Artikel drucken Artikel versenden

Diskussion

Alles so schön nachhaltig

Der Begriff der „Nachhaltigkeit“ fällt in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen. Trotzdem oder genau deswegen nehmen wir ihn im Juni besonders ernst.

Was ist für Sie nachhaltig?

Was macht nachhaltige Architektur aus, was nachhaltige Planung?

Denken Sie an Ökologie, Ökonomie, Soziales oder Baugeschichtliches?

Denken wir weit genug?

Können Sie das Wort überhaupt noch hören?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar unten auf dieser Seite oder per E-Mail an: chefredaktion-dab@planetc.co

Eine Auswahl der Einsendungen, die bis zum 23. April bei der Redaktion eingehen, wird in Ausgabe 06 veröffentlicht.

Die Redaktion behält sich sinnwahrende Kürzungen oder eine Bearbeitung der Einsendungen vor.

Passend zum Thema





Kommentare

Wir freuen uns über Ihre Beiträge und bitten Sie, die Regeln dieses Forums einzuhalten:

  • Bitte nennen Sie uns Ihren Namen und Ihre e-Mail-Adresse. Anonyme Statements werden nicht veröffentlicht. Ihre e-Mail-Adresse wird selbstverständlich nicht mit veröffentlicht und nur im Falle von Rückfragen durch die Redaktion genutzt.
  • Schreiben Sie zur Sache.
  • Teilen Sie etwas Neues mit.
  • Nennen Sie Argumente.
  • Bitte keine Beleidigungen.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zurückzuweisen.
Texte können erst nach Freischaltung durch die Redaktion erscheinen.

3 Gedanken zu “Alles so schön nachhaltig

  1. Allerlei Nachhaltiges,
    nachhaltiges Wachstum, nachhaltig stärken und reformieren, nachhaltige Entwicklungspolitik, Nachhaltigkeitsstrategie , nachhaltigen Zugang, nachhaltige Energieerzeugung, nachhaltig fördern, nachhaltig verändern, nachhaltige Mobilität, nachhaltige Wachstumsstrategien, nachhaltige Mieterstrommodelle, nachhaltige Umstellung, Nachhaltigkeitsbezug, nachhaltige Modernisierung, nachhaltige Landwirtschaft, nachhaltige Lieferketten, nachhaltige Nutzungsformen, nachhaltige Fischerei, nachhaltige Nutzung, nachhaltigen Lebensstil, nachhaltig gestalten, nachhaltige Schritte, nachhaltige Bodenpolitik, nachhaltige Stadtentwicklung, nachhaltige Absicherung, nachhaltiger Konsum, Nachhaltigkeitspolitik, nachhaltige Schaffung, nachhaltige Finanzierung, nachhaltige Bekämpfung, nachhaltiger Handel, nachhaltige Lösungen, nachhaltige Investitionen, nachhaltig sicherstellen, nachhaltigen Zugang und nachhaltige Energieerzeugung. Diese Aussagen und Offenbarungen stehen im aktuellen Koalitionsvertrag. Angesichts dieses euphorischen Handlungswillens müssen wir uns um unsere Zukunft keine Sorgen machen. Nun denn, gestalten wir gemeinsam den drohenden Untergang nachhaltig.
    Thomas Kölschbach
    Dipl.-Ing. (FH) Architekt und Stadtplaner
    Mägdebergstraße 25
    78576 Emmingen-Liptingen
    Tel.: 07465-920093

  2. Offener Brief an die Landeshauptstadt

    Hannover, 13. März 2018

    Offener Brief an die Landeshauptstadt Hannover
    Landeshauptstadt Hannover
    Neues Rathaus,
    Trammplatz 2
    30159 Hannover

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    sehr geehrter Herr Schostok,
    sehr geehrter Herr Bodemann,

    als in Hannover tätiger Architekt habe ich mit Interesse in der HAZ vom 7. März 2018 gelesen, dass die Landeshauptstadt am Kronsberg Grundstücke zur Entwicklung von 2.500 – 3.500 Wohneinheiten verkauft hat. Gemäß den Angaben der HAZ handelt es sich damit um Niedersachsens größtes Neubaugebiet.

    Gerne möchte ich in diesem Zusammenhang auf das damit verbundene große Potential einer möglichen CO2-Reduktion und Energieeinsparung durch die Anwendung massiver Holzbau- anstelle konventioneller Mauerwerks- und Stahlbetonbauweise hinweisen.

    Um den Treibhauseffekt und die in den letzten 50 Jahren deutlich gestiegene Klimaerwärmung zu begrenzen, verpflichtet das Kyoto-Protokoll sämtliche Unterzeichnerstaaten CO2-Emissionen zu begrenzen. CO2 wird hauptsächlich bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt, wofür mehrheitlich die Industrie, der Verkehr und die Erstellung und der Betrieb von Gebäuden verantwortlich sind. Ebenso die Produktion vieler Baustoffe setzt enorme Mengen CO2 frei. Derzeit gilt das Augenmerk hinsichtlich der Reduzierung von CO2-Emissionen im Bereich von Gebäuden der Nutzung nach der Erstellung. Die gegenwärtig gültige Energieeinsparverordnung „EnEV“ (ehem. Wärmeschutzverordnung) für Gebäude regelt ausschließlich die Energieeinsparung während der Nutzungsphase. Das hat in den letzten 30 Jahren zu einer deutlichen Senkung des CO2-Ausstoßes im Betrieb der Gebäude geführt. Die bessere Dämmung von Neubauten hat den Energieverbrauch während der Nutzung sogar um 90% reduziert. Basierend auf dem heutigen Stand der EnEV, führen weitere Dämmmaßnahmen häufig nicht zu einer weiteren Einsparung, zumindest wenn auch der Erzeugungsaufwand und die Herstellungskosten berücksichtigt werden.

    Will man also weitere CO2-Reduktionen erzielen, ist eine ganzheitliche Gebäudebetrachtung erforderlich, die neben der Nutzung auch die Herstellung und die Entsorgung umfasst. Für die Herstellung von Baumaterialien müssen teils enorme Energiemengen, sogenannte „graue Energien“, aufgebracht werden. Diese Tatsache wird seit einiger Zeit wissenschaftlich erforscht. Auf europäischer Ebene wurden Produktkennzahlen, sogenannte „EPD“s (Environ-ment Product Declarations), für einzelne Materialien entwickelt und genormt, die die Eigenschaften der jeweiligen Materialien kennzeichnen. Auf Basis der jeweiligen EPD kann die Gesamtenergiebilanz zur Herstellung eines Bauwerkes erfasst werden. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht die Entwicklung der Anteile der CO2-Emissionen im Lebenszyklus von Gebäuden von 1930 bis 2015:

    Der Fokus bei der Bewertung der Energiebilanz von Bauwerken müsste hiernach ganz wesentlich auf den Teilbereichen „Material“ und „Herstellung“ liegen.

    Hier kommt der große Vorteil des Baustoffes Holz zum Tragen:
    Im Gegensatz zu anderen Materialien ist Holz ein natürlich nachwachsender Rohstoff – also erneuerbar – und besitzt die einzigartige Eigenschaft, CO2 während der Wachstumsphase zu speichern. Ganz konkret speichert 1 t Holz fast die gleiche Menge CO2 (0,9 t). Der CO2-ausstoßende Herstellungsanteil von Holz als Baustoff (Transport, Trocknung, Verarbeitung) ist vergleichsweise so gering, dass in der Summe noch erhebliches Speicherpotential bestehen bleibt, solange das Holz existiert. Weiter werden bei der Photosynthese während des Wachstums von 1m3 Holz ca. 0.7t O2 produziert. Zudem kann Holz noch mindestens einen oder mehr Anwendungsbereiche finden, wenn es als Baumaterial ausgedient hat. Schließlich kann es noch zur Wärmeenergiegewinnung CO2-neutral verbrannt werden. Addiert man nun zu der CO2-Speicherung von Holz den eingesparten CO2-Wert anderer Materialien, die ja ersetzt anstatt aufwendig hergestellt werden, verdoppelt sich dieses Potential nochmals unmittelbar. Dass massive Holzhäuser dabei mindestens eine Nutzungsdauer von hundert Jahre haben, beweisen zahlreiche, teilweise sogar mehrere hundert Jahre alte Häuser sowie vielzählige Wohngeschossbauten in ganz Europa.

    Dank moderner, vernünftiger Forstwirtschaft führt ein erhöhter Einsatz von Holz auch nicht zu einer Bestandsminderung unserer Wälder, sondern sogar sofort zu einer unmittelbaren Klimaentlastung: Ein nachhaltiger Forst hat sogar eine höhere CO2-Senkungsleistung als ein natürlich gewachsener (Ur-)Wald, da im Naturwald unmittelbar nach dem Absterben eines Baumes der Verrottungsprozess und damit die CO2-Rückführung beginnt. Europa hat mehr als 1.000 Millionen ha Wald mit einer jährlichen Zuwachsrate von rd. 510.000 ha, von denen zur Zeit ca. 64 % eingeschlagen und genutzt werden. Somit wächst der europäische Wald, während Naturwälder mit ihrer Ökostruktur nicht angegriffen werden. Fazit: Je mehr Holz verbaut wird und je mehr Bäume gleichzeitig nachgepflanzt werden, desto mehr CO2 wird gespeichert und demzufolge reduziert.

    Vorstehendes führt zu einem gewaltigen Potential im Wohnungsbau:

    Während die klassische Kalk-Sandstein-, Ziegel-, und Betonbauweisen in Verbindung mit EPS- oder mineralischen Dämmstoffen durch die infolge der Gebäudedämmung verringerten CO2-Emissionen in der Nutzung der ersten 20 Jahre nach Erstellung ausschließlich die im Rahmen der Herstellung emittierten Kohlendioxide aufwiegen und erst im Anschluss das Gebäude tatsächlich zu einer günstigeren CO2-Bilanz gelangt – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Entsorgung notwendig wird – führt der massive Holzbau bereits mit dem Erstellungsbeginn zu erheblichen CO2-Reduktionen. Eine konventionell mit Stein und Beton gebaute Wohnung mit ca. 75 m2 Wohnfläche inkl. Betonfundament, Dachziegeln, Glasfenster, etc. belastet die Umwelt in der Erstellung mit ca. 12.000 kg CO2. Im Fall der Verwendung von massiver Holzbauweise unter Berücksichtigung der weiteren zu verbauenden o.g. Baustoffe schlägt hingegen eine CO2-Senkungsleistung von ca. 11.000 kg CO2 zu Buche.

    Die Potenzierung bedeutet bei zunächst geplanten 2.500 Wohneinheiten ein Vermeidungspotential von 30.000.000 kg CO2, sowie ein Senkungspotential von 27.000.000 kg CO2 in Summe also eine Entlastung von rund 57.000.000 kg CO2.

    Der weiter geplante 2. Bauabschnitt mit nochmals 1.000 Wohneinheiten ist dann mit einem Vermeidungspotential 12.000.000 kg und einem Senkungspotential von 11.000.000 kg, also in Summe von rund 23.000.000 kg CO2 hinzuzurechnen.

    Die Landeshauptstadt Hannover hat hier also die Chance in einem beispiellosen Projekt durch die richtige Festsetzung der Bauweisen ca. 80.000.000 kg CO2 einzusparen.

    Ich möchte Sie höflich auffordern, diese gewaltigen im Raume stehenden Reduktionspotentiale nicht verstreichen zu lassen und anregen, ggf. im Rahmen der ausstehenden Bebauungsplangestaltung Einfluss auf die zu verwendenden Bauweisen zu nehmen und damit einen riesigen hannoverschen Beitrag zur Reduktion von CO2 hier in unserer Region zu leisten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Benjamin Schmidt-Strohschnieder

  3. Das „Bauen“ wird niemals nachhaltig sein. Diese Floskel dient allein der Selbsttäuschung aller in dieser Gesellschaft Lebenden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*