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DABinterview

„Wir sind Bau-Manager“

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Groß-Bauherrin: Die Architektin Petra Wesseler ist Präsidentin des Bundesamtes für Bau­wesen und Raumordnung (BBR), dessen 680 Mitarbeiter die Bauaufgaben des Bundes betreuen.

Petra Wesseler vertritt Deutschlands größten Bauherrn – den Bund. Sie hat Baukultur-Ambitionen, sucht den fairen Umgang mit Architekten und beklagt die Personalnot im eigenen Haus.

Interview: Falk Jaeger

Wie würden Sie Ihren Beitrag zur Entwicklung der Baukultur beschreiben?

Bei allen großen Bauvorhaben, die das BBR betreut, steht ein Wettbewerb am Beginn des Projektes. Das Wettbewerbswesen wird bei uns in einem eigenen Referat betreut. Dann haben wir im Rahmen der Städtebauförderung die bundesweite Betreuung der Nationalen Projekte des Städtebaus. Und als Präsidentin einer nachgeordneten Behörde des Bundesministeriums sehe ich es als eine große Chance und als Pflicht, auf die Anliegen der Architekten in Bauprozessen hinzuweisen und auch Hemmnisse in konkreten Gesetzgebungen direkt ansprechen zu können. Das geschieht gerade auf einer sehr direkten Ebene, nicht nur, wie zwischen Behörden sonst üblich, mit Erlass und Bericht.

Welche Bedeutung haben freie Architekten für Sie?

Im BBR wissen wir ganz genau, dass die freien Architekten die wichtigsten Partner sind, um baukulturell hochrangige, nachhaltige und effiziente Projekte zu verwirklichen. Wenn wir nur noch mit Generalunter- oder übernehmern arbeiten müssten, könnten wir qualitativ hochwertiges Bauen nicht mehr wie im bisherigen Maße gewährleisten.

Wir müssen aber auch zum Beispiel gemeinsam mit dem Berufsstand klären, wie ein Architekt die Koordinierungspflichten unter den heutigen Verhältnissen wahrnehmen kann. Muss er vielleicht gewisse Kompetenzen, die an Projektsteuerer abgetreten worden sind, zurückholen? Wie kann er ein Projekt federführend im Griff behalten?

Wie geht Ihr Haus mit diesen Fragen um?

Wir haben ein paar Themen herausgearbeitet. Dazu gehört der Umgang mit Nachträgen, die zum eigentlichen Auftrag in einem gesunden Verhältnis bleiben müssen. Oder Einflüsse geben, die die Randbedingungen ändern: neue Nutzerwünsche, unerwartete Baugrundverhältnisse, Hochwasser. Das muss man fair und schnell miteinander kommunizieren und Lösungen finden. Ein weiterer Klassiker ist das Thema Bauzeitverlängerung. Es darf nicht sein, dass sich mit Baumaßnahmen hauptsächlich Juristen beschäftigen. Sie sollten beratend tätig sein und nicht die Mehrheit gegenüber den Ingenieuren darstellen.

Es gab Fälle, wo Architekten durch die Zusammenarbeit mit dem BBR, wie es scheint, regelrecht in den Konkurs getrieben wurden. Was wollen Sie hier ändern?

Ich würde Vorwürfe zurückweisen, dass in der Bauverwaltung jemand bewusst Architekten schaden wollte. Das Ganze ist ein hochsensibles, auch wichtiges Thema, das auch in der öffentlichen Wahrnehmung einer Versachlichung bedurfte, denn so kenne ich das BBR auch aus meiner früheren Tätigkeit nicht. Sie sprechen sicher den Beitrag des Fernsehmagazins „Wiso“ an, in dem von „Krieg auf der Baustelle“ die Rede war. Ich habe hierzu gemeinsam mit Abteilungsleitern des BBR ein Gespräch mit Vertretern der Berliner Architektenkammer geführt und habe weitere vereinbart, um kritischen Sachverhalten auch strukturell nachzugehen.

Wäre nicht eine andere Grundhaltung notwendig, das Bemühen um fairenUmgang im Interesse der gemeinsamen Aufgabe?

Sie haben das Schlüsselwort genannt: Wichtig ist ein fairer Umgang miteinander. Da gehören immer zwei dazu. Wir konnten bei aller Komplexität der Prozesse am Bau resümieren, dass es unser gemeinsames Ziel ist, faire Vertragsgrundlagen zu schaffen und kooperative Verhaltensweisen zu stärken, auch Mediationsverfahren wurden angesprochen.

Konkret haben wir mit der Kammer darüber gesprochen, dass etwaige Konflikte auch durch Einbeziehung einer weiteren Instanz, etwa eines Abteilungsleiters, entschärft beziehungsweise beigelegt werden können, bevor sie zu verhärten drohen. Wichtig sind aber schon klare Verträge vor Beginn der Baumaßnahme. Denn Arbeiten ohne Vertrag – was leider im Einzelfall geschieht – fördert Konflikte. Sollte es aus irgendeinem Grund doch mal schneller gehen müssen, dann muss es wenigstens einen Letter of Intend geben, in dem die wichtigsten späteren Vertragsparameter vereinbart sind. Erst dann besteht Gewissheit: Man startet gemeinsam.

Könnte eigentlich das BBR Strukturen aufbauen, mit denen man öffentliche Großprojekte realisieren kann, wer auch immer die dann in Auftrag gibt? Wir werden nicht die ganze Bundesrepublik bedienen können.
BUNDESamt für Bauwesen heißt es doch…

Wir sind schon dabei, Kompetenzen zu konzentrieren. Gemäß Koalitionsvertrag soll ja die Vorbildfunktion des BBR gestärkt werden. Wir haben eine neue Abteilung A. Sie liefert „Baufachliche Dienste“ und ist eine Querschnittsabteilung, die Controlling, Qualitätssicherung, aber auch Wettbewerbswesen einschließt. Die Kompetenzen der Kostenplanung und Kostenkontrolle wollten wir hier weiter ausbauen.

Es gibt dort auch eine noch kleine Einheit, die im Auftrag des Ministeriums die Verwaltungsvereinbarungen mit den Ländern begleitet und die Eckdaten zu den Themen Projektablauf, Kosten, Termineinhaltung, Qualitätssicherung erfasst, und zwar für sämtliche Bundesbauten – auch jene, die von den Länderbauverwaltungen realisiert werden. Da liegt aufgrund der großen Bandbreite dieser und unserer Baumaßnahmen ein großes Potenzial, das ausgebaut werden soll. So soll ein Kooperations- und Kompetenzzentrum entstehen, um Know-how für Dritte bereitzustellen. Das hat aber nichts damit zu tun, direkt Baumaßnahmen bundesweit abzuwickeln.

Aber was spräche dagegen?

Wir haben schon pro Jahr etwa 1.100 Maßnahmen mit über 600 Millionen Euro Umsatz abzuwickeln und sind Spezialisten zum Beispiel für Museums- und Laborbau.

Ich meine die Kompetenz bei Großvorhaben.

Da dürfen Sie uns gerne vorschlagen, da bin ich dabei (lacht). Bei Großvorhaben des Bundes lassen wir uns gerne verpflichten und werden wir auch verpflichtet.

Aber Großvorhaben werden meist von den Ländern oder in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn realisiert. Könnte das BBR da nicht als erfahrener, kompetenter Dienstleister fungieren und zum Beispiel einem Ersten Bürgermeister eines Stadtstaats, der so etwas noch nie gemacht hat, zur Hand gehen?
Für Großbauvorhaben ist das BBR sicherlich gut aufgestellt. Wir sind ja Bauherrenvertreter und Projektmanager, nicht als Juristen, sondern als am Bau erfahrene Manager. Ihre Idee finde ich fantastisch. Wegen unserer Personalsituation kann ich aber nicht sofort „hier“ rufen. Das Humboldtforum mit rund 600 Millionen Euro Bausumme hat das BBR ohne eine einzige zusätzliche Stelle übernehmen müssen. Wir haben noch nicht einmal die ausreichende Personalausstattung für unsere laufenden Projekte, zum Beispiel im Ausland.

Der „schlanke Staat“ und die sehr weitgehende Delegierung auch von Bauherrenaufgaben haben nicht funktioniert, deshalb müssen wir die Kompetenz, die zum Projektmanagement ureigen dazugehört, wieder ins Haus zurückholen und neu aufbauen. Und wir wollen unsere Kompetenz bei der sogenannten Phase 0 ausbauen, insbesondere bei der Bedarfsplanung und Nutzerberatung, die sehr wichtig ist. Diese personellen Kapazitäten wollen wir wieder aufbauen. Eine professionelle Projektvorbereitung zu Beginn ist entscheidend für den gesamten Projektverlauf.

Gäbe es denn politische Widerstände, wenn Sie sagen würden, wir haben diese Kompetenzen und wollen sie Dritten anbieten?

Dazu wäre sogar eine Gesetzesänderung notwendig! Mir ist zunächst vor allem eines wichtig: dass wir bei allen Vorhaben, die wir bereits durchführen, gut aufgestellt sind. Wir haben jetzt bei den BBR-Projekten Bilanz gezogen und festgestellt, dass die überwiegende Mehrzahl im Termin- und Kostenrahmen geblieben ist, ihn sogar unterschritten hat. Nicht alle Maßnahmen laufen gleich gut, daher ist auch das Auswerten und Optimieren ein wichtiger Prozess. Mein erstes Ziel ist deshalb, die Aufgaben, die wir originär haben, angemessen personell zu besetzen, um sie souverän managen zu können, bevor wir große Aufgaben Dritter angehen.

Das heißt, wenn wir die Voraussetzungen dazu geschaffen haben, dann fände ich Ihre Idee richtig gut.

Prof. Dr. Falk Jaeger ist Bauhistoriker, Architekturkritiker und Publizist in Berlin.

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