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Sauna

Im Schwitzkasten

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Saunas auf Stelzen, im Betonschacht oder daheim auf 45 Quadratmetern: heiße Ideen von Architekten.

Text: Stefan Kreitewolf

Das Thermometer klettert gen 90 Grad Celsius. Der Schweiß läuft in Strömen, die verspannten Muskeln werden warm und weich. Der Kopf wird leer. Nach der Schwitzpartie geht es hinaus in die kühle Luft. Die von der Wärme geweiteten Bronchien saugen den Sauerstoff auf, jede Zelle des Körpers wird durchblutet. Ein ausgiebiger Sauna-Tag ist für viele Deutsche wie ein paar Stunden Kururlaub – gleich um die Ecke. Und das ist extrem beliebt.


Für Thomas Kalman von Krieger Architekten im rheinischen Velbert ist das nichts Neues: „Die Nachfrage nach Sauna-Neubauten ist sehr hoch“, weiß der Geschäftsführer des Büros, das sich auf Schwimmbad- und eben Saunabau spezialisiert hat. „Sauna- oder Wellnessbereiche werden als zentraler Bestandteil von Gesundheitsbädern konzipiert.“ Sie stünden als hochwertiges Angebot einem teilweise überregionalen Publikum zur Verfügung. Allerdings müsse, um diese Magnetwirkung erzielen zu können, alles stimmen – „das Ambiente, der Service und die Einzigartigkeit des Ortes“.

Während klassische Saunas voll im Trend liegen, werden auch innovative Ideen und kreative Konzepte realisiert. In Troisdorf zum Beispiel lässt sich nun auf hohem Niveau saunieren – und zwar buchstäblich. Der Saunabereich des Schwimmbads „Aggua“ besteht aus einer Holzkonstruktion, die – ähnlich einer Pfahlbausiedlung – auf Betonstützen aufgeständert ist. Das ist sinnvoll, weil das darunter fließende Flüsschen Agger einmal jährlich über die Ufer tritt, und es ist nicht zuletzt einzigartig und spektakulär. „So entfaltet die Baumhaussauna mit Blick ins Grüne eine tolle Atmosphäre, die auch Besucher aus größerer Entfernung anzieht“, sagt Kalman. Bei steigendem Bedarf, können weitere Pfahlbauten errichtet werden.

„Hommage an das Nichtstun“

Es geht aber noch kreativer: Ein besonderes Beispiel dafür ist die „One Man Sauna“ (Abb. S. 25) des Münsteraner Architekturkollektivs Modulorbeat. Der Schwitzkasten, der im Rahmen des Bochumer Stadt- und Kunstfestivals „Das Detroit-Projekt“ errichtet wurde, ist siebeneinhalb Meter hoch. Er besteht aus gestapelten Betonfertigteilen, die eigentlich für den Bau von Schachtanlagen verwendet werden.

Jan Kampshoff von Modulorbeat erklärt: „Das Projekt ist eine Hommage an das Nichtstun, und zwar ganz allein.“ Die „One Man Sauna“ biete nämlich lediglich Platz für eine Person. Auf der untersten Ebene befindet sich ein Tauchbecken. In der Etage darüber lädt die Sauna-Box zum Schwitzen ein. Und ganz oben öffnet ein Ruheraum den freien Blick gen Himmel. „Die Sauna ist eine Oase in einer von Industrie geprägten Stadt und dient als Reflexionsidee für die Zukunft der Stadt“, erklärt Kampshoff. Schwitzen statt Schuften: Standort, Material und Form lassen sich als Referenz an die Bergbauindustrie vergangener Tage lesen.

Mehrstöckig schwitzen und entspannen: Das war in der „One Man Sauna“ möglich. Die Sauna wurde aus Schachtmodulen gebaut.

Wie viele Projekte von Modulorbeat, war auch die „One Man Sauna“ temporärer Natur. Der Schwitzschacht ist mittlerweile wieder abgebaut worden. „Aber wer weiß, vielleicht bauen wir bald wieder eine Sauna“, hofft Kampshoff. Das Projekt erhielt schließlich eine Anerkennung beim Deutschen Architekturpreis 2015 und hat das Büro deutschlandweit bekannt gemacht.

Geschäftsmodell Schwitzen

Saunas sind für Krieger Architekten und Modulorbeat ein einträglicher Alleinstellungsfaktor. Denn Saunabaden ist in Deutschland extrem beliebt. Das Schwitzen hat eine neue Rekordmarke erreicht: 30 Millionen Deutsche saunieren einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Saunabundes zufolge regelmäßig. Das ist ein Riesenmarkt, der stetig wächst. Und zwar auch im privaten Bereich.

Das Kemptener Büro architektur + raum plant und realisiert Saunas für den Privatbereich; aktuell ist eine Sauna im bayerischen Pfronten geplant. „Auf 45 Quadratmetern werden wir in einem Wohnhaus eine Trockensauna, einen Whirlpool, eine Dusche, ein Liegepodest und eine Akustik-Lamellenwand realisieren“, berichtet Thorsten Leekes von architektur + raum. Die verwendeten Materialien – Kautschukboden, Glasmosaik und Tannenholz – spiegeln den luxuriösen Charakter der Privatsauna wider. „Bei privaten Saunas geht es um Individualität, deswegen legen wir Wert darauf, keine Fertigteile zu nutzen“, sagt Leekes.

Für architektur + raum ist das Schwitzen bereits zum Geschäftsmodell geworden. Und damit nicht genug: „Der Trend geht zum Wellnessgarten. Dabei wird die gesamte Gartenlandschaft auf Erholung und Entspannung ausgerichtet – etwa mit Swimmingpool und kleiner Sauna“, erklärt Leekes. Für Architekturbüros bleibt also noch Einiges zu tun.

Mehr Informationen und Artikel zu den Themen heiß und kalt finden Sie in unserem DABthema heiß & kalt.

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