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Bezahlbarer Wohnungsbau

Die Preisfrage

Im bezahlbaren Mietwohnungsbau sind die Rahmenbedingungen eng. Trotzdem testen Architekten die Spielräume aus. Eine Deutschlandreise zu kommunalen oder genossenschaftlichen Projekten und zu neuen Werkswohnungen

Von Heiko Haberle

Bezahlbar ist relativ. In Stuttgart mögen 10,50 Kaltmiete pro Quadratmeter sensationell sein, in Halle an der Saale sind 8,30 ein Maßstabssprung. Doch im frei finanzierten Neubau sind niedrigere Mieten schwer zu realisieren – selbst wenn die Baukosten deutlich unter 2.000 Euro pro Quadratmeter liegen (KG 300+400). Wesentlich günstiger wird auch im sozialen Wohnungsbau nicht gebaut. Dort werden die Mieten lediglich durch die Förderung auf zum Beispiel 6,50 Euro (Berlin, generell) oder 5,10 Euro (Köln, stärkste Förderart) gesenkt (siehe hier). Ob gefördert oder nicht – der „ganz normale“ Mietwohnungsbau für eine breite Bevölkerung wird von privaten Investoren kaum bearbeitet. Einstweilen liegt die Expertise also bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften und den traditionellen Genossenschaften – und bei den eher kleinen Architekturbüros vor Ort, die mit ihren Auftraggebern nach preiswerten Lösungen suchen.


Wiesbaden: Experiment auf Stelzen
Projekt: Wohnbau Christian-Morgenstern-Straße
Architekten: Christ.Christ associated architects, Wiesbaden
Bauherr: GWW, Wiesbadener Wohnbaugesellschaft
Fertigstellung: 2016
Konstruktion: Massivbau mit WDVS
Wohnungen: 16 frei finanzierte Mietwohnungen
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 2.347 Euro
Kaltmieten: zwischen 8,50 und 10,80 Euro, je nach Ausstattungsstandard

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Einen überraschenden Anblick bietet in dieser Hinsicht das, was die Wiesbadener Wohnungsbaugesellschaft GWW mit dem örtlichen Büro Christ.Christ am westlichen Stadtrand frei finanziert errichtet hat. Auf einem ehemaligen Garagenhof erheben sich zwei Terrassenhäuser, die an Experimentalbauten denken lassen und durchaus auch so zu verstehen sind. Unter weitgehendem Verzicht auf Erdarbeiten, thronen je Haus acht Wohnungen über nun sogar mehr Parkplätzen, die auch den Nachbarn dienen. Dem abschüssigen Gelände folgend, fällt die Dachlinie ab und verspringen die Geschosse – im sozialen Wohnungsbau wäre das ein Tabu. Überraschend sind auch die Wohnungen, die mit ihren breiten Glasfronten und großen Terrassen als Einfamilienhaus-Ersatz gedacht sind. Tiefe Brüstungen dienen als Sicht- und Lärmschutz sowie Stauraum und Pflanztrog. Im ersten Obergeschoss liegen „Bungalow“-Wohnungen mit drei oder vier Zimmern, darüber Vier-Zimmer-Maisonetten – alle zwischen 100 und 120 Quadratmeter groß. Vermietet wird zwischen 8,50 und 10,80 Euro kalt, was teilweise unter dem Niveau des Mietspiegels liegt. Architekt Roger Christ, der mit der GWW auf der Immobilienmesse Expo Real Kontakt aufgenommen hatte, kennt deren Standards, setzte sich jedoch immer wieder für Sonderlösungen ein: mit Blechen verkleidete, statt nur vergitterte Außen-Wendeltreppen der Maisonetten, farbige Handläufe, sowie individuell entworfene Vordächer zeigen schnell den feinen Unterschied zu den benachbarten Bauten derselben Bauherrin. Die Untersichten der Parkebene wurden in acht verschiedenen Farben gestaltet, von denen sich vier an Treppenläufen und -geländern wiederfinden (wo sie allerdings auf die Standard-Bodenfliesen der GWW treffen). Ein besonderer Clou ist ein eigens produziertes Treppen-Fertigteil mit geschwungener Untersicht, das sofort einen Architekten mit Liebe zum Detail erkennen lässt.

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Berührungsängste mit dem günstigen Wohnungsbau hat Christ nicht: „Ich lehne WDVS-Fassaden oder Kunststofffenster nicht prinzipiell ab. Ich versuche eben, die beste gestalterische Lösung damit zu finden.“ Wo sonst Architekten für anthrazitfarbene statt weiße Fensterrahmen kämpfen, setzte Christ es umgekehrt durch: Die Eingangsseite, die als einfache WDVS-Lochfassade grau gestrichen wurde, erhielt zugunsten der räumlichen Wirkung weiße Kunststofffenster mit weißen Rollläden und Laibungen, obwohl diese schmutzanfälliger sind. Ähnliche Vorbehalte gab es zunächst auch gegen die Verschalung der Terrassen mit Lerchen-Holz, denn alles, was Alterungsspuren zeigt und Unterhaltungskosten verursachen könnte, ist für Bauherren, die in großem Maßstab bauen, kritisch. Obwohl solche Sonderlösungen nicht zwangsläufig teurer als die Standards sind, wird sich das Wiesbadener Projekt, das letztendlich 2.347 Euro pro Quadratmeter (brutto KG 300+400) kostete, allein schon wegen der Wohnungsgrößen vermutlich nicht wiederholen, so GWW-Bauleiter Kolja Baier. Aber wertvolle Erfahrungen für das gemeinsame Folgeprojekt, das auch Sozialwohnungen vorsieht, oder für die Erweiterung der Standard dürfte man sicher gemacht haben.

 


Rosenheim: Wohnhof für Familien
Projekt: Wohnbebauung Finsterwalder Straße
Architekten: bogevischs buero, München
Bauherr: GRWS, Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft der Stadt Rosenheim GmbH
Fertigstellung: 2014
Konstruktion: Massivbau mit WDVS / im Erdgeschoss Stahlbeton, zweischalig mit Kerndämmung
Wohnungen: 101 Mietwohnungen, zum Teil Sozialwohnungen / Modellvorhaben der Oberbayerischen Baubehörde „IQ – Inner städtischeWohnquartiere“ – Familienfreundliches Wohnen in der Stadt
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 1.817 Euro
Kaltmieten: Zwischen 4,50 und 7,50 Euro

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Stuttgart: Einfaches Haus, edler Auftritt
Projekt: Mehrfamilienhäuser Stuttgart-Feuerbach
Architekten: SESA Schilling Escher Steinhilber Architekten, Stuttgart
Bauherr: Robert Bosch Wohnungsgesellschaft
Fertigstellung: 2016
Konstruktion: Massivbau mit WDVS
Wohnungen: 44 frei finanzierte Werks-Mietwohnungen
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 1.880 Euro, inkl. Tiefgarage
Kaltmieten: 10,50 Euro im Durchschnitt

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Auch heute noch werden Werkswohnungen gebaut – etwa von der Firma Bosch. Gleich gegenüber dem Werk in Stuttgart-Feuerbach errichtete die Robert Bosch Wohnungsgesellschaft in vier Häusern insgesamt 44 Wohnungen, deren Preise sich am unteren Ende des Mietspiegels orientieren. Dass das eine kostenbewusste Planung, ähnlich wie im sozialen Wohnungsbau, bedeuten würde, war Ursula Steinhilber vom Stuttgarter Büro SESA von Anfang an klar, da sie bereits zuvor für die Bauherrin geplant hatte. Die Wohnungsgrößen waren mit 60 bis 65 Quadratmetern für zwei Zimmer, 75 bis 80 Quadratmeter für drei Zimmer und 95 Quadratmetern für vier Zimmer vorgegeben. Darüber hinaus waren die Ansprüche an Ausstattung und räumliche Großzügigkeit aber durchaus gehoben: eine offene Wohnküche von 30 Quadratmetern, zwei Meter tiefe Balkone, Fußbodenheizung und Parkett.

Wo andere Architekten zähe Kämpfe ausfechten müssen, berichtet Steinhilber so selbstverständlich von einer rationalen Planung mit gestalterischem Anspruch, als sei sie heutzutage eher die Regel als die Ausnahme. Küchen und Bäder wurden natürlich nebeneinander angeordnet, um Schächte zu reduzieren. Die Häuser sind Vierspänner, trotzdem sind alle Wohnungen zu zwei Himmelsrichtungen ausgerichtet und trotzdem ist das Treppenhaus außenliegend. Durch hofartige Einschnitte vor den Treppenhäusern erscheinen die vier Baukörper zur höher gelegenen Eingangsseite wie eine Kette aus acht zierlichen Kuben. Im Treppenhaus blieb der Beton der Fertigteile sichtbar. „Wenn innerhalb des festgelegten Budgets zum Beispiel durch eine wirtschaftliche Grundstruktur gespart wurde, konnten wir es an anderer Stelle für Architekturqualität ausgeben“, berichtet Steinhilber – etwa für eine Pfosten-Riegel-Konstruktion der Treppenhausverglasung oder für die Ansicht zum Tal. Dort weicht die WDVS-Lochfassade großen Glasflächen und über die gesamte Front reichenden Balkonen, deren Sichtbeton-Fertigteile als massive Geschossdecken inszeniert werden. Dieser Kunstgriff lässt nicht nur an den gehobenen Wohnungsbau denken, sondern umspielt auch geschickt die Kubatur, wie Steinhilber anmerkt: „Obwohl es nicht so aussieht, ist das Haus eigentlich nur eine Kiste.“ Trotz schwierigem Baugrund, in dem alte Stollen zu überbrücken waren, lagen die Baukosten am Ende bei nur 1.880 Euro pro Quadratmeter (brutto KG 300+400 inkl. Tiefgarage). Als Miete werden durchschnittlich 10,50 Euro kalt fällig.

 


Jena: Spiel mit dem Außenraum
Projekt: Friedensberg Terrassen
Architekten: Junk & Reich Architekten, Weimar
Bauherr: jenawohnen GmbH (kommunales Wohnungsbauunternehmen)
Fertigstellung: 2015
Konstruktion: Massivbau mit WDVS
Wohnungen: 96 frei finanzierte Mietwohnungen
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 2.015 Euro
Kaltmieten: zwischen 8,00 und 10,50 Euro

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Berlin: Holzrahmen und Vorhangfassade
Projekt: Wohnen am Anger, Adlershof
Architekten: roedig.schop architekten, Berlin
Bauherr: Stadt und Land (kommunales Wohnungsbauunternehmen)
Fertigstellung: 2017
Konstruktion: Massivbau mit hinterlüfteter Fassade aus Holzrahmen (mit Holzfaserdämmung)
Wohnungen: 62 frei finanzierte Mietwohnungen
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 1.794 Euro, ohne Tiefgarage
Kaltmieten: 9,70 oder 11,90, je nach Ausstattungsstandard

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Wer zehn Jahre oder länger in Berlin lebt, wird Kaltmieten von unter 5 Euro als bezahlbar empfinden. Die durchschnittlich 10,57 Euro, die die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land für 62 neue Wohnungen im Entwicklungsgebiet Adlershof aufruft, erscheinen da astronomisch. Vergleicht man sie mit den Mieten privater Eigentümer, sind sie es keineswegs. Als das Projekt 2014 mit einem VOF-Verfahren startete, mussten die landeseigenen Gesellschaften noch nicht die heute geforderten 50 Prozent Sozialwohnungen errichten, sodass der Bau frei finanziert wurde. Das bedeutete nicht, dass es weniger strenge Anforderungen gab, wie Architekt Christoph Roedig vom Berliner Büro roedig.schop berichtet: Kostengrenze, Wohnungsschlüssel, Zimmergrößen und Möblierungsfähigkeit waren weitgehend vorgegeben und wurden nach einem Punktesystem bewertet. „Wenn viele Wohnungen gebaut werden müssen, sind belastbare Kriterien zwar wichtig“, betont Roedig, „doch das führt nicht unbedingt dazu, dass die besten Wohnungen gebaut werden.“ Er zweifelt auch daran, dass in der ganzen Stadt der gleiche Wohnungsschlüssel sinnvoll ist. Erfahrung mit kostenbewussten Bauherren hatten die Architekten zuvor mit Baugruppen gesammelt, weshalb fast niemand sonst diese Referenz hatte, als ab 2011 der Wohnungsbau in Berlin wieder in die Gänge kam. Die Offenheit der Baugruppen für unkonventionelle Wohnformen ist allerdings von den landeseigenen Gesellschaften selten zu erwarten, wofür meist die Vermietungsabteilungen sorgen: „Die können eine klassische 4-Zimmer-Wohnung einfach besser erklären als einen offenen Grundriss mit eingestelltem Raummöbel“, so Roedigs Erfahrung. Sein Büro plant auch für drei weitere landeseigene Gesellschaften. Der rationale Ansatz der Baugruppenprojekte konnte aber sehr wohl übertragen werden: Das Haus in Adlershof wurde in Schottenbauweise errichtet, die Treppenhäuser sind mit sichtbar belassenen Beton-Fertigteilen ausgeführt. Die Außenwände wurden – Roedig ist noch immer etwas überrascht, dass hierfür Offenheit bestand – als Holzrahmenelemente mit Holzfaserdämmung vorgefertigt, denen vor Ort die Fenster eingebaut und eine Eternit-Fassade vorgehängt wurde. „Vorfertigung heißt übrigens nicht, dass alles gleich sein muss“, erklärt Roedig, der damit mit einem Vorurteil aufräumt. So könnten bei der heute üblichen digitalen Fertigung die Formate durchaus unterschiedlich sein. Man müsse nur gut sortieren.

Eine Tiefgarage gibt es nur neben dem nördlichen Bauteil. Hier werden die Wohnungen für 11,90 Euro den Quadratmeter kalt vermietet; inklusive Parkett und Aufzug. Im südlichen Abschnitt muss man sich für 9,70 Euro mit Linoleum-Boden und einer einfacheren Sanitär-Ausstattung begnügen und auf einen Aufzug verzichten. Den Kampf für Holzfenster haben die Architekten unterdessen wie viele ihrer Kollegen, die in diesem Bereich arbeiten, aufgegeben, auch weil Kunststofffenster inzwischen ziemlich überzeugend Holzstrukturen imitieren. Obwohl man zugunsten durchgesteckter Wohnungen Zweispänner realisierte, lagen die Baukosten am Ende bei nur 1.794 Euro pro Quadratmeter (brutto KG 300+400 ohne Tiefgarage). „Erst wenn man 300 oder 400 Wohnungen baut, geht es in dieser Qualität noch günstiger“, findet Christoph Roedig. Womöglich bleibt das Adlershofer Projekt ein Einzelfall, denn beim massenhaften Wohnungsbau mit dem zuletzt erhöhten Anteil geförderter Wohnungen sieht der Architekt in Berlin deutliche Rückschritte. „Aber immer wieder gibt es auch bei den Wohnungsbaugesellschaften lobenswerte Experimente ­– zumindest in kleinen Nischen.“

 


Hamburg: Passivhaus, hanseatisch und günstig
Projekt: Weltquartier Wilhelmsburg, Kopfbauten
Architekten: Gerber Architekten, Dortmund
Bauherr: SAGA (kommunales Wohnungsbauunternehmen)
Fertigstellung: 2014
Konstruktion: Massivbau mit zweischaliger Außenwand als Mauerwerk mit Kerndämmung
Wohnungen: 75 Sozialwohnungen, teilweise im Passivhaus-Standard / Modellprojekt „interkulturelles Wohnen“ der Internationalen Bauausstellung 2013
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 2.325 Euro
Kaltmieten: 5,70 Euro

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Kempten: Einschaliges Mauerwerk statt WDVS
Projekt: Wohnbebauung Ludwigshöhe-Sligostraße
Architekten: f64 architekten, Kempten
Bauherr: BSG, Bau- und Siedlungsgenossenschaft Allgäu
Fertigstellung: 2017
Konstruktion: Massivbau mit monolithischer, einschaliger Außenwand aus dämmstoffgefüllten Ziegeln
Wohnungen: 41 Eigentumswohnungen, davon ca. 30% selbstgenutzt / 47 Mietwohnungen, davon 43 geförderte Sozialwohnungen
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): Eigentumswohnungen: 1.840 Euro, ohne Tiefgarage / Mietwohnungen: 1.730 Euro ohne Tiefgarage für die
Kaltmieten: Sozialwohnungen: einkommensabhängig 4,50, 5,50 oder 6,50 Euro / Vermietete Eigentumswohnungen: ca. 9,00 Euro

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Obwohl im bezahlbaren Mietwohnungsbau oft WDVS-Fassaden zum Einsatz kommen, ist der Architekten-Traum von einem monolithischen Wandaufbau eigentlich in greifbarer Nähe. Viele öffentliche oder genossenschaftliche Träger bauen inzwischen oft einschalig mit Mauerziegeln oder Porenbetonsteinen (etwa bei den Wohnungsbaugesellschaften in Berlin oder München). Auch die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Allgäu (BSG) aus Kempten baut so – zuletzt sechs Häuser mit insgesamt 88 Wohnungen des Kemptener Büros f64 im Baugebiet „Auf der Ludwigshöhe“. Zur Finanzierung wurden in den drei nördlichen Häusern die Wohnungen an Privateigentümer verkauft, von denen etwa 30 Prozent Selbstnutzer sind. Von den 47 übrigen Wohnungen in den südlichen Häusern werden 43 als Sozialwohnungen einkommensabhängig für Kaltmieten von 4,50, 5,50, oder 6,50 Euro vergeben. Für die frei finanzierten Dachgeschosswohnungen werden 8 Euro verlangt. „Wir haben keinen Spardruck gespürt, sondern sind ganz unverkrampft an die Planung gegangen“, erinnert sich Martin Kopp von f64 Architekten, die den Auftrag nach einem anderen Projekt für die BSG direkt erhalten hatten. „Es mussten kaum Vorgaben formuliert werden. Kostenbewusst zu planen, war für uns selbstredend.“

Gewünscht waren eher kleine Wohnungen, wobei es bei den Wohnungsgrößen gewisse Toleranzen gab. Lediglich über das gesamte Haus gemessen, sollte die Zusammensetzung stimmen. Die gestalterische Energie wurde dort eingesetzt, wo es drauf ankam: Für eine bessere Belichtung und Durchblicke wurden die Häuser nach Westen oder Süden angespitzt. In Kombination mit den Satteldächern – die eine Bedingung des Bebauungsplans waren, allerdings asymmetrisch platziert wurden – sind ungewöhnlich schlank wirkende Baukörper mit abwechslungsreichen Ansichten entstanden. Hinzu kommen die Austritte, die halb Loggien mit farbiger Einfassung, halb tropfenförmige Balkone sind und mit ihren aus Rohren zusammengesetzten Brüstungen eher Körben gleichen. Eine von außen sichtbare Unterscheidung von Eigentums- und Sozialwohnungen haben die Architekten vermieden. Unterschiede bei Bauweise und Ausstattung gibt es aber sehr wohl: Die Eigentumswohnungen sind im Schnitt 88 Quadratmeter groß, besitzen eine Fußbodenheizung und Parkett- oder Fliesenböden. Die Außenwände wurden aus 42,5 Zentimeter starken, mit Mineralwolle gefüllten Dämmziegeln errichtet, womit der KfW-55-Standard erreicht wurde. Die durchschnittlich 76 Quadratmeter großen Sozialwohnungen haben Heizkörper und Vinylböden. 36,5 Zentimeter starke Ziegel führen hier zum KfW-70-Standard. Die Baukosten pro Quadratmeter lagen bei 1.840 Euro für die Eigentumswohnungen (brutto KG 300+400 ohne Tiefgarage) und bei 1.730 Euro für die Mietwohnungen.

 


Ingolstadt: Modernes Dorf statt Kaserne
Projekt: Wohnen am Auwald
Architekten: su und z Architekten, München
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2015
Konstruktion: Massivbau mit monolithischer, einschaliger Außenwand aus dämmstoffgefüllten Ziegeln
Wohnungen: 36 frei finanzierte Mietwohnungen
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 2.415 Euro
Kaltmieten: 12,50 Euro im Durchschnitt

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Halle (Saale): Städtebau klassisch, Inhalt smart
Projekt: Königsviertel
Architekten: Hans-Otto Brambach und Matthias Dreßler, Halle (Saale)
Bauherr: HWF, Hallesche Wohnungsgenossenschaft Freiheit
Fertigstellung: 2016
Konstruktion: Massivbau mit WDVS
Wohnungen: 114 frei finanzierte Mietwohnungen
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 1.707 Euro, inkl. Tiefgarage
Kaltmieten: zwischen 7,80 und 9,90 Euro, je nach Ausstattungsstandard / 8,29 Euro im Durchschnitt

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Gut zusammengearbeitet haben die Hallesche Wohnungsgenossenschaft Freiheit (HWF) und die ortsansässigen Architekten Hans-Otto Brambach und Matthias Dreßler. Sonst sähe das neue Königsviertel mit 114 Wohnungen dem Wettbewerbsentwurf von 2011 wohl nicht so überaus ähnlich, wie man es selten erlebt: Die HWF wollte es genau, wie vorgeschlagen. In einem heterogenen Umfeld zwischen Hauptbahnhof, Altstadt und einem gründerzeitlichen Wohngebiet demonstrieren die zwei Architekten einen Städtebau wie aus dem Lehrbuch: Die Straßenecke wird mit einem Siebengeschosser betont, den man gegen anfängliche Zweifel der Stadt durchsetzen konnte. Die Blockrandbebauung wird zum Turm hin niedriger und besitzt leichte Knicke, die eine Begrünung des Straßenraums erlauben. Großzügige (leider mit Gittern versperrte) Durchgänge schaffen Blicke zum begrünten Innenhof. Balkone, die dann mit Bambusmatten verhängt werden, wollten Brambach und Dreßler vermeiden. Stattdessen besitzt jede Wohnung zum Hof eine Terrasse oder Loggia, die Dachwohnungen kleine Patios, die gleichzeitig die überhöhte Attikazone prägen.

Obwohl man von einem Dogma des bezahlbaren Wohnungsbaus, der kompakten Kiste, abwich, lagen die Baukosten bei nur 1.707 Euro pro Quadratmeter (brutto KG 300+400 inkl. Tiefgarage). Auch wenn die Genossenschaft die gut 17 Millionen Euro Gesamtkosten komplett aus Eigenmitteln bestritt, galten wie im sozialen Wohnungsbau bestimmte Bauweisen aus guter Erfahrung heraus als gesetzt: Wohnungs- und Zimmergrößen, WDVS-Fassade, Kunststofffenster mit Rollläden, Linoleumböden. Gesetzt waren aber auch eine Fußbodenheizung für alle Wohnungen sowie – in Neubauten kaum noch anzutreffen – Bäder mit Fenstern. „Die werden von den meisten Mitgliedern ausdrücklich gewünscht“, wie Marco Offermanns, einer von zwei zuständigen Bauleitern der HWF berichtet. Weil die Mieterschaft großteils über 50 Jahre alt sei, sollten die Grundrisse „eher konventionell“ sein. Dennoch konnten die Architekten in vielen Wohnungen mit Schiebetüren einen überzeugenden Kompromiss zwischen offener Wohnküche und klassischem Zimmergrundriss realisieren. Im Keller finden sich Fahrradräume, Waschküchen und Trockenräume. In der Tiefgarage, die kostensparend nicht unter dem Haus, sondern unter dem Hof liegt, befindet sich eine Elektro-Tankstelle. Im Hof gibt es WLan und in den Treppenhäusern informieren Touch-Screens über die Abfahrtszeiten des Nahverkehrs, die letzte Hausreinigung, anstehende Reparaturen oder Veranstaltungen in der Begegnungsstätte im Erdgeschoss des Turms. Die Mieten starten bei 7,80 Euro kalt und enden bei 9,90 Euro für Dachgeschosswohnungen mit Kamin; der Durchschnitt liegt bei 8,29 Euro. „Die Wohnungen waren in dieser Anzahl keine Selbstläufer“, gibt Offermanns zu. „Wir haben sie aktiv beworben und mehrere Besichtigungstage durchgeführt.“ Doch letztendlich kann sich die Genossenschaft nicht nur über den Deutschen Bauherrenpreis 2018 freuen, sondern auch über ein voll vermietetes Haus in zentraler Lage, für das einige Mieter sogar ihr Eigenheim im Umland aufgegeben haben.

 


Lübeck: Es geht auch mit Klinker
Architekten: Zastrow + Zastrow Stadtplaner und Architekten, Kiel
Bauherr: Grundstücks-Gesellschaft TRAVE mbH (kommunales Wohnungsbauunternehmen)

Projekt: Tilsitstraße, Wohnen mit Kindern
Fertigstellung: 2014
Konstruktion: Zweischaliger Ziegelmassivbau
Wohnungen: 92 Mietwohnungen, xxx, Kita
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 1.432 Euro
Kaltmieten: ab 5,65 Euro

Projekt: 7 Moislinge, Schneewittchenweg
Fertigstellung: 2018
Konstruktion: Zweischaliger Ziegelmassivbau
Wohnungen: 93 Sozialwohnungen
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 1.933 Euro
Kaltmieten: ab 5,65 Euro

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Tilsitstraße

 


Ludwigsburg: Günstig mit eigenem Förderkonzept
Projekt: Wohnbebauung Sonnenberg-Mitte
Architekten: Ackermann + Raff, Tübingen, Stuttgart
Bauherr: Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH
Fertigstellung: 2013
Konstruktion: Massivbau mit WDVS
Wohnungen: 43 Mietwohnungen, davon 23 preisgedämpft nach dem Ludwigsburger Modell „Fair-Wohnen“
Baukosten (brutto KG 300+400 pro Quadratmeter): 1.479 Euro, inkl. Tiefgarage
Kaltmieten (Stand Ende 2017): Preisgedämpfte Wohnungen 7,79 im Durchschnitt / Übrige Wohnungen: 10,16 Euro im Durchschnitt

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Köln: Urbane Mischung an der Peripherie
Projekt: Grüner Weg
Architekten: ASTOC Architects and Planners, Köln / Molestina Architekten, Köln / Lorber Paul Architekten, Köln
Bauherr: GAG Immobilien AG (kommunales Wohnungsbauunternehmen)
Fertigstellung: 2016
Konstruktion: Massivbau mit WDVS
Wohnungen: 240 Mietwohnungen, davon 56 Sozialwohnungen / dazu 86 Gewerbeeinheiten, Kita, Demenz-WG, Theater
Baukosten (brutto KG 300-600 pro Quadratmeter): Frei finanzierte Wohnungen: 1.790 Euro / Geförderte Wohnungen: 1.700 Euro
Kaltmieten: Sozialwohnungen; einkommensabhängig 5,10 oder 6,20 Euro / Frei finanzierte Wohnungen: bis 11,90 Euro
Mehr zum Projekt hier

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Am Grünen Weg im Stadtteil Ehrenfeld errichtete die GAG 240 Wohnungen, davon 56 geförderte, eine Kita, eine Demenz-WG und 86 Gewerbeeinheiten.

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