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Meldungen

Von klarer Kante in Köln, einer Sportscheune und von Baukultur im Unterricht

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Von klarer Kante in Köln, einer Sportscheune und von Baukultur im Unterricht – die Meldungen der Ausgabe.

Lärmschutz am Mittleren Ring in München
Der Beitrag „München dämpft“ in Ausgabe 1/2017, Seite 24, beruht wesentlich auf Informationen der Stadt München, die Sie hier finden.

Ein Hauch von Turm
Die Glaubensgemeinschaft der Neuapostoliker baut gern introvertiert. Diese Tradition setzt ihre Kirche von den Stuttgarter Architekten ackermann+raff im schwäbischen Pliezhausen fort – allerdings mit einer leichten Andeutung von Turm, der sonst bei den Neuapostolikern nicht üblich ist. Das Fensterband an der Straßenfassade bringt Licht auf Kreuz und Altar; das Kirchenschiff steht mit Schrägdach und sich erhöhendem Raum symbolisch für die Weitung zum Himmel. Das Innere ist vom Eichenholz der Böden, Bänke, Fenster und des Altars geprägt; der außen dominierende Leichtbeton ist auch hier an den Wänden sichtbar, tritt aber nur zurückhaltend in Erscheinung.

Bei Schinkel um die Ecke
Dem Haus sieht man nicht überall an, wie es innen gegliedert ist – doppelhohe Geschosse, Maisonetten, Fenster für zwei Wohnungen? Einige Laibungstiefen dürfte sich jedenfalls kein Wärmedämmer trauen. Der Bau steht in der Ackerstraße in Berlin-Mitte, in ­einem Block mit Schinkel-Kirche am anderen Ende. Und es zeichnet sich durch Voll-Erfüllung der beiden Architektur­zwecke „Anders sein“ und „Auffallen“ aus. Die Architekten nps Tchoban Voss teilen mit, das Haus präsentiere sich dem Betrachter „ungewöhnlich großzügig“ und wirke „markant in den Stadtraum hinein“. Es dient dem Wohnen in neun Einheiten von 70 bis 290 Quadratmetern. Schließlich das Rätsel der Fensterhöhen: Die großen Felder dienen je zwei Etagen. Und die Fenster insgesamt sind laut Architekten „sowohl vertikal als auch horizontal ausgerichtet, was den heterogenen Charakter der Umgebung widerspiegelt“.

Vergabe kleinerer Aufträge: Kammern stoppen Bürokratisierung
Nach einem Entwurf des Bundes-Wirtschaftsministeriums für eine „Unterschwellen-Vergabeordnung“ sollte die Vergabe freiberuflicher Leistungen unterhalb der Schwelle von 209.000 Euro komplizierter und aufwendiger werden. Dies ist jetzt vom Tisch, nachdem die Bundesarchitektenkammer, die Länderkammern und andere Organisationen dagegen protestierten. Sie konnten eine Sonderregelung für freiberufliche Leistungen erreichen, die viel bürokratischen Aufwand vermeidet. Zudem gibt es auf Betreiben der Kammern eine spezielle Regel für Planungswettbewerbe auch bei Aufgaben dieser Größenordung. Die neue Vergabeordnung ersetzt in erster Linie die bisher geltende Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen (VOL/A 1. Abschnitt). Sobald sie in Kraft ist, werden wir darüber informieren.

Landschaften online bewerten
Der Stuttgarter Landschaftsarchitekt Frank Roser betreibt das ehrgeizige Projekt einer standardisierten Landschaftsbild-Bewertung, um Stromnetze möglichst wenig landschaftsschädlich auszubauen (mehr über den Ansatz hier). Das aktuelle Forschungsprojekt wurde vom Bundesamt für Naturschutz beauftragt und trägt den Titel „Entwicklung eines Bewertungsmodells zum Landschaftsbild beim Stromnetzausbau“. Dazu gibt es jetzt eine Online-Umfrage, deren Teilnehmer Fotos von Landschaften nach feststehenden Kriterien beurteilen sollen. Auf dieser Basis soll ein Modell zur bundesweiten Landschaftsbildbewertung entstehen. Zur Teilnahme, die höchstens 15 Minuten dauern soll, geht es hier.

Gewinnen bei der KfW
Die KfW prämiert mit ihrem „Award Bauen und Wohnen“ seit 15 Jahren Bauherren – und besonders oft gewinnen Architekten, die für sich selbst oder eine Gruppe ein Projekt besonders engagiert und einfallsreich realisiert haben. Dieses Jahr heißt das Motto „Ausbauen, Anbauen, Umbauen – effizient Wohnraum schaffen und modernisieren“. Prämiert werden private Bauherren oder Baugemeinschaften, die in den vergangenen fünf Jahren ein Gebäude erweitert, umgewidmet, modernisiert oder belebt haben und dabei gleichzeitig Wohnraum geschaffen oder aufgewertet haben. Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Gewinner-Projekte aus den Vorjahren finden Sie hier. Zum diesjährigen Preis geht es über: www.kfw.de/award-bewerbung

Klare Kante in Köln
Größer kann eine Verwandlung kaum sein: statt Mansarddach und Erkermotiven nun hochwertige Betonfertigteile und bündige Fenster. Das Bochumer Architekturbüro SSP hat das postmoderne Verwaltungsgebäude der WDR mediagroup gleich neben dem Museum Kolumba in ein zeitgemäßes Bürohaus transformiert. Neben dem komplett neuen Erscheinungsbild wurde das Gebäude energetisch auf den neuesten Stand gebracht und auch innen umgebaut. Der Quasi-Neubau kann sich in seiner urbanen Umgebung nun besser behaupten. Das stimmt durchaus nachdenklich, bezog sich doch die Postmoderne explizit viel mehr auf Motive der historischen Stadt als nüchterne Neubauten. Doch die Halbwertzeiten werden auch in der Architektur immer kürzer und die Postmoderne wirkt angestaubt – aber eben noch nicht genug, um wieder cool zu sein. Ganz nebenbei ist auch ein Beispiel für den stilistischen Wandel des Düsseldorfer Großbüros HPP über die Jahrzehnte verschwunden. Von ihm stammte der Entwurf.

Klima ganz leicht eingetrübt
Das Geschäftsklima der freien Architekten hat sich im vierten Quartal 2016 leicht abgekühlt, ist aber immer noch ausgesprochen gut. Das ermittelte das Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung in seiner jüngsten Umfrage. Zuvor hatte sich das Klima fünf Quartale hintereinander verbessert – jetzt ist eine leichte Eintrübung noch kein Grund zur Besorgnis. Gedämpfter als zuvor waren vor allem die weiteren Wachstums-erwartungen. 14 Prozent der Architekten erwarteten eine „eher günstigere“ Auftragssituation in sechs Monaten. Zuvor waren es 18 Prozent gewesen. Die Zahl der Pessimisten ist jedoch nicht gestiegen: Nach wie vor fürchten nur rund zehn Prozent eine „eher ungünstigere“ Entwicklung. Auch ihre aktuelle Lage beurteilten die befragten Architekten ein wenig schlechter als zuvor: 54 Prozent fanden sie „gut“, jedoch 14 Prozent schlecht – eine leichte Steigerung.

56 Prozent der Befragten konnten im Vorquartal neue Verträge abschließen – etwas weniger als im Zeitraum davor, jedoch deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt von 50,5 Prozent. Auch das geschätzte Bauvolumen aus den neu abgeschlossenen Verträgen stieg leicht an – mit Ausnahme des Wohnungsbaus. Dort konzentrieren sich die Aufträge noch stärker auf Mehrfamilienhäuser, für die das geschätzte Bauvolumen aus abgeschlossenen Verträgen erneut um vier Prozent anstieg, nachdem es schon seit dem Jahresanfang 2016 deutlich geklettert war.

Wie gut die Lage ist, zeigt sich im Langfrist-Vergleich: In den ersten neun Monaten 2016 konnten die befragten Architekten ein fast ebenso großes Auftragsvolumen akquirieren wie in den gesamten fünf flauen Jahren 2002 bis 2006. Aktuell gab es dagegen einen deutlichen Rückgang an neuen Aufträgen für Ein- und Zweifamilienhäuser. Hier war das Volumen aller Planungsaufträge niedriger als im Vorjahr. Einen starken Anstieg um rund 25 Prozent gab es erneut bei gewerblichen Aufträgen; das ifo Institut bezeichnet die Lage jetzt als „befriedigend“. Dagegen empfindet es den Umfang der Planungsaufträge öffentlicher Auftraggeber als „überaus bescheiden“ – und das seit über einem Jahr. Konstant blieb die zeitliche Reichweite der akquirierten Aufträge. Sie reichen wieder für die nächsten 6,8 Monate.

Auf den Leib gebaut
Maßgeschneiderte Einfamilienhäuser haben Chancen auf den „Häuser-Award 2018“. Im Mittelpunkt steht dieses Mal nicht nur eine gelungene architektonische Erscheinung, sondern auch die Funktionalität. Gefragt sind etwa Grundrisse, die den Bedürfnissen der Bewohner besonders gut entsprechen oder langfristig auf sich wandelnde Wohnvorstellungen reagieren können. Sonderpreise belohnen gelungene Innenarchitektur und Außengestaltung. Den Preis vergibt die Zeitschrift „Häuser“ gemeinsam mit dem BDA, dem Verband Privater Bauherren und einigen Herstellern. Einsendeschluss ist der 8. Mai. www.haeuser-award.de

Sportscheune in Ostbayern
Die Grundform der Scheune kann man bekanntlich für Museen ­moderner Kunst verwenden, für Supermärkte, aber natürlich auch für dörfliche Turnhallen. Das haben Almannai Fischer Architekten aus München im ostbayerischen Haiming getan. Stimmig ist hier auch die Holzbauweise mit schön sichtbarem Fachwerk an den Längsseiten, an den Wänden und vor allem den Decken der Halle, wo sich so mancher hochgeschossene Ball seinen Weg durchs Balken­labyrinth suchen muss. Die Balken tragen übrigens entgegen dem Anschein nicht, sondern sind hübscher Zierrat.

Baukultur im Unterricht
Die Wüstenrot-Stiftung stellt neue Arbeitsblätter für den Unterricht in ihrem Projekt „Baukultur – gebaute Umwelt“ vor. Es geht beispielsweise um die funktionale und symbolische Bedeutung von Treppen, um Energiesparhäuser, Staats- oder Schulbauten. Angesprochen sind Schüler der Sekundarstufen I und II in zahlreichen Fächern wie Mathematik, Kunst, Wirtschaft und Physik. Fächer­verbindend sind Arbeitsblätter über Brücken, Hochhäuser und Türme sowie Bahnhöfe. Ziel des Lehrangebots ist es nach den Worten der Stiftung, „junge Menschen zu motivieren, die gebaute Umwelt ­bewusst wahrzunehmen und sich der Verantwortung dafür zu ­stellen“. Die Blätter können hier kostenlos heruntergeladen werden.

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