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Kommentar

Gemeinsam planen

Tillman Prinz, Bundesgeschäftsführer der Bundesarchitektenkammer

Da trifft kreative Freiheit auf normierte Präzision, Ganzheitlichkeit auf technische Detailgenauigkeit.

Man findet ja keine guten TGA-Ingenieure“ ist einer der Standardsätze von Architekten.  Gemeint ist nicht der bundesweite Fachkräftemangel, die Betonung liegt auf „gut“ im Sinne der Architekten und meint Verständnis für architektonische Konzepte und die Arbeits- und Herangehensweise des Architekten. Während die Kenntnisse im Bereich TGA selten infrage gestellt werden, vermissen viele Architekten aufseiten der TGA-Ingenieure – oder eher TA-Ingenieure, denn es geht schon lange nicht mehr nur um Gebäude – ein Gespür für den besonderen ganzheitlichen Planungsansatz der Architekten. Die umfassende Verantwortung des Architekten für die Erfüllung sämtlicher, auch stillschweigender Wünsche des Bauherrn sowie die korrekte und reibungslose Koordination aller Fachplanungen und Gewerke unterscheidet sich von der spezifischen Verantwortung der TA-Ingenieure, gesetzliche und technische Vorgaben im Bereich der technischen Ausrüstung mangelfrei einzuplanen. Das führt immer wieder zu gegenseitigem Unverständnis. Architekten sind es gewohnt, auf einer leeren Fläche ganze Welten zu erdenken; TA-Ingenieure erdenken die hierfür erforderlichen technischen Welten in den dafür vorgegebenen Räumen. Damit wird sofort klar, warum beispielsweise bei Planänderungen eine enge Abstimmung erforderlich ist. Architekt und TA-Ingenieur – beide Berufe haben einen hohen Anspruch an Perfektion. In der Zusammenarbeit trifft kreative Freiheit auf normierte Präzision, ganzheitliche Betrachtungsweise auf technische Detailgenauigkeit. Beides ist für gute Architektur und Ingenieurbaukunst unerlässlich.

Doch nicht nur der individuelle Anspruch an die eigene Leistung erschwert die reibungslose Zusammenarbeit, sondern auch rechtliche und wirtschaftliche Zwänge. Der hohe Grad der technischen Normung hat weitreichende Haftungsfolgen für Architekten und Ingenieure. Veränderte Montagewege oder auch der vermehrte Einbau von Fertigteilen ohne Einpassungsspielraum erfordern mehr TA-Planung, während sie die Planungsfreiheit des Architekten reduzieren. Der Bauherr jedoch erwartet eine wirtschaftliche und reibungslose Umsetzung seiner Zielvorgaben. Eine weitere wesentliche Herausforderung in der Zusammenarbeit ist die zu verbessernde Synchronisierung der Planungsabläufe. Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn alle Planungsbeteiligten – vom Bauherrn über den Architekten bis zum TA-Ingenieur – ihre Vorstellungen rechtzeitig kommunizieren, gemeinsam abstimmen und Probleme offen und konstruktiv lösen. Der Erfolg jedes Projekts hängt von einer solch kooperativen Planungskultur und dem gleichberechtigten und transparenten Miteinander ab. Die jeweiligen Aufgaben und Verantwortlichkeiten ergeben sich aus der Rolle der Beteiligten im Planungsprozess. Das Unterpfand jeder erfolgreichen Zusammenarbeit von Architekten und TA-Ingenieuren ist eine veränderte Herangehensweise: vom Selbstverständnis zum gegenseitigen Verständnis.

In einem eineinhalbjährigen intensiven Dialogprozess haben engagierte Architekten und TA- Ingenieure unter Moderation von Bundesarchitektenkammer und Bundesingenieurkammer die Störfaktoren herausgearbeitet, die es für eine bessere Zusammenarbeit zu überwinden gilt, und Handlungsvorschläge vorgelegt. Die Ergebnisse sind in einer Broschüre und auf der Website www.gemeinsam-planen.de zusammengestellt, die im Februar vom Bundesbauministerium auf der bautec in Berlin vorgestellt wurde. Dabei werden gesetzliche und vertragliche Pflichten verglichen, insbesondere aber der offene Blick auf Charaktere und Arbeitsweisen geschärft, der zu Verständnis und Sympathie für die jeweils andere Seite führt.

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