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Meldungen

Von der Stadt- und Baukultur-Tagung, dem Deutschen Architektenpreis 2017 und dem „Best of Backstein“

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Von der Stadt- und Baukultur-Tagung, dem Deutschen Architektenpreis 2017 und dem „Best of Backstein“ – die Meldungen der Ausgabe.

Potsdam: Barock und Neue Sachlichkeit
Potsdam ist ganz vorn mit dabei, wenn es um Rekonstruktionen geht. Nach dem Stadtschloss wurde nun direkt nebenan das Palais Barberini in der Version von Thomas Albrecht als Museum eröffnet. Es ist Mittelpunkt einer Uferbebauung (unten), die vage alten Vorbildern folgt, wobei das Palais zumindest an seiner Vorderseite (unter Schinkels Nikolaikirche) dicht am Original von 1771 ist – das wiederum eine verkleinerte Kopie des hundert Jahre älteren Palazzo Barberini in Rom war. Das Innere ist von Thomas Albrecht relativ schlicht gehalten und trägt im Treppenhaus Züge der Neuen Sachlichkeit. Gestiftet hat das Haus der Software-Milliardär Hasso Plattner, der dort neben Leihgaben Exponate aus seiner hochkarätigen Kunstsammlung präsentiert, darunter auch Werke aus der DDR.

 

Tagung zu Stadt und Baukultur
„Städtebau und Baukultur – Die visuelle Ordnung der Stadt erkennen“ lautet das Motto einer gemeinsamen Tagung, die das Institut für Städtebau Berlin mit Unterstützung der Bundesstiftung Baukultur veranstaltet. Sie will „durch gute Beispiele und Erfahrungswerte die Bedeutung und das Potential von Baukultur als Stadtmehrwert hervorheben – sie vor Augen führen“. Städtebaupraktiker beantworten mit ihrem Erfahrungswissen beispielsweise Fragen zum Mehrwert von Baukultur für die Stadtrendite, zur Gestaltung von öffentlichen Räumen oder zu Wohnraumversorgung und Gestaltqualität. Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, führt in die Tagung ein. Kölns Bau-Beigeordneter Franz-Josef Höing spricht über das „Image der smarten Stadt“ und Christoph Beck von der städtischen Gesellschaft Degewo in Berlin über „Kommunale Wohnungswirtschaft im Spannungsfeld zwischen Baukultur, günstigem Wohnraum und Stadtrendite“. Claudia Reich-Schilcher vom Berliner Senat stellt Projekte des Plätze-Programms vor. Am Nachmittag gibt es eine Exkursion durch den Stadtteil Friedrichshain. Die Tagung findet am 15. und 16. Juni statt; die Teilnahme kostet 320 Euro. Mehr unter www.isw-isb.de

Best of Backstein
Der Fritz-Höger-Preis 2017 ist ausgelobt. Bewerben können sich Architekten mit ihren Projekten, bei denen der traditionelle Baustoff Backstein besonders überzeugend an der Fassade eingesetzt ­wurde – für den gestalterischen Ausdruck, für den Ortsbezug oder für die Energieeffizienz. Der Preis wird in verschiedenen Kategorien vergeben. Einsendeschluss ist der 15. Mai. Mehr Informationen ­unter: www.backstein.com/architekturpreis

Material der Wahl
Der aufsehenerregende Einsatz eines besonderen Materials am Bau wird vielleicht mit dem materialPREIS 2017 belohnt. Das Material kann dabei sowohl konstruktive als auch dekorative Funktion ­haben. Erstmals wird auch per Online-Voting ein Publikumspreis vergeben. Architekten, Innenarchitekten oder Ingenieure können sich noch bis zum 30. April bewerben. Mehr Informationen unter: www.materialpreis.com

Stahl in Form gebracht
Viel zu selten werden Brücken oder Industriehallen als Gestaltungsaufgabe begriffen. Mit dem Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaues 2017 wurden nun wieder willkommene Ausnahmen gewürdigt. In der Kategorie Hochbau gewann die Produktionshalle der Firma Sartorius in Göttingen. Gebäudehohe Stahlbügel tragen die Geschossdecken der einzelnen Hallenabschnitte. Ihre dynamisch geschwungenen Stützen begrenzen dabei großzügig belichtete Zwischenräume. Verantwortlich waren der Architekt Christian Rathmann aus dem Hannoveraner Büro Bünemann & Collegen und der Ingenieur Martin Speth von Drewes und Speth. Als beste Brücke wurde die Allerbrücke bei Verden prämiert, die sich deutlich von den Standardbrücken der Deutschen Bahn abhebt und sich auch besser in die Flussniederung integriert. Ihre Form und die Lamellenstruktur veranschaulichen den Lastabtrag. Entwurf und Konstruktion stammen aus dem Büro schlaich bergermann partner mit Andreas Keil als verantwortlichem Ingenieur. Werner Sobek erhielt eine Auszeichnung für das Dach des Busbahnhofs in Hannover.

Schwungvoller Auftritt
In deutschen Großstädten sprießen schicke neue Stadthäuser in hellem Naturstein oder Putz aus dem Boden, die sich in wechselnden Mixturen bei Klassizismus oder Neuer Sachlichkeit bedienen. Doch diese Fassade des Kölner Büros kister scheithauer gross am Düsseldorfer Fürstenplatz ist anders. Die mal von rechts nach links und mal umgekehrt geschwungenen Balkone verleihen dem Wohnhaus etwas Spielerisches. Die französischen Fenster sorgen für eine große Offenheit. Die Architekten wollten an die zerstörte gründerzeitliche Wohnbebauung anknüpfen, besonders an deren stadträumliche Präsenz. Trotzdem gelingt zugleich der Dialog mit den Nachbarhäusern aus der Nachkriegszeit.

Lebenslang wohnen
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat eine Planungshilfe für den altersgerechten Neu- und Umbau von Wohnungen veröffentlicht. Der Ratgeber „ready kompakt – Planungsgrundlagen zur Vorbereitung von altengerechten Wohnungen“ bezieht sich dabei auf das Leitkonzept „ready“, das unter Professor Thomas Jocher an der Universität Stuttgart entwickelt wurde. Neben einem barrierearmen Mindeststandard sieht das Modell verschiedene Stufen bis hin zur DIN-gerechten Barrierefreiheit vor. Damit sollen auch Familienwohnungen mit überschaubarem Aufwand generationensicher werden können. Die Arbeitshilfe ist kostenlos und kann hier heruntergeladen werden: www.forschungsinitiative.de/publikationen

Europa: Weltfremde Karte
Die EU-Kommission plant eine „Dienstleistungskarte“, die das Anbieten von Leistungen in der gesamten EU erleichtern soll. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) begrüßt den guten Willen, das grenzüberschreitende Arbeiten und die Mobilität zu fördern – aber nicht die vorgeschlagene Ausführung. Der Gesetzesentwurf zur Karte greift laut BAK-Vizepräsident Ralf Niebergall „unverhältnismäßig in bestehendes innerstaatliches Recht ein“, denn die Karte führe weitgehend zum „Herkunftsland-Prinzip“. Institutionen wie die Architektenkammern könnten dann zum Beispiel kaum noch die Qualifikation von Architekten aus anderen Ländern überprüfen, die sich in Deutschland niederlassen wollen. Auch müsse das bewährte System zur Anerkennung von Berufsqualifikationen erhalten bleiben. Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Dienstleistungskarte führe zu einem quasi automatisierten Verfahren. Das qualitätssichernde Moment der Aufnahme in eine Kammer werde ausgehebelt, warnte Niebergall.

Die Umsetzung der „Dienstleistungskarte“ solle nach Vorstellungen der Kommission eine neue „Superbehörde“ übernehmen, die in keiner Hinsicht die Fachkompetenz zur Beurteilung der Qualifikationen habe. „Das ganze Konstrukt entbehrt jeglicher klaren Sicht auf die Verwaltungswirklichkeit und ist das Gegenteil dessen, was man sich unter Bürokratieabbau vorstellt“, sagte Niebergall. Er wies darauf hin, dass auch bisher ein reibungsloser Austausch von Dienstleistungen funktioniert habe.

Darüber hinaus will die EU-Kommission, dass Berufsreglementierungen, wie zum Beispiel die Architektengesetze der Bundesländer, bei jeder Änderung einem starren Analyseraster unterworfen werden, um ihre Verhältnismäßigkeit nachzuweisen. „Das ­unterbindet jegliche Dynamik in solchen Abwägungsprozessen“, kritisiert Niebergall. Noch weiter geht das EU-Vorhaben, nach dem nationale Gesetzgebungs- oder Verordnungsvorhaben mit Binnenmarkt-Bedeutung von der Kommission blockiert werden könnten und die Mitgliedsstaaten dagegen klagen müssten, um sie in Kraft zu setzen. Das beträfe dann beispielsweise jede Novelle der HOAI.

Flachbau mit Spitzdach
Obwohl noch Teil der Schwabenmetropole, wirkt doch das kleine grüne Tal in Stuttgart-Feuerbach recht beschaulich. Hier bauten Reichel Schlaier Architekten ein Einfamilienhaus, das den Blick ins Grüne zum Hauptmotiv macht. Mit großen Glasflächen und gestalterisch betonten Geschossdecken wirkt es vom Garten her wie ein doppelgeschossiger Bungalow. Eine Terrasse und im Obergeschoss ein umlaufender Balkon wurden in das Bauvolumen integriert. Von der höher gelegenen Straße fällt das Satteldach auf, das die örtlichen Bauvorschriften verlangten. Das gibt nicht nur dem Wohnraum mehr Kopffreiheit, sondern verleiht dem Haus auch einen interessanten Charakter mit zwei Gesichtern.

 

Deutscher Architekturpreis ausgelobt
Das Bundesbauministerium und die Bundesarchitektenkammer (BAK) loben gemeinsam den Deutschen Architekturpreis 2017 aus, um beispielhafte Bauwerke auszuzeichnen. Sie sollen eine besondere baukulturelle Qualität aufweisen beziehungsweise von vorbildlichem Umgang bei der Sanierung und Modernisierung historischer Bausubstanz zeugen, dem nachhaltigen Bauen in ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Hinsicht verpflichtet sein und positiv zur Gestaltung des öffentlichen Raumes beitragen. Von den ausgezeichneten Bauwerken sollen zum einen Anregungen für zukünftige Planungen ausgehen, zum anderen die Bedeutung der Baukultur und des nachhaltigen Bauens der Öffentlichkeit nahegebracht werden. Zugelassen zum Deutschen Architekturpreis 2017 sind Bauwerke oder Gebäudeensembles, die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Januar 2017 in Deutschland oder im Namen oder überwiegend aus Zuwendungsmitteln der Bundesrepublik Deutschland im Ausland errichtet wurden. Die gesamte Preissumme beträgt 60.000 Euro. Bewerbungen um den Preis können bis zum 31. März eingereicht werden. Mehr unter: DABonline.de/tag/architekturpreis-2017

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