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BIM

BIM: Fluch oder Segen für Architekten?

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Über BIM als integrale Plattform zum Austausch von Informationen und zu einer kooperativen Gestaltung des Planungsprozesses zwischen Architekten, Ingenieuren und Bauunternehmern wurde bereits vielfach geschrieben. Tatsächliche Anwendungen von BIM in der Praxis sind bislang jedoch noch die Ausnahme.

Text: Rainer Pietschmann

Insbesondere eine verbesserte Datenkommunikation, die allen Beteiligten in Echtzeit inklusiver jeglicher laufenden Veränderungen zugutekommt, birgt in der Theorie unbestreitbare Effizienzvorteile. Die Frage, wie dieses Werkzeug zum Nutzen aller Beteiligten in der Praxis eingesetzt werden kann, ist eine andere.

Schon heute sind internetbasierte Planungsplattformen weit verbreitet. Sie haben aber nur dann einen Mehrwert, wenn die Planungsbeteiligten gemeinsame Regeln zur Projektabwicklung festlegen und diese auch von allen Beteiligten befolgt werden. Ebenso ist insbesondere von Bedeutung, wer die vorgebende und planende Steuerungsrolle einnimmt.

So nutzt es beispielsweise wenig, wenn die Planungsänderungen von Erwerbern (sogenannte Sonderwünsche) vom Bauträgervertrieb eingestellt werden, aber keine Festlegungen vorgenommen und kommuniziert werden, was damit nun konkret geschehen soll. Die heutige Realität am Bau sieht leider aber genau so aus. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass das potenziell mächtige Effizienz-Tool BIM der Einbettung in strukturierte Kommunikationsprozesse und klar definierter Verantwortlichkeiten bedarf.

Diese Integration muss gesteuert werden, wobei Führung und Verantwortung nur in begrenztem Umfang teilbar sind. Nur wer Verantwortung trägt, wie beispielsweise der Architekt/in für das Gesamtprojekt, greift ein, der steuert und denkt ganzheitlich. Der Architekt/die Architektin ist hierzu von jeher berufen; er/sie kann als Gesamtplaner am besten die anderen Beteiligten führen und koordinieren, er/sie kennt auch die Projektziele am besten und kann daher die notwendigen Kompromisse aus Sicht der Fachplanung etc. am besten zu einer großen und ganzen Gesamtlösung verbinden.

Andere Beteiligte wie beispielsweise der Tragwerksplaner, der TGA-Planer oder der Bauphysiker sind hierzu typischerweise weder befähigt, noch dazu bestimmt, diese Rolle im idealen Sollprozess auszufüllen. Die Berufsbilder der Projektsteuerung erscheinen ebenso wenig geeignet, weil Sie vertraglich primär die Kontrollpflicht haben, ob andere ihre Verträge einhalten. Den Planungsprozess gestalten werden sie aber nicht und wollen dies überwiegend auch nicht leisten. Sie stellen daher weniger die kreativ führende Kraft, als primär eine nachverfolgend koordinierende und damit reaktive Einheit im Bauprozess dar.

Mithin wird es durch BIM so zur Aufgabe der berufsständischen Organisationen, den Prozess von Gestaltung und Implementierung von BIM mit ihren Mitgliedern maßgeblich zu gestalten. Erste wesentliche Schritte hierzu könnten sein,

  1. den Architekten klar die „Gestaltungshoheit“ für Einsatz und Ausgestaltung des BIM zuzuweisen, sowie
  2. klare Richtlinien für die Vertragsgestaltung erstellen, wie BIM in Bezug auf Leistung, Haftung und Vergütung zu bewerten ist.

Dabei sollte im Vordergrund stehen, die Arbeitsmethode BIM in das bestehende System des Gestaltungs- und Planungsablaufes als Werkzeug zu integrieren, ohne die bestehenden Verantwortlichkeiten schrittweise aufzulösen. Die weitere Entwicklung bleibt spannend.

Rainer Pietschmann ist Managing Partner Pietschmann Legal und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Schrobsdorff Bau AG (Berlin).



Mehr Informationen und Artikel zu BIM finden Sie im DABthema BIM.

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