, Ausstellungsraum und vieles mehr einen Holz-Modulbau à la mobi-space wünschen.

Wie Kaufmann Bausystem haben auch andere mit Architekten kooperierende Unternehmen Holzmodule entwickelt so die in Adelsried ansässige Firma ABA Holz van Kempen. Mit ihren „KLH Raummodulen“ aus massivem Kreuzlagenholz (KLH = Brettsperrholz [BSP]) wurde letztes Jahr eine zweigeschossige Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Obdachlose in Sauerlach im Auftrag des Landkreises München errichtet. Zusammen mit dem Architekten Manfred Gruber aus Bad Saulgau und ABA entwickelte zudem der Generalübernehmer LiWood aus München ein Raummodul aus Massivholz mit Stahlbeton-Boden für ein Studentenwohnheim, bestehend aus drei fünfgeschossigen Apartmenthäusern, „Im Neuenheimer Feld“ in Heidelberg. In den 158 Apartments aus 265 Modulen kommen 265 Studenten unter. Der Holzwerkstoffhersteller Egger aus Sankt Johann in Österreich hat von seinem Architekten Bruno Moser und Holzbau Saurer das „Konzepthaus“-Modul entwickeln lassen. Damit wiederum hat das Architekturbüro fai aus Göppingen das Ende April 2016 eröffnete zweigeschossige Flüchtlingsheim in Uhingen (Großraum Stuttgart) geplant.Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag ist freiberufliche Baufachjournalistin in Karlsruhe.

52_Artikel_Modulbau_10CONTAINER- UND ­MODULBAUTEN
Entwurfshilfe und Projektsammlung
Cornelia Dörries, Sarah Zahradnik
In diesem Ideen-Ratgeber sind beispielhafte Container- und Modulbauten internationaler Designteams gebündelt, die sich im Spannungsfeld zwischen unkonventionellen Lösungen und außergewöhnlichen Experimenten bis hin zu realisierten Projekten bewegen.

252 Seiten, 530 Abbildungen, Softcover, 38 Euro, www.dom-publishers.com

MEHR INFORMATIONEN

Detaillierte Informationen zu den Projekten Europäische Schule in Frankfurt, Schulersatzbauten „mobi-space“, Studentenwohnhäuser in Heidelberg und dem Flüchtlingsheim in Uhingen finden Sie hier. Außerdem finden Sie dort eine umfangreiche Linksammlung mit Konzepten und Angeboten zahlreicher Pro-Holzbau-Initiativen bis hin zu downloadfähigen Lösungen.

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