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Editorial

Zerstörung und Reparatur

Wenn alte Gewohnheiten sich ändern, spürt man den Wandel der Zeit. Zerstörung, Abriss und Anpassung bringen oftmals große Herausforderungen mit sich.

Von Brigitte Schultz

Es gibt Dinge, die werden unseren Nachfahren komisch vorkommen. Die im Nachhinein leichtfertig wirkende Zerstörung unserer Städte durch die Anpassung ans Auto gehört ebenso dazu wie der Abriss ganzer Dörfer und Landstriche für den Abbau eines Energieträgers, der droht, dem Planeten die Lebensgrundlage zu entziehen. Aber manchmal merkt man erst, wenn sich etwas wandelt, an was man sich da eigentlich gewöhnt hatte.

Ein bestechendes Beispiel dafür ist Siegen. Als die Stadt entschied, den Fluss im Zentrum von seiner Betondecke zu befreien und den Bürgern als öffentlichen Raum zurückzugeben, hätte man Be­geisterung erwartet. Aber der Abschied von der praktischen Parkfläche fiel vielen dann doch nicht leicht. Nur kluger Überzeugungsarbeit der Planer ist es zu verdanken, dass hier am Ende ein Paradebeispiel ­aktueller Stadtreparatur entstanden ist.

Die Moderation des Wandels ist eben eine der größten Herausforderungen unseres Berufs. Geübt darin ist man im Ruhrgebiet, wo 2018 die letzte Zeche schließt. Mit dem Weiterbau am Radschnellweg und an der Zeche Zollverein sind hier immer wieder Erfolgsgeschichten zu erzählen. Auf Europas größter Landschaftsbaustelle in den teils strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands ist dies schon schwieriger. Beim Umbau der riesigen Tagebaulöcher nicht neue Freizeithäfen am Fließband zu produzieren, sondern die Eigenheiten der Region zu wahren, ist eine Herausforderung mit noch offenem Ende.

 

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