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Von Sattelkammern, Tourismusbauten, Architektur im Luther-Jahr und wallendem Backstein

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Aufgetischt statt aufgesattelt
Eines der beliebtesten Touristenziele Deutschlands wurde ein zweites Mal von Max Dudler ergänzt. Nachdem 2012 das Heidelberger Schloss bereits ein neues Besucherzentrum erhalten hatte, wurde nun die danebenliegende historische Sattelkammer in ein Bistro umgewandelt. Dafür wurde der Raum, der aus dem frühen 17. Jahrhundert stammt, von Einbauten aus den 1980er-Jahren befreit. Dadurch kommen die neun Meter Raumhöhe und die über zwei Meter starken Wände aus rotem Sandstein womöglich besser zur Geltung als je zuvor. Eine raumhohe Akustikwand aus Kirschholz verdeckt die an der Rückwand angeordneten Nebenfunktionen. Auch das Mobiliar wurde von Max Dudler entworfen.


Voneinander profitieren
Ein neues Buch zeigt, wie überzeugende Tourismuskonzepte entstehen, bei denen Betriebswirtschaft und Architektur in die gleiche Richtung weisen.

Text: Simone Hübener

Tourismus und Architektur werden erst seit wenigen Jahren in einem Atemzug genannt. Da dennoch viel Luft nach oben ist, nimmt man den Band „Grundwissen Tourismusarchitektur“ aus dem Hause utb erfreut zur Kenntnis. Er soll Studierenden der Architektur, der Stadtplanung und der Tourismuswirtschaft als fundierte Lektüre und Lehrenden als Basis für eine 14-wöchige Veranstaltung dienen. Entsprechend geht der Autor Heiner Haass, Professor an der Hochschule Anhalt, in 14 Kapiteln jeweils auf einen Teilbereich ein, etwa „Architektur als Wirtschaftsfaktor im Tourismus“ oder „Inszenierungen und künstliche Erlebniswelten“.

Heiner Haass, Grundwissen Tourismusarchitektur, utb, Stuttgart 2017, 140 Seiten, 24,99 Euro

In den Fließtext eingestreut finden sich Tipps, mit denen sich die Leser einzelne Aspekte selbst erarbeiten können, beispielsweise: „Betrachten Sie gute Beispiele, in denen die Architektur das touristische Geschäft unterstützt.“ Mit diesen 14 Kapiteln gelingt es, viele verschiedene Facetten aufzugreifen und neues Wissen zu vermitteln. Allerdings doppeln sich einige Inhalte und auch sprachlich hätte man an diesem Werk noch feilen sollen. Die deutsche Sprache hätte mehr Vielfalt bereitgehalten. Gelungen ist jedenfalls der Einstieg, der aus drei Interviews mit „Praktikern“ besteht: einem Hotel- und einem Destinationsmanager sowie einem Architekten. Diese Praxisnähe macht Lust auf Tourismusarchitektur, wenngleich manche Aussagen etwas pauschalisierend ausfallen und sicherlich keine allgemeine Zustimmung finden, etwa die Meinung des Hotelmanagers, der eine personelle Trennung von Entwurf und Umsetzung empfiehlt.

Der schwierige Spagat, für Studierende der drei genannten Fachbereiche zu schreiben, ist Haass gelungen. Auch Praktiker, die er mit dem Buch ebenfalls ansprechen will, werden besonders in den Teilen fündig, in denen Basiswissen der jeweils anderen Disziplin vermittelt wird. Bleibt nur zu hoffen, dass das Wissen nicht an den Hochschulen versickert, sondern in der Praxis angewandt wird und künftig noch mehr gute Tourismusarchitektur entsteht.

Simone Hübener ist Fachjournalistin für Architektur und Bauen sowie Planredakteurin in Stuttgart.


Für Blumen und Besucher
Teil der Internationalen Gartenausstellung in Berlin (siehe DAB 5.2017) sind auch zwei besondere Architekturen. Das Infozentrum des Bezirks Marzahn-Hellersdorf von Partner und Partner Architekten ist ein konstruktiver Holzbau mit einer Fassade aus Aluminium Paneelen. Diese knüpfen gestalterisch an Beton-Formsteine in den umgebenden Plattenbausiedlungen an. Im Inneren können sich die Gartenfreunde in einer Ausstellung über den Bezirk informieren. Hinzu kommen ein Veranstaltungssaal für lokale Initiativen und ein Pausenraum für Busfahrer.

Während das Infozentrum auch nach der IGA stehen bleiben wird, ist die Blumenhalle von Gorenflos Architekten ein temporärer Bau. Auch sie ist eine Holzkonstruktion, die mit einer transluzenten Textil-Membran bespannt ist. Folien dienen als Fenster, die Entrauchungsklappen funktionieren mit Klettverschluss. Das modulare System mit minimiertem Materialeinsatz kommt ohne Erdarbeiten aus. Zu besichtigen ist übrigens schon die zweite Blumenhalle für Marzahn. Die eigentlich vorgesehene wurde 2015 kurzerhand vom Senat gekauft und am Flughafen Tempelhof für die Flüchtlingsunterbringung aufgebaut – sie blieb allerdings ungenutzt.

 

Wer baut wo welche Wohnungen?
Dieser Frage geht eine neue Studie des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung nach. Die Forscher untersuchten beispielhaft die Neubautätigkeit in Aachen, Dresden, Düsseldorf, Freiburg und Nürnberg und befragten Vertreter von Wohnungsunternehmen und Verwaltungen sowie Privatinvestoren. Dabei wurde deutlich, dass vor allem der Wettbewerb um knappes Bauland und die dadurch immer teureren Grundstücke den Bau bezahlbarer Wohnungen erschweren. Komplexe Planungs- und Genehmigungsverfahren, zu wenig Personal in den Verwaltungen, Engpässe in Planungsbüros und Bauunternehmen, aber auch nachbarschaftliche Widerstände kommen hinzu. Es werden auch Vorschläge dazu gemacht, wie Bauland schneller und nicht zu Höchstpreisen aktiviert werden kann.

Bestellung der Studie unter: forschung.wohnen@bbr.bund.de oder Download über: www.bbsr.bund.de

 

Wallende Wand
Hinter dieser stofflich geschwungenen Klinkerwand in Münster residiert, wen wundert es, der Textil- und Bekleidungsverband Nordwest. Was wie ein zufälliger Faltenwurf erscheint, erforderte vom örtlichen Architekturbüro Behet Bondzio Lin detaillierte Vorbereitungen und von den Handwerkern millimetergenaues Arbeiten.

Der parametrische Entwurf entstand mit einem eigens geschriebenen Computerprogramm. Für die Baustelle wurden Pläne erstellt, auf denen die errechnete Position jedes einzelnen Steines verzeichnet war. Und schließlich mussten 74.000 Klinker in sieben verschiedenen Größen gebrannt werden. Für den bewegten Eindruck sorgt aber auch der Schattenwurf, der natürlich mitgeplant wurde.

 

Mansfeld: Museum Luthers Elternhaus von Anderhalten Architekten

Architektur und Reformation
Welche Impulse die Reformation auf Architektur und Städtebau hatte, auf den Kirchenbau, aber auch auf Einrichtungen für Gesundheit, Fürsorge und Bildung, hat über zwei Jahre hinweg die Architektenkammer Rheinland-Pfalz auf Veranstaltungen und Exkursionen untersucht. Gemeinsam mit der Architektenkammer Sachsen-Anhalt findet dazu am 16. September die Tagung „Architektur und Reformation“ in der Lutherstadt Wittenberg statt.

Wittenberg: Erweiterung Melanchthonhaus von Dietzsch & Weber Architekten

Am Ort des Geschehens treten dann Fragen der Denkmalpflege und der Stadterneuerung hinzu, die auch bei einer Stadtführung erörtert werden können.
www.ak-lsa.de

Die Architektenkammer Sachsen-Anhalt hat außerdem ein Leporello zusammengestellt, mit dem auf eigene Faust neue Architektur an Luthers Wirkungsstätten in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld entdeckt werden kann.
www.architekturtourismus.de

 

Auftragsbestände auf neuem Hoch
Nach der vierteljährlichen Umfrage des ifo Instituts bei den freischaffenden Architekten war das Geschäftsklima zu Beginn des zweiten Quartals 2017 nicht mehr ganz so freundlich wie zuvor. Gut die Hälfte der Befragten beurteilte ihre Geschäftslage aber dennoch als „gut“. Nur 17 Prozent gehen aber von einer weiteren Verbesserung aus. Im ersten Quartal 2017 konnten nur noch 52 Prozent neue Verträge abschließen. Dies ist der niedrigste Wert seit knapp fünf Jahren. Das geschätzte Bauvolumen aus diesen Verträgen (Neubauten ohne Planungsleistungen im Bestand) lag dabei um knapp 30 Prozent unter dem Niveau des Vorquartals, das für Wohnungsbauten sogar um 40 Prozent. Die abgeschwächte Nachfrage war vor allem im Geschosswohnungsbau zu beobachten, wo die Architekten im Vorquartal das bislang größte akquirierte Planungsvolumen seit Beginn der Befragungen vor fast 40 Jahren erzielten. Zu Beginn des zweiten Quartals wiesen die Architekten einen Auftragsbestand von 7,3 Monaten auf. Das ist der höchste Wert seit Beginn dieser Umfrage. Dabei ist beachtlich, dass selbst das zuletzt deutlich reduzierte Planungsvolumen zu dieser Erhöhung der Auftragspolster führte. Die geringeren Auftragseingänge dürften sich also nicht als „Einbruch“, sondern eher als „normale“ Reaktion auf eine Auftragsspitze herausstellen.

 

Wie weit ist BIM?
Die Digitalisierung der Bauwirtschaft ist in aller Munde. Es bleibt jedoch fraglich, ob alle Planer und Ausführenden aktiver Teil des Wandels sind und welcher Mehrwert sich für die verschiedenen Gruppen ergibt. Deshalb wollen das Karlsruher Institut für Technologie und die Bergische Universität Wuppertal mit einer Online-Umfrage herausfinden, wie weit BIM inzwischen in der Planungspraxis angekommen ist und wo Potenziale, aber auch Hemmnisse liegen. Die Befragung ist Teil eines Forschungsprojekts und dauert noch bis zum 15. August.
Zur Umfrage

 

Standardwerk für Baupreise
Das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) hat seine dreibändige Reihe „BKI Baukosten 2017“ in komplett überarbeiteter Fassung herausgebracht. Die Kostenkennwerte basieren auf der Auswertung von über 3.000 realisierten Objekten aus 75 Gebäudearten, wobei die Baupreise auch regional aufgeschlüsselt werden können. Außerdem lassen sich typische Bauzeiten ablesen. Erstmals wird auch das barrierefreie Bauen dargestellt. Die Gesamtausgabe kostet 229 Euro, es können aber auch Einzelbände gekauft werden.
www.bki.de

 

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