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Imagefilme für Architekten

Richtig im Film

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Auch für die Gestalter statischer Häuser kann sich die Produktion bewegter Bilder lohnen.

Text: Stefan Kreitewolf

Noch nie war es einfacher, mit Bildern oder Videos auf sich aufmerksam zu machen. Und Architekten kommen ohne Bilder nicht aus. Denn Bilder – besser noch: Bewegtbilder – helfen unserem Gehirn, Dinge besser zu verstehen. Mit Worten allein lässt sich ein Gebäude nur unzureichend und wenig anschaulich beschreiben. Hinzu kommt: Menschen schauen lieber, als dass sie lesen. Ein Unternehmensfilm bietet Architekten indes die Möglichkeit, sowohl das eigene Oeuvre als auch sich selbst als Person sowie das Büro darzustellen.

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Mit der Kamera auf der Baustelle: Filme für den Architektenstand sollen möglichst das gesamte Tätigkeitsfeld eines Büros abbilden. Dazu gehören auch bildstarke Besuche einer Baustelle …

Und das ist wichtig, weiß Klaus F. Linscheid. Er dreht Filme für Architekturbüros. „Mithilfe eines Unternehmensfilms kann der Architekt zukünftigen Bauherren vermitteln, was sie erwartet, und hebt sich damit geschickt aus der anonymen Masse der Architekten hervor“, sagt der Betreiber des Internetportals architektur-und-medien.de. Doch auch bei Unternehmensfilmen ist Vorsicht geboten. Es warten viele Fallstricke auf dem Pfad zum fertigen Film. Übermäßig viele Fakten, eine gespielte Moderation, irrationale Versprechungen und der falsche Einsatz von Humor und Ironie sind die häufigsten Fehler bei Unternehmensfilmen. Zugleich gilt: „Es gibt kein Standardkonzept für einen Imagefilm“, sagt Linscheid. Dennoch gibt es im Storytelling vieler Filme einige Parallelen. Wir stellen fünf Typen von Unternehmensfilmen vor.

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… und Beratungssituationen mit dem Bauherren vor Ort.

Die Markenbotschafter

Im Mittelpunkt dieser Art von Videos stehen Statements des Geschäftsführers, des Projektmanagers oder Planungsleiters. Der Interviewte fungiert als Markenbotschafter. Der Vorteil im Vergleich zur heilen Werbewelt ist hier: Der Chef oder der engagierte Mitarbeiter sind authentisch und transportieren die Werte eines Unternehmens in ihrer eigenen Sprache. Der Berliner Architekt Volker Staab gibt in einem Video Einblicke in seine Arbeit, sein Büro und die Arbeitsweise von Staab Architekten. Nüchtern und in klaren Worten verrät er, welche Ideen er verfolgt und wo er Schwerpunkte setzt.

„Die Inspiration für unsere Arbeit holen wir uns aus der Aufgabe selbst“, heißt es in dem Video zwar etwas schwammig. Dennoch erscheint Staab in dem Filmchen als souveräner Ansprechpartner. Ob die Sequenzen, in denen er durch das Büro läuft oder gespielte Konversation mit seinen Angestellten betreibt, wirklich nötig sind, sei einmal dahingestellt. Staab wirkt dennoch authentisch. Und auch Filmer Linscheid rät: „Niemand sollte sich vor der Kamera verstellen. Das merkt der Zuschauer.“ Das ist bei Staab nicht der Fall, und genau deswegen erscheint er als glaubwürdiger Markenbotschafter.

Die Antiseptischen

Dass ein aufwendig produzierter Film mit unterschiedlichen Kamerawinkeln, Außen-, Innen- und Drohnen-Aufnahmen nicht unbedingt schön sein muss, zeigen indes viele misslungene Beispiele der Unternehmensfilme. Wenn ein Sprecher mit monotoner Stimme die „ökonomisch nachhaltigen Planungskonzepte in Verbindung mit Wirtschaftlichkeit, Qualität und Ästhetik“ als „die Kernkompetenzen“ des Büros preist, ist das wenig aufregend. Und wenn dann auch noch die allseits bekannte Telefon-Warteschleifen-Musik den Zuschauer einlullt, ist das antiseptische Video komplett.

Ein Unternehmensfilm soll zwar auch die hard facts des Büros präsentieren, dabei aber leicht konsumierbar bleiben. Überbordende Informationen sind also ein No-Go. „Generell sollten nur die wichtigsten Fakten im Film genannt werden“, verrät Eric Sturm, Inhaber von WWS Film Berlin. „Ein Film lebt von Emotionen“, sagt er. Wer sich unsicher ob der Wirkung seines Filmchens ist, sollte vorab ein detailliertes Drehbuch schreiben. Dazu rät Linscheid bei allen Anfragen. Denn: „Ein gut ausgearbeitetes Drehbuch ist schon die halbe Miete.“ Das gehe aber nicht von heute auf morgen und nehme bereits die Hälfte der Zeit in Anspruch. „Und wer gar keine Zeit hat, für den gilt: Lieber gar keinen Imagefilm drehen als einen schlechten.“

Die Interviewten

Dennoch wollen viele Architekten nicht auf einen Imagefilm verzichten. Als Alternative gilt das Interview. Das ist auch für diejenigen machbar, die sich weniger gern vor einer Kamera präsentieren. Ein Gespräch fällt naturgemäß leichter, weil es einer alltäglichen Situation näher kommt. „In Unternehmensfilmen bietet es sich daher an, den Protagonisten in einer Interviewsituation zu Wort kommen zu lassen“, sagt Sturm.

Der Berliner Architekt Yvon Kavungu meistert diese ungewohnte Situation sehr gut. In einem Video für das Netzwerk ­architekt4you.de stellt er sich und seine ­Fähigkeiten sympathisch, flüssig und fachmännisch vor. Dabei hält er sich an die erste goldene Regel des Imagefilms: Kürzer ist besser. Die Gespräche sollten nicht ausufern. Kavungu redet circa eineinhalb Minuten. Das ist ausreichend. Eric Sturm rät: „Fassen Sie sich kurz. Beschränken Sie sich auf das Wesentliche.“ Drei Minuten seien die maximale Länge für einen Imagefilm.

Die Komiker

Komik, Ironie und Humor sind mit Vorsicht zu genießen. Andererseits sagt Sturm: „Alles, was den Zuschauer bewegt, den Film bis zum Ende anzuschauen, ist okay.“ Humor kommt immer gut an, wenn er authentisch ist. Das Imagefilm-Making-of des Architekturbüros Scharrenhauser gibt amüsante Einblicke in die heikle Kunst der Selbstdarstellung und die Maximen des Marketings – authentisch und selbstironisch.

Irgendwo zwischen versteckter Kamera und Slapstick agiert das komische Unternehmensfilmchen. Wenn dem Architekten die Halbglatze gepudert wird, die Assistentin dumm-debil in die Kamera schaut und die Blume viermal umgestellt werden muss, um ein frisches Flair zu versprühen, ist das wahrlich witzig. Ob der Film wirklich sechs Minuten lang sein muss, ist aber fraglich. Auch die Bildqualität ist begrenzt.

Die Blogger

„Wem ein kompletter Imagefilm zu teuer und aufwendig ist, der kann auch auf einen Videoblog zurückgreifen“, sagt Linscheid. Dort könne monatlich ein kurzes Video Informationen darüber geben, womit sich das Büro gerade beschäftigt. „Sprechen Sie hier Fragen an, die Sie immer wieder von Bauherren gestellt bekommen. Dadurch sparen Sie im Endeffekt nicht nur Zeit, Sie positionieren sich auch zu diesen Themen als Experte“, rät Linscheid. Wer die Videos auf dem eigenen YouTube-Kanal mit den passenden Keywords verschlagwortet, hat sogar gute Chancen, zu Spezialthemen in der Google-Ergebnisliste ganz weit oben zu erscheinen.

Google, YouTube und Klickzahlen sind am Ende aber nicht viel wert, wenn sich der Architekt nicht selbst in seinem Imagefilm wiederfindet. Denn trotz der gut gemeinten Tipps der Experten gilt: So individuell wie der Mensch Architekt sollte auch sein Film sein. Das weiß auch Profifilmer Sturm. Er rät: „Architekten müssen ihren ganz eigenen Weg finden!“

 

032_artikel_„Ein Film lebt von Emotionen“
Eric Sturm dreht Unternehmensfilme für Architekturbüros. Im Kurzinterview verrät er, warum die filmischen Firmenportraits Sinn machen.

 

WARUM LOHNT SICH EIN UNTERNEHMENSFILM FÜR EIN ARCHITEKTURBÜRO?
Ein Film ist eine diskrete Form der Selbstdarstellung. Außerdem vermittelt er dem Betrachter kompakte Informationen in kurzer Zeit. Gerade für Architekten ist dies zielführender, als einfach nur Werbung zu machen.


LOHNT SICH DAS AUCH FÜR KLEINERE BÜROS?

Ja, denn natürlich müssen auch kleinere Büros dafür sorgen, dass ihre Arbeit und ihre Projekte bekannt werden. Gerade sie sind ja häufig mit der Herausforderung konfrontiert, dass man nicht genau weiß, wofür sie stehen und welche Spezialisierung sie haben. In einem Film kann der Büroinhaber die Ausrichtung des Büros erläutern oder ein aktuelles Projekt vorstellen.


WELCHE DATEN UND FAKTEN MÜSSEN UNBEDINGT IN EINEN UNTERNEHMENSFILM?

Das ist individuell abhängig davon, welche Kommunikationsziele ein Büro verfolgt oder zu welchem Anlass der Film produziert wird. Generell sollten nur die wichtigsten Fakten im Film genannt werden. Ein Film lebt nämlich von Emotionen.


WIE FINDET DER ARCHITEKT DEN RICHTIGEN TON?

Die Protagonisten im Film sollten ganz natürlich sprechen, so wie sie auch mit Gesprächspartnern im realen Leben sprechen würden. Wer sich auf diese Weise präsentiert, kommt automatisch authentisch rüber. Also bitte keine Texte auswendig lernen oder anfangen zu schauspielern.


IST HUMOR EIN GEEIGNETES STILMITTEL?

Alles, was den Zuschauer dazu bewegt, den Film bis zum Ende anzuschauen, ist okay. Die Stilmittel sollten aber zum Büro passen.


UND WAS KOSTET SO EIN UNTERNEHMENSFILM?

In den letzten Jahren ist es möglich geworden, auch für wenig Geld einen professionellen Film zu produzieren. In der Regel kostet eine Minute Film circa 2.000 Euro. Meist reichen ein bis zwei Minuten vollkommen aus.

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