Die dritte Dimension

Parkplätze sind die stillen Landreserven der Städte. Ganz ohne Konflikte lassen sich diese nutzen, wenn man die Autos in Ruhe lässt und darüber Häuser baut. Ein viel diskutiertes Pilotprojekt in München lotet die Möglichkeiten aus. Text: Christoph Gunßer Ein leer gefegter Wohnungsmarkt, horrende Baulandpreise – Unterkünfte für anerkannte Flüchtlinge zu schaffen, schien in München unmöglich. Da die Stadt soziale Gettos am Stadtrand vermeiden will, suchte sie im eigenen Besitz nach bebaubaren Rest€ächen in Quartieren, für die sie rasch Baurecht schaffen kann. Ihre Grün€flächen verteidigten Anwohner aber hartnäckig gegen die Nachverdichtung. So nahm die Stadtverwaltung schließlich Parkplätze ins Visier. Anfang Š‹2016 erklärte Oberbürgermeister Dieter Reiter mit einem Sofortprogramm den „Wohnungsbau für alle“ zur Chefsache und beauftragte den Münchener Architekten und Bauko-Professor Florian Nagler mit einer Machbarkeitsstudie für den Parkplatz auf städtischem Grund am Dantebad im Stadtteil Gern. Der Architekt war mit der Aufgabenstellung vertraut, hatte er doch für den Unternehmer Ernst Böhm bereits Testentwürfe für aufgeständerte Wohnbauten über Parkplätzen angefertigt, die seither auf ihre Erprobung warteten. Mit Unterstützung des Oberbürgermeisters nahm die Idee nun Fahrt auf: Sechs Wochen nach Beginn der Machbarkeitsstudie war die Bauvoranfrage eingereicht, und sofort nach dem Stadtratsbeschluss startete die kommunale Gewofag die Ausschreibung – hier kam als GU die Firma des Unternehmers Ernst Böhm zum Zuge. Von der Einreichung der Unterlagen bis zur Erteilung der Baugenehmigung vergingen gerade einmal zwei Wochen; bis zur Schlüsselübergabe im Dezember brauchte das „Turboprojekt“ dann nur sechs Monate. Mehrwert: 100 Wohnungen haben über 107 Parkbuchten Platz gefunden. Konsequenterweise wurde auch das Dach nutzbar gemacht. Konstruieren nach Stellplatz-Logik Auf das ›4.200Š‹‹ Quadratmeter große Areal wurde ein rund ŒŒ‹110 Meter langer und zwölf Meter tiefer Baukörper gesetzt, geradlinig und schnörkellos – „Kranbahnarchitektur“ nannte man das früher. Städtebaulich macht das an dieser Stelle durchaus Sinn, denn auch die Nachbarbebauung aus den 1920ŒžŠ‹er-Jahren besteht aus langen, linearen Raumkanten. Œ‹107 der zuvor ŒŒŒ111 Parkbuchten konnten erhalten werden. Über den Stellplätzen erhebt sich der viergeschossige Holzhybridbau in kompromissloser Einfachheit. Œ‹‹ Wohnungstüren reihen sich an vier Laubengängen aneinander. Die Parkplätze prägen das Gebäuderaster: Ein Stützenpaar rahmt jeweils drei Stellplätze in der Länge, zwei in der Breite ein. Dieses Raster zogen die Architekten hoch: Nun ging es darum, „wie wir mit den Wohnungen zurechtkommen“, so Projektleiter Tobias Pretscher. Jeweils zwei bis drei Wohnungen passen in das Raster – es gibt 86 Wohnungen mit 24-31 ­ Quadratmetern und ­14 Wohnungen mit ‚ƒ50 Quadratmetern. Die mittlere Wohnung springt jeweils zum Laubengang hin zurück, sodass ein geschützter Vorraum entsteht. Die Grundrisse sind dreizonig organisiert, mit Küchen zum Laubengang, innen liegendem Bad und einem Wohn-/Schlafraum gen Süden. Erschließung mit Ausblick: Kleine Höfe vor den Wohnungstüren gliedern die Laubengänge. Die Wohnungszuschnitte orientieren sich am Raster der Parkplätze. Der aufgeständerte Stadtbaustein berührt den Grund nur mit zwei Treppenhäusern und den Kopfbauten, in denen wohlgeformte Gemeinschaftsräume (im Süden) sowie Nebenräume untergebracht sind. Sogar die Rundung des „Groundscrapers“ folgt dabei der Stellplatz-Logik, indem sie den Wendekreis der Autos nachzeichnet. Rohbau gleich Ausbau Der Neubau wurde schnell und quasi industriell gefertigt – was durchaus an Verfahren der Sechzigerjahre erinnert. Das Erdgeschoss ist konstruktiv als „Tisch“ ausgebildet. Es setzt sich aus Stahlbetonstützen und verfüllten Fertigteilen zusammen. Auch die Laubengänge fügte man aus Betonelementen, da hier eine F90šƒ-Konstruktion nötig war. Der Rohbau dauerte zweieinhalb Monate. Die Wohnungen wuchsen darüber binnen acht Wochen im Taktverfahren: Rohbau und Ausbau sind teilweise identisch – die Brettstapeldecken blieben sichtbar – oder folgten nahtlos aufeinander. Fast zehn Meter lange Fassadenabschnitte, aber auch die identischen, voll installierten Bäder und die Treppenläufe kamen vorgefertigt auf die Baustelle und mussten nur noch zusammengefügt werden. Die Baukosten betrugen 2.004 Euro pro Quadratmeter WohnŸäche brutto in den Kostengruppen 3 und 4, für die Phasen 1-7 waren es 2.734 Euro, was für den kargen Standard nicht spektakulär günstig, aber einem Pilotprojekt angemessen ist. Die Architekten konnten sogar Holzfenster durchsetzen. Vom Feindbild zum Vorbild Das Raumprogramm sah zunächst ausschließlich Kleinstwohnungen für anerkannte Asylbewerber vor. Unter dem Druck der Anwohner, die ein Getto alleinstehender fremder Männer fürchteten, änderte die Stadt den Wohnungsschlüssel und die Belegungsplanung: Eine Hälfte der Wohnungen wird nun an soziale Härtefälle vergeben. Diese Mieter wurden durch eine Belegungskommission handverlesen – es handelt sich überwiegend um Frauen; aber auch Familien fanden eine Unterkunft. Offenbar gefielen die Minimalgrundrisse nicht jedem – selbst Alleinstehende hätten nämlich Anrecht auf €43 Quadratmeter. Je nach Förderstufe beträgt die Kaltmiete †5,75 bis ‰9,40Š Euro/m². Bislang ist es im Gebäude fast zu ruhig: Die Gemeinschaftsräume werden noch kaum genutzt. Man lebt trotz der Enge introvertiert. Eine Aneignung könnte der strenge, robuste Bau durchaus vertragen. Vielleicht trauen sich die Bewohner noch nicht so recht aus der Deckung. Denn „Wohnen für alle“ war im Vorfeld umstritten. „Hier wird München jetzt zugebaut“, schrieb zum Beispiel das Boulevardblatt „Merkur“. Nun, da das „Stelzenhaus“ fertig und auch baulich akzeptiert ist, reklamieren viele die Vaterschaft für das Projekt und fordern mehr derartige Planungen. Mehr Stelzenhäuser vor Aldi und Co! Auch die großen ParkplatzŸächen vor Discountern und Schulen böten Platz für neuen Wohnraum. Von Aldi heißt es dazu, man sei grundsätzlich offen für Wohnungen über dem Parkplatz: „Wir beschäftigen uns aktuell intensiv damit. Die Mehrheit unserer Filialen liegt aber in Gewerbegebieten, in denen der Bau von Wohnanlagen nicht gestattet ist.“ Es fehlen indes nicht nur Wohnungen. Auch Büros, Ateliers, Galerien, sogar Spielplätze und Grünanlagen ließen sich aufgeständert errichten. Auch Parkhäuser wurden schon mit anderen Nutzungen überbaut. Doch in München gibt es noch kein Folgeprojekt: Die restlichen €3.000ŠŠŠ Wohnungen „für alle“ werden bodenständig geplant – und sind entsprechend umstritten. Der Weg des geringsten Widerstandes führt aber wohl unweigerlich auf Parkplätze, nicht nur in München: Schätzungen zufolge gibt es in Westeuropa etwa €ŠŠ300 Millionen öffentliche Parkplätze, davon liegen über 80Š Prozent im öffentlichen Raum. Dass man diese durchaus zugunsten anderer Nutzungen reduzieren könnte, ist ein ironischer Seitenstrang der Geschichte des Pilotprojekts am Dantebad. Um dieses zu ermöglichen, reduzierte die Stadt den Stellplatzschlüssel des Projekts von bisher üblichen 1,0Š auf Š0,2  pro Wohnung – was in so gut erschlossenen Lagen generell sinnvoll wäre. Kaum jemand braucht in München eben unbedingt ein Auto. Christoph Gunßer ist freier Fachautor. Er lebt in Bartenstein (Baden-Württemberg). „Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Effizient“ finden Sie in unserem DABthema Effizient.

In Serie

Was kann serieller Wohnungsbau leisten? Ist er wirklich effizienter? Unser Autor stellt vier Vorzeigebeispiele vor. Mit ihren Architekten sprach er über Für und Wider des Verfahrens und ihre Rolle beim vorgefertigten Bauen. Text: Frank Maier-Solgk Serielles Bauen im Wohnungsbau ist das Thema der Stunde. Wohnungsknappheit, steigende Mieten und der anhaltende Bedarf an günstigem Wohnraum in den Groß- und Universitätsstädten haben der Idee kostensparender Standardisierungsverfahren neuen Auftrieb gegeben, unbeschadet der städtebaulichen Erfahrungen, die mit den ostdeutschen Plattenbauten der ­€‚ƒ1960er-Jahre und den späteren westdeutschen Großsiedlungen verbunden sind. Ob Serialität mit Monotonie gleichzusetzen ist, dies ist bei der Beurteilung des neuen Trends nur eine von mehreren oˆffenen Fragen. Eine andere wäre, inwieweit die Leistungen von Architekten bei typisierten Wohnungen in großer Stückzahl Anerkennung erfahren. Keine neuen Plattenbauten Der Begriˆff des seriellen Bauens allerdings ist unscharf. Er beinhaltet zum einen das Produkt, historisch gesehen in Deutschland vor allem die Normierung von Wohnungsschnitten im Siedlungsbau der 1920-€‘er- und ­€’ƒ1930er-Jahre. Zum anderen triffˆt er eine Aussage über die Produktion von Bauteilen, von Fenstern bis zu Fertigbädern, heute zunehmend die von kompletten Raummodulen, deren Arrangement und Addition •flexibel ist. Und er umfasst darüber hinaus auch Planungsprozesse, einschließlich Ausschreibung und Vergabe. Vor Kurzem haben das Bundesbauministerium und der Verband der Wohnungs- und Immobilienunternehmen ein Angebotsverfahren zum seriellen Bauen initiiert, das die Ausschreibung eines Rahmenvertrags vorsieht, der Planung und Bau umfasst und sich an Bietergemeinschaften von Architekt und Bauherr beziehungsweise an die den Bau ausführende Firma richtet (vgl. „Ausnahmeverfahren statt Regelverfahren“). Innovative Konzepte für mehrgeschossige Wohngebäude werden gesucht, auf die dann als Grundlage für ein Projekt schneller zugegriˆffen werden kann. Was das in der Zukunft konkret bedeutet, darüber wird derzeit diskutiert. „Wir sind gefordert, unseren Beitrag zum Bau kostengünstiger Wohnungen zu leisten, die möglichst schnell auf den Markt kommen. Vielleicht gelingt dies mit seriellen Baumethoden. Das muss jedoch mit hoher gestalterischer Qualität einhergehen. Es wird keine neuen Plattenbauten geben!“, so die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, zu den Zielen der BAK in dem Verfahren. Sie knüpft den Erfolg des Vorhabens auch an die Beantwortung städtebaulicher Fragen. Doch wo stehen wir eigentlich hierzulande beim architektonisch anspruchsvollen seriellen Bauen? Die Antwort fällt heterogen aus, wie der Blick auf einige jüngere Beispiele zeigt. Stapelware: Hamburgs größtes Holzhaus, das Studentenwohnheim „Woodie“, wird derzeit aus Modulen zusammengesetzt. Sie sind komplett aus Holz und ab Werk mit Küche, Toilette, Bett und Schreibtisch ausgestattet. Mikroapartments in Hamburg Ein größeres Projekt steht in Hamburg- Wilhelmsburg kurz vor der Fertigstellung. In der Nachbarschaft des IBA-Geländes haben Sauerbruch Hutton ˜371 Mikroapartments aus komplett vorgefertigten Modulen entwickelt, die als Studentenwohnungen genutzt werden, später aber auch ™flexibel zu Wohnungen unterschiedlicher Größe für andere Zielgruppen kombiniert werden können. Die Fassade eines in der Mitte leicht geknickten Gebäuderiegels mit einer kammartigen Struktur besteht aus dunkel getöntem Lärchenholz. Auch im Inneren dominiert Holz; die konstruktiven Holzwände und Decken blieben sichtbar. Hersteller der Holzmodule ist das österreichische Unternehmen Kaufmann Bausysteme im Bregenzer Wald. Nach dem Bau der Betonsockelkonstruktion wurde der Bau in nur vier Monaten errichtet; der Quadratmeterpreis betrug lediglich ‹Œ1.400 Euro pro Quadratmeter, obwohl, so der verantwortliche Direktor Jürgen Bartenschlag, das Projekt im Hinblick auf Ausstattung und Gestaltung der einzelnen, bezugsfertig angebotenen Wohnungen durchaus anspruchsvoll gewesen sei. „Vom Wasserhahn bis zur Steckdose haben wir hier alles inklusive Montage realisiert.“ Ein Vorbild für Form und Niveau der Modulbauweise war für die Architekten das BMW Alpenhotel in Tirol, das ™ŒŒš2009 eröff›net wurde. Dessen in Massivholz- Modulbauweise vorgefertigte Zimmer aus heimischen Hölzern verbinden geringe Kosten mit Nachhaltigkeit und einer natürlichen Wohnatmosphäre. „Allerdings“, so Bartenschlag, „kann man Wohnungen in serieller Bauweise auf diesem Niveau in Deutschland an den Fingern einer Hand abzählen.“ Wohnbaukasten: Für die Bremer Punkthäuser entwickelten LIN Architekten einen Grundriss-Atlas aus 22 Wohnungsarten mit bis zu sechs Zimmern. In der Gartenstadt Süd stehen die ersten drei Prototypen. Bremer Punkt Aus einem Ideenwettbewerb, den die Bremer Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA ™zur „Innenentwicklung“ (statt Nachverdichtung) einer Gartenstadtsiedlung der 1950er-Jahre ausgeschrieben hatte, sind in der Hansestadt inzwischen drei kompakte vierstöckige Punkthäuser (Grundriss 14 mal 14 Meter) in Modulbauweise entstanden, die eine ­exibel ausbaufähige Reihe von unterschiedlichen Wohnungstypen erlaubten. Ursprünglich sollten die bestehenden Siedlungen nur saniert und modernisiert werden, erzählt Projektleiter John Klepel von LIN Architekten. Erst im Lauf der Zusammenarbeit von Architekt und Bauherr sei die Idee gereift, die Prototypen zur Serie weiterzuentwickeln, mit einer sukzessiven Ausweitung der Zahl der Varianten von Wohnungstypen. Schließlich erstellten die Architekten einen dierenzierten Grundriss- Atlas von  Wohnungstypen, die durch eine geschickte Anordnung von Loggien und Fenstern den Eindruck von Monotonie erkennbar vermeiden. Holz-Hybrid: Die vorgefertigten Decken, Stützen, Wände und Fassadenmodule wurden in sechs Wochen zu einem Rohbau montiert. Über den Quadratmeterpreis schweigt man, doch soll der Entwicklungsaufwand relativ hoch gewesen sein. Als Vorteil des großen Anteils an Vorfertigung (die tragenden Teile sind in Holzrahmenbauweise ausgeführt) wird die durch die kurze Bauzeit ermöglichte geringere Belastung für die Anwohner gesehen. Aktuell beŒnden sich sieben „Bremer Punkte“ in verschiedenen Ortsteilen der Stadt in Planung und Realisierung. Allerdings, so Klepel, diskutieren die Architekten im Büro ganz offen das neue serielle Verfahren: Der Bedarf sei sicherlich vorhanden, das Konzept widerspräche für manche letztlich aber doch der klassischen Vorstellung der individuellen Aufgabe des Architekten. Auftakt: Das größte deutsche Wohnungsbauunternehmen, Vonovia, will seine Siedlungen bundesweit mit seriellen Punkthäusern verdichten. Das System wurde mit KZA Architekten entwickelt. Erste Beispiele stehen in Bochum. Bochumer Punkte Ganz ähnliche Projekte wie in Bremen entstehen derzeit auch für das größte deutsche Wohnungsunternehmen Vonovia. Das Essener Büro Koschany & Zimmer Architekten hat Anfang dieses Jahres in Bochum – und inzwischen auch in Dortmund – Punkthäuser innerhalb bestehender Siedlungen in Holz- beziehungsweise Stahlskelett-Modulbauweise realisiert, bei denen die Vorfabrikation eine extrem kurze Bauzeit vor Ort von nur drei Monaten ermöglichte (Quadratmeterpreis circa 1.800 Euro). Auch hier wird eine umfangreiche Serie von Wohnhausprojekten avisiert. Mindestens zehn weitere Projekte befinden sich bereits im Planungs- oder Genehmigungsverfahren. Das für Bochum entwickelte Modulsystem wird jeweils auf den Standort adaptiert. „Ich sehe durch diese neue Systembauweise den Architektenberuf definitiv nicht abgescha†fft“, sagt Nina Bendler, Direktorin des Essener Architekturbüros. „Mit Bezug zum Standort ergeben sich immer wieder individuelle Modikationen – sowohl bei der Erschließung des Gebäudes als auch bei der Fassadengestaltung oder der Grundrissfigur.“ Auch die Wahl des Materials ergebe sich immer projektspezifisch, unter Berücksichtigung standortbezogener Kriterien. „Dabei spielen neben Brandschutzbestimmungen – die in den verschiedenen Bundesländern auch noch variieren – vor allem statische und logistische Zusammenhänge eine Rolle.“ Der Architekt habe in diesen Planungsprozessen unter anderem die Aufgabe, notwendige Qualitätsstandards sicherzustellen. Allerdings sind die Bedarfe enorm. Auf 10.000 Wohnungen schätzt beispielsweise Berlin den Jahresbedarf an Neubauten mindestens bis zum Jahr 2026; in Hamburg sind es zwischen 5.000 und 6.000 Wohnungen. Welche Flächen hierfür vorgesehen sind und wie variabel und standortbezogen letztendlich die Lösungen sein werden, wird wohl über ihre Qualität entscheiden. Professor Christian Schlüter von der FH Bochum sieht daher die Vorteile des seriellen Bauens eigentlich in erster Linie in einer durch die zunehmende Digitalisierung erhöhten Ausführungsqualität der Bauteilproduktion. Ob hingegen durch die geringe Bauzeit die Gesamtkosten maßgeblich reduziert werden, bezweifelt er: Die Bauzeit sei zwar verkürzt, dafür aber die Phase der Vorplanung ausgedehnt. Serialität in der Planung sieht er kritisch. Hier sei die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass versucht werde, an den Planungskosten, sprich den Honoraren der Architekten und Ingenieure, zu sparen, die im Schnitt 20 Prozent eines mittleren Bauprojekts ausmachen. Studien in Stahl: Im Berliner Plänterwald fügten Holzer Kobler Architekturen Fracht container aus Cortenstahl zu einem Studentendorf zusammen. Es wird als „wartungsarm und schick“ vermarktet. Container-Wohnungen in Berlin Dass serielles Bauen manchmal auch Designqualitäten erreichen kann, beweist hingegen ein Berliner Projekt mit dem Material Stahl. „Deutschlands erstes Studentendorf aus Frachtcontainern“ nennt sich das Studentendorf EBA von Holzer Kobler Architekturen im Berliner Plänterwald, das nach Fertigstellung aus drei Gebäuderiegeln mit insgesamt š Single- und Doppeleinheiten (25 bis 50 Quadratmeter) bestehen wird. Der erste Riegel ist bereits bezogen. Der Hingucker sind die rostbraunen Cortenstahl-Fassaden, die mithilfe von Bolzen und Stahlschuhen fest miteinander verbunden sind sowie nach außen und innen versetzt, zu Teilen aufgeschnitten und raumhoch verglast wurden. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt über vorgelagerte Außentreppen. Während der Kopfbau des ersten Riegels aus echten Frachtcontainern besteht, entschied man sich aus Kostengründen beim zweiten Bauabschnitt für eine serielle Vorfertigung der Container-Module. „Der Quadratmeterpreis“, so der Leiter des Berliner Büros Philip N. Peterson, „konnte von Š2.000‹‹‹ Euro auf circa Ž1.600‘‹‹ Euro reduziert werden.“ Die nächsten beiden Riegel sollen außerdem noch durch Stege miteinander verbunden werden. Kopiert: Beim zweiten Bauabschnitt wurden die echten Schiscontainer durch kostengünstigere serielle „Container Module“ ersetzt. Die Lage in einem weitgehend grünen Umfeld und die gut angenommenen Kommunikationszonen der Laubengänge, auf denen man sitzen kann, stoßen auf großes Interesse. „Wir können nicht schnell genug bauen“, so Peterson, dessen Erfahrungen mit dem Metall ausgesprochen positiv sind. „Die Langlebigkeit und die P•egeleichtigkeit sind klare Vorteile des Materials.“ Hinzu kommt der „industrielle Charme“, der ein Grund dafür ist, dass Containerboxen immer wieder in Ausstellungs- und anderen künstlerischen Kontexten auftauchen. Ein zweites, in ähnlicher Weise von Holzer Kobler Architekturen entwickeltes Projekt, ein preiswertes Hostel mit Žšš 188 Zimmern aus 25 Š›Quadratmeter großen High-Cube-Seecontainern, ist im Frühjahr dieses Jahres eröffžnet worden, thematisch passend in Sichtweite der Hafenkräne des Osteseehafens Warnemünde. Frank Maier-Solgk ist Publizist zu Architektur- und Kulturthemen; er lebt in Düsseldorf. „Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Effizient“ finden Sie in unserem DABthema Effizient.

Kann das weg?

Foto: Fotolia Architekten unterliegen Aufbewahrungspflichten und sollten die neuen Fristen kennen. Text: Marcel Baumgart In einem Architekturbüro fallen Papier und zunehmend auch elektronische Daten an. Was davon wie lange und zu welchem Zweck aufbewahrt werden muss, sollten Architekten wissen, um steuerrechtlichen Vorgaben gerecht zu werden und Herausgabeansprüchen nachkommen zu können. Seit Anfang 2017 gelten zudem einige Neuerungen. Außersteuerliche Aufzeichnungspflichten Die bedeutendsten außersteuerlichen Aufzeichnungspfl„ichten entstammen dem Handelsrecht (§§ ‡ˆ238 ff‰. HGB). Danach sind Kau„fleute verp„ichtet, Bücher zu führen und die Lage ihres Vermögens ersichtlich zu machen. Als Kau„fleute sind grundsätzlich nur Gewerbetreibende anzusehen. Hierunter fallen aber auch Architekten, wenn sie sich (bau-)gewerblich oder als sogenannte Formkaufl„eute in einer bestimmten Gesellschaftsform (zum Beispiel GmbH, UG, nicht jedoch Partnerschaftsgesellschaft oder GbR) betätigen. Weiter haben Kau„fleute ihre Handelsbriefe in unveränderter Form aufzubewahren. Das sind alle Schriftstücke, die die Durchführung, die Vorbereitung und den Abschluss von Geschäften betreffen. Die Eintragungen in Büchern und die sonstigen erforderlichen Aufzeichnungen müssen vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorgenommen werden. Jede Veränderung der Aufzeichnungen muss so erfolgen, dass der ursprüngliche Inhalt weiter feststellbar ist. Weitere außersteuerliche Aufzeichnungsp„ichten ergeben sich für bestimmte Arten von Gesellschaften aus dem Gesellschaftsrecht, für die GmbH beispielsweise aus den §§ 41 ffš‰. GmbHG. Für Architekten sind zusätzlich branchenspezi›sche Aufbewahrungsp„ichten gegenüber dem Auftraggeber zu erfüllen. Der Auftraggeber hat gemäß § 985 BGB gegenüber dem Architekten einen Eigentumsherausgabeanspruch bezüglich diverser Bauunterlagen (zum Beispiel Baugenehmigung, Bauverträge, Rechnungen der Unternehmer). Weiterhin können sich Herausgabeansprüche aus Architektenverträgen ergeben (zum Beispiel Ausfertigungen der Pläne, Kopie des Bautagebuches). Steuerliche Aufzeichnungspflichten Die steuerlichen Aufzeichnungsp„ichten ergeben sich aus der Abgabenordnung (AO) und steuerlichen Einzelgesetzen. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei die §§ ­ 141 bis ­šš144 AO. Gewerbliche Unternehmer und baugewerblich tätige Architekten sind danach unter anderem beim Überschreiten einer Umsatzgrenze von 600.000 Euro oder einem Gewinn von mehr als 60.000 Euro verpfl„ichtet, Bücher zu führen und Aufzeichnungen zu machen. Hiervon nicht erfasst sind Freiberu„er, wie zum Beispiel Architekten, sofern diese keine gewerblichen Einkünfte erzielen. Klassische Architektenleistungen sind als freiberufl„iche und gerade nicht als gewerbliche Einkünfte anzusehen. Von der Buchführungspfl„icht ist die Pfl„icht zur Aufbewahrung von Unterlagen zu unterscheiden. Während Freiberu„fler nicht buchführungspfl„ichtig sind, können diese dennoch ihren Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich gemäß § š4 Abs.1 EStG und die Aufstellung einer Bilanz ermitteln. Dann sind auch durch Freiberufler die allgemeinen Regeln der kaufmännischen Buchführung zu beachten, wozu die Aufbewahrung von Unterlagen gehört. Dies gilt auch bei der Gewinnermittlung durch Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben (Überschussrechnung) im Sinne des § „4  Abs. 3 …EStG. Die Aufbewahrung hat für folgende Unterlagen über einen Zeitraum von zehn Jahren zu erfolgen (§ ˆ„‰ 147 Abs.1 ˆ Nr. 1ˆ, „4 und Abs. …3 AO): Bücher und Aufzeichnungen, Inventar, Jahresabschlüsse, Buchungsbelege, Lageberichte, Eröff’nungsbilanz sowie die zu ihrem Verständnis erforderlichen Arbeitsanweisungen und sonstigen Organisationsunterlagen. Die weiteren in § ˆ„‰147 Abs.1 AO aufgeführten Unterlagen sind über einen Zeitraum von sechs Jahren aufzubewahren. Hierzu gehören: empfangene Handels- und Geschäftsbriefe, Wiedergaben von abgesandten Handels- und Geschäftsbriefen, sonstige Unterlagen, soweit diese für die Besteuerung von Bedeutung sind. Die Aufbewahrungsfrist beginnt gemäß § ˆ„‰147 Abs. 4 „ AO mit dem Schluss des Kalenderjahrs, in dem die letzte Eintragung in das Buch gemacht, das Inventar, die Erö’ffnungsbilanz, der Jahresabschluss oder der Lagebericht aufgestellt, der Handels- oder Geschäftsbrief empfangen oder abgesandt worden oder der Buchungsbeleg entstanden ist, ferner die Aufzeichnung vorgenommen worden ist oder die sonstigen Unterlagen entstanden sind. ­ Elektronische Aufbewahrung Die zunehmende elektronische Kommunikation und das „papierlose Büro“ machen es erforderlich, vor dem Hintergrund der steuerrechtlichen Aufbewahrungspichten deren Zugänglichkeit zu regeln. Das Bundesfiœnanzministerium (BMF) hat hierzu mit einer Verfügung vom 14ˆ„. November 2014 Stellung genommen und Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugri’ff (GoBD) aufgestellt. Das BMF-Schreiben kann auf der Website des Ministeriums heruntergeladen werden. Die darin festgelegten Grundsätze sind nach einer Übergangsphase seit dem 1ˆ. Januar Ÿ¡ˆ2017 zu beachten. Demnach gilt seit Jahresbeginn Folgendes: Werden Handels- oder Geschäftsbriefe und Buchungsbelege in Papierform empfangen und danach durch Einscannen elektronisch erfasst, muss das elektronische Dokument mit dem Brief in Papierform übereinstimmen. Die Briefe dürfen also durch die elektronische Aufbewahrungsform nicht verändert werden oder veränderbar sein. Auch das Scanverfahren selbst muss dokumentiert werden. Insbesondere ist festzuhalten, wer gescannt hat sowie wann und was gescannt wurde. Eingehende elektronische Handels- oder Geschäftsbriefe und Buchungsbelege müssen in dem Format aufbewahrt werden, in dem sie empfangen wurden (zum Beispiel Rechnungen oder Kontoauszüge im PDFoder Bildformat). Eine Umwandlung in ein anderes Format (zum Beispiel MSG in PDF) ist dann zulässig, wenn die maschinelle Auswertbarkeit nicht eingeschränkt wird und keine inhaltlichen Veränderungen vorgenommen werden. Nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung ist es nicht ausreichend, wenn Mails ausgedruckt und in Papierform abgelegt werden. Mails, die aufbewahrungspflichtige Unterlagen darstellen, sind vielmehr vollständig und mit ihren Anhängen, manipulationsgeschützt und maschinell auswertbar elektronisch zu archivieren und über die oben beschriebene gesetzliche Aufbewahrungsfrist lesbar zu machen. Hierfür sind gegebenenfalls entsprechende Softwarelösungen notwendig. Marcel Baumgart ist Steuerberater und Diplom-Wirtschaftsjurist (FH) bei bbt Rechtsanwälte und Steuerberater in Hannover. MEHR INFORMATIONEN Entlastet, verkürzt, erhöht Mit dem zweiten Bürokratieentlastungsgesetz vom 15. Juli 2017 wurden folgende steuerliche Entlastungen beschlossen, die allgemein alle Steuerpflichtigen betre­ffen:
  • Verkürzung der Aufbewahrungsfrist für Lieferscheine (§ˆ147 Abs. 3 Satz 3 und 4 AO), seit 1. Januar 2017. Diese können nun vernichtet werden, wenn eine inhaltsgleiche Rechnung vorliegt. Bisher mussten Lieferscheine sechs beziehungsweise zehn Jahre (Buchungsbeleg) aufbewahrt werden.
  • Anhebung der oberen Grenze zur vierteljährlichen Abgabe von Lohnsteuer-Voranmeldungen von 4.000 Euro auf 5.000 Euro (§ˆ41ˆa Abs. 2 Satz 2 EStG), seit 1. Januar 2017. Dies ist für alle Architekten relevant, die Arbeitnehmer beschäftigen.
  • Erhöhung des Schwellenwerts für Kleinbetragsrechnungen von 150 Euro auf 250 Euro (§ˆ33 Satz 1 UStDV), seit 1. Januar 2017. Hierdurch werden die Erleichterungen hinsichtlich der für den Vorsteuerabzug notwendigen Rechnungsangaben ausgedehnt.
  • Anhebung der Wertuntergrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter und die Poolabschreibung auf 250 Euro (§ˆ6 Abs. 2 Satz 4 EStG und §ˆ6 Abs. 2ˆa Satz 1 EStG), ab 1. Januar 2018. Damit können Wirtschaftsgüter sofort als Aufwand steuermindernd berücksichtigt werden. Darüber hinaus ist nur eine steuermindernde Berücksichtigung im Wege der Abschreibung der Wirtschaftsgüter, teilweise über mehrere Jahre, möglich.
  • Neuer Höchstwert des durchschnittlichen Tageslohns zur Lohnsteuerpauschalierung: 72 Euro statt 68 Euro, seit 1. Januar 2017. Dies ist relevant für Architekten, die kurzfristig Mitarbeiter beschäftigen. Die Erhöhung folgt aus der Anhebung des Mindestlohns.
Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier  

Ihr Programm, unser Angebot

Text: Barbara Ettinger-Brinckmann Anfang Oktober öffnet die Expo Real in München wieder ihre Pforten. Europas größte Fachmesse für Immobilien und Investitionen bildet die gesamte Wertschöpfungskette der internationalen Immobilienbranche ab – von der Idee und Konzeption über die Finanzierung und Realisierung bis hin zu Vermarktung, Betrieb und Nutzung. Wir Architekten und Stadtplaner schaffen mit unseren Planungen die Grundlage für das, was für viele Besucher und Teilnehmer dieser Messe das Wirtschaftsgut „Immobilie“ ist und was wir Planer als Gebäude, als Haus, als Quartier oder als Stadt sehen und auch so bezeichnen. Natürlich überwiegen auf der Messe Aspekte der Wirtschaftlichkeit und der Vermarktung. Umso wichtiger ist es daher, Flagge zu zeigen. Und zwar in zweifacher Hinsicht: Nutzen Sie diese Kommunikationsplattform, um sowohl Ihre individuellen beru”flichen Anliegen als Architekten und Stadtplaner zur Geltung zu bringen als auch als Botschafter für Qualität im Planungs- und Bauprozess zu werben. Auf der Expo Real werden nicht nur große, sondern insbesondere auch viele kleine Ideen für Immobilienprojekte privater und vor allem öffentlicher Auftraggeber vorgestellt, angeschoben und diskutiert. Hier treffen sich alle, die sehr früh an Zukunftsüberlegungen zu neuen Immobilienprojekten beteiligt sind. Das ist für uns Architektinnen und Architekten genau der richtige Zeitpunkt, uns ins Gespräch zu bringen. Vertreter der Städte und Kommunen sind hier zahlreich vertreten, ebenso wie die großen und kleineren Projektentwickler, der Einzelhandel, die Banken und viele andere mehr, die zur Wertschöpfungskette Immobilie zählen. Auf unserem Stand, dem gemeinsamen Stand von Bundesarchitektenkammer, Bundesbauministerium, Bundesstiftung Baukultur, der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und dem Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern, werben wir während der drei Messetage wieder für mehr Planungs- und Bauqualität im Immobilienbereich unter dem allgemeinen Motto „Sustainable Baukultur“. Hier erfüllt der Stand eine Reihe von wichtigen Funktionen: Publikumswirksame Veranstaltungen betonen die Relevanz von Architektur, Baukultur und Nachhaltigkeit als unverzichtbare Werte in der Immobilienbranche; Auftraggeber und Auftragnehmer nutzen ihn als offene Netzwerkplattform zum informellen Austausch; und aktuelle Anliegen des Berufsstandes werden politisch fl”ankiert. Diskussionen, Neuigkeiten und Netzwerke Auch in diesem Jahr haben wir ein vielschichtiges Programm zusammengestelltž – und laden Sie zu allen Veranstaltungen sehr herzlich ein! Kommen Sie am ersten Tag der Messe, am 4. Oktober, zur Standeröffnung, zu der sich Staatssekretär Florian Pronold angekündigt hat. Anschließend werden sich Experten auf Einladung unseres Standpartners DGNB mit dem Thema „Zukunft Nachhaltigkeit – Klimaschutzrendite und Qualität“ beschäftigen. Die Bundesstiftung Baukultur lädt danach zu einem Podiumsgespräch über „Mehr Akzeptanz für Innenentwicklung“ ein. An dem von Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur) moderierten Gespräch nehmen neben Staatssekretär Pronold prominente Vertreter aus Bauverwaltung, Wohnungsbau und Forschung teil. Am zweiten Messetag begrüßen wir gezielt alle Kolleginnen und Kollegen am Stand zu einem „Architekten-Frühstück“! Hier soll der informelle kollegiale Austausch im Mittelpunkt stehen. Ein „heißes Eisen“ ist für uns noch immer das Thema Serielles Bauen – wir haben ausführlich über das wettbewerbliche Verfahren berichtet, das der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und der Hauptverband der Bauindustrie, unterstützt von Bundesbauministerium und Bundesarchitektenkammer, im Sommer gestartet haben. Erfreulich viele Architekturbüros haben teilgenommen, und wir können an diesem Tag auf Neuigkeiten zum zweistufi”gen Verfahren gespannt sein. Im Anschluss wird es um „Baukultur und Nachhaltigkeit“ gehen – die DGNB lädt interessante Gesprächspartner ein, um über den unaufl•ösbaren Zusammenhang zwischen beiden Begri–ffen zu diskutieren. Wir haben gemeinsam die Stadtbauräte, Baubürgermeister, Baudezernenten, also die „Stadtbaumeister“ aller deutschen Städte eingeladen, um den Dialog zwischen den maßgeblichen Vertretern der kommunalen Auftraggeber und der Kollegenschaft auf unkomplizierte Weise zu ermöglichen. „Meister der Stadt – Stadtbaumeister“ heißt das Tre–en, zu dem ich Sie gemeinsam mit Staatssekretär Gunther Adler und Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur herzlich begrüße. Sicherlich werden auch Sie Ihnen bekannte Ansprechpartner wiedersehen oder neu kennenlernen. Experten aus Rechtsprechung, Projektentwicklung und der Wohnungswirtschaft hat die Bundesstiftung eingeladen, um eine Diskussion mit der Überschrift „Phase Null – Planungskultur scha–t Bauqualität“ zu führen. Am Nachmittag wird dann die DGNB ihr neues Zerti”zierungssystem vorstellen œ– worauf wir schon heute gespannt sein können – und feierlich Zerti”kate an die Projektbeteiligten neuer Bauten verleihen. In den Abend des zweiten Messetags wollen wir dann ab žŸ17.30 Uhr gemeinsam mit Ihnen bei guten Gesprächen und einem Aperitif starten – seien Sie auch hier dabei! Am dritten Messetag steht Ihnen der Stand vollumfänglich für geschäftliche Gespräche, Verabredungen oder einfach zur Kontaktpf•ege zur Verfügung. Nutzen Sie unseren Messestand als Ihre Repräsentanz, als Ihre Plattform und Ihren Tre–punkt. Ich freue mich, Sie auf der Expo Real zu tre–ffen! Barbara Ettinger-Brinckmann ist Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. MEHR INFORMATIONEN Das tagesaktuelle Programm mit allen Referenten finden Sie unter www.bak.de Sie ŽfindenŽ unsŽ hier‘Ž: Halle žAŸ2, Standž 334  

Mach mir den Hof

Urbanes Dorf: In Puchenau gruppieren sich fast tausend Häuser um Höfe und autofreie Wege. Wenn schon Eigenheim, dann bitte effizient: Ein Hofhaus nutzt das Grundstück viel besser aus als ein freistehendes Einfamilienhaus. Trotzdem wird das kompakte und introvertierte Wohnen erst langsam wiederentdeckt. Text: Christoph Gunßer Eine Generation von Planern pilgerte nach Puchenau und staunte. Roland Rainers Gartenstadt bei Linz mit ihrem Teppich aus verschachtelten Bungalows an abwechslungsreichen, verkehrsfreien Wegen bot eine Wohnqualität, die in der auto- und objektfixierten Nachkriegszeit verloren gegangen war. Heute würde man von einem „urban village“ sprechen. Die Vorteile der Bauweise für den öffentlichen Raum verdeutlicht die Zeichnung des Architekten Roland Rainer. Doch Puchenau, gebaut ab 1965 bis 2000, ist nur die berühmteste Siedlung eines Typs, der eine Zeit lang recht weit verbreitet war: Teppichsiedlungen aus Gartenhof- oder Atriumhäusern, teilweise kombiniert mit Terrassen- oder Reihenhaustypen, wurden bis in die Siebzigerjahre auch in einigen deutschen Städten geplant, etwa 1962 in der Karlsruher Nordweststadt von Reinhard Gieselmann und 1965 von Ortwin Rave in Münster. Das Olympiadorf in München von Heinle, Wischer und Partner, Werner Wirsing und anderen war Ž1972 ein Höhepunkt – der sehr geschätzt wird, auch von bekannten Architekten, die dort wohnen. „Low rise, high density“, wie es die Briten nannten, war eine im Grunde uralte Bauform: Roland Rainer zeigte gern Luftbilder iranischer, türkischer und chinesischer Städte, die sämtlich labyrinthische Hofhausstrukturen aufweisen. Adolf Loos, Heinrich Tessenow und Leberecht Migge standen bei Rainers Reformbemühungen Pate; Mies van der Rohe und Ludwig Hilberseimer hatten bereits um ˜1930 prinzipiell endlose Hofhausmuster entworfen, die allerdings Papier blieben. Walter Schwagenscheidt brachte nach dem Krieg den Reiz der Bauweise mit Skizzen eines „Ohnekleider-Höfchens“ auf den Punkt – der uneinsehbare Freiraum und die ringsum šießenden Wohnräume galten auf der Interbau 1957Ž als hip. In ihrer Beschwingtheit unübertrožen sind zwei Winkelbungalowsiedlungen bei Kopenhagen von Jorn Utzon, die etwa zeitgleich mit Puchenau entstanden. Dessen Erweiterung fiel Ende der Siebziger auch spielerischer aus. Was die Vorbildfunktion des Projektes betraf, resignierte Rainer später. Ihm gelang nur ein kleines, ähnlich dicht gewebtes Folgeprojekt in der Wiener Tamariskengasse. Dichte Packung: Das „tiefe Haus“ von Pentaplan in Graz bündelt über einer gemeinsamen Garage 24 Reihenhäuser mit Atrien im Obergeschoss. Höhle versus Villa In den experimentierfreudigen Siebzigern gaben deutsche Bauminister Studien zum „kosten- und ächensparenden Bauen“ in Auftrag, in denen die Effi‚zienz des verdichteten Flachbaus wissenschaftlich nachgewiesen wurde: Erschließung und Außenwandanteil werden durch die grenzständige Bauweise minimiert; private wie halb öffˆentliche Freiräume sind im Vergleich zu Einfamilienhausgebieten von hoher Qualität; es lassen sich aufgrund geringerer Verschattung passivsolare Gewinne erzielen, das SicherheitsempfiŒnden ist hoch – und auch Barrierefreiheit lässt sich leicht realisieren. Trotzdem geriet die Hof-Idee in Vergessenheit. Wo die „Hüslipest“ (der Schweizer Begriˆff ist unübertroffen) nicht wütet, prägen heute Reihenhaus und Stadtvilla die Neubaugebiete, in zentraleren Lagen Blöcke und Wohnhochhäuser (vgl. „Die Riesen zähmen“). Zu den Gründen für diese typologische Verarmung befragt, geraten selbst versierte Gebäudekundler ins Grübeln. Gerade auf immer kleiner geschnittenen Grundstücken sind Hofhäuser in puncto E‚ffizienz eigentlich unschlagbar. Wohnanlagen dieser Art brauchen nur rund ein Viertel der Fläche von Einfamilienhausgebieten. Aber sie brauchen ein spezielles Baurecht. Und mangels aktueller Vorbilder fehlt es bei Bauämtern wie -trägern an Fantasie. Hofhäuser taugen zudem nicht für eine repräsentative Fassadenarchitektur. Auf archetypischer Ebene stehen sich hier gewissermaßen Höhle und Villa, Intro- und Extrovertiertheit gegenüber. Generell wird stetig mehr Wohnflƒäche verlangt – da kann das im Idealfall eher bescheidene Hofhaus nicht mithalten. Für Thomas Jocher von Fink+Jocher Architekten, München, ist zudem das Nachbarrecht ein heikler Punkt: „Die Grenzbebauung birgt viele Konflƒikte.“ Außerdem seien die Menschen zu bequem, um ihre Bierkisten über Wohnwege zu schleppen. Die Stellplatzfrage hält er für sehr wichtig – und die Baulandpreise: „Auch der Teppich frisst Fläche.“ Sein Büro baut darum fast nur noch Blockstrukturen. „Die Wohnqualität gibt heute nicht den Ausschlag“, bestätigt Stadtplaner Klaus Humpert aus Freiburg. Er attestiert dem frei stehenden Haus eine größere Flexibilität – und es gebe mehr Abstellraum. Am anderen Ende der Skala sieht er im Geschossbau die standardisierbare, pfƒegeleichtere Alternative. Flickenteppich: Im Biberacher Baugebiet Talfeld lassen sich die verschiedenen Bauformen gut vergleichen. Eine Chance für den suburbanen Städtebau „Der Straßenraum, die Anordnung von Stellplätzen und die Struktur der Häuser müssen beim Hofhaus viel sorgfältiger geplant werden. Der Verzicht auf die Abstandsƒfläche bereitet immer wieder baurechtliche Hindernisse. Es gibt also erhebliche „Anfangswiderstände“, sagt auch Architekt Clemens Dahl aus Geisenheim, der sich mit der Webseite www.hofhaus-projekt.de für die Renaissance des Bautyps einsetzt. Er beklagt: „Bei den typischen Neubaugebieten auf dem Land hat sich der Städtebau als gestaltende Instanz völlig zurückgezogen. Statt Quartiere und Straßenräume zu gestalten, wird hier nur noch die Gestalt der Häuser reglementiert – selten mit überzeugendem Ergebnis.“ Der Architekt hošfft: „Mit dem Hofhaus besteht die Chance eines Neuanfangs für den Städtebau.“ Ganz verschwunden sind die Hofhäuser demnach nicht – der Begriffš wird indes eher weit gefasst. Auf dem Trierer Petrisberg etwa entstand vor Jahren ein Gebiet mit rund fünfzig Hofhäusern; einige sind jedoch eher Reihenhäuser mit Hinterhäusern und dazwischenliegendem Hof. Auch im schwäbischen Biberach wurde ein kleines Quartier aus aneinanderliegenden Atriumhäusern gebaut. Im Zentrum Greifenbergs in Bayern realisierten Sunder-Plassmann ein Hof-Ensemble „als Gegenthese zu reinen Schlafdörfern“. Hofgemeinschaft: Die Häuser in Greifenberg am Ammersee von Sunder-Plassmann Architekten teilen sich einen Erschließungshof. Hinzu kommen private Freisitze. In unseren Nachbarländern sieht es anders aus: Sowohl in Österreich als auch in den Niederlanden fördern eine vorausschauendere Bodenpolitik, gemeinnützige Bauträger und Genossenschaften die Realisierung innovativer Bauformen wie urbaner Hofhäuser. Das „tiefe Haus“, ein kompakter, 28‰Š Meter tiefer Block aus 24 ‰Œ Atriumreihenhäusern in Graz, wurde von den Architekten Pentaplan sogar als Bauträger realisiert. Von Linz ausgehend, gibt es eine regelrechte Wohnhöfe-Bewegung, die auf den Architekten Fritz Matzinger zurückgeht. In seinen Projekten gruppiert er mehrstöckige Reihenhäuser um einen zentralen Hof, der sich durch ein Glasdach schließen lässt – eine sehr kompakte Wohnform etwa für Baugemeinschaften. Weitläu—fige und zugleich dicht „gewebte“ Teppichsiedlungen gehören aber scheinbar der Vergangenheit an. Sie sind für derzeitige Verhältnisse o™enbar zu anspruchsvoll, zu komplex. Doch: „Die Gebäudetypen kommen und gehen“, meint der 87Š›-jährige Planer Klaus Humpert weise. In studentischen Arbeiten, das beobachtet Thomas Jocher an der Uni Stuttgart, tauchen Hofstrukturen wieder häufiger auf. Professor Günter Pfeifer, der 2007 ein Buch über Hofhäuser publiziert hat, ließ seine Studenten an der TU Darmstadt vor Jahren Hofhäuser entwickeln, die vom vorindustriellen Typ „Hofreite“ inspiriert waren: Dieser verband Wohnen und Arbeiten auf engem Raum. Außenraumvergleich: Bei kleinen Grundstücken wird der Garten des frei stehenden Hauses zum schlecht nutzbaren Ring. Das Hofhaus bietet mehr Freiraumqualität. Ein Mittel gegen die Hypermobilität? Doch auch jenseits der FlächeneffiŽzienz scheint die Bauweise einige Vorteile zu besitzen, die zur EnergieeffiŽzienz beitragen. So wurde die Gartenstadt Puchenau mehrfach von Sozialforschern untersucht. Die Wohnzufriedenheit ist dort noch immer groß – so groß, dass die Bewohner viel weniger wegfahren. Eine Studie ergab bereits in den Achtzigerjahren, dass fast drei Viertel die Wochenenden in der Siedlung verbringen. In einem nahe gelegenen Hochhaus blieb weniger als ein Viertel von ihnen zu Hause. Christoph Gunßer ist freier Fachautor. Er lebt in Bartenstein. „Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Effizient“ finden Sie in unserem DABthema Effizient.

Clevere Tools

Wirtschaftlich: Werden alle relevanten Büro- und Projektdaten ausgewertet, lassen sich Projektabläufe oder der Personaleinsatz optimieren. Neue Büro- und Management-Software für Planungsbüros – kurz BMSP – hilft, Ressourcen effizient zu planen und Projekte auch von unterwegs zu steuern. Text: Marian Behaneck Mit dem Auftragsfilter in PROsimulation von Projekt Pro lässt sich jetzt auf der Grundlage von Auftrags-Szenarien und verfügbarer Ressourcen die Wirtschaftlichkeit von Planungsbüros optimieren. Dazu wird – unter Berücksichtigung von Datenbankinformationen zu Aufträgen, Teilleistungen, Budgets, Rechnungsplanung oder Mitarbeiterkapazitäten – der Einsatz aller Mitarbeiter und die Auslastung bestimmter Funktionen im Büro geplant. Durch einfaches Drag and Drop werden Mitarbeiter Projekten zugeordnet und verschiedene Szenarien durchgespielt. So können vorausschauend wichtige Fragen zur Personal-Auslastung und Büro-Liquidität geklärt werden. Projekte und der Mitarbeitereinsatz können auch mit den neuen RP-PRO Modul Projektmanager von Loreg zeitlich geplant werden. Das Modul bietet die Möglichkeit, ein ganzes Projekt mit nur einer einzigen Eingabe zu planen oder in beliebig viele einzelne Arbeitsschritte zu unterteilen – so, wie es die Kapazitäten zulassen oder es das jeweilige Projekt erfordert. Mitarbeiter lassen sich dem Projekt zuteilen oder Budgets für die Leistungen festlegen. Mit der neuen TAPI-Telefoniefunktion, die eingehende Anrufe automatisch Projekten zuordnet, kann außerdem die Telefon-Kommunikation mit Kunden und Projektpartnern rationalisiert werden. Die neue Version AstaPowerproject 14 von Asta Development vereinfacht mithilfe von Farbcodes das Zuweisen von Ressourcen. Außerdem können Vorgänge nun auch mit der Bedingung verknüpft werden, dass sie innerhalb eines definierten Zeitraums stattfinden sollen. So lassen sich Unterbrechungen durch arbeitsfreie Zeiten vermeiden. Eine Risikoanalyse erleichtert die Identifizierung und Bewertung von Projektrisiken, Analysen liefern Projektkennzahlen zur Termin- und Kostensituation. Zudem bietet der neue EVA- Reporter einen Überblick über den Projektfortschritt und ermöglicht Trendanalysen. Auch untermStrichX.2 der untermStrich software GmbH verfügt über eine neue Ressourcenplanung, mit der die Auslastung der Mitarbeiter optimiert und die Produktivität gesteigert werden kann. Grundlage der Planung sind Arbeitspakete, die – Projekterfordernissen folgend – flexibel definiert werden können. Die kollaborative Planung über internetbasierte Projektplattformen (IBPM) sowie das gemeinsame Arbeiten am digitalen BIM-Gebäudemodell werden ebenfalls unterstützt. Die webbasierte Lösung Abacusallprojects von Abacus Solutions ermöglicht eine standortunabhängige Datenerfassung und einen Mobilzugriff‡ auf Büro- und Projektdaten. Mit der App AbaClik für iOS oder Android lassen sich unterwegs wichtige Daten, wie etwa Zeit- und Reisekosten, erfassen oder Kommen-/Gehen-Zeiten buchen. Die eingetragenen Daten werden automatisch mit dem zentralen System synchronisiert. Die Projektmanagement-Software Bau-ProCheck der ADS Gesellschaft für angewandte Datensysteme ist jetzt auch als cloudbasierte Mietsoftware erhältlich. Die bereits auf der Messe BAU im Januar in München vorgestellte Webapplikation Bau-ProCheck •3 kann auf dem Web-Server des Herstellers oder alternativ im eigenen Unternehmen installiert werden. Damit lassen sich digitale Bautagebücher online führen und Mängel cloudbasiert erfassen. Mit dem neuen Small-Business-Paket von Kobold Control für kleine Planungsbüros können Mitarbeiterzeiten intuitiv und ortsunabhängig am Arbeitsplatz, plattformunabhängig über einen Browser, in einer Terminalserveranwendung oder unterwegs auf dem Tablet und dem Smartphone eingegeben werden. Das Small-Business-Paket für bis zu fünf Nutzer unterstützt Planer darüber hinaus bei der Honorarermittlung und Angebots- sowie Rechnungsstellung. Außerdem stehen Standardberichte sowie eine Adressen- und Dokumentenverwaltung sowie zahlreiche Vorlagen zur Verfügung. Die neue Stakeholder-Integration von Wiko verbessert Kommunikationsprozesse und ermöglicht, mit externen Projektbeteiligten einfacher zu kommunizieren und zu interagieren, etwa per Chat. Informationen und Dokumente können unter den Projektbeteiligten in Echtzeit ausgetauscht werden. Durch einen externen Zugang über ein Rechteverwaltungssystem zu Vertragsdokumenten, die Online-Rechnungsstellung und -prüfung und den Abgleich von Leistungsständen oder Terminen kann die Zusammenarbeit mit Fachplanern wesentlich schneller und reibungsloser erfolgen als bisher. BMSP-Software im Vergleich Die am Ende des Beitrags hinterlegte Software Tabelle mit dem Vergleich von 18 BMSP-Programmen, soll die Kaufentscheidung erleichtern. So kann bereits das Softwarekonzept ausschlaggebend sein, ob die Software zum Büro passt: herkömmliche, mehrplatzfähige Client-Server-Kaufsoftware ist der Standard, VPN- oder Terminalserver-fähige Programme ermöglichen externe Zugriffe, Weblösungen lassen sich nur mieten und per Webbrowser plattform- und standortunabhängig nutzen. Mobil verfügbar sind meist nur ausgewählte Funktionen, wie die Erfassung von Adressen, Terminen oder Mitarbeiterzeiten. Bei Weblösungen sind alle Funktionen per mobiler Internet-Verbindung auch unterwegs verfügbar. Die Einsatzbereiche geben an, ob die Software neben dem Büro-, Projekt- und/oder Terminmanagement auch Funktionen für die Honorarabrechnung, das Controlling, das Dokumentmanagement (DMS), das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) oder weitere Bereiche bereithält. Zu den Bürofunktionen zählen die Adressenverwaltung und Korrespondenz, das E-Mail-Management, eine Volltextsuche sowie Erinnerungs- und Wiedervorlage-Funktionen. Per MS-Outlook- oder MS-Exchange-Schnittstelle lassen sich E-Mail- und Adressdaten synchronisieren. Mit einer TAPI-Schnittstelle können eingehende Anrufe automatisch Projekten zugeordnet werden. Die Büro-Controlling-Funktionen überwachen wichtige Bürokennzahlen, wie etwa die Arbeitskosten, den Projektstundenanteil, den mittleren Bürostundensatz oder den Gemeinkostenfaktor und machen damit die wirtschaftliche Bürosituation transparenter. Nach dem PeP7-Standard zertifizierte Programme ermitteln die Bürokennzahlen einheitlich und sind dadurch untereinander vergleichbar. Ebenso wichtig für die wirtschaftliche Sicherheit sind Prognosen, etwa wie lange ein Büro mit dem aktuellen Auftragsbestand kostendeckend arbeiten kann oder Liquiditäts-Kontrollen, die Einnahmen und Ausgaben kontinuierlich im Blick behalten. Digitale Ressourcenplaner ermöglichen eine Optimierung personeller Ressourcen. Die bereits am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) sind auch für Planer relevant, werden derzeit aber erst von einem Teil der Programme unterstützt. Darin legt das Bundesfinanzministerium Regeln für eine IT-gestützte revisionssichere Buchhaltung, Erfassung, Bearbeitung und Archivierung steuerrelevanter Daten fest. Zu den Projekt-Controlling-Funktionen gehören unter anderem das Aufgaben- und Termin-Management, die Überwachung von Bauzeiten und des Projektstatus, die Erstellung von Soll-Ist-Reports. Die Grundlage für Controlling-Funktionen bildet die Zeiterfassung. Sie sollte sowohl stationär am Büro-PC als auch mobil per iOS-App, Android-App oder per Web-App möglich sein. Ist ein Modul für die Erstellung von Angeboten und Honorar-Rechnungen nach HOAI integriert, spart das nicht nur Zeit – es steigert auch die Sicherheit, dass alle erbrachten Leistungen auch tatsächlich abgerechnet und nicht vergessen werden. Standard-Schnittstellen wie ASCII, DOC, PDF, XLS, HTML oder XML ermöglichen den digitalen Austausch und die digitale Weiterbearbeitung und von Daten. Eine ZUGFeRD-Schnittstelle (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland) ermöglicht eine standardisierte digitale Verarbeitung von elektronischen Rechnungen. Die Preise für die BMSP-Basissoftware liegen zwischen 500 und 2.000 Euro – je nach Programmkonzeption und Funktionsumfang. Hinzu kommen Kosten für Zusatzmodule. Nicht vergessen werden sollten auch Schulungskosten und bei Kaufprogrammen jährliche Wartungskosten. Einen detaillierten BMSP-Praxischeck enthält übrigens auch die Publikation „Büromanagement-Software für Planer am Bau“ von Dagmar Kunick, erschienen Anfang 2017 als Sonderausgabe des Magazins PBP Planungsbüro professionell (www.iww.de). Außerdem wird unter www.aec-office.de eine Online-Marktübersicht mit rund 40 BMSP-Lösungen offeriert. Hier geht es zur Software Tabelle. Marian Behaneck ist freier Fachjournalist in Jockgrim (Pfalz). „Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier.“  

Wohnturm? Blockrand? Pfui!

Wie linke und bürgerliche Konservative ein Projekt in Berlin blockieren. Bauwütig: Roland Stimpel Egal ob auf rote, schwarze oder grüne Art: Berlin klebt an seiner Vergangenheit. Wer da beim Bauen nach vorn gucken will, hat schlechte Karten. Diese triste Erfahrung macht gerade ein Projekt auf der zentralen Fischerinsel, nahe dem äußerlich rechts-gestrigen neuen Schloss und der links-gestrig bewahrten Großsteppe unterm Fernsehturm. Dabei sah es so aus, als könnte man es allen recht machen: Die städtische Wohnungsgesellschaft WBM lobte einen Wettbewerb aus; die Jury empfahl einstimmig den Entwurf des Büros DMSW. Er bot den DDR-Nostalgikern neben ihren sechs Hochhausscheiben einen siebten Wohnturm sowie zwischen Neu und Alt einen halb oŒffenen Freiraum. Vorn an den Straßen sollte aber nach der anderen Konvention klassisch der Blockrand geschlossen werden, aus dem das Hochhaus emporwachsen würde. Doch Konservativen beider Art war das zu wenig – und sie freuten sich, dass die Nachbarn in den Wohnscheiben aus den üblichen Gründen maulten: weniger Parkplätze, Abendsonne und Abstandsgrün. Auf diese Nachbarn beruft sich erstens „Bau“-Senatorin Katrin Lompscher von der Linkspartei, die in den Scheiben bevorzugt gewählt wird. Und  zweitens der in puncto Blockrand und Traufhöhe konservative SPD-Bezirksstadtrat Ephraim Gothe. In der konservativen Einheitsfront mit den Nachbarn traten sie alles in die Tonne – den Wettbewerb mit Teilnehmern und klarem Sieger, zwei Jahre Planungszeit bis zur Baureife und die mehr als eine Million Euro, die die städtische WBM schon in das Projekt gesteckt hat. Ist ja auch alles egal: Berlin gönnt sich bei 50.000 Neubürgern jährlich unbegrenzt Grübelzeit bis zum Wohnungsbau und tut so, als hätte es überreichlich Geld und behördliches Fachpersonal. Letzteres durfte sich jetzt den Sommer gleich mit drei Bürgerversammlungen versüßen, auf denen – Überraschung! – die Fundamentalgegner aus der Nachbarschaft laut obsiegten. Das Projekt steht wieder auf Anfang, wie viele andere in der Stadt auch. „Wohnungsbau? Igitt!“, titelte die „taz“ ironisch zu dieser Politik. Wer in Berlin leidlich untergebracht ist, beruft sich auf ParagrafžŸ 1 des informellen Blockiergesetzes: Ick wohn hier schon, und det muss reichen.    

Wann die Werbephase endet

Foto: Fotolia Akquise geht nicht unbegrenzt: Vereinbaren Architekt und Bauherr eine Vergütung, greift die HOAI, wenn die Leistungen von dieser erfasst sind. Text: Volker Schnepel Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jetzt klargestellt, dass es halbe Sachen nicht gibt: Im Falle einer Vergütungsvereinbarung kann sich der Bauherr nicht darauf berufen, dass Leistungen noch in der „Werbephase“ erbracht worden und deswegen nicht zu vergüten seien. Die Abgrenzung zwischen Akquise und vertraglicher Leistung ist gerade bei Architekten nicht einfach. Selbst bei Leistungen, die in den Leistungsbildern der HOAI erfasst sind, geht die Rechtsprechung oftmals von noch nicht zu vergütenden Tätigkeiten aus. Dieser Tendenz, die vergütungsfreie Akquisitionsphase auszuweiten, soll jetzt allerdings das neue Gesetz zur Reform des Bauvertragsrechts entgegenwirken, das zum Jahresbeginn ŒŽ‘’2018 in Kraft treten und durch das ein eigener Untertitel zum Architekten- und Ingenieurvertrag in das BGB eingefügt wird. Bereits die Erarbeitung von Planungsgrundlagen lässt nach dem künftigen § 650˜™Ž p Abs. 2Œ BGB regelmäßig den Schluss einer bereits vertraglichen und damit auch zu vergütenden Tätigkeit zu, wenn sich Bauherr und Architekt noch nicht über die wesentlichen Planungs- und Überwachungsziele verständigt haben. Vertrag ist Vertrag Auch der BGH hat mit Urteil vom ‘˜16. März 2017 (Az.: VII ZR 35™/‘14) in begrüßenswerter Klarheit deutlich gemacht, dass die vergütungsfreie Werbephase jedenfalls dann endet, sobald eine Vergütungsvereinbarung getroffen wird. Dies bedeutet zugleich, dass die nach der Vereinbarung erbrachten Leistungen nach HOAI zu vergüten sind, soweit sie von deren Leistungsbildern erfasst sind. Dass diese Grundsätze nicht so selbstverständlich sind, wie sie scheinen, zeigen die Entscheidungen der beiden Vorinstanzen. Das vorbefasste OLG Jena hatte noch argumentiert, dass es letztlich von den Umständen des Einzelfalles abhänge, ob ein Architekt werbend tätig werde, um den Auftrag zu erhalten, oder ob er bereits auf vertraglicher Grundlage eine vergütungspfl‚ichtige Tätigkeit wahrnehme. Worum ging es? Eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft bat einen Architekten, für ein Objekt verschiedene Umbauvarianten zu erarbeiten, um sie möglichen Mietinteressenten vorzustellen. Von deren Reaktion sollte abhängen, ob und wie der Umbau vorgenommen wird. Des Weiteren waren Planungsunterlagen notwendig, um die für den Umbau benötigten Fördermittel zu erhalten. Diese Rahmenbedingungen kannte der Architekt. Er teilte dem Wohnungsbauunternehmen schriftlich mit, diese Leistungen im Rahmen der Akquisition kostenfrei zu erbringen, was das Unternehmen ebenfalls schriftlich bestätigte. Zugleich schlug es für weiterführende Arbeiten bis zur Klärung der detaillierten Bauaufgabe eine Vergütung auf Stundensatzbasis für den entstehenden Zeitaufwand vor, die mit dem für den noch abzuschließenden Architektenvertrag vereinbarten Honorar verrechnet werden sollte. Zunächst erbrachte der Architekt weitere Planungsleistungen, bot dann aber den Abschluss eines schriftlichen Architektenvertrags über die Leistungsphasen •1 bis –3 an. Dies lehnte das Wohnungsbauunternehmen mit dem Hinweis ab, erst nach endgültiger Entscheidung über den Umbau, dann aber über alle Leistungsphasen abschließen zu wollen. Zwischenzeitliche Rechnungen des Architekten, von ihm selbst als „vorläu˜fig auf der Grundlage des benötigten Zeitaufwandes“ erstellt, wurden beglichen. Nachdem das Projekt insgesamt gescheitert war, wurde die Zusammenarbeit beendet. Der Architekt machte daraufhin in einer auf Grundlage der HOAI erstellten Schlussrechnung ein Gesamthonorar geltend, das die zuvor geleisteten (und abgezogenen) Zahlungen um mehr als das Dreifache überstieg. Die Vorinstanz war noch davon ausgegangen, dass das Verhalten sowohl der Wohnungsbaugesellschaft als auch des Architekten dahin zu verstehen sei, dass noch kein Architektenvertrag abgeschlossen werden sollte. Stattdessen sei es als Einigung auf eine Fortsetzung der – in diesem Fall allerdings zu vergütenden – Akquisitionsphase zu verstehen. Dieser Wertung lag die Auffassung zugrunde, dass die HOAI die Vertragsfreiheit unberührt lasse, sodass es den Parteien freistehe, für Akquisitionstätigkeiten ein Entgelt zu vereinbaren, das sich unterhalb der Mindestsätze der HOAI bewegt. Wenn Vergütungsvereinbarung dann HOAI Dies hat den BGH zu Recht nicht überzeugt. Die Auffassung des vorentscheidenden OLG, wonach ein Vertrag über eine „entgeltliche Akquise“ geschlossen werden könne, auf den die HOAI keine Anwendung finde, sei mit dem Vergütungssystem der HOAI nicht zu vereinbaren. Anderenfalls könnten über diese Konstruktion auch Architektenleistungen, die von den Leistungsbildern der HOAI erfasst sind, ohne Bindung an die Mindestsätze der HOAI entgegengenommen werden. Dies würde, so der BGH, zu einer Veränderung des Vergütungssystems führen, die mit dem Zweck der Mindestsätze nicht zu vereinbaren sei. Im konkreten Fall ist einzuräumen, dass das Verhalten des Architekten als in gewisser Weise widersprüchlich angesehen werden könnte, wenn er zunächst eine Vergütung unter- oder außerhalb der HOAI akzeptiert und hinterher Nachforderungen auf HOAI-Grundlage stellt. Gleichwohl ist aus grundsätzlichen Erwägungen heraus der Entscheidung des BGH uneingeschränkt zuzustimmen. Auch der BGH hat in seiner bisherigen Rechtsprechung durchaus zugelassen, dass Architektenleistungen erbracht werden, ohne überhaupt vergütet zu werden, wenn es sich um Tätigkeiten im Rahmen der Akquise handelt. Dabei haben die Gerichte die Grenzen der vergütungsfreien Akquise in zum Teil nicht nachvollziehbarer Weise ausgeweitet. Eines aber ist spätestens jetzt klar: Auch wenn es sich bei der HOAI „nur“ um sogenanntes Preiskontrollrecht handelt, setzt sie der Vertragsfreiheit Grenzen, wenn sie hierdurch umgangen oder unterlaufen würde, wie es bei einer nicht HOAI-konformen „entgeltlichen Akquise“ der Fall wäre. Und besonders wichtig: Die Grenzen der Vertragsfreiheit gelten insoweit nicht nur für den Auftraggeber, sondern mindestens in gleicher Weise auch für den Architekten! Dr. Volker Schnepel ist Leiter der Rechtsabteilung der Bundesarchitektenkammer. Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier  

Gefahrengut Daten

Attacken aus dem Internet können viel Geld kosten. Aber kaum ein Architekturbüro hat eine Versicherung gegen Hackerangriffe. Text: Claudia Frickel und Stefan Kreitewolf Datendiebstahl, Sabotage oder Spionage: Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen sind schon Opfer digitaler Überfälle geworden. Cyberkriminellen genügt eine kleine Sicherheitslücke oder ein falscher Klick. Im Visier haben sie nicht nur große Konzerne, sondern auch Architekturbüros. ƒ„35 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wie Architekturbüros schätzen das Risiko hoch ein, so eine aktuelle Studie der Gothaer Versicherung. Zu Recht? Während Konzerne eigene Abteilungen zur IT-Sicherheit einrichten können, fehlen kleineren Betrieben dazu „die personellen, materiellen und  finanziellen Kapazitäten“, sagt Marc Tenbieg, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Mittelstands-Bunds (DMB). Millionenschäden durch Cyberangriffe Doch der Schaden durch einen Cyberangriffe kann „multidimensional sein und damit teurer als erwartet“, so Claudia Wagner von der Ergo-Versicherung. Marco Henrique, bei HDI Global zuständig für Cyberversicherungen, bestätigt dies. Denn durch unterbrochenen Betrieb oder Schadenersatzklagen entstehen schnell Millionenschäden. Trotzdem handeln nach Wagners Aussage viele Büros nach dem „Prinzip Ho—ffnung: Man vertraut darauf, dass Investitionen in zusätzliche IT-Sicherheit das Risiko beherrschbar machen.“ Dabei dürfte „bei den meisten Kleinunternehmern das nötige Know-how nicht vorhanden oder die personellen Ressourcen dürften schnell erschöpft sein“, erklärt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Doch Cyberversicherungen werden bislang kaum angenommen. ›œžŸ2017 haben gerade einmal neun Prozent der KMU eine abgeschlossen, so die Gothaer-Studie. Fast 40œ Prozent der befragten Betriebe denken, digitale Schäden seien von der Betriebshaftpflicht abgedeckt. Das stimmt aber nicht. Zudem sind Cyberversicherungen komplex: Auf die Höhe der Prämie hat neben der Bürogröße die Qualität der IT-Sicherheit Einfluss. Große Konzerne sind meist nach dem international anerkannten Standard für Informationssicherheit ISO ›Ÿœœž27001 oder nach dem Grundschutz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zerti”fiziert und können so den Grad der IT-Sicherheit nachweisen. „Für kleine und mittlere Unternehmen wie Architekturbüros sind diese umfangreichen Sicherheits-Frameworks aber kein gangbarer Weg“, sagt IT-Sicherheitsexperte Dirk Losse. Absicherung ist wichtig, der Aufwand aber hoch DMB-Geschäftsführer Tenbieg fasst das Dilemma zusammen: „Auf der einen Seite ist die Absicherung wichtig, auf der anderen Seite ist der Aufwand hierfür sehr hoch.“ Kleine Unternehmen, etwa Büros mit zehn Mitarbeitern, könnten eine Cyberversicherung bislang kaum „finanzieren. „Wenn die Versicherungen günstiger und transparenter werden, könnte für viele kleine Büros das große Hindernis der Cybersicherheit beseitigt werden.“ Sowohl Versicherer als auch das BSI wollen besonders kleinen und mittelgroßen Architekturbüros den Einstieg erleichtern. HDI und Ergo wollen mit speziellen Produkten gezielt Büros und Unternehmen mit Umsätzen bis zu einer Million Euro ansprechen. Ein neues Verfahren ermöglicht zudem, die Informationssicherheit kleiner Büros zu zertifi„zieren. Für die „Richtlinie 3473“ der Sicherheitsfi„rma VdS Schadenverhütung ist etwa keine umfangreiche Dokumentation notwendig, sie konzentriert sich auf besonders kritische Teile der IT-Infrastruktur. Die Versicherer rechnen damit, dass Cyberversicherungen künftig europaweit an Relevanz gewinnen. •–—˜2018 wird die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU in nationales Recht umgesetzt, die die individuelle Privatsphäre erheblich stärkt. Werden bei Cyberangriff™en Daten von Kunden oder Beschäftigten gestohlen, sind deren Ansprüche gegenüber dem Betrieb künftig höher. Nach Einschätzung der Allianz bedeutet das: Bußgeldzahlungen könnten – auch für Architekturbüros – spürbar zunehmen. Claudia Frickel ist freie Fachjournalistin in München. Stefan Kreitewolf ist Redakteur beim Deutschen Architektenblatt. „Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Effizient“ finden Sie in unserem DABthema Effizient.“ MEHR INFORMATIONEN Wie Unternehmen die IT-Sicherheit erhöhen können Architekturbüros sollten unbedingt eine ganzheitliche Sicherheitsbetrachtung durchführen. Grundlegend sind Virenscanner, Firewalls und regelmäßige Updates aller Programme. Zusätzliche Sicherheit bietet die Verschlüsselung sensibler Daten. Das BSI rät außerdem zu:
  • organisatorischer Sicherheit: regeln, wer intern auf welche Daten zugreifen darf, und ein Notfallmanagement für den Krisenfall einführen
  • personeller Sicherheit: Mitarbeiter schulen, damit sie Zugangsdaten richtig verwenden und sich unterwegs und an fremden Rechnern korrekt verhalten
  • Sicherheitszertifizierungen: Sie zwingen, sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen, und höhere Sicherheitsstandards etablieren
  • Das eigene Risiko hier abfragen
 

Holz gegen Feuer

Unterspannter Bogenträger: eine ästhetische und architektonisch ansprechende Möglichkeit der stützenfreien Ausführung einer Dachkonstruktion. Praxisübliche Brandschutzsysteme beeinträchtigen meist die Optik filigraner Stahltragwerke – eine neue Entwicklung setzt auf Holz, das neben einer ansprechenden Ästhetik zur Nachhaltigkeit der Konstruktion beiträgt. Text: Florian Tabeling, Stefan Sandbrink, Peter Schaumann Der moderne Stahlhochbau besticht durch offene und architektonisch ansprechende Tragstrukturen, die oftmals auch als gestalterische Elemente eines Bauwerks eingesetzt werden. Stahl ermöglicht dabei aufgrund seiner hohen Festigkeitseigenschaften, mit vergleichsweise geringem Materialaufwand große Spannweiten freitragend zu überspannen. Typische Einsatzgebiete sind daher Dachtragwerke von Sportarenen oder wettkampftaugliche Mehrzweckhallen. Aufgrund der fi€ligranen Bauweise unterliegen Stahlstrukturen jedoch stets der Gefahr, dass sie im Brandfall durch den Ein„fluss hoher Temperaturen schnell ihre Tragfähigkeit verlieren. Der bauordnungsrechtliche Feuerwiderstand, der für Rettungs- und Löschmaßnahmen gefordert ist, lässt sich mit ungeschützten Stahlbauteilen in der Regel nicht erreichen. Daher sind tragende Stahlbauteile für den Brandfall zur Erlangung einer gewünschten Feuerwiderstandsdauer zu schützen. Das erfolgt üblicherweise durch Putze, Bekleidungen auf Gipsbasis oder Mineralwolle sowie dämmschichtbildende Systeme. Allerdings wirken sich diese Maßnahmen auf die fi€ligrane Optik der Tragwerke nachteilig aus. Das Büro shl ingenieure aus Hannover hat deshalb in Kooperation mit dem Institut für Stahlbau der Leibniz Universität Hannover Brandschutzbekleidungen aus Holz für Stahlbauteile entwickelt. Darstellung eines 30 mm dicken Rundstahls mit 30 mm dicker Holzbekleidung. Darstellung einer 30 mm dicken Holzbekleidung nach 30-minütiger Brandbeanspruchung im Hochtemperaturofen. Im Brandfall deutlich niedrigere Temperaturen beim Stahl Stahlbauteile erwärmen sich im Brandfall aufgrund der geringen Massigkeit und der hohen Wärmeleitfähigkeit sehr schnell. Holzbauteile erwärmen sich demgegenüber deutlich langsamer. Dieser Umstand ist auf Verkohlungsprozesse im Holz zurückzuführen, die sehr gute wärmedämmende Eigenschaften bei einer Brandbeanspruchung ausbilden. Die verbrennenden äußeren Schichten des Holzes bilden einen thermischen Schutz für den Kern des Querschnitts, wodurch sich die Feuerwiderstandsdauer von stählernen Tragstrukturen signi‰kant erhöhen lässt. Denn die thermischen Schutzeigenschaften des Holzes führen dazu, dass im Vergleich zu den bekannten Brandschutzbekleidungen oder -beschichtungen deutlich geringere Temperaturen im Stahlbauteil auftreten. Übliche Brandschutzsysteme sind darauf ausgerichtet, im Brandfall eine Stahltemperatur von maximal ‘’’500 Grad Celsius sicherzustellen, da Stahlbauteile bis zu dieser Temperatur in der Regel noch ausreichende Tragreserven aufweisen. Mit Hochtemperaturversuchen zur thermischen Schutzwirkung von Holz auf Stahlbauteilen in Kooperation mit dem Institut für Stahlbau der Leibniz Universität Hannover konnte von Sandbrink gezeigt werden, dass sich beim Einsatz von Holz Stahltemperaturen von weniger als —’’300 Grad Celsius sicherstellen lassen. Im Rahmen dieser Versuchsreihe wurden Stahlplättchen mit einer Größe von ›’60 mal 60›’ mal fünf Millimetern mit unterschiedlich dicken Vollholzplatten (20–’, —’30 und š’40 Millimeter) bekleidet und im Hochtemperaturofen —’30 Minuten der Einheits-Temperaturzeitkurve (ETK) ausgesetzt. Der Ansatz dieser Temperaturzeitkurve ist für eine Klassi‰zierung von Bauteilen in Feuerwiderstandsklassen maßgebend. Die gemessenen Verläufe der Heißgastemperatur und der geschützten Stahlplatten sind im ersten Bild unten– dargestellt. Verlauf der gemessenen Heißgastemperatur Verlauf der gemessenen Temperaturen der geschützten Stahlplättchen bei unterschiedlichen Vollholz-Bekleidungsdicken (dw = 20, 30, 40 mm) Aus dem zweiten Bild –oben ist ersichtlich, dass die Vollholz-Brandschutzbekleidung bei einer Brandbeanspruchung unmittelbar wirksam ist und die Stahltemperaturen erst nach fünf bis sechs Minuten anzusteigen beginnen. Die Heißgastemperatur weist zu diesem Zeitpunkt bereits eine Temperatur von mehr als ›’’600 Grad Celsius auf. Im weiteren Verlauf der gemessenen Temperaturkurven ist erkennbar, dass bei einer Temperatur von circa ’’100 Grad Celsius das im Holz gebundene Wasser verdampft und der Temperaturanstieg zeitlich deutlich verzögert wird. Nach einer Versuchsdauer von —’30 Minuten betragen die maximalen Stahltemperaturen bei einer Holz-Bekleidung mit –’20 Millimeter Holz weniger als —’ 300 Grad Celsius und bei einer Bekleidungsdicke von š’40 Millimetern sogar weniger als ’’ 100 Grad Celsius. Bei diesen Temperaturen weist der Baustoff Stahl noch keinen Festigkeitsverlust und lediglich geringfügige Steifi‰gkeitsreduktionen auf. Neben der Tragfähigkeit werden durch die geringen Stahltemperaturen auch thermisch induzierte Dehnungen und damit einhergehende Einflüsse auf das Tragverhalten eines Systems im Brandfall minimiert. Beispielsweise bleibt ein fi‰ligraner Holzbinder mit einer Stahlunterspannung durch eine Holzbekleidung aufgrund der geringen Erwärmung des Stahlelements auch im Brandfall weiterhin ausreichend tragfähig. Statisches System eines unterspannten Bogenträgers sowie Schnittdarstellung des verwendeten Brettschichtholzbinders bzw. der mit Holz bekleideten Stahlunterspannung (nicht maßstäblich). Holz als Brandschutzsystem für Stahlbauteile ist dabei ohne Einschränkung und unabhängig vom Querschnitt – so auch für Zugglieder mit rundem Querschnitt – als Brandschutzbekleidung einsetzbar, da das Hochtemperaturverhalten des Baustoffes Holz normativ in DIN EN 1995-1-2 geregelt ist. Die optischen sowie ökologischen Aspekte, die bei der Verwendung von Holz zum Tragen kommen, stehen im Einklang mit dem Trend nach umweltfreundlichen und nachhaltigen Lösungen und werden dabei hohen ästhetischen Ansprüchen gerecht. Mit den modernen Methoden der Holzbearbeitungstechnik lassen sich Holzbauteile zudem in nahezu jede gewünschte Querschnittsform bringen und somit optimal an einen Stahlquerschnitt anpassen. Da die thermische Schutzwirkung über die gesamte Lebensdauer eines Bauwerks erhalten bleibt, ist dieses Brandschutzsystem praktisch wartungsfrei. Anwendung am Beispiel eines unterspannten Bogenträgers Dachkonstruktionen von Sporthallen sind in der Regel aufgrund der erforderlichen stützenfreien Ausführung des Spielfeldes für Spannweiten von bis zu  Metern auszulegen. Eine ästhetische und architektonisch ansprechende Möglichkeit der stützenfreien Ausführung bieten Bogenträger aus Holz mit einer Stahlseilunterspannung. Durch die Stahlunterspannung wird der Bogenträger primär auf Druck beansprucht, während die Stahlseilunterspannung durch große Zugkräfte beansprucht wird. Mit dieser Konstruktionsweise lässt sich der Bogenträger trotz der großen Spannweite im Vergleich zu einem Biegeträger sehr schlank ausbilden. Damit sich dieses statisch günstige Tragverhalten aus Druck- und Zugkräften einstellen kann, ist die Stahlunterspannung des Bogenträgers, die die Zugkraft überträgt, von elementarer Wichtigkeit. Sofern sich eine brandschutztechnisch ungeschützte Stahlunterspannung im Brandfall zu stark erwärmt, würde der Stahl seine Festigkeit verlieren und damit der unterspannte Bogenträger seine Tragfähigkeit. Für eine deutliche Reduzierung der Tragfähigkeit des Stahlseils genügt dabei bereits eine große thermische Ausdehnung beziehungsweise eine Längenänderung des Stahlseils im Brandfall, die die statisch notwendige Zugkraft gegebenenfalls kritisch abbaut. Die Spannung auf dem Seil wird dabei so schnell abgebaut, dass die Unterspannung nahezu wirkungslos wird. In letzter Konsequenz würde die Tragwirkung der Bogenträger im Brandfall nun einem Einfeld-Biegeträger gleichen, wofür dieses statische System in der Regel aber nicht ausgelegt ist. Im Brandfall würde es versagen. Wird die Stahlunterspannung dagegen mit einer Brandschutzbekleidung aus Holz geschützt, erwärmt sich der Stahl deutlich langsamer: auf rund “100 Grad Celsius nach 30 Minuten Brandeinwirkung nach ETK bei einer 30 Millimeter dicken Holzbekleidung. Die Tragfähigkeit des statisch günstigen Systems aus Druck- und Zugkräften bleibt damit auch im Brandfall erhalten, da nur geringe thermische Dehnungen in der Stahlunterspannung auftreten. Darstellung der mit ABAQUS numerisch ermittelten Temperaturverteilungen in einem ungeschützten (links) sowie mit 35 mm Holzbekleidung geschützten (rechts) Stahlquerschnitt Ø 60 mm nach 30 Minuten Normbrandbeanspruchung. Im oberen Bild  ist beispielhaft die Temperaturverteilung einer mit 35 Millimeter Holz bekleideten Stahlunterspannung (Vollkreisquerschnitt mit einem Durchmesser von ‚ƒ60 Millimeter) nach 30ƒ Minuten ETK-Brandbeanspruchung dargestellt. Die Stahltemperatur hat sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht nennenswert erhöht, sodass für diesen Querschnitt keine signi‹kanten thermischen Dehnungen zu erwarten sind und die Tragfähigkeit des Tragsystems auch im Brandfall sichergestellt ist. Dr.-Ing. Florian Tabeling ist geschäftsführender Gesellschafter der shl ingenieure GmbH, Beratender Ingenieur und Lehrbeauftragter an der HAWK Hildesheim für Stahl- und Verbundbau mit baulichem Brandschutz. M.Sc. Stefan Sandbrink ist als Projektingenieur bei der shl ingenieure GmbH in Hannover tätig und hat in seiner Masterthesis gezielt den Einfluss von Holz als Brandschutzsystem für Stahlbauteile untersucht. Prof. Dr.-Ing. Peter Schaumann ist Leiter des Instituts für Stahlbau der Leibniz Universität Hannover. MEHR INFORMATIONEN Literatur [1] Tabeling, F. : Zum Hochtemperaturverhalten dämmschichtbildender    Brandschutzsysteme im Stahlbau. Hannover, Leibniz Universität Hannover, Institut für Stahlbau, Diss., 2014 [2] Deutsches Institut für Normung e.†V. (DIN) (Hrsg.): DIN 4102-4: Brandverhalten von Baustoff‹en und Bauteilen; Teil 4: Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile. Beuth Verlag GmbH, Berlin, März 1994 [3] DIBt (Hrsg.): Zulassungsgrundsätze für reaktive Brandschutzsysteme auf Stahlbauteilen. Berlin, DIBt, 1997 [4] Sandbrink, S.: Optimierung einer Fachwerkbinderkonstruktion in Stahl- bzw. kombinierter Stahl-Holzbauweise unter Berücksichtigung brandschutztechnischer Anforderungen am Beispiel einer Sporthalle. Hannover: Repositorium der Leibniz Universität Hannover, 2017. 244 S. DOI: https://doi.org/10.15488/1747 [5] Deutsches Institut für Normung e.†V. (DIN) (Hrsg.): Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten; Teil 1–2: Allgemeine Regeln – Tragwerksbemessung für den Brandfall; (DIN EN 1995-1-2). Beuth Verlag GmbH, Berlin, Dezember 2010 [6] ABAQUS: Abaqus/Standard Version 6.10, Pawtucket: Hibbit, Karlsson & Sorensen, Inc. 2011 Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier.

Automatik geht nicht automatisch

Zur Planung und Ausschreibung automatisch betriebener Türen gehört mehr als nur ein Rahmen plus Antrieb. Die Bauteile sind als integrierte Systeme zu verstehen. Text: Jürgen Benitz-Wildenburg, Andreas Schmidt Die Digitalisierung hat mittlerweile nahezu jeden Lebensbereich erfasst. So sind auch automatisch betriebene Haustüren, Garagentore und Sonnenschutzsysteme längst etabliert. Schließlich bieten sie mehr Komfort und Sicherheit. Gerade große und schwere Türen lassen sich mit automatischen Antrieben leicht bewegen: Typisch sind Hauseingangs-, Terrassen- und Balkon- sowie Brandschutztüren im Zugangsbereich zu Keller oder Tiefgarage. Auch in ö„ffentlichen Gebäuden, Pfl†egeeinrichtungen oder beim betreuten Wohnen werden automatische Türen gerne eingesetzt. Zudem ist ein zusätzlicher Nutzen einfach zu realisieren, zum Beispiel durch eine Zentralverriegelung, Alarmmeldung bei Einbruchversuchen oder eine Statusmeldung „o„ffen/geschlossen“ für Fenster und Türen. Was alles passieren kann: prinzipielle Sicherheitsrisiken bei automatischen Bauelementen. Technische Vorreiter bei der Automatisierung sind Rollläden, Markisen und Tore. So wird ein Garagentor mit automatischem Antrieb und Steuerung geliefert; die Bedienung erfolgt per Funk, Transponder, Chipkarte oder über biometrische Daten. Einige Systeme sind auch durch Smartphone steuerbar. Durch einfache „Plug-and-Play“-Lösungen sowie funkbasierte Systeme ist die Installation einfacher geworden. Natürlich stellt sich auch hier die Frage, wie sich die elektronische Manipulation verhindern lässt. Die elektronische Verarbeitung der Signale muss innerhalb des Hauses erfolgen und ausreichend gesichert sein. Dabei ist das Zusammenspiel aller Systeme im Gebäude zu betrachten, da sie sich gegebenenfalls gegenseitig beein†ussen können. Ansonsten haben „Lang˜finger“ mit elektronischen Decodern leichtes Spiel. Das gehört alles dazu: Merkmale und Funktionseinheiten für automatische Drehflügeltüren. Die Produktentwicklungen bei Antrieben, Schlössern und Beschlägen zielen auf die Verkleinerung der Bauteile sowie die Integration der Sensor- und Transpondertechnik in die Antriebe, die in der Türkonstruktion versteckt sind. Da Antriebe zu höheren mechanischen Belastungen führen können, sind Art und Anzahl der Bänder, Profile und Eckverbindungen anzupassen. Kraftbetätigte Türen mit entsprechenden Antrieben müssen deshalb als „System“ konstruiert werden. Als Ergebnis entstehen Türen und Tore in vielfältigem Design mit mehr Sicherheit und Komfort. Normen und CE-Kennzeichnung Für Bauelemente mit elektrischem Antrieb als Maschinen im Sinne der Maschinenrichtlinie ‡ˆˆ‰2006/42‹‡/EG gelten gesonderte Anforderungen, die in den jeweils zugrunde liegenden Sicherheitsanforderungen beschrieben sind. Für den „Maschinenanteil“ ist der Nachweis der Nutzungssicherheit durch die Prüfung der elektrischen und funktionalen Sicherheit erforderlich. Alle anderen Eigenschaften, wie Wärme-, Schall-, Brand- und Rauchschutz, Dichtigkeit, Einbruchhemmung etc., müssen nach den Produktnormen für Fenster/Außentüren DIN EN 14351€‚ƒ„€-1€, Innentüren prEN €‚ƒ„€14351-2† und Tore DIN EN €ƒ†‚€13241-1 nachgewiesen werden. Die Anforderungen zum Brandschutz fiˆnden sich in DIN EN 16034. €‰ŠDie Prüfung der elektrischen Sicherheit erfolgt auf Basis der produktspeziˆschen Normen mit den jeweils anwendbaren Abschnitten DIN EN ‰Šƒƒ„60335-2-†95Œ„/DIN EN ‰Šƒƒ„60335-2-103 für kraftbetätigte Tore und für Fenster und Außentüren. Die Verfahren, die zu einer CE-Kennzeichnung führen, sind in den jeweiligen harmonisierten (gültigen) Produktnormen beschrieben. Sicherheit und Bedienkomfort Hersteller automatisch angetriebener Bauelemente müssen die Anforderungen der Bauproduktenverordnung (BauPVO) und der Maschinenrichtlinie (MRL) mit den jeweiligen harmonisierten Normen erfüllen. Hierfür sind entsprechende Prüfungen und Nachweise notwendig, um das Produkt mit einem CE-Zeichen versehen und in den Markt bringen zu können. Bei allen kraftbetätigten Bauelementen unterscheidet man zwei Bereiche, die nachzuweisen sind. Es sind dies die elektrische Sicherheit (Sicherheit für Mensch und Tier; Vermeidung von elektrischem Schlag, Brand, Verbrennungen) sowie die funktionale Sicherheit (Sicherheit für Mensch und Tier; Vermeidung ungewollter Bewegung infolge von Software- und Bauteilfehlern). Natürlich will sich niemand die Finger quetschen oder unsanft vom Bauelement angestoßen werden. Insofern muss der Hersteller seine „Maschine“ sicher gestalten. Zusätzlich sollten auch die Anforderungen für barrierefreie Gebäude (DIN €18040) beachtet werden, da automatische Bauelemente gerade hierbei Vorteile bieten. Neben maßlichen Aspekten (lichtes Durchgangsmaß mindestens ŒŠ90 Zentimeter, Bedienhöhe für Griffe 85 Zentimeter, niveaugleiche Schwellen) ist auch eine kontrastreiche Gestaltung für Personen mit Sehbehinderung wichtig (Hell-dunkel-Kontrast von Rahmen, Türen und Bedienelementen). Generell ist die Gestaltung der Bedien- und Steuerelemente nach dem Zwei-Sinne-Prinzip zu empfehlen, bei dem wichtige Informationen für die Bedienelemente über mindestens zwei Sinne (visuell, haptisch, akustisch) vermittelt werden. ift-Checkliste: Beispiele für mögliche Gefahrenstellen an automatischen Drehflügeltüren Planungsaufgabe Gefahrenanalyse Ein elektrischer Antrieb macht die Tür zu einer „Maschine“ im Sinne der Maschinen- Richtlinie †ŠŠ‰2006/42EG (EN €‰ŠŠ„16005), bei der die Nutzungssicherheit zu gewährleisten ist. Vor Inbetriebnahme muss grundsätzlich eine Risikobeurteilung erstellt werden, die Maßnahmen zu Verhinderung beziehungsweise Beseitigung von Gefahren enthält. Gemeinsam mit dem Hersteller sollte der Architekt die notwendigen Schutzmaßnahmen festlegen. Als Planungsgrundlage können Informationen der Antriebshersteller und das Merkblatt KB 02Š† „Elektrische Bauteile im Fenster-, Türen- und Fassadenbau“ von VFF, ZVEI und ift Rosenheim genutzt werden. In privaten und geschlossenen Bereichen kann für die Risikoanalyse von einer Nutzung durch eingewiesene Personen ausgegangen werden, was aber für öffentliche Gebäude mit wechselnden und „unbekannten“ Nutzergruppen nicht möglich ist. Die Nutzung durch besonders schutzbedürftige Personen (Kinder, ältere Personen oder Menschen mit Handicap) ist bei der Einstellung der Schließgeschwindigkeit und der Kraftbegrenzung zu beachten. Die Sicherheitseinrichtungen sollten bei der Bauabnahme kontrolliert, die Einweisung für Bauherren und Nutzer vorgenommen und die Informationen für die notwendige regelmäßige Wartung übergeben werden. Gegebenenfalls sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Automatische, kraftbetätigte Türen, Tore und Fenster bieten ein Plus an Sicherheit und Komfort und sind besonders für ältere Personen oder Menschen mit Handicap eine große Hilfe bei der selbstständigen Nutzung des eigenen Wohnbereichs. Diese Bauelemente sind aber mehr als nur ein Rahmen plus Antrieb und müssen als integrierte Systeme verstanden werden. Am Markt sind mittlerweile ausgereifte Systeme verfügbar. Deshalb sollten Architekten sich nicht scheuen, gemeinsam mit Herstellern und Montagebetrieben diese neuen technischen Möglichkeiten in geeigneten Projekten zu planen, auszuschreiben und einzusetzen. Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Benitz-Wildenburg ist Leiter des Bereichs PR & Kommunikation, Andreas Schmidt ist Produktmanager im Bereich Türen und Tore beim ift Rosenheim. „Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier.“    

Kontrolle ist besser

Foto: Fotolia Wer eine Planung von einem anderen Architekten übernimmt, kann für dessen Fehler mithaften. Aber auch der Bauherr trägt Verantwortung. Text: Julian Stahl Beauftragt ein Bauherr zunächst einen Architekten („Architekt “) mit der Planung und lässt diese dann von einem anderen Architekten („Architekt “) ausschreiben und überwachen, haften beide Architekten bei Fehlern der Planung, die im Rahmen der Ausschreibung und Überwachung (erneut) nicht bemerkt werden. In dieser „Dreiecksbeziehung“ hat das folgende Konsequenz auch für den Bauherrn: Fehlen in der Planung von Architekt 1 zum Beispiel notwendige Angaben zum Brandschutz, muss sich der Bauherr dies gegenüber Architekt 2 als Mitverschulden anrechnen lassen, wenn er diesen auf Schadensersatz in Anspruch nehmen will. So hat es das Oberlandesgericht (OLG) München entschieden (Urteil vom Ž9. August 2016‘’ – Az.: 9 U 4338/15 ”Bau). Er hat sich die planerische Leistung von Architekt 1 zu eigen gemacht. Den Mitverschuldensanteil des Bauherrn sah das Gericht bei einem Drittel. Die Aufgabenverteilung in dem der Entscheidung zugrunde liegenden Fall ist nicht ungewöhnlich. Kurz gefasst, hatte das OLG München über folgenden Fall zu entscheiden: Architekt 1 war mit Leistungen von der Grundlagenplanung bis zur Ausführungsplanung beauftragt. Architekt 2 hatte unter anderem die Ausschreibung und Objektüberwachung zu erledigen. Beiden œfiel nicht auf, dass brandsichere Abschottungen von Leitungen fehlten, die weder geplant noch ausgeschrieben waren und dann nicht ausgeführt wurden. Einordnung In rechtlicher Hinsicht ist die Entscheidung des Gerichts nicht überraschend: Jeder haftet für seine Fehler. Im Ergebnis kann sich der Bauherr also aussuchen, welchen der Planer er zur Zahlung von Schadensersatz auffordert. Auch wenn der Bauherr die Schadenssumme nur einmal erhalten kann, bedeutete das in dem entschiedenen Fall nicht, dass beide Architekten jeweils zu 100 Prozent hafteten. Die Planer werden sich mit folgenden Argumenten verteidigt haben: Architekt 1 hafte nicht, weil sein planerischer Fehler bei einer ordnungsgemäßen Ausschreibung und Ausführung hätte auffallen und korrigiert werden müssen. Architekt 2 hafte nicht, weil er genau die Planung ausgeschrieben habe, die er vom Bauherrn erhielt. Damit hatten beide Architekten weitgehend keinen Erfolg. Verantwortung von Architekt 1 Verwirklichen sich Planungsfehler im Bauwerk, kann sich der planende Architekt in aller Regel nicht darauf berufen, dass andere Planungs- und Baubeteiligte ebenfalls ihre Verpflichtungen vernachlässigt haben. Diese Konstellationen führen vielmehr dazu, dass der Bauherr weitere Anspruchsgegner „gewinnt“. Der planende Architekt haftet dementsprechend weiter zu ‘‘100 Prozent. Nur in Ausnahmefällen ist ein anderes Ergebnis möglich, wenn etwa der Bauunternehmer eine von der fehlerhaften Planung abweichende Ausführung wählt, die ebenfalls mangelhaft ist. Sind Planungsbeiträge von Fachplanern fehlerhaft, deren Mangelhaftigkeit der planende Architekt nicht erkennen konnte, gelten die folgenden Ausführungen entsprechend. Solange seine Planung für den Mangel ursächlich bleibt, ist der planende Architekt verantwortlich. Verantwortung des Bauherrn Der Bauherr ist verpflichtet, dem ausschreibenden Architekten (und allen anderen Baubeteiligten) mangelfreie Pläne zur Verfügung zu stellen. Dies ist eine zentrale Aufgabe des Bauherrn, ohne die das Bauvorhaben nicht durchgeführt werden kann. Verletzt er diese, ist er im Schadensfall mitverantwortlich. Dies gilt unabhängig davon, ob der Bauherr die Fehler erkennen konnte. Die Kompetenz hat er an den planenden Architekten 1 delegiert. Dieser nimmt für den Bauherrn die Aufgabe wahr, dem ausschreibenden und bauüberwachenden Architekten 2 mangelfreie Pläne zu übergeben. Er ist damit „Erfüllungsgehilfe“ des Bauherrn und schuldet diesem seinerseits eine mangelfreie Planung. Ungeachtet dessen fällt die Mitverantwortungsquote des Bauherrn (in dessen Lager der planende Architekt steht) gegenüber dem ausschreibenden und bauüberwachenden Architekten in der oben genannten Entscheidung mit einem Drittel eher gering aus. Verantwortung von Architekt 2 Nach Auffassung des gerichtlich bestellten Sachverständigen, der sich im konkreten Fall das OLG München anschloss, war die Ausschreibung des Brandschutzes durch Architekt 2 besonders wichtig und deshalb der Ausschreibungsfehler ausschlaggebend für die Haftung. Wie dem ausschreibenden und Bauaufsicht führenden Architekten der Planungsfehler bei der Ausschreibung hätte auffallen sollen, erläutert das Gericht hingegen nicht. Entscheidend für die Haftungsquote war wohl die Übernahme der Objektüberwachung durch Architekt 2. Dem ausschreibenden und auch Bauaufsicht führenden Architekten komme eine herausgehobene Stellung unter den Baubeteiligten zu. Ihm obliege es, für eine mangelfreie Realisierung zu sorgen. Dazu gehöre auch in „den durch die Aufgabe vorgegebenen Grenzen“ die Prüfung der ihm vorgelegten Pläne. Diese müssen geeignet sein, das Bauwerk mangelfrei entstehen zu lassen. Das entspricht auch der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteil vom Œ29. September ‘1988’’ – Az.: VII ZR 182‘’Œ/87’ž): Der überwachende Architekt ist gegenüber dem Bauherrn verpflichtet, die von ihm umzusetzende Planung des Vorgängerarchitekten zu überprüfen. Mit Vereinbarungen zur Haftungsbegrenzung, wie zum Beispiel „Für Planungsbeiträge des Bauherrn wird keine Gewährleistung übernommen“ oder „Planungsbeiträge des Bauherrn werden nicht geprüft“, wird regelmäßig wenig erreicht. Denn der ausschreibende Architekt haftet nicht etwa wegen der mangelhaften Planung des Bauherrn, sondern aufgrund eigener Versäumnisse. Veraltete oder lückenhafte Planung Nicht nur bei öffentlichen Auftraggebern ruht die Realisierung von Bauvorhaben oftmals nach der Erstellung (ursprünglich) genehmigungsfähiger oder bereits genehmigter Planergebnisse. In dieser Zeit können sich die allgemein anerkannten Regeln der Technik oder die entsprechende Normung verändern. Exemplarisch ist hier der oben angesprochene Brandschutz. Der mit der Fortschreibung der Planung beauftragte Architekt sollte die vom Bauherrn zur Verfügung gestellte Planung kritisch infrage stellen. Gleiches gilt bei Auftraggebern, die meinen, Leistungsphasen „sparen“ zu können. Hier sollten die Ergebnisse der nicht beauftragten Leistungsphasen selbstbewusst beim Auftraggeber angefordert werden. Unklares Schnittstellenmanagement Gerade bei größeren Bauvorhaben kommt dem sogenannten Schnittstellenmanagement große Bedeutung zu. Alle erforderlichen Planungsbeiträge müssen möglichst klar verteilt werden. Anderenfalls neigt die Rechtsprechung dazu, dem mit der Objektplanung beauftragten Architekten die Verantwortung für Mängel durch fehlende Planung zuzuweisen – entweder wegen einer mangelhaften Koordination der Planungsbeiträge oder wegen der Verletzung von Beratungspflichten bei Beauftragung der Fachplaner durch den Bauherrn. Generalplanung Der Vorteil der Generalplanung liegt für den Bauherrn in einer Planung aus einer Hand. Neben dem vorgenannten Schnittstellenmanagement muss der Generalplaner besonders darauf achten, die Planungsanforderungen „durchgängig“, also mit seinen Pflichten identisch, an seine Subplaner weiterzugeben, um intern im Fall fehlerhafter Planung Regress nehmen zu können. Häufig ist jedoch zu beobachten, dass die Weitergabe von Planungspflichten eher „leger“ gehandhabt wird und sich so Planungsrisiken beim Generalplaner ansammeln. Architekt und Landschaftsarchitekt Zur Frage der Erfüllungsgehilfenschaft in der Konstellation Architekt – Landschaftsarchitekt hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom ‘14. Juli 2016ŒŽ‘˜ (Az.: VII ZR ‘193/‘14) entschieden, dass sich auch die Haftung eines Landschaftsarchitekten minimieren kann, wenn der Bauherr ihm falsche Pläne eines anderen Architekten gegeben hat (vgl. „Was verjährt wann?“). Schlussbemerkung Es sollte also allen klar sein: Auf mangelfreie Pläne darf sich der die Planung fortführende Architekt nicht verlassen. Werden Planungsbeiträge anderer Planer übernommen, ist eine kritische Prüfung unabdingbar. Diese sollte daher mit entsprechenden Honorarzuschlägen vergütet werden. Dies sieht die HOAI in § ’8 Abs. 3 ausdrücklich vor: „Die gesonderte Vergütung eines zusätzlichen Koordinierungs- oder Einarbeitungsaufwands ist schriftlich zu vereinbaren.“ Julian Stahl ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht bei der LUTZ | ABEL Rechtsanwalts GmbH in München. Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier  

Von Welterbe, Preisen und Bauen in den Bergen

Bergisches Welterbe Die Müngstener Brücke zwischen Remscheid und Solingen wird 120 Jahre alt. Noch immer ist die stählerne Konstruktion des Ingenieurs Anton von Rieppel mit 107 Metern die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Gemeinsam mit vier etwa gleich alten Großbogenbrücken in Frankreich, Italien und Portugal soll sie nun Weltkulturerbe werden. Am 27. und 28. Oktober treŒffen sich dazu im Haus Müngsten unterhalb der Brücke UNESCO-Vertreter, Ingenieure und Denkmalschützer aus ganz Europa, um die Bewerbung in die Wege zu leiten. Die Bürger sind zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Faszination Normen Man kann über Normen klagen – oder begeistert darüber forschen und diskutieren, wie es vom 20. bis 22. Oktober auf dem internationalen Symposium „Norm-Architektur“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main vorgesehen ist. Das von Philipp Oswalts Lehrstuhl für Architekturtheorie an der Uni Kassel zusammengestellte Programm beginnt mit der zunehmenden Vereinheitlichung von Bauverfahren zur Zeit der Aufklärung, streift Neuferts Bauentwurfslehre und den standardisierten Büro- und Krankenhausbau und endet schließlich bei den tagesaktuellen Themen der seriellen Fertigung und der Digitalisierung von Planungsprozessen. www.uni-kassel.de/go/norm Bremer Landesbank von Caruso St. John Staatspreis Architektur Schmuttertal-Gymnasium von Florian Krieger Ob Landtag, Bank, serielles Wohnhaus oder Co-Working-Space: Alles findet sich unter den vier Auszeichnungen und sechs Anerkennungen des Deutschen Architekturpreises. Den Hauptpreis erhielt das als Holzkonstruktion errichtete Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf. Alle siegreichen Projekte sowie die Beiträge der engeren Wahl sind nun im Katalog „Architektur in Deutschland 2017“ mit zahlreichen Fotos, Projektbeschreibungen und den Jurybewertungen dokumentiert. Herausgeber sind das Bundesbauministerium und die Bundesarchitektenkammer. Kostenfreie Bestellung über: www.architekturpreis.de Koordiniert und sicher Für das sichere Arbeiten auf Baustellen sind Koordinatoren zuständig. Zum jährlichen Bundeskoordinatorentag lädt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin am 8. und 9. November nach Berlin ein. Auf dem Programm stehen der richtige Umgang mit Asbest, praktikable Baustelleneinrichtungen sowie digitale Werkzeuge, die den Bauablauf erleichtern. Informiert wird außerdem über neue Vorschriften und Rechtsprechungen. Kosten: 80 Euro für die Tagung, 30 Euro für einen ergänzenden Gesprächsabend. Programm und Anmeldung: www.bundeskoordinatorentag.de Effiziente Objekte Bei der Planung von Passiv-, Effizienz- und KfW-Häusern hilft ab sofort der neue Band „Objektdaten Energieeffizientes Bauen“ des Baukosteninformationszentrums Deutscher Architektenkammern. Darin werden die Kosten von 88 realisierten Büro- oder Wohnhäusern, Schulen, Sporthallen oder Kulturbauten aufgeschlüsselt. Auch Modernisierungen sind zu finden. Neben Architekten soll die 713 Seiten starke, bebilderte Datensammlung auch Energieberatern die Arbeit erleichtern. Kosten: 89 Euro. www.bki.de Neue Schadensgutachter Zum „Sachverständigen im Bauwesen für Schäden an Freianlagen“ kann man sich beim Institut Fortbildung Bau der AK Baden-Württemberg ausbilden lassen. Dabei soll anhand von Praxisfällen das Wissen über Vegetationstechnik vertieft und das Erstellen von fach- wie laienverständlichen Gutachten erlernt werden. Der berufsbegleitende Lehrgang startet im März 2018 und dauert 20 Monate. Kosten: ab 7.150 Euro, Frühbucher bis 16.11. sparen 400 Euro. www.ifbau.de BIM Standard Deutscher Architektenkammern Die Digitalisierung der Baubranche schreitet voran und ist eines der zentralen Themen der Architektenschaft. Die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern ist groß – ebenso der Bedarf und das Angebot an Fort- und Weiterbildungen. Um dabei ein bestmögliches Niveau zu sichern, hat die Bundesarchitektenkammer am 14. September einen bundesweit einheitlichen Fort- und Weiterbildungsstandard in allen 16 Länderarchitektenkammern für das digitale Planen und Bauen festgelegt. Mit der Einführung des „BIM Standards Deutscher Architektenkammern“, eines Curriculums, das auf der VDI-Richtlinie VDI 2552, Blatt 8.1 fußt, wird ein qualitätsgesichertes und flächendeckendes Angebot geschaff„en. Mehr dazu auf www.bak.de Bauen in den Bergen Das Bayerische Fernsehen hat Ende September die vierteilige Reihe „Neue Alpine Architektur“ gestartet. „Jenseits von Dirndl-Architektur und Chalet-Kitsch“ werden Sprungschanzen, Seilbahnstationen und natürlich Berghütten vorgestellt. Die Projekte scha„ffen den Spagat zwischen extremen Landschaften, örtlichen Bautraditionen und zeitgenössischem Design. Dabei kommen lokale wie internationale Architekten zu Wort. Sogar der scheue Peter Zumthor wagte sich vor die Kamera. Kommende Sendetermine: 10., 17. und 24. Oktober. Die Folgen können außerdem nachträglich in der Mediathek abgerufen werden. www.br.de        

Wärmeschutz mit nur drei Daten

Schotten dicht: Beim Projekt „Between the sheets“ in Amsterdam ist der Sonnenschutz zugleich bestimmendes Fassadenelement. Architekten: Abbink X Co; Fassadendesign: Chris Kabel Das ift Rosenheim hat ein Diagrammverfahren entwickelt, das eine einfache und schnelle, aber dennoch normkonforme Planung des sommerlichen Wärmeschutzes für Wohngebäude ermöglicht. Text: Michael Rossa Große Glasflächen bringen Sonnenwärme und Licht ins Gebäude und verbessern damit Energieeffizienz, Transparenz und Tageslichtversorgung. Um eine Überhitzung der Räume und den Einsatz von Klimaanlagen zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren, ist in der Regel ein Sonnenschutz notwendig. Deshalb fordert die EnEV auch einen Nachweis für den sommerlichen Wärmeschutz. Das in der EnEV vorgeschlagene Sonneneintragskennwertverfahren ist in der Praxis umständlich, sodass Planer und Ausführende oft eine Software nutzen, bei der aber erst die notwendigen Daten für das Gebäude und die geplanten Bauteile eingegeben werden müssen. Um den Zeitbedarf in der ersten Planungs- und Entwurfsphase zu vermindern, hat das ift Rosenheim ein Diagrammverfahren entwickelt, mit dem sich der Sonnenschutz bei Wohngebäuden schnell und einfach planen lässt. Allgemeine EnEV-Anforderungen Die EnEV 2014 stellt in § 3 und § 4 Mindestanforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz von Wohn- und Nichtwohngebäuden, die für zu errichtende Gebäude gelten, also Neubauten. Bei der Sanierung eines Gebäudes ist dieser Nachweis nicht vorgeschrieben. Eine Ausnahme sieht § 9, Abs. 4 und 5, bei der Erweiterung der Nutzfläche um mehr als 50 Quadratmeter und Abs. 5 beim Einbau eines neuen Energieerzeugers vor. Die EnEV verweist als Nachweisverfahren für den sommerlichen Wärmeschutz auf DIN 4108-2:2013-02, die das vereinfachte Sonneneintragskennwertverfahren nach Nr. 8.3 und die thermische Gebäudesimulation nach Nr. 8.4 der DIN 4108-2 zulassen. Für das letztgenannte Verfahren sind in DIN 4108-2 die anzusetzenden Randbedingungen definiert. Vorgaben: Zulässige Sonneneintragskennwerte für Wohn- und Nichtwohngebäude, Klimaregion B, erhöhte Nachtlüftung. Das Sonneneintragskennwertverfahren erwartet vom Planer die Eingabe von Randbedingungen, wie Bauart, erhöhte Nachtlüftung, Fensterfläche des Gebäudes etc. Das Verfahren liefert als Lösung jedoch nicht den für eine Ausschreibung notwendigen gtot-Wert für Sonnenschutz und Verglasung, sondern „nur“ die Information, ob der zulässige Sonneneintragskennwert für die ausgewählte Situation nicht überschritten wurde. Das Verfahren liefert dem Planer als „Trial-and-Error-Methode“ keine Lösung für das Problem, sondern ermittelt lediglich die Zulässigkeit des geplanten Sonnenschutzes. Der Nachweis ist mindestens für den ungünstigsten Raum des Gebäudes zu führen. Die Norm enthält hierfür keine Kriterien und definiert diesen Raum nicht. Der Planer muss daher sein Ergebnis durch weitere Berechnungen absichern. Auch wenn der Nachweis im Regelfall mit EDV-Unterstützung geführt wird, bleibt er aufwendig und nicht immer sind alle für die Planung benötigten Daten sofort verfügbar. Ziel des ift-Nachweisverfahrens ist es daher, allen am Planungs- und Ausführungsprozess Beteiligten ein sicheres, normkonformes und unkompliziertes Verfahren an die Hand zu geben, das mit möglichst wenigen Eingabeparametern auskommt. Das vereinfachte Diagrammverfahren benötigt lediglich die Nettogrundfläche des Raumes, die vorgesehenen Fensterflächen und die Verglasung, die typischerweise im Wohnungsbau ein Wärmeschutzglas ist. Der auf die Grundfläche bezogene Fensterflächenanteil fWG ist definiert als das Verhältnis von Fensterfläche (Rohbaumaß) zur Nettogrundfläche des Raumes. Das ift-Diagrammverfahren kann nicht für Nichtwohngebäude genutzt werden, da die Anforderungen hier höher sind und die Zusammenhänge in Bezug auf Nutzung, interne Lasten etc. komplexer sind. Für Nichtwohngebäude empfiehlt sich im Regelfall eine thermische Gebäudesimulation, insbesondere dann, wenn zusätzliche Anforderungen, wie die Arbeitsstättenverordnung, zu beachten sind. Vereinfachtes Verfahren nach DIN 4108-2 Das vereinfachte Nachweisverfahren nach DIN 4108-2 für den sommerlichen Wärmeschutz zeigt, ob der vorhandene Sonneneintragskennwert Svorh den zulässigen Sonneneintragskennwert Szul nicht überschreitet. Der zulässige Sonneneintragskennwert wird nach dem „Bonus-Malus-Prinzip“ aus den anteiligen Sonneneintragskennwerten der Tabelle 8 der DIN 4108-2 ermittelt. Diese ergeben sich unter anderem aus der Klimaregion, der Bauart des Gebäudes, dem grundflächenbezogenen Fensterflächenanteil, der Fensterneigung und der Orientierung der Fenster. Der vorhandene Sonneneintragskennwert ergibt sich aus der Fensterfläche, der Nettogrundfläche des Raumes und dem gtot-Wert, der sich aus dem Gesamtenergiedurchlassgrad des Isolierglases und dem Abminderungsfaktor FC der Sonnenschutzvorrichtung ergibt. Die FC-Werte als Anhaltswerte können der Tabelle 7 in DIN 4108-2 entnommen werden, oder es werden durch Messung und Prüfzeugnis nachgewiesene Werte verwendet, die etwas genauer sind. Zu beachten ist, dass die DIN 4108-2 beim Verzicht auf einen Nachweis für den sommerlichen Wärmeschutz nach Tabelle 6, Zeile 2, nicht die Regelung des § 47 der Musterbauordnung berücksichtigt. Die Musterbauordnung fordert einen auf die Grundfläche bezogenen Fensterflächenanteil von 12,5 Prozent. Damit wird der zulässige Wert von zehn Prozent, bei dem auf einen Nachweis verzichtet werden kann, immer überschritten. Das vereinfachte Diagrammverfahren Das Sonneneintragskennwertverfahren ist für die erste Planung und Beratung durch Architekten weniger gut geeignet, da das Berechnungsverfahren eine detaillierte Kenntnis der Randbedingungen des Gebäudes erfordert und in akzeptabler Zeit nur mit einer Software bewerkstelligt werden kann. Das ift-Diagrammverfahren entspricht dem Rechenverfahren des vereinfachten Nachweisverfahrens der DIN 4108-2 und kann daher als normkonformes Verfahren für den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2 angewendet werden. Es zeigt in Form von Diagrammen zum sommerlichen Wärmeschutz sofort die sinnvollste Lösung für den Sonnenschutz (FC-Wert) und benötigt nur eine geringe Anzahl von Eingangsdaten. Der Anwendungsbereich der Diagramme ist beschränkt auf den Wohnungsbau und auf senkrechte Fensterflächen. Die Diagramme gelten für alle Orientierungen, liefern allerdings für nach Norden gerichtete Fenster eine ungünstige Dimensionierung, da auf der Nordseite die solare Einstrahlung geringer ist und im Wesentlichen diffus erfolgt. Die Vereinfachung ergibt sich durch die Annahme folgender praxisgerechter Randbedingungen, die auf der sicheren Seite liegen und vom Anwender nicht mehr ermittelt und überprüft werden müssen: – leichte Bauart, – Sommer-Klimaregion C, – erhöhte Nachtlüftung (n ≥ 2 h-1, bei der Wohnungsnutzung kann nach DIN 4108-2 von der Möglichkeit einer erhöhten Nachtlüftung ausgegangen werden), – Zweifach- oder Dreifach-Wärmschutzisolierglas. Als Mindestangaben für den Nachweis eines Wohngebäudes werden deshalb lediglich die Nettogrundfläche des Raumes beziehungsweise der Räume, die Fensterfläche und der maximale g-Wert der Wärmeschutzverglasung benötigt. Dipl.-Phys. Michael Rossa ist Experte für Energieeffizienz, Bauphysik und Glas beim ift Rosenheim. MEHR INFORMATIONEN Anwendungsbeispiel für Diagrammverfahren Die Planung erfolgt für einen Raum in einem Wohngebäude mit einer Nettogrundfläche von 30,8 Quadratmetern und einer Fensterfläche von 5,6 Quadratmetern. Der Gesamt Energiedurchlassgrad g des Mehrscheiben-Isolierglases darf, wie im Diagramm angegeben, maximal 64 Prozent betragen. Dieser Wert wird bei den am Markt angebotenen Wärmeschutzgläsern typischerweise nicht überschritten. Mit diesen Angaben erfolgen die Planung und der Nachweis. Ablese-Diagramm: Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes – Wohngebäude mit Wärmeschutzverglasung Im Beispiel ergibt sich ein erforderlicher FC-Wert für den zusätzlichen Sonnenschutz von 0,75. Eine Planung mit einem Wärmeschutzglas und einem innen liegenden Sonnenschutz (FC = 0,75) wäre hier ausreichend. Maßgeblich im Diagramm ist der Bereich für FC = 0,75, da der Punkt innerhalb des Bereichs liegt. Die Option „kein zusätzlicher Sonnenschutz“ (FC = 1) ist nicht möglich, da der Punkt oberhalb des Bereichs für FC = 1 liegt. Entscheidend ist also der Bereich FC = 0,75. Beispielgrundriss: Ermittlung der Nettogrundfläche So kann auch die Planung eines zusätzlichen Sonnenschutzes einfach erfolgen, da lediglich die zuvor genannten Randbedingungen bekannt sein müssen. Diagramme für weitere Verglasungen sowie ausführlichere Erläuterungen der Randbedingungen und des Abminderungsfaktors FC sind in der ift-Fachinformation WA-21/1 enthalten, die im ift-Literaturshop verfügbar ist. Regelwerke Energieeinsparverordnung 2014, Bundesgesetzblatt Jahrgang 2013 Teil I Nr. 67, Bonn, 21. Nov. 2013 DIN EN 4108-2:2013-02: Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz, Beuth Verlag GmbH, Berlin ift-Fachinformation WA-21/1: Sommerlicher Wärmeschutz; vereinfachte Nachweisverfahren und Diagramme, ift Rosenheim, Veröffentlichung April 2016 VFF-Merkblatt ES.04: Sommerlicher Wärmeschutz, Verband Fenster + Fassade, Frankfurt, Oktober 2014 Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier

Spielarten von Beton

Das Kreativwirtschaftszentrum im Mannheimer Hafen von Hartwig Schneider Architekten Hell oder dunkel, glatt oder rau, skulptural oder rational – die 20. Auflage des Architekturpreises Beton zeigt die vielen Gesichter des Baustoffs. Über den Architekturpreis Beton können sich vier gleichberechtigte Sieger freuen: Die Erweiterung des Sprengel Museums Hannover von Meili Peter Architekten überzeugte mit ihrer dunklen Sichtbetonfassade, die durch Leisten und Felder auf unterschiedlichen Ebenen strukturiert wird. Im Konzerthaus Blaibach von Peter Haimerl erzeugen die Wände aus Leichtbeton durch den Zuschlag von Glasschaumschotter eine Dämmwirkung und eine natürlich erscheinende Maserung. Das Kreativwirtschaftszentrum im Mannheimer Hafen von Hartwig Schneider Architekten schafft mit rot eingefärbtem Sichtbeton die Verbindung zu den benachbarten Ziegelbauten. Das Einfamilienhaus E20 in Pliezhausen von Steimle Architekten Das Einfamilienhaus E20 in Pliezhausen wurde von Steimle Architekten aus 50 Zentimeter starkem Leichtbeton mit Blähtonzuschlag errichtet, die sägerauen Außenseiten mildern den monolithischen Eindruck. Wohnungsbau in der Dresdener Gret-Palucca-Straße von Leinert Lorenz Architekten Eine von vier Anerkennungen geht an Leinert Lorenz Architekten für ihren Wohnungsbau in der Dresdener Gret-Palucca-Straße, der beweist, dass auch aus Fertigteilen dank etagenweise verspringender Knicke in der Betonbrüstung ein dynamischer Solitär entstehen kann. Zur Preisverleihung lädt das Informationszentrum Beton in Kooperation mit dem BDA am 18. September nach Düsseldorf ein. Alle Preise und Anerkennungen: www.architekturpreis-beton.de Beiräte beraten sich Gestaltungsbeiräte aus ganz Deutschland – und solche, die es werden wollen – lädt die Stadt Freiburg im Breisgau am 19. und 20. Oktober zum Erfahrungsaustausch ein. Besprochen wird beispielsweise, ob Sitzungen öffentlich sein sollten, wie sichergestellt wird, dass sich Empfehlungen im fertigen Bauwerk wiederfinden oder wie das Verhältnis von Gestaltungsbeiräten zu Wettbewerbsjurys ist. Außerdem wird der Ausblick auf zukünftige Einsatzfelder gewagt, etwa bereits bei der Entwicklung städtebaulicher Leitbilder. Das Netzwerktreffen wurde 2016 von der Bundesstiftung Baukultur ins Leben gerufen. Die Bundesarchitektenkammer ist Kooperationspartner. Informationen und Anmeldung: www.freiburg.de/netzwerktreffen-gbr Die Mischung macht’s Innenverdichtung oder neue Stadtteile? Und was kann das neu geschaffene „Urbane Gebiet“ leisten? Diese Fragen möchte der BDA Nordrhein-Westfalen bei der Veranstaltungsreihe „Die Mischung macht’s – Ein neues Gefühl von Stadt“ diskutieren. Gelegenheit dazu ist zwischen 25. September und 16. Oktober in Aachen, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Herdecke, Hilden und Köln. Mehr Informationen: www.bda-nrw.de Bauen im Dreiländereck Bei den trinationalen Architekturtagen am Oberrhein können in 29 Städten von Heidelberg bis Basel über 200 Veranstaltungen besucht werden. Vom 29. September bis zum 27. Oktober stehen Exkursionen, Aktionen im öffentlichen Raum, Vorträge und Fortbildungen auf dem Programm. Am 23. Oktober wird Volker Staab im Straßburger Europarat sprechen. Das ganze Programm: www.europa-archi.eu Mauern einreißen Ein ungewöhnliches Team wird den deutschen Pavillon auf der Architektur-Biennale 2018 in Venedig kuratieren, wie am 16. August bekannt wurde: Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit vom Architekturbüro GRAFT gemeinsam mit Marianne Birthler, ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Ausgehend davon, dass Deutschland 28 Jahre geteilt war und im Jahr 2018 bereits 28 Jahre vereint sein wird, will ihr Beitrag „Unbuilding Walls“ die räumlichen Phänomene von Teilung und ihrer Heilung untersuchen. Zugleich soll über aktuelle Abgrenzungen nachgedacht werden, denn „während die Welt zusammenwächst, werden zunehmend Mauern diskutiert und errichtet“. Wohnungsbau und Kirchen Gut gemacht, umfangreich und trotzdem kostenlos: Zwei neue Publikationen der Wüstenrot Stiftung informieren zu hochaktuellen Themen. „Wohnvielfalt“ handelt von gemeinschaftlich und sozial ausgerichteten Wohnprojekten und dem Zusammenleben im Quartier. Im Rahmen eines Forschungsprojekts unter Leitung von Susanne Dürr und Gerd Kuhn wurden dazu 12 Fallbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht, die im Buch zunächst einzeln vorgestellt werden. Anschließend erfolgt ein Vergleich, etwa im Hinblick auf Raumprogramm, städtebauliche Einbindung oder Partizipation. Das Buch „Kirchengebäude und ihre Zukunft“ folgt auf einen Wettbewerb zu Sanierung und Umbau von Gotteshäusern (hier geht es zu den zwei Preisträgern). Mit vielen guten Fotos und Plänen werden 33 Beispiele aus Deutschland präsentiert, bei denen etwa der Kirchenraum zum Familienzentrum, zur Bibliothek oder zur Urnenbegräbnisstätte wurde. Kostenlose Bestellung: www.wuestenrot-stiftung.de/publikationen Immer auf Achse Zunehmend wird zwischen Wohn- und Arbeitsort gependelt. Das hat Auswirkungen auf den Wohnungsbau, das Verkehrsnetz und die Stadtbevölkerung – aber auch auf die persönliche Organisation von Familie, Freizeit und Beruf. Besonders aus weiblicher Perspektive werden diese Fragen am 29. September auf der Tagung „zuhause – unterwegs“ in Stuttgart behandelt, die von den Architektinnen der Landeskammer Baden-Württemberg und der Kammergruppe Stuttgart veranstaltet wird. Fachfrauen aus unterschiedlichen Disziplinen referieren über Mobilität, Heimatgefühl und Wohnwünsche. Architektinnen aus ganz Deutschland sind eingeladen. Tagungsbeitrag: 50 Euro. Informationen und Anmeldung bis 18. September: www.akbw.de/link/cz2

Das Interieur der Macht

Was ist staatstragendes Design? Wie richtet man Orte ein, an denen die mächtigsten Menschen der Welt verkehren? Ein Streifzug durch das politische Berlin. Text: Anja Martin An diesen Fingernägeln ist kein weißer Rand zu sehen, so kurz sind sie geschnitten. Da bleibt nichts, was über Stoff kratzen oder einen Faden ziehen könnte. Diese runden Fingerspitzen haben Stoffe und Dekoration an die Orte der Macht gebracht – ins Bundeskanzleramt etwa oder nach Schloss Meseberg. Sie gehören Sophie von Seidlein, 56, die hier in ihrem Laden in Berlin-Charlottenburg noch einmal das stoffliche Inventar des Gästehauses der Bundesregierung durch die Finger gleiten lässt. Sie pickt einen ziemlich edlen Stoff heraus, traditionell französisch, als sei er für ein Château gewoben: „Der hängt als Vorhang in den Suiten.“ Alles, was mit Gewebe zu tun hat, kam auf ihren Vorschlag nach Schloss Meseberg, dazu Bäder, Geschirr, Leuchten, Teppiche. Elegant sollte es sein, nicht kitschig. Angemessen, nicht prahlerisch. Zehn Jahre ist es her, dass sie das herrschaftliche Anwesen vor den Toren der Hauptstadt einrichten durfte, wo sich Präsidenten am Kamin zusammensetzen. Von Seidlein war kürzlich noch einmal dort. Noch immer stehen auf dem Kaminsims die Vasen, für die sie extra nach Paris geflogen ist. Nichts hat sich verändert im Innern der Macht, oder besser gesagt: am Interieur der Macht. Die Zeit der Hofausstatter ist längst vorbei. Heute bestellen die Behörden alles von der Schreibtischlampe bis zum Anspitzer über das „Kaufhaus des Bundes“. Der Familienbetrieb Radspieler, aus dem Sophie von Seidlein stammt, war vor ein paar Generationen in Bayern noch Hofausstatter, vergoldete und richtete ein, durfte das königliche Wappen führen. So etwas gibt es in Deutschland längst nicht mehr. Heute gibt es für alles Ausschreibungen, außerdem Seltsames wie ein „Kaufhaus des Bundes“ – kein realer Ort, sondern eine Bestellplattform, über die Behörden zu Sonderkonditionen ihre Schreibtischlampen oder Anspitzer beziehen. Da klingt Einrichten weniger nach gutem Geschmack als nach Organisation und Sparen. Kulisse: Die Kamerabilder bei Staatsbesuchen werden vor der „blauen Wand“ aufgenommen, einem mit Stoff bespannten Holzrahmen. Zeitlosigkeit und Ingenieurkunst Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße. Wenn Politiker zu Besuch kommen, werden Bilder gemacht. Angela Merkel vor der blauen Wand, wie sie Hände schüttelt, ins Mikrofon spricht. Ein förmlicher Ort – und ein temporärer: Die Wand ist nur ein Holzrahmen, sechs mal 3,1 Meter groß, bespannt mit Deko-Displaystoff, aufgestellt im Foyer. Eine Inszenierung, die nur funktioniert, weil Kameraformate begrenzt sind. Das Drumherum kann mal schön sein, mal hässlich – ganz egal: Von der Öffentlichkeit wird es nicht wahrgenommen. Deutlich weniger Kulisse und bestimmt eine der bequemen Ecken der Macht: die Minotti Sofas im Kanzlerbüro. Hier nahm die Queen Platz, ebenso wie Obama und Hollande. Wenn es in Merkels Büro ums Arbeiten geht, setzt man auf Designgeschichte – am Konferenztisch und am Schreibtisch der Kanzlerin stehen Aluminium-Chairs, die Klassiker von Ray und Charles Eames. Ein Stuhl, mit dem man nichts falsch machen kann. In der Sky-Lobby und in der Kanzlergalerie dagegen: das Erbe von Dieter Rams. Die Sessel 620 waren sogar aus Bonn mitgezogen, wurden 2015 ersetzt – durch exakt dasselbe Modell. Vielleicht ist ja Langlebigkeit der Wert, den Deutschland transportieren möchte? Oder Zeitlosigkeit. Und vielleicht auch Ingenieurkunst. Denn international bekannt wurde Rams als Industriedesigner für Braun. Merkel und ihr Vorgänger Schröder scheinen sich da einig: Schröder hat die Rams-Sessel aus Bonn mitgebracht, Merkel hat an ihnen festgehalten. „Funktional und amtsangemessen“ Bundesministerium des Innern, Alt-Moabit. Wenn sich Thomas de Maizière den Kopf über Sicherheitsfragen zerbricht, telefoniert oder auch twittert, dann sitzt er in seinem 2015 neu bezogenen Büro auf skandinavischem Design. Die Tulpenstühle von Kastholm & Fabricius bekamen 1969 den ersten „Gute Form“-Preis der Bundesrepublik verliehen. Allerdings sitzt de Maizière vermutlich gar nicht immer, denn sein Schreibtisch ist höhenverstellbar, wie weitere 1.200 in den Büros der Mitarbeiter. Was einem in vielen Behörden neben Möbeln immer wieder begegnet, sind Angst und Sorge. Angst, als verschwenderisch zu gelten. Das führt zu ersten Antworten wie: „Das Zimmer des Ministers ist zweckmäßig, funktional und amtsangemessen möbliert. Wir haben keine Designermöblierung.“ Man beruft sich lieber auf Bürokratisches wie die „Entscheidungsunterlage Gerät“, vom Finanzministerium genehmigt. Oder auf das Beschaffungsamt. Deutlich kleiner ist die Sorge, als stillos geschmäht zu werden. Es grassiert die Angst, als verschwenderisch verschrien zu werden. Dann doch lieber als stillos. Tatsächlich ist es schwierig, an genaue Informationen zu kommen; die Beantwortung vieler Fragen führt über einen Antrag auf Akteneinsicht. Dann die letzte Sorge: keine Werbung für Dritte machen zu wollen oder Hoflieferanten zu küren. Zugleich: Haben wir nicht Wichtigeres zu tun? Definitiv, das will keiner bestreiten. Aber wie Politiker sich einrichten, verrät andererseits auch viel darüber, wie sie wahrgenommen werden wollen. Entschärft: Das Präsidentenzimmer der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Die trutzige Monumentalität des Gebäudes aus der Nazi-Zeit wurde mit Möbeln der Nachkriegsjahre aufgelockert. Ein bisschen Glanz darf sein Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Rauchstraße. Ein Haus wie ein Fort: dicke Mauern, kleine, vergitterte Fenster, eine schwere Holztür. Drinnen Bibliothek, Kaminzimmer und das Präsidentenzimmer, eine Art Oval Office. Hohe Politiker bis hin zu Staatspräsidenten statten hier einen Besuch ab, wenn sie in Berlin sind. Ein denkmalgeschütztes Gebäude aus den Dreißigern, von der DGAP in den Neunzigern gekauft. Wie richtet man das ein? Art déco? Fehlanzeige. Die Wahl fiel auf Möbel der Fünfziger, man erstand sie bei einem Antiquitätenhändler in Berlin. Der Schreibtisch von Tecno, Design Osvaldo Borsani, der Couchtisch von Knoll International, die Konferenzstühle entworfen von Eero Saarinen. Elan der Nachkriegszeit statt Erinnerung an düstere Jahre. Aber ist das repräsentativ? Als Gegengewicht zieht sich über alles eine Decke aus Blattgold. Ein bisschen Glanz darf sein. Drei Schichten, drei Epochen Auswärtiges Amt, Werderscher Markt. Ehemals Reichsbank, später SED-Parteizentrale – dieses Gebäude trägt wirklich schwer an seiner Vergangenheit. Wie sollte man darin beim Umzug nach Berlin ein zeitgemäßes Außenministerium einrichten? Gewesenes nicht unter den Teppich kehren und doch klarmachen, dass die Last zweier Diktaturen nichts mit der heutigen Außenpolitik zu tun hat? Der Architekt Hans Kollhoff arbeitete in drei Schichten für drei Epochen. Da sind noch die ehemaligen Kassenräume, die Tresortüren und der Marmor an den Wänden aus der NS-Zeit. Die Holzeinbauten und Bestuhlungen der Genossen aus dem Sozialismus wurden aufgearbeitet und werden weiter genutzt. Doch dann ist da auch die dritte Schicht: Farbflächen, Designklassiker. Der charismatische Barcelona Chair von Mies van der Rohe wartet gleich in der Eingangshalle. Der Sessel ist begehrt wie nie. 1929 entwarf ihn van der Rohe für den deutschen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona, damit sich das Königspaar bei der Eröffnung gepflegt hinsetzen konnte. Auch für die Reichsbank hatte er einen Entwurf abgegeben, der sich aber nicht durchsetzte. Zumindest erinnert jetzt sein Stuhl an ihn. Auswärtiges Amt Die Handschrift der Chefs Wechseln die Köpfe, ändert sich oft auch das Mobiliar – schließlich will der Neue alles anders machen als der Vorgänger, teils demonstrativ. So weiß man, dass Joschka Fischer unbedingt Terrakottaboden in seinem Büro haben wollte, Frank-Walter Steinmeier dann später Teppich darüberlegen ließ und alle Möbel austauschte. Die Bundeskanzlerin ist offenbar pragmatischer, sie übernahm das Kanzleramtsbüro, wie es war. Einmal sagte sie, dass sie ihr riesiger Schreibtisch befremde, dass sie lieber am Konferenztisch arbeite. Geblieben ist er dennoch. Bundesministerium (BM) für Bildung und Forschung Ist gutes Design fachübergreifend? Beweist man seine Weltoffenheit durch das Bekenntnis zu Bauhaus, Eames, Saarinen und Co, die global für ihre Entwürfe geschätzt werden und fast zeitlos scheinen? Ministerien sind natürlich stark ihrem Arbeitsfeld verpflichtet. Das merkt man besonders beim Bundesumweltministerium am Potsdamer Platz. Designer-Namedropping fällt hier aus, dagegen geht es kaum nachhaltiger: Lehmwände, Passivhausstandard, regionale Produzenten, Heißwasserarmaturen, stromsparende Geräte, eine Brennstoffzelle für die Kantine, heimische Pflanzen im Garten und eine gegen Vereisen geothermisch beheizte Rampe in die Tiefgarage. BM des Innern BM für Umwelt und Bau Zurück bei Sophie von Seidlein in Charlottenburg. Sie hat Schröder wie Merkel erlebt und sagt über deren Umgang mit Einrichtung: „Sie sind beide bescheiden.“ Vielleicht sei das ja etwas Deutsches, diese Zurückgezogenheit. Man hält sich lieber bedeckt, statt sich dem Vorwurf auszusetzen, zu prahlen oder im Luxus zu schwelgen. In anderen Ländern geht man verschwenderischer mit den Dingen um: in Großbritannien der Prunk ums Königshaus, in Frankreich das Goldglänzende, in Österreich das Barocke. Dort wundere man sich, wenn der große Auftritt fehle. In Deutschland dagegen wird gespart und aufgearbeitet. Vor Repräsentativem scheut man sich, bleibt lieber solide. „Man versteckt sich hinter grau und schlicht und Minotti-Sofas“, findet von Seidlein. Das ist natürlich schade, aber vielleicht gar nicht so unsympathisch. Denn das andere Extrem findet sich im Oval Office, wo Donald Trump direkt nach seinem Amtsantritt goldene Vorhänge anbringen ließ. Anja Martin ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Architektur und Gesellschaft, sie lebt in Berlin. Ihr Text erschien zuerst in der FAS. Mehr Informationen und Artikel zum Thema „wählerisch“ finden Sie in unserem DABthema wählerisch

Die Stimme der Architekten

Barbara Ettinger-Brinckmann ist Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. Stell Dir vor, es ist Wahl, und keiner geht hin. Ich will es mir nicht vorstellen. Ich gehe davon aus, dass meine über 130.000 Kolleginnen und Kollegen zur Wahl gehen und am 24. September bei der Wahl zum 19. Bundestag ihre Stimme abgeben werden. Wir Architekten haben uns immer als gesellschaftliche Avantgarde verstanden. Doch wie politisch sind wir heute? Ich meine, bis heute ist unsere Arbeit, sind unsere Planungen sozial relevant und damit per se auch politisch. Der Blick zurück zeigt: Unsere Bauten spiegeln die gesellschaftliche Entwicklung wider, sie zeugen von den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Eigenschaften einer Epoche. Stadtplanung und Architektur dokumentieren die Bedeutung von Macht und Geld ebenso, wie sie deren Abwesenheit wiedergeben. Sie künden vom Willen nach Repräsentation und Distinktion und machen Reichtum wie Armut deutlich. Doch wie bauen wir heute? Werden unsere Architektur und unsere Stadtplanung einst die Botschaft einer demokratischen und damit pluralistischen, fortschrittlichen, offenen, integrierenden und sozialen Gesellschaft übermitteln? Machen wir es uns bewusst: Stadt und Haus zu planen, bedeutet, Grenzen zu ziehen zwischen innen und außen und unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen. Gute Architektur und gute Stadtplanung helfen, Ausgrenzung und Verdrängung zu vermeiden. Das ist unser Beitrag, den wir, gemeinsam mit unseren Auftraggebern, erbringen sollten. Voraussetzung dafür ist, dass wir mit großer Sensibilität für die Bedürfnisse unserer Auftraggeber und die Belange der Gesellschaft planen. Architektur kann nie losgelöst von gesellschaftlichen Strömungen sein. Architekten und Stadtplaner müssen daher schon von Berufs wegen politisch denken und handeln. Einer komplexen Gesellschaft, die sich weiter ausdifferenziert und vielfältiger wird, wird man kaum mit einfachen Antworten begegnen können. Es wird versucht, aber wir wissen, wohin Populismus und Demagogentum führen können. Umso wichtiger ist es, dass wir 130.000 Architekten und Stadtplaner unsere Stimme abgeben und dazu beitragen, dass Verdruss oder Beliebigkeit nicht die Oberhand gewinnen. So tragen wir dazu bei, eine offene und vielfältige Gesellschaft zu erhalten und auszubauen. Sicher, es gehört zu unseren Freiheiten, auf die Wahl zu verzichten. Aber ich erinnere daran, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern durch unsere Wahl erst lebendig wird. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck wies vor der Bundestagswahl 2013 darauf hin, dass „unsere Demokratie davon lebt, dass wir eine Stimme haben und diese Stimme nutzen. Sie lebt davon, dass Bürger andere Bürger auf Zeit damit beauftragen, die öffentlichen Dinge zu regeln. Und sie lebt davon, dass die Gewählten ihren Auftrag ernst nehmen.“ Wer unser Land gestaltet, braucht unsere Stimme und unseren Auftrag. Wir entscheiden selbst, wie viel Kompetenz und Hingabe und wie viel Mut und Ehrlichkeit wir in der Politik vorfinden. Das ist kein Zufall, sondern Folge unserer Entscheidung. Ich stelle mir vor, dass Wahl ist, und alle Kolleginnen und Kollegen gehen hin.

Architekten verzweifelt gesucht

Architekten sind gefragt wie nie. Wie Kommunen und Architektenbüros um die besten Bewerber konkurrieren. Text: Stefan Kreitewolf Sabrina Kolano kommt frisch von der Uni. Nach Mensa, Bibliothek und Seminaren beschäftigt sie sich bei HPP Architekten mit Bürogestaltungen und beginnt mit Vorentwürfen. Seit März arbeitet sie bei dem Düsseldorfer Büro als Innenarchitektin. Am Ende ihres Studiums in Detmold hatte sie die Qual der Wahl. „Es gibt unzählige Jobangebote“, sagt sie. Zu sechs Gesprächen wurde sie eingeladen. Zwei Angebote lehnte sie ab. Dann landete sie bei HPP. Kolanos Jobeinstieg klappte reibungslos. Um ihre beruflichen Chancen in der Zukunft macht sich die Kölnerin keine Sorgen. Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, berichtet: „Die wirtschaftliche Lage ist derzeit für viele deutsche Architekten gut.“ Das hebt die Laune: Laut einer Umfrage des ifo Instituts, die vierteljährlich die Stimmung unter Architekten erfragt, waren diese im ersten Quartal 2017 so optimistisch wie nie. Nur jeder elfte Architekt schätzte seine Lage als „schlecht“ ein. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im April lediglich 2.067 arbeitslose Architekten. Verglichen mit derzeit rund 132.800 deutschen Architekten, entspricht das gerade einmal 6,4 Prozent. Die geringe Arbeitslosigkeit sowie die Hochstimmung im Berufsstand sind vor allem auf die gute wirtschaftliche Lage und die niedrigen Zinsen zurückzuführen. Es wird gebaut – und das freut die Architekten. Teilzeit, Gleitzeit, Elternzeit, Home-Office „Während sich vor zehn Jahren noch Stellengesuche und Stellenangebote die Waage hielten, sind die einschlägigen Fachportale heute voll mit Angeboten“, sagt Claus Klein, Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Ausschusses „Belange der Tätigkeitsarten“ bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Ein „Spiegel“-Bericht aus dem Jahr 2006 unterstreicht seine Retrospektive. Darin ist die Rede von einer „anhaltend schlechten Auftragslage“. Wer überleben wolle, müsse „eine Nische finden – oder den Beruf wechseln“. So eine Situation sei heute unvorstellbar, sagt Klein. Architekten können angesichts der guten Auftragslage bei der Jobsuche sogar wählerisch sein, sagt der 58 Jährige, der bei der Stadt Meerbusch als Bereichsleiter Service Immobilien arbeitet. „Gerade für Kommunen ist es angesichts der großen Konkurrenz um talentierte Architekten sehr schwer geworden, geeignetes Personal zu finden.“ Claus Klein, Architektenkammer Nordrhein-Westfalen „Gerade für Kommunen ist es angesichts der großen Konkurrenz um talentierte Architekten sehr schwer geworden, geeignetes Personal zu finden“, sagt Klein. Das beträfe nicht nur seine Behörde, die an der Düsseldorfer Peripherie „nicht gerade der Nabel der Welt ist“, wie Klein es nennt. „Deswegen versuchen wir aktuell, anderweitig attraktiv zu sein“, sagt er. Das umfasst neben flexiblen Arbeitsmodellen, etwa Teilzeit und Gleitzeit, auch Elternzeitmodelle für Männer und Frauen. Auch Home-Office-Regelungen seien für bestimmte Aufgaben möglich. „Außerdem bieten wir eine große Bandbreite an Tätigkeitsfeldern“, berichtet Klein. Vom Wohnungsbau über Verwaltungsbauten bis zur Friedhofshalle werde in seiner Behörde alles geplant, umgebaut und instand gehalten. Besonders junge Architekten, die gerade von der Universität kommen, würden in Kommunen zu „Universalisten“ ausgebildet. „Finanziell können wir bei den Gehältern allerdings wenig tun, weil wir als Kommunen an die Tarifregelungen gebunden sind“, erläutert Klein. „Im Zweifel bekommt ein junger Architekt zum Jobeinstieg bei uns 100 Euro weniger als in einem Büro.“ Bewerbersuche auf das Ausland ausgeweitet Anders ist das in der freien Wirtschaft, also bei Architekturbüros. Rico Lehmeier, Geschäftsführer von Berschneider + Berschneider Architekten aus Pilsach in Bayern, berichtet: „In den letzten drei, vier Jahren haben wir die Einstiegsgehälter um fast zehn Prozent angehoben.“ Das sei nötig gewesen, um überhaupt in die engere Auswahl von Jobsuchenden zu kommen. Während noch vor ein paar Jahren vielerorts ein Monatsgehalt von 2.000 Euro brutto inklusive regelmäßiger Überstunden üblich war, liegt das Gehalt heute deutlich höher. „Nach dem Studium ist ein Einstiegsgehalt von 2.800 Euro möglich, mit Master bis zu 3.000 Euro, bei außerordentlichen Qualifikationen kann das Einstiegsgehalt auch über 3.000 Euro liegen“, verrät Lehmeier. Er ergänzt: „Spätestens nach zwei Jahren im Büro steigt das Gehalt stetig mit wachsender Erfahrung und Selbstständigkeit der jungen Architekten.“ Die Bezahlung solle ja nicht nur die Leistung honorieren, sondern auch Lebensqualität ermöglichen und Wertschätzung für den Mitarbeiter widerspiegeln, sagt Lehmeier. „Gleichzeitig versuchen wir, uns anderweitig zu empfehlen, zum Beispiel übernehmen wir Seminargebühren bei Weiterbildungen unserer Angestellten, unterstützen eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio und ermöglichen auch das Arbeiten von zu Hause“, ergänzt er. Das Beispiel zeigt: Die Situation hat sich umgekehrt. „Nicht mehr wir, die Arbeitgeber, suchen uns die Architekten aus, sondern die Architekten können sich ihren Arbeitgeber aussuchen“, sagt Lehmeier. Das sei für einen Bürostandort in eher ländlicher Region abseits der Großstädte mit Universitäten und Hochschulen nicht unbedingt einfach. „Deswegen haben wir unsere Bewerbersuche auf die europäischen Nachbarländer ausgeweitet“, berichtet er. Mittlerweile zählen deswegen zum Team von Berschneider + Berschneider ein Architekt aus China und zwei Architektinnen aus Spanien. Architekten in Deutschland in Zahlen ■ 110.272 Hochbauarchitekten ■ 7.510 Landschaftsarchitekten ■ 6.588 Stadtplaner ■ 5.970 Innenarchitekten ■ 8,5 Milliarden Euro jährliches Planungsvolumen (Deutschland, 2016) ■ 240 Milliarden Euro jährliche Bausumme (Deutschland, 2016) ■ 2.067 arbeitslose Architekten (Statistik der Bundesagentur für Arbeit, April 2017) DAB-Umfrage (Arbeitsmarkt für Architekten) Wie bewerten Sie Ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt? Wie verlief Ihre letzte Jobsuche? Oder: Wie haben Sie gute Mitarbeiter gefunden? Teilen Sie Ihre Meinung, Erfahrung und Fragen mit uns und den Kollegen und diskutieren Sie mit uns im Kommentarbereich hier Mehr Informationen und Artikel zum Thema „wählerisch“ finden Sie in unserem DABthema wählerisch

Gesamtvergleich bei HOAI-Honoraren

Foto: Fotolia Welche Möglichkeiten gibt es, eine Unterschreitung der HOAI-Mindestsätze durch andere Honorarpositionen auszugleichen? Müssen Honorare für nicht verpreiste Leistungen im Extremfall bis auf „Null“ herabgesetzt werden? Text: Volker Schnepel Mit seinem Erlass vom 30. Mai 2016 zur Anwendung der Übergangsvorschriften bei HOAI-Stufenverträgen hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) für große Verunsicherung und auch Unverständnis gesorgt. Darin wird festgelegt, dass für die Frage, ob das Honorar den HOAI-Mindestsätzen entspricht, im Rahmen eines Gesamtvergleichs auch die nicht verpreisten Leistungen mit einzubeziehen sind. Was bedeutet dies für den Architekten und was ist der Hintergrund? Viele Architektenverträge werden als sogenannte gestufte Vertragsverhältnisse vereinbart. Der Architekt bindet sich hierbei über verschiedene Stufen mit unterschiedlichen Leistungsphasen und der Auftraggeber ruft je nach Verfahrensablauf die verschiedenen Stufen nacheinander ab. Dabei kommt es häufig vor, dass einzelne Leistungsstufen erst dann abgerufen werden, wenn bereits eine neue Fassung der HOAI in Kraft getreten ist, also zum Beispiel die HOAI 2009 oder später die HOAI 2013. Die zunächst umstrittene Frage, auf welche Fassung der HOAI in diesen Fällen abzustellen ist, hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit Urteil vom 18. Dezember 2014 (Az.: VII ZR 350/13) eindeutig entschieden. Maßgeblich ist der Zeitpunkt, an dem die jeweilige Leistungsstufe abgerufen wird (siehe DAB 03.2015, „Hochgestuft“), weil erst dann – so der BGH – die konkreten Leistungen im Sinne der jeweiligen Übergangsregelungen vertraglich vereinbart würden. Ursprünglich bereits bei Abschluss des gesamten Stufenvertrages vereinbarte Honorare sind demnach daraufhin zu prüfen, ob sie bei Abruf der Leistungsstufe noch mit der inzwischen geltenden Fassung der HOAI im Einklang stehen. Oder anders ausgedrückt: Werden die verbindlichen Mindestsätze durch die ursprüngliche Honorarvereinbarung unterschritten oder nicht? Für diesen Vergleich ist entscheidend, welche Honorarkomponenten hierbei zu berücksichtigen sind. Wären auch die nicht verpreisten Leistungen vollständig einzubeziehen, wie es der Erlass des BMUB vorsieht, würde der Mindestsatz natürlich seltener oder jedenfalls nur in geringerer Höhe unterschritten als dann, wenn nur die jeweils verpreisten Leistungen einander gegenübergestellt würden. Es stellt sich also die Frage: Kann der nicht verpreiste Honoraranteil in einer Vergleichsrechnung bis auf „Null“ reduziert werden? Irrt das Ministerium? Begründet wird die für den Architekten nachteilige Auffassung des BMUB unter anderem mit dem Vorrang der Vertragsfreiheit. Wenn die Parteien für eine Gesamtleistung einen bestimmten Betrag vereinbart hätten, dürfe dieser so lange nicht angepasst werden, wie der Gesamtbetrag die Mindestsätze der HOAI nicht unterschreite. Und dies gerade auch dann, wenn der Gesamtbetrag andere als die sogenannten verpreisten Leistungen abdecke. Diese Auffassung scheint dann nachvollziehbar, wenn die Vergütung für alle – verpreisten und frei zu vergütenden – Leistungen pauschal festgelegt wurde. Wer soll dann noch im Nachhinein bestimmen, welcher Anteil auf welche Leistungsteile fallen sollte? In diesen Fällen muss sich der Architekt somit auch dann mit dem bisherigen Honorar begnügen, wenn die Mindestsätze für einzelne Teilleistungen zwischenzeitlich angehoben wurden. Eine Anpassung wäre in diesem Fall nur dann vorzunehmen, wenn die pauschale Gesamtvergütung das (neue) Mindesthonorar für die insgesamt erbrachten verpreisten Leistungen unterschreiten würde. Wurde für die frei zu vergütenden Leistungen hingegen ein bestimmter Betrag gesondert festgelegt, spricht vieles dafür, diese bei einem Gesamtvergleich außen vor zu lassen. Eine Anpassung wäre also bereits dann zwingend, wenn die Summe der verpreisten Leistungen nicht (mehr) den von der HOAI vorgeschriebenen Mindestsätzen entspricht. Dieses Thema wurde Anfang Mai im Rahmen eines von der Bundesarchitektenkammer (BAK) begleiteten Praxisforums („Wann sind die Mindestsätze der HOAI unterschritten? – Gesamtvergleich bei preisfreien Leistungen“) unter drei Experten kontrovers diskutiert. Einigkeit herrschte darüber, dass die höchstrichterliche Rechtsprechung im Grundsatz tatsächlich von einem sogenannten „Gesamtvergleich“ ausgeht. Die HOAI ist zwar zwingend anzuwenden, wenn die darin beschriebenen Leistungsbilder vertraglicher Leistungsgegenstand sind. Weder die Leistungsbilder als solche noch ein bestimmtes Verfahren zur Honorarermittlung sind aber durch die Verordnung vorgegeben. Insoweit herrscht in der Tat Vertragsfreiheit, die HOAI ist lediglich nachgelagertes „Preiskontrollrecht“. Daraus hat der BGH seit einer Entscheidung 2004 in ständiger Rechtsprechung den Schluss gezogen, dass nur gewährleistet sein muss, dass das Honorar insgesamt zumindest den Mindestsätzen entspricht. Nicht hingegen soll es – so der BGH – darauf ankommen, ob einzelne Honorarfaktoren jeweils HOAI-konform abgerechnet worden sind. Anders ausgedrückt: Mit einem Honorar, das den Mindestsatz bei einer Einzelposition überschreitet, kann eine Unterschreitung an anderer Stelle ausgeglichen werden. Diese Rechtsprechung bezog sich allerdings jeweils auf solche Fälle, denen, wie noch im BGH-Urteil vom 9. Februar 2012 (Az.: VII ZR 31/11, BauR 2012, 829), ausschließlich nach der HOAI verpreiste Leistungen zugrunde lagen. Kurze Zeit darauf, am 8. März 2012 (Az.: VII ZR 195/09, BauR 2013, 975), hat der BGH den Grundsatz des Gesamtvergleichs allerdings erstmals auch auf einen Sachverhalt erstreckt, dem eine Kombination von verpreisten und nicht verpreisten Leistungen zugrunde lag. Für Heiko Fuchs, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, ist spätestens diese Entscheidung hinreichende Rechtfertigung dafür, den Grundsatz des Gesamtvergleichs auf alle Honorarfälle zu übertragen. Insoweit sei es auch unerheblich, ob dem Gesamtvergleich ein Stufenvertrag mit einer zwischenzeitlichen Anpassung der HOAI-Mindestsätze zugrunde liegt oder nicht. Ebenso sei es ohne Bedeutung, ob der Anteil der nicht verpreisten Leistungen honorarmäßig gesondert ausgewiesen und beziffert sei oder nicht. In allen Fällen, so Fuchs, hätten sich die Vertragsparteien im Ergebnis auf ein Gesamthonorar geeinigt, das, dem Grundsatz der Vertragsfreiheit entsprechend, so lange maßgeblich sein müsse, wie es insgesamt den Mindesthonoraren der HOAI entspreche. Diese Sichtweise liegt auch dem Erlass des BMUB zugrunde. Für eine differenzierte Betrachtung So weit, so schlecht. Widersprochen haben dem allerdings zumindest in Teilen Wolfgang Koeble und Burkhard Messerschmidt, beide ebenfalls Fachanwälte für Bau- und Architektenrecht. Koeble wies darauf hin, dass sich das BGH-Urteil vom 8. März 2012 auf eine Konstellation bezog, bei der sowohl für die verpreisten als auch die unverpreisten Leistungsanteile ein Gesamtpauschalhonorar vereinbart war. Der Fall gesondert bezifferter oder gar durch getrennte Verträge festgelegter Honorare für verpreiste Leistungen einerseits, frei verhandelbare Leistungen andererseits, sei hingegen noch nicht gerichtlich entschieden. Der HOAI liege, so Koeble, mit dem Gesetz zur Regelung von Architektenleistungen eine gesetzgeberische Entscheidung zugrunde, in der sich die Ermächtigung zur Festsetzung von Mindesthonoraren auf bestimmte Bereiche beziehe. Diese gesetzgeberische Wertung werde unterlaufen, wenn im Wege der Vertragsauslegung Teilbereiche einbezogen würden, die hiervon gar nicht erfasst sind. Ein Gesamtvergleich setze nämlich voraus, dass die Sachverhalte vergleichbar sind, sodass das Leistungsprogramm beim Vergleich deckungsgleich sein müsse. Dies verbiete es, im Rahmen des Gesamtvergleichs den für den Mindestsatz nach HOAI maßgebenden Leistungskatalog durch zusätzliche Leistungen erheblichen Umfangs aufzustocken. Auch Messerschmidt hielt – gerade auch unter dem Blickwinkel der Vertragsfreiheit – eine differenzierte Betrachtungsweise für sachgerecht. Hätten die Vertragsparteien (wie im BGH-Urteil vom 8. März 2012) für alle Leistungen ein einheitliches Gesamtpauschalhonorar festgelegt, sei dieses allein maßgeblich, solange es nicht unterhalb der HOAI-Mindestsätze für die verpreisten Leistungsanteile liege. Werde aber das Honorar für den nicht verpreisten Leistungsteil gesondert ausgewiesen, könne dieser Betrag für den Fall, dass der verpreiste Leistungsteil nicht – oder nicht mehr – den Mindestsätzen entspreche, nicht entgegen dem zuvor geäußerten Parteiwillen heruntergesetzt, im Extremfall „genullt“ werden. Stattdessen sei für den verbleibenden verpreisten Teil das Honorar den Mindestsätzen entsprechend anzupassen. Sachgerecht oder ungerecht? Zusammen mit anderen Organisationen hatte die BAK nach der Diskussionsveranstaltung das BMUB erneut aufgefordert, den Erlass vom 30. Mai 2016 zu modifizieren oder zumindest in Gespräche hierüber einzutreten. Dem erteilte das Ministerium allerdings eine klare Absage. Es gebe bei dieser Frage offenbar „keine herrschende Rechtsmeinung“ – also auch keine gegen den Erlass. Diesen hält das BMUB weiterhin für ausgewogen und sachgerecht. Sofern sich das BMUB nicht aufgrund etwaiger weiterer Positionen in der Fachwelt doch noch zu einer Überarbeitung des Erlasses entschließt, muss daher abgewartet werden, bis sich die Gerichte erstmals mit einer Fallkonstellation befassen, in der die verpreisten und nicht verpreisten Leistungen honorarmäßig gesondert ausgewiesen sind. Ob und wann dies der Fall ist, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Architekten den BMUB-Erlass akzeptieren oder gegen die hiermit verbundenen Nachteile gerichtlich vorgehen. Dr. Volker Schnepel ist Leiter der Rechtsabteilung der Bundesarchitektenkammer. Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier  

Cooles Haus

Quelle der Inspiration: Die Fassade aus vorgehängtem Cortenstahl nimmt die Umgebung des Burgberges auf. Das Büro- und Wohngebäude von ALN Architekten in Landshut steht für moderne Architektur und ein nachhaltiges Energiekonzept, das zur Kühlung die Masse der Betondecken und das vorhandene Hangwasser nutzt. Text: Markus Neuber Das Büro- und Wohngebäude liegt am Rande der Landshuter Altstadt am Fuße des Burgberges mit der Burg Trausnitz auf dem Gipfel. Es beherbergt ein Architekturbüro, einen weiteren Geschäftsraum, eine Penthousewohnung sowie im Untergeschoss eine Garage. Die monolithisch wirkende Kubatur aus Stahlbeton (C 25/30) in Sichtbetonqualität hat eine Fassade aus vorgehängtem Cortenstahl, mit dem auch das flache Satteldach gedeckt worden ist. Der Neubau fügt sich somit in die natürliche Umgebung des Burgberges und die umgebende historische Bebauung harmonisch ein. Im Fokus der Planung standen ein nachhaltiges Energiekonzept und eine optimale thermische Behaglichkeit, die ohne aufwendige technische Lösungen auskommt. Betonkernaktivierung zum Kühlen Um die Energieversorgung sicherzustellen, war zunächst eine Wasserwärmepumpe mit Entnahme- und Schluckbrunnen geplant. Für den Brunnen erteilte die lokale Wasserwirtschaft jedoch keine Bauerlaubnis, da sich sonst das tertiäre und das quartäre Grundwasserstockwerk der Böden verbunden hätten. Anstelle eines Schluckbrunnens wird nun das hinter dem Gebäude auftretende Hangwasser gesammelt und für die Energieversorgung genutzt. Dafür wird es im Baugrubenwinkel zwischen Gebäuderückwand und dem Baugrubenverbau an der Sohle in einem Gerinne gefasst und in einen Absetzschacht geleitet. Von dort läuft das Wasser in den unter der Bodenplatte der Garage positionierten Sammelbehälter. Dieser fasst 12,5 Kubikmeter Wasser und ist gut fünf Meter tief. Betondecken aktiviert: Bei diesem Projekt wurde selbst das Satteldach als Massivdach mit Betonkernaktivierung ausgeführt. Die Kühlung des Gebäudes erfolgt durch Betonkernaktivierung, die die Masse der Bauteile nutzt. Dafür wird dem Auffangbehälter das gesammelte, fünf bis sechs Grad kalte Hangwasser entnommen und über die in den Stahlbetondecken verlegten Rohrregister verteilt. Das Wasser kühlt die Betonmasse und erwärmt sich selbst. Danach wird es wieder zum Wärmetauscher im Technikraum geführt. Durch die in den Stahlbetondecken verlegten Rohrregister fließt das im Auffangbehälter gesammelte Hangwasser. Beim großflächigen Einsatz von Bauteilaktivierungen werden die Register vorgefertigt auf Baustahlmatten auf die Baustelle geliefert und nach Verlegeplan verlegt. In diesem Fall wurden die Register direkt auf der Baustelle verlegt. Die Vordimensionierung wurde von den Klimaingenieuren der Transsolar Energietechnik GmbH aus Stuttgart durchgeführt. Die Ausführungsplanung erfolgte direkt durch den Unternehmer. Die Leitungen wurden oberflächennah auf der unteren Bewehrungslage aufgebracht und an dieser befestigt sowie die Bewehrungsarbeiten auf den Ablauf abgestimmt. Auf die Statik haben die Leitungen kaum Auswirkungen – bis auf den Bereich, wo sie gebündelt aus der Decke zum Verteiler geführt werden. Getrenntes Heizsystem Auch für die Fußbodenheizung wird Hangwasser aus dem Behälter entnommen und über einen Wärmetauscher der Wärmepumpe zugeführt. Dem Wasser wird die gespeicherte Energie über die Wärmepumpe entzogen. Das dadurch abgekühlte Wasser wird wieder in den Behälter zurückgeführt. Manuel Hilmer, Architekt bei ALN und Projektleiter des Büro- und Wohnhauses: „Der Behälter ist somit eine Art Akku, der sich über den konstanten Zufluss des Wassers regeneriert. Die Wärmepumpe entzieht dem Wasser für das Heizen Energie. Das Wasser kühlt sich somit ab. Durch den weiteren Zufluss von Wasser erwärmt sich der Behälter wieder. Wir haben bewusst auf eine Dämmung des Behälters verzichtet, da auch dadurch das Wasser zusätzlich temperiert wird.“ Somit dient das Wasser aus dem Behälter als Energiequelle. Durch die Wärmepumpe werden mit einem Kilowatt elektrischer Energie circa vier Kilowatt Wärme erzeugt. Diese wird über die Fußbodenheizung im Gebäude verteilt. Zusätzlich gibt es in jedem Geschoss eine Lüftungsanlage. Die Zuluft wird über eine mäandernd verlegte Leitung geführt, die zur Vorkonditionierung der Luft ebenfalls im Baugrubenwinkel verlegt ist. Puristisch: Das Gebäude wurde mit Sichtbeton errichtet, der auch wegen der thermisch aktivierten Decken gänzlich unverhüllt blieb. Errechnete Einsparung Aufgrund der Größe der aktivierten Deckenfläche reicht bereits eine geringe Temperaturunterschreitung gegenüber der gewünschten Raumtemperatur aus, um eine ausreichende Kühlleistung zu erzielen. „Durch die Nutzung des Hangwassers ohne den Einsatz von zusätzlicher elektrischer Energie mit Ausnahme des erforderlichen Pumpenstroms – passive Kühlung für Bauteilaktivierung und Vorkonditionierung der Zuluft – wird das Gebäude auf sehr umweltfreundliche Art gekühlt“, sagt der Sachverständige Hans-Jürgen Ulrich aus München, der ALN Architekten bei der Betonkernaktivierung beraten hat. Ulrich gibt den Nutzenergiebedarf für die Kühlung des Gebäudes rechnerisch mit rund 20.000 kWh/a (nach EnEV) an. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 25 Cent pro kW/h und einem geschätzten Energiebedarf von 20.000 kWh einer Klimaanlage ergibt das Stromkosten in Höhe von 5.000 Euro. Das erwartete Einsparpotenzial durch die Betonkernaktivierung liegt bei rund 82 Prozent (Primärenergie), was umgerechnet 900 Euro ergibt. Wohltemperiert: Die Betonkernaktivierung der Decken schafft in den Räumen eine optimale thermische Behaglichkeit. Demnach wird das Gebäude durch die Nutzung des Hangwassers in Kombination mit der Betonkernaktivierung kostengünstig gekühlt. Darüber hinaus erfolgt der Betrieb vollkommen lautlos, auch Zugluft oder Staubaufwirbelungen treten nicht auf, was zusätzlich ein angenehmes und allergikerfreundliches Raumklima schafft. Markus Neuber ist Bauingenieur, Geschäftsführer und Gesellschafter bei ALN Architekturbüro Leinhäupl + Neuber GmbH in Landshut. Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier

Wie gut sind wir wirklich?

Ranking, das Auflisten der Besten, ist allgegenwärtig. Längst hat es auch die Architektur erfasst. Was bringt es, wem dient es – und wohin könnte es sich noch entwickeln? Text: Christoph Gunßer Die „Gebäude des Jahres“ küren Jurys allenthalben. Auch die „Architekten des Jahres“ werden schon – vom Rat für Formgebung – gekrönt. Die Analogien zum Sport und zur Börse sind unübersehbar, wenn mittlerweile auch in kreativen Metiers Listen angelegt werden, die die Leistung respektive Performance von Büros einordnen sollen. Regional, bundesweit, international wird heutzutage der Marktwert der Macher in diversen Sparten ermittelt, werden Aufsteiger und Absteiger in den „Top 100“ vermerkt. Dünne Datenbasis Die Daytrader der Architektur bewegen sich dabei auf dünnem Eis. Wo die Ränge auf den Siegertreppchen nicht von eigens eingesetzten – und oft sehr subjektiv urteilenden – Jurys besetzt werden, stützen die Königsmacher ihre Wertung nämlich allein auf die Zahl der Artikel in einschlägigen Journalen. Im führenden Portal der deutschsprachigen Szene, im BauNetz, werden diese nach einem fixen Schlüssel ausgewertet: Maßgeblich ist die Seitenzahl; eine Publikation in Bauwelt, Baumeister, db, DBZ und Detail zählt zweifach, in wettbewerbe aktuell einfach; internationale Artikel zählen dreifach – dafür werden domus, a+u, architektur aktuell, werk, bauen + wohnen sowie Architectural Review ausgewertet. Das Deutsche Architektenblatt mit seinem weniger objektbezogenen Ansatz gilt hier nicht als Architekturzeitschrift und bleibt deshalb außen vor. Die Macher halten dieses Verfahren für hinlänglich objektiv. Tatsächlich ist diese Art der Medienbeobachtung quer durch die Sparten gängige Praxis. Anders als in der Finanzwelt und in der Wissenschaft, wo Berichte und Analysen in Fachblättern über Kurse und Karrieren entscheiden, spielen Fachmedien in der Baubranche aber bei Weitem nicht diese Rolle. Darüber hinaus gibt es noch, vor allem im angelsächsischen Raum, rein wirtschaftlich wertende Rankings, wo die Büros nach Jahresumsatz sortiert werden. Wer etwa die jährlichen „Top 300“ des Architectural Record betrachtet, bekommt einen Eindruck vom Konzentrationsprozess in der US-Bauwirtschaft, mehr nicht. Lust an Listen Es ist schon erstaunlich, dass ein digitales Medium wie das BauNetz allein den analogen Vorvätern vertraut. Seit zwanzig Jahren wertet man dort auf diese Weise, und die Resonanz scheint den Machern recht zu geben: Rund drei von vier Architekten nutzen hierzulande regelmäßig das Portal, und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Rankings, alle zwei Monate, ist diese Nutzung besonders intensiv. „Es gibt keinen besseren Weg“, meint denn auch Stephan Westermann, Content-Manager beim BauNetz. Er hat nicht die Absicht, dem Journale blätternden Kollegen digitale Tools an die Hand zu geben, um die Platzhirsche der Branche künftig aus dem Netz zu filtern – man könnte ja zum Beispiel einschlägige Foren, wie das gut besuchte Deutsche Architektur-Forum, auswerten. Dem BauNetz ist dies jedoch zu unzuverlässig; hier werde der PR Tür und Tor geöffnet. Selbst Nennungen in Tageszeitungen hält Westermann für nicht aussagekräftig: „Das hat einen anderen Fokus.“ Also bleibt es bei einer Bewertung von Architekten für Architekten – inmitten einer klassischen Filterblase. Was Qualität, was Innovation ist, entscheiden die Experten in den Redaktionen, zweifellos mit einem Fokus auf mediale Verwertbarkeit, denn die Konkurrenz der Blätter ist härter geworden, seit das Internet ihnen viel Aufmerksamkeit entzieht. Sicher, wir können froh sein, dass es noch eine solche (relative) Vielfalt an Printmedien und auch an mutigen kleineren Büros gibt, die dort zum Zuge kommen. Aber wer nutzt ein solches reines Peer-Group-Rating? Leute, die keine Zeit oder keine Lust haben, Artikel zu lesen? Leute, die wissen wollen, wie „gut“ sie sind? Wird die Architektur so nicht auf Namedropping reduziert? Nach Einschätzung von Stephan Westermann bedient das Ranking nicht primär die Eitelkeit der Architekten. Es sind auch  Investoren, Auslober von Wettbewerben, Berufungskommissionen und nicht zuletzt Absolventen auf Stellensuche, die sich hier rasch einen Überblick verschaffen, wer gerade „angesagt“ ist. So gesehen, ist das Ranking in dieser Form eine transparente Dienstleistung, die mit wenig Aufwand realisierbar ist und darum auch wirtschaftlich relativ unabhängig agiert. Dass Kritiken in Zeitschriften durchaus auch mal Verrisse sein können, berücksichtigt übrigens kein Ranking. So könnte der Architekt des viel geschmähten Berliner Stadtschlosses alias Humboldt Forum, Franco Stella, bald einen Höhenflug in den Charts erleben. Derzeit dümpelt er dort noch auf Platz 987. Abstimmung mit den Füßen Gibt es dennoch ehrliche Bewertungen jenseits der Selbstbespiegelung der Szene, in denen auch Nichtjournalisten zu Wort kommen? Die Nutzer tauchen meist nur als „Wutbürger“ in den Foren der Tageszeitungen oder auf Facebook auf und erregen sich folgenlos über „Bausünden“. Die Arbeitsbedingungen in Büros lassen sich gelegentlich und gewiss nicht repräsentativ auf kununu.com nachlesen, wo manches begehrte Top Büro schon mal ganz unten landet. Die Architektur-Ausbildung an den Hochschulen wird inzwischen recht professionell und auch basisnah „gerankt“. Ansonsten scheint dem langjährigen Werbeverbot der Zunft ein Vakuum bei (veröffentlichter) populärer Wahrnehmung und Bewertung zu entsprechen. Ob dies auf Inkompetenz oder Desinteresse zurückgeht, sei dahingestellt. Womöglich wird man bald Bewegungsdaten von Handy-Nutzern auswerten, um beliebte und unbeliebte Gebäude ausfindig zu machen – und zu ranken. Christoph Gunßer ist freier Fachautor. Er lebt in Bartenstein (Baden-Württemberg). Mehr Informationen und Artikel zum Thema „wählerisch“ finden Sie in unserem DABthema wählerisch  

Schön oder nicht schön?

Bunter Block: Als Ersatz für die Hamburger Esso-Häuser entwickelten NL Architects mit BeL Architekten im städtebaulichen Wettbewerb ein komplexes Cluster aus bezahlbarem Wohnen, (etwas) Kommerz und viel Freiraum, basierend auf einem „St.-Pauli-Code“. Beteiligungsverfahren boomen. Selbst zu Wettbewerben werden heute Anregungen aus der Bürgerschaft eingeholt. Ganz unterschiedliche Pilotprojekte zeigen, dass sich der basisdemokratische Aufwand meistens lohnt. Text: Christoph Gunßer Hamburg kann gewaltig aufmucken. Nicht nur ein Gipfeltreffen, auch ein unliebsames Bauprojekt kann hier durch Proteste blockiert werden. Mit der richtigen Strategie kann es aber auch bunter und lebendiger werden. Prominentes Beispiel sind die „Esso-Häuser“ im Stadtteil St. Pauli. Ein Investor hatte das blockgroße Nachkriegs-Ensemble an der Amüsiermeile Reeperbahn gekauft und plante eine Neubebauung von vierfacher Dichte. Er hatte die Rechnung ohne den Kiez gemacht: Das stark von Aufwertung bedrohte Viertel machte mobil gegen die Pläne. Als die Gebäude 2014 mit fadenscheiniger Begründung dennoch geräumt und abgerissen wurden, drohte die Situation zu eskalieren. Mitmischen: Bereits vor dem Wettbewerb sammelte man in der „Planbude“ basisnah Ideen aus dem Kiez. „Rennt der Planbude die Bude ein!“ Die Rettung brachte die „Planbude“: Bezirk und Investor ließen sich auf ein umfassendes Beteiligungsverfahren ein. Anwohner, Sozialarbeiter und kritische Planer organisierten, dass auf dem Spielbudenplatz ein Baucontainer aufgestellt wurde, der seither als Ideenwerkstatt für die Neubebauung dient. Die Resonanz war groß: Aus über 2.000 Anregungen wurde ein „St.-Pauli-Code“ entwickelt, der für günstige Mieten, Platz für die stadtteiltypische Subkultur und öffentliche Räume ohne Konsumzwang eintritt. Auch während des Hochbauwettbewerbs wurden die Arbeitsstände der Architekten mit den Bürgern diskutiert. Der von zwei Stadtteilversammlungen abgesegnete Katalog dient als Grundlage für den 2015 ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerb. Um das Raumprogramm wird hart gerungen. „Das wird kein Kirschenessen“, heißt es in der Planbude. Am Ende werden 60 Prozent geförderter Wohnraum, öffentliche Dachterrassen und stadtteilbezogene Nutzungen durchgesetzt, bei nur noch dreifacher Verdichtung. Der prämierte Entwurf von NL Architects, Amsterdam, und BeL Architekten, Köln, gerät denn auch kleinteilig und bunt. Ein Hochbauwettbewerb verteilt 2016 die einzelnen Bauteile auf die platzierten Büros, darunter Lacaton + Vassal aus Paris und ifau aus Berlin, die für innovative Low- Budget-Projekte bekannt sind. Das Ergebnis findet Anklang auf allen Seiten. Einmischen lohnt sich „Auf konventionellem Planungsweg wäre eine so gut vorbereitete Ausschreibung nicht zustande gekommen“, bestätigt Planerin Renée Tribble vom Lehrstuhl für Städtebau und Quartierplanung der HafenCity Universität. „Die Büros hätten vorsichtiger und glatter agiert.“ Aus der Planbude verlautet: „Der gesamte Prozess ist aus unserer Sicht ein großer Erfolg!“ Niemand nimmt mehr das böse Wort von der „Befriedung“ des ansonsten „unregierbaren“ Kiezes in den Mund. Es ist jedenfalls ein Novum, dass ein Beteiligungsverfahren konsequent in die Hände von Menschen aus dem Stadtteil gelegt wurde. Auch der frühe Zeitpunkt der Beteiligung, vor der Ausschreibung des Architektenwettbewerbes, war Neuland für die Behörden. Offenbar rechnet sich selbst eine so aufwendige Beteiligung noch für den Investor. Ende 2016 wurde der B-Plan für das „Paloma-Quartier“ verabschiedet (auch der Name entsprang einem volksnahen Wettbewerb); mit einer Realisierung wird bis Ende 2020 gerechnet. Bürger liefern Entscheidungshilfen Kurz zuvor hatte die Stadt Wolfsburg bereits eine neuartige Bürgerbeteiligung im Wettbewerb für das geplante Bildungshaus durchgeführt. Hier konnten Interessierte die eingegangenen Entwürfe eine Woche lang kommentieren – und zwar vor der Jurysitzung. Meinungsbildung: Die Wettbewerbsbeiträge zum Wolfsburger „Haus der Bildung“ durfte die Öffentlichkeit noch vor der Jurysitzung beurteilen. Die 850 Kommentare hingen dann neben den Plänen, als das Preisgericht tagte. Um dabei die Anonymität des Wettbewerbes zu wahren, hatte das den Wettbewerb betreuende Büro Luchterhandt aus Hamburg die Spielregeln so formuliert, dass sie mit dem Vergaberecht kompatibel sind: Handys waren abzugeben, es durfte in der Ausstellung nicht fotografiert werden, und auch Berichte in der Presse waren tabu. Das Reglement wurde eingehalten. Die drei gleichrangig prämierten Entwürfe wurden nach einer honorierten Überarbeitung abermals der Bürgerschaft präsentiert, ehe die Stadt die Endauswahl traf. Erneut kommentierten 250 Wolfsburger. Die Stadt „verzettelte“ sich nicht. Sie beauftragte 2015 das Team um Esa Ruskeepää Architects aus Helsinki, dessen Entwurf auch beim „Volk“ beliebt war. Wer die Kommentare liest, wundert sich über die Kompetenz der meisten Betrachter. Es ging ganz überwiegend nicht um Geschmacksfragen, „schön“ oder „nicht schön“, sondern um eine unabhängige, mit den örtlichen Gegebenheiten vertraute Sicht der Dinge. Bedenkt man, dass möglicherweise auch mancher geladene Experte von Betriebsblindheit betroffen ist, sollte ein derartiges bürgernahes Korrektiv Schule machen. Anders als in Hamburg hält sich der Aufwand dafür in Grenzen. Der Identifikation Menschen mit „ihren“ Bauten es sicher gut. Wolfsburg zeigt auch, die nötige „Masse“ nicht nur in den Metropolen lebt. Gut bedacht: Das multifunktionale Jugendhaus in Biberach entstand aus einem kooperativen Verfahren, das von 500 Jugendlichen digital kommentiert und am Ende ganz analog angemalt wurde. Jugendhaus mithilfe von Facebook Auch die Digitalisierung öffnet bekanntlich neue Kanäle, um dem Bürgerwillen Gehör zu verschaffen. Richtig eingesetzt, macht das Web 2.0 Teilhabe an Entscheidungsprozessen möglich, auch im öffentlichen Bauwesen. Das erprobte unlängst ein Pilotprojekt im schwäbischen Biberach, das immer wieder mit neuen Beteiligungsformen experimentiert (siehe DAB 01.2014, „Die Stadt als Geschmacksverstärker“); „jugend. beteiligen.jetzt“ heißt das Programm des Bundesfamilienministeriums, das hierfür Fördermittel bereitstellte. Geschmacksverstärker: Beim gemeinsamen Planen lernten die Jugendlichen viel über Architektur. Die beteiligten Architekten wurden dabei von professionellen Moderatoren unterstützt. Es ging um den Neubau eines Jugendhauses. Die Entscheidungen über dessen Gestaltung sollten nicht hinter verschlossenen Türen in einem Expertengremium fallen. Also wurde eine geschlossene Facebook- Gruppe eingerichtet, wo sich Jugendliche aus Biberach im Alter zwischen 13 und 21 Jahren einbringen konnten. Der wesentliche Input an Ideen für den 2013 intensiv betriebenen Prozess kam aus einem kooperativen Verfahren mit vier örtlichen Architekturbüros, die ihre Konzepte mehrmals öffentlich vorstellten, diskutierten und überarbeiteten. Immer eine Woche, bevor die Jury die einzelnen Projekte im Kolloquium diskutierte, wurden die Entwürfe auf Facebook präsentiert und standen dort für Kommentare und Votings zur Verfügung. Die dafür eigens engagierte Beratungsfirma moderierte die Diskussion, wertete aus und präsentierte die Wünsche am Beginn jedes Kolloquiums der Jury. Schon bei der ersten Diskussionsrunde waren über 700 Jugendliche auf der Facebook-Gruppe registriert, rund 500 Mitglieder der Gruppe haben mehr als 1.000 Kommentare verfasst. Begleitend dazu gab es „offline“ klassische Informations- und Diskussionsveranstaltungen. Auch deren Ergebnisse flossen in den Prozess ein. Das unlängst eröffnete, knapp vier Millionen teure Haus ist auf diese Weise eindeutig „anders“ geworden als üblich: Formal meidet es jede institutionelle Anmutung – ein Wunsch, der in den Debatten immer wieder geäußert wurde. Es wirkt teilweise verspielt, erweist sich im Alltag aber als durchaus funktional und flexibel. Am recht peripheren Standort im Gewerbegebiet am Bahndamm fallen insbesondere die abgerundeten Kanten und die – trotz des engen Grundstücks – fein abgestuften Freiräume auf, die das Ensemble zu einem skurrilen Hangout machen: Hof und Dachterrasse sind sehr beliebt und eignen sich auch als Bühne. Die Außenhaut der zunächst an Hans Scharoun erinnernden organischen Skulptur wurde zuletzt noch – auf Wunsch der Jugendlichen – von Graffiti-Künstlern dekoriert. „Soziokulturelle Passung vor Funktionalität“ lautete das Motto der intensiven Jugendarbeit. Erik Flügge von der moderierenden Agentur Squirrel & Nuts aus Köln zieht die dass „ein solcher grundsätzlich planbar ist und sich durchführen lässt“. Allerdings sei Verfahren hochgradig von der Stadtverwaltung, die bereit muss, die Ergebnisse ernst zu nehmen. „Wie erkläre ich das?“ Die Biberacher Architektin Christine Reck lieferte den von Jury und Jugendlichen einmütig erwählten Entwurf. Sie bedauert zwar, dass die Stadtverwaltung die Genehmigungsplanung und Ausführung aus Kostengründen an sich zog, ist aber für die Erfahrungen mit der Beteiligung dankbar. Sie zollt dem Prozess Anerkennung als „erstem Versuch, Jugendlichen eine Stimme zu geben“ bei der Gestaltung ihrer Umwelt. „Wie erkläre ich etwas so, dass Laien es verstehen?“, fragte sie sich immer wieder und nutzte vor allem 3-D Animationen, um ihre Vorstellungen zu vermitteln. Sie schätzt die Jugendlichen indes als leicht manipulierbar ein. „Ohne Fachleute, die Haltung zeigen, geht das nicht“, ist sie überzeugt. So erscheint die Kombination aus Partizipation und Architektenwettbewerb durchaus praktikabel. Ob klassisches Streetworking, Medienarbeit oder neue interaktive Tools – „niedrigschwellige“ Angebote können Betroffene und Interessierte einbeziehen und Bauvorhaben konsensfähig machen. Immer mehr Architekten und interdisziplinäre Beratungsbüros spezialisieren sich auf die Begleitung partizipativer Planungsprozesse, die oft mühsam und zeitaufwendig sind, am Ende aber die Chancen für eine nachhaltige Akzeptanz steigern. Christoph Gunßer ist freier Fachautor. Er lebt in Bartenstein (Baden-Württemberg). Mehr Informationen und Artikel zum Thema „wählerisch“ finden Sie in unserem DABthema wählerisch

Der koschere Balkon

Gewitzte Architekten lassen die Balkone tanzen. Gläubige Juden wird es freuen. Luftnummer: Heiko Haberle Haben Sie schon Ihre Laubhütte vorbereitet? Die Voraussetzungen dafür haben Sie vielleicht. Das Laubhüttenfest erinnert an den Auszug der Juden aus Ägypten und deren provisorische Behausungen während der siebentägigen Flucht. Anfang Oktober ist es wieder soweit: Dann errichten gläubige Juden aus Holzlatten, Palmwedeln und Zeltplanen Behausungen, in denen sieben Tage lang gewohnt und sogar geschlafen wird. Wer einen Garten hat, ist fein raus, weil die Hütte unter freiem Himmel stehen muss. Ein Balkon mit einem anderen Balkon darüber ist hingegen als Bauplatz ungeeignet. Wenn die Freisitze jedoch verspringen, ist alles wieder gut. Der koschere Balkon ist, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf, in Israel zum baulichen Standard geworden. Diese architektonische Sitte ist nun endlich in Deutschland angekommen, wenn auch vermutlich aus profanen Gründen. Auf der Suche nach neuen Ideen, um selbst schlichtesten WDVS-Lochfassaden Leben einzuhauchen, sind Investoren und Architekten auf den Balkon gekommen. Selbst im sozialen Wohnungsbau setzt sich der koschere Balkon langsam durch. Die entstehenden Muster mögen zwar spielerisch aussehen, hierzulande überwiegen aber die Nachteile: weniger Schutz vor Regen, Sonne und den neugierigen Blicken von oben. Auch das Potenzial des Balkons als Gestaltungselement ist bei uns noch lange nicht ausgeschöpft. Die israelischen Kollegen sind eindeutig mutiger: Da laufen Balkone im Zickzack über die Fassaden, werden als Welle schmaler und breiter oder formieren sich zu riesigen Treppenlandschaften. Mit Stützen, Luftbalken oder Bögen wird der Balkon zur ausladenden Kabine. Der Architekt liefert das Gerüst für die Laubhütte also schon mit, im Extremfall gleich die ganze Hütte, die dann ganzjährig als Erker dient. Und wer der überbordenden Fantasie überdrüssig wird, der entwirft ganz klassisch übereinander liegende Balkone und schneidet dann in Teilbereichen Löcher hinein oder lässt eine so große Aussparung, bis von der Hälfte des Balkons nur noch eine Kontur bleibt. Für den deutschen Wohnungsbau ist also trotz vielversprechender Ansätze im wahrsten Sinne des Wortes noch viel Luft nach oben.  

Parteien auf dem Prüfstand

Ausreichend Wohnraum schaffen, die Energiewende im Baubereich wirksam voranbringen, den großen Baubestand energetisch sanieren, die Städte und Dörfer lebenswert erhalten – das sind nur einige von vielen großen Bau-Aufgaben der Politik. Welche Weichenstellungen wollen die Parteien vornehmen? Welche politischen und gesetzlichen Grundlagen wollen sie schaffen, dass die genannten Ziele erreicht werden? Text: Paul Lichtenthäler Der Baubereich boomt nicht nur in der Wirtschaft, auch als Thema der Politik ist er vor allem angesichts fehlender Wohnungen in der vergangenen Legislaturperiode dorthin zurückgekommen, wo er hingehört: auf die vorderen Plätze der politischen Agenda. Dafür haben die Kammern und Verbände der planenden Berufe sechs Parteien Wahlprüfsteine vorgelegt. Zu zwölf Schwerpunktthemen wurden jeweils bis zu vier Fragen gestellt. Wir haben die Antworten ausgewertet, um Orientierung über die politische Schwerpunktsetzung der Parteien im Bereich Bauen zu schaffen. Bauministerium Die planenden Berufe fordern die Zusammenführung der Bau-Kompetenz in einem Haus – in der vergangenen Wahlperiode waren vier Bundesministerien für Bauen und Infrastruktur zuständig. Unterstützung für ein Bauministerium kommt von der FDP; die anderen Parteien halten sich mit Zusagen zurück und verweisen auf den Koalitionsvertrag, in dem der Ressortzuschnitt, oft in den letzten Minuten übrigens, ausgehandelt wird. Die AfD verweist auf das Vorwort ihres Antwortschreibens, das klarstellt, dass sie nicht „lnteressenvertreter von Schreinern, Klempnern oder Architekten“ sein will. Wohnungsbau Breiten Raum nehmen erwartungsgemäß die Antworten zum drängenden Thema Wohnungsbau ein. Abgesehen von der AfD, behandeln es alle Parteien ausführlich und unterscheiden sich vor allem in der Wahl der Mittel. Die SPD will bundeseinheitliche Standards, Investitionsanreize, den gemeinwohlorientierten Sektor stärken und die staatliche KfW-Förderung fortsetzen. Den Erwerb von Wohneigentum plant sie mit einem Familienbaugeld und der Einführung des Bestellerprinzips für die Maklerkosten zu erleichtern. Bundeseigene Grundstücke sollen nach Gesichtspunkten der Stadtentwicklung und Wohnungspolitik vergeben werden. Die Grünen sehen ein Förderprogramm vor, das insbesondere den Bau kostengünstiger Wohnungen unterstützt. So soll eine Million zusätzlicher Wohnungen gebaut werden. Die Linke will bestehende Mietbindungen nicht mehr auslaufen lassen und Mieterhöhungen nur noch bei Verbesserung des Wohnwerts erlauben. Die Förderung des Bundes soll auf fünf Milliarden Euro ansteigen, um rund 250.000 Sozialwohnungen jährlich zu bauen. Die FDP hingegen will den Wohnungsbau durch die Entschlackung von Vorschriften und Bürokratie fördern: Abschaffung der Mietpreisbremse, Erhöhung der Abschreibungsrate für Gebäude auf drei Prozent, zweckgebundener Einsatz der Bundesmittel in den Ländern für den Wohnungsbau. Ein neues Wohngeld soll jedem Mieter zugutekommen. Die AfD hält jede Form der Subventionierung von Wohnungsbau für falsch, nur ausreichend Bauland müsse zur Verfügung gestellt werden. Ökologische und brandschutzrechtliche Standards müssten kostenwirksam gesenkt werden. Kostentreiber bremsen Grundstückspreise, Grunderwerbsteuer, Maklerkosten, Stellplatzverordnungen: nur einige Faktoren, die das Bauen teuer machen. Wie wollen die Parteien den Kostentreibern im Wohnungsbau begegnen? SPD und Grüne wollen dazu das Gesetz über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImAG) ändern und die Spekulation mit baureifem Boden einschränken. Die Grünen sehen in der neuen Kategorie des „urbanen Gebiets“ eine gute Möglichkeit, Grundstücke besser auszunutzen. Die Linke fordert eine stärkere Besteuerung von Spekulationsgewinnen und Vermietungsverpflichtungen gegen Leerstand, auch sie sieht die Notwendigkeit einer Neuausrichtung der Liegenschaftspolitik des Bundes. Sie soll sich stärker an Gemeinwohlinteressen orientieren und weniger der Haushaltskonsolidierung dienen. Das Höchstgebotsverfahren soll durch soziale Konzeptverfahren ersetzt werden. Die FDP sieht die Höhe der Grundstückspreise als nicht allein vom Bund beeinflussbar an. Für die Grunderwerbsteuer soll ein Freibetrag von 500.000 Euro Familien leichter zu Wohneigentum verhelfen. Eine wesentliche Aufgabe der öffentlichen Hand sieht sie in der Verbesserung der Infrastruktur, um das Umland besser zu erschließen. Ähnlich wie CDU/CSU und Die Linke gibt sie der Vergabe nach Konzepten den Vorzug vor der Höchstpreisvergabe. Ein verpflichtender Anteil an mietgebundenen Wohnungen bei Neubauten ist für die Liberalen Teil der Lösung. CDU/CSU schließen für die nächste Wahlperiode gesetzliche Maßnahmen, die den Wohnungsbau verteuern, pauschal aus. Steuerliche Erleichterungen und die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung über eine begrenzte Zeit sollen den Bau von Wohnraum auch für Normalverdiener befördern. Wohneigentum für junge Familien soll durch ein „Wohnkindergeld“ von 1.200 Euro je Kind und Jahr unterstützt werden. Wie die FDP planen CDU/CSU Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer. Der Bund soll die Gemeinden bei ihrer Stadtentwicklungspolitik unterstützen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Neue Siedlungen am Ortsrand begünstigen aus Sicht der Union den Wohnungsbau und seien durch das „urbane Gebiet“ weiter befördert worden. Innerstädtische Verdichtung Es gilt der Bundesregierung als die größte Errungenschaft der zurückliegenden Legislatur beim Thema Planen und Bauen: das neue „urbane Gebiet“, das eine Mischnutzung von Wohnen und Gewerbe ermöglicht. Dieses „urbane Gebiet“ nennt die SPD als Voraussetzung, um die Nachverdichtung der Städte zu erleichtern. Die Grünen wollen verstärkt Wettbewerbe durchführen und die Abstimmung in den Regionen fördern, um Konkurrenz zwischen Gemeinden zu vermeiden. Der Schwerpunkt liegt für sie wie für die FDP in der Innenentwicklung. Die Linke will gar den Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ zum Gesetz machen. Infrastruktur stärken Angesichts des Zuzugs in viele Städte rückt die Betrachtung der Region in den Fokus: Wird der Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben? Die SPD will mit der nationalen Städtebauförderung und dem Programm „Soziale Stadt“ weiterhin lebendige Nachbarschaften und den sozialen Zusammenhalt fördern. Auch die Grünen kündigen an, die Mittel der Städtebauförderung beizubehalten, um das Leitbild des Dorfes und der Stadt der kurzen Wege weiterzuverfolgen. Integrierte Entwicklungskonzepte und regionale Kooperation sollen gestärkt werden. Die Linke fordert ein gesamtdeutsches Förderprogramm für strukturschwache Regionen. Das Bauen im ländlichen Raum soll die Option des Um- und Rückbaus konzeptionell aufnehmen. Für die FDP hingegen liegt der Schlüssel in der besseren Versorgung des ländlichen Raums mit digitaler Infrastruktur. CDU/CSU wollen die ärztliche Versorgung auf dem Land sicherstellen, Behörden stärker dezentralisieren und in die Fläche bringen. Eine verbesserte Finanzausstattung für Ausbau und Erhalt der Verkehrswege kündigen sie ebenso an wie Infrastruktur-Projekte als öffentlich-private Partnerschaften. Die SPD plant eine „Mindestdrehzahl für Investitionen“ als Ergänzung zur Schuldenbremse: Diese Verpflichtung soll sich an den Haushaltsbedingungen orientieren. Die Grünen wollen einen „Zukunftsfonds“ einrichten, aus dem Länder und Kommunen schöpfen sollen, um verlässlich planen und Personal einstellen zu können. Die Linke will ein ähnliches, sogenanntes „Zukunftsprogramm“ durch eine stärkere Besteuerung von Vermögen über einer Million finanzieren. Die FDP sieht höhere Investitionen in die hoheitlichen Aufgaben des Staats – insbesondere die Verkehrsinfrastruktur – als dringend notwendig an. Digitalisierung mit Augenmaß Bei der Digitalisierung des Planungs- und Bauwesens wollen CDU/CSU an die Erfahrungen aus den ersten Pilotprojekten anknüpfen und eine neue „Kultur des Vertrauens beim Bau“ einläuten. Ebenso unkonkret bleiben die Antworten von SPD und Grünen, sie „sehen das digitale Planen und Bauen als Zukunftschance“. Bei der AfD hingegen wird gar keine Notwendigkeit einer politischen Begleitung des Themas gesehen – der „Ausbau des Planungs- und Bauwesens ist keine staatliche Aufgabe“. Die FDP sieht eine Stärkung des Mittelstands durch eine faire Besteuerung und die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter. Energiewende Zur Energiewende fragten wir die Parteien, welche Impulse sie zur Beschleunigung der energetischen Sanierung des Gebäudebestands planen, wie sie die Wirtschaftlichkeit des energiesparenden Bauens gewährleisten wollen und wie sie dem Investitionsstau bei der grünen Infrastruktur begegnen wollen. Alle Parteien nennen eine quartiersweise Betrachtung als notwendige und richtige Vorgehensweise. Die SPD will Mieterstrommodelle einführen, um Mieter an der Rendite der Energiewende teilhaben zu lassen. Die noch zu geringe Sanierungsquote will sie durch die Aktivierung der Menschen, die Beteiligung und Beratung vor Ort steigern – die Grünen sehen hierfür den Hebel in einer kommunalen Wärmeplanung mit Zuschüssen und Krediten. Die Linke will KfW-Programme gezielter einsetzen. Allein die AfD befindet, dass die Energiewende keine staatliche Aufgabe sei. Der Erfolg der Energiewende hängt zu einem guten Teil von der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen ab. Für die FDP soll diese die wesentliche Entscheidungsgröße sein. Sie regt – wie auch die Grünen in ihren Antworten zur Normung – die Zusammenlegung von EnEG, EnEV und EEWärmeG an. Für CDU/CSU steht ein Mix von Anreizen und Erleichterungen im Fokus, um die energetische Sanierung auch von Ein- und Zweifamilienhäusern zu fördern. Das Förderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ soll weiter ausgebaut werden. Die SPD will das im März vorgestellte „Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“ zur Leitlinie des Schutzes von Natur und grüner Infrastruktur entwickeln. Die Grünen lehnen in diesem Zusammenhang das vereinfachte Bauen außerhalb der Städte und Gemeinden mit weniger Natur- und Artenschutz ab. Die Linke will einen verbindlichen Sanierungsfahrplan einführen, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, und die Effizienzstrategie ändern. Hierzu sollen die Gebäude in ein transparentes Effizienzklassen-System eingeordnet werden. Ordnungsrechtliche Vorgaben sollen mit einem Anreizsystem verbunden werden, Blockheizkraftwerke für eine höhere Effizienz sorgen. Vergabe öffentlicher Aufträge Die Vorbildfunktion des Bundes als öffentlicher Bauherr wollen die Grünen durch eine „nachhaltige Investitionspolitik“ stärken. Zwölf Milliarden Euro sollen nach ihrem Willen in moderne Infrastruktur und Mobilität, Energieeffizienz, Bildung und Forschung fließen. Die Linke will die Kostenexplosionen durch „realistische Gesamtplanung und Projektsteuerung“ eindämmen. Hierzu möchte sie das Personal in den Planungsbehörden aufstocken – wie auch die FDP. Die AfD scheint hingegen zufrieden mit der Planung der öffentlichen Hand. Sie bevorzugt Investoren- vor Planungswettbewerben, da sie eine kosteneffizientere Planung und Umsetzung versprächen. Alle anderen Parteien bezeichnen den Planungswettbewerb als geeignetes Instrument der Vergabe. Die SPD weist auf die EU-Richtlinien hin, die in einer stärkeren Verbindlichkeit einen Gegensatz zum Grundsatz der Freiwilligkeit sehen. Auf die Frage nach der Vergabe öffentlicher Aufträge verweisen die Sozialdemokraten auf die Länder und Kommunen, die durch die Neuregelungen zwischen Bund und Ländern neue Spielräume nutzen könnten. Die Linke will sich dafür einsetzen, dass VOF-Verfahren so gestaltet werden, dass lokale Architekturbüros besser zum Zuge kommen. Die FDP sieht im vorhandenen Instrumentarium der Vergabe gute Voraussetzungen. Das Vergaberecht solle so sein, dass es sich auf die Vergabe von Aufträgen konzentriert. Freiberuflichkeit stärken Architekten, Stadtplaner und Ingenieure sind nicht nur ihren Auftraggebern verpflichtet, sondern immer auch dem Gemeinwohl. Wir fragten die Parteien, wie sie die freien Berufe stärken wollen. Die Grünen kündigen an, der Planungsphase mehr Geltung zu verschaffen. Die Linke fordert die Rückführung der originären Planungsleistungen in den verbindlichen Teil der HOAI. Wie die Grünen sind sie der Ansicht, dass die Honorare regelmäßig angepasst werden müssten. Spannend ist die Aussage der Linken hinsichtlich der Rentenversicherung: Sie will den Lebensstandard der in Planungsbüros angestellten Beschäftigten im Rentenalter sichern, indem die gesetzliche Rentenversicherung um- und ausgebaut wird. In ein solidarisches System sollten danach auch Selbstständige, Beamte und Politiker einzahlen. CDU/CSU verweisen auf die HOAI-Novelle 2013 und sehen keinen Änderungsbedarf. Die SPD weist noch auf den Fachkräftemangel hin, dem sie mit einer Stärkung der dualen Ausbildung begegnen will. Die berufliche Selbstverwaltung bezeichnen SPD, Grüne und FDP als bewährtes System ohne Veränderungsbedarf. Die Grünen kündigen eine Entbürokratisierung und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten an. Baukultur fördern CDU/CSU begrüßen die Arbeit der Bundesstiftung Baukultur, für die sie sich eine verstärkte Unterstützung der Architektenschaft wünschen. Die Bundesstiftung solle eine wesentliche Rolle bei der programmatischen Entwicklung einer neuen Schinkelschen Bauakademie spielen, in der ein Zentrum für die Themen Bauen, Planung und Architektur eingerichtet werden soll. So positionieren sich auch die Grünen, die die Mittel der Bundesstiftung, ebenso wie SPD und FDP, erhöhen wollen. Die SPD sieht den Bund als zentralen Akteur, der insbesondere durch Gesetzgebung, Förderung und als Bauherr mit Vorbild-Verpflichtung Maßstäbe setzt. In diesem Zusammenhang kritisiert Die Linke nochmals eine „Unkultur des Höchstpreisgebotes“. Baukultur müsse durch eine Änderung des BImA-Gesetzes und die Unterstützung der Kommunen bei der Bildung eigener Bodenfonds gefördert werden. Ausbildung Wie kann die Ausbildung von Planern und Architekten auf hohem Niveau gesichert werden? CDU/CSU bezeichnen die hohe Ausbildungsqualität und die geschützten Berufsbezeichnungen als „Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort Deutschland“. Als Eintragungsvoraussetzung sieht sie drei Studienjahre. SPD und Grüne weisen auf das hohe Niveau der Ausbildung und die Autonomie der Hochschulen hin. Die Linke fordert den „offenen Studienzugang“ und die Abschaffung individueller Auswahlverfahren ebenso wie der Zugangsbeschränkungen bei dem Übergang von Bachelor zu Master; Studiengebühren sollen entfallen. Die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie sieht die SPD bei den Experten der Länder und der Länderkammern in den richtigen Händen. Die FDP will verhindern, dass eine wechselseitige Anerkennung zu Abstrichen bei der Qualität der Ausbildung führt. Der Bologna-Prozess solle so weitergeführt werden, dass fachspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden. Architekten- und Ingenieurvertragsrecht Eine objektbezogene Gesamtversicherung, in die alle am Bau Beteiligten einbezogen werden, wird als gute Lösung angesehen, um die Haftungsschieflage zwischen Planer und Bauunternehmer aufzuheben. Hierzu wird derzeit ein Gutachten durch das Bundesjustizministerium erstellt. CDU/CSU wollen danach prüfen, wie diese Versicherung ausgestaltet werden kann. Die Linke befürwortet eine solche Versicherung ebenso wie die FDP. Die SPD weist darauf hin, dass es Sache der Versicherungswirtschaft sei, ein solches Produkt zu entwickeln. Die Grünen betonen, dass sie sich im öffentlichen Hochbau auf eine intensive Bedarfsplanung („Phase Null“) und eine gute Projektsteuerung verlassen wollen. Die AfD verweist auch bei dieser Frage auf ihre einleitenden Worte zur Interessenvertretung. Normung Bei der Frage, wie eine praxisgerechte Normung umzusetzen sei, gehen die Meinungen der Parteien auseinander. Für die CDU/CSU sind die Normen in ihrer Zahl einzudämmen, da sie Ausdruck einer überzogenen Bürokratie seien. Sie weisen auf die Vorschläge der Baukostensenkungskommission des Bundes hin und sprechen sich dafür aus, notwendige Vereinheitlichungen für den EU-Binnenmarkt behutsam vorzunehmen. Auch Die Linke steht der zunehmenden Normung kritisch gegenüber. Eine Vereinfachung, so schreibt sie, solle Bürokratie abbauen, nicht aber zulasten arbeitsrechtlicher, ökologischer oder gesundheitlicher Standards gehen. Die SPD möchte kleine und mittlere Unternehmen stärker in den Normungsprozess einbeziehen. Die Grünen weisen darauf hin, dass die Normung weitgehend in privater Hand erfolgt. Für sie ist eine Zusammenlegung der EnEV, des EEWärmeG und des EEG von größerer Bedeutung, um zu vereinfachen und klare Regelungen für den Klimaschutz zu erhalten. Die FDP will sich für eine „sachgerechte, rechtssichere und anwendungsfreundliche“ Lösung einsetzen. Hierzu wolle sie das Fachwissen und die Beratung der betroffenen Kreise heranziehen. Die AfD bietet der BAK Gespräche zur Eindämmung des Normungswesens an. Export von Planungsleistungen Architekten und Stadtplaner aus Deutschland planen und bauen auch vermehrt im Ausland. Wie wollen die Parteien diesen Export von Planungsleistungen fördern? CDU/CSU verweisen hier auf den EU-Binnenmarkt und den europaweiten Wettbewerb. Sie wollen zum Schutz mittelständischer Unternehmen dafür sorgen, dass die Schwellenwerte nicht geändert werden. Die SPD betont den guten Ruf der international aufgestellten Architektur- und Planungsbüros. Sollte eine interministerielle Koordinierung zur Stärkung des Exports notwendig sein, will sie sich dem nicht verschließen. Die Grünen vertreten die Auffassung, dass bei der Außenwirtschaftsförderung stärker als bisher noch Dienstleistungen berücksichtigt werden sollten. Der EU-Binnenmarkt müsse gerade für die planenden Berufe weiterentwickelt werden. Die Linke kritisiert die Politik der EU, die von „ungehinderter Wirtschaftsfreiheit, Freiheit für Kapital und Dienstleistungen, der Entstaatlichung, Privatisierung und Deregulierung“ geprägt sei. Sie unterstützt den Ruf nach Erhalt der Qualität deutscher Planungsleistungen, will sich aber auch für europäische Sozialstandards einsetzen. Weiterhin verspricht sie, den Grundsatz der Trennung von Planung und Bauausführung aufrechtzuerhalten. Die FDP kündigt an, den deutschen Mittelstand stärker in die Außenwirtschaftspolitik einzubeziehen. Der Export von Ingenieur- und Architektur-Dienstleistungen biete auch für die deutsche Industrie und deutsche Produkte große Chancen. Von der AfD erhielten wir leider auch zu dieser Frage keine Antwort. Paul Lichtenthäler ist Pressesprecher der BAK. Mehr Informationen und Artikel zum Thema „wählerisch“ finden Sie in unserem DABthema wählerisch

Mit schlechten Empfehlungen

Foto: Fotolia Prüft der Architekt Rechnungen nicht gründlich genug, muss er sie am Ende womöglich aus eigener Tasche zahlen. Text: Sven Kerkhoff Eine vom Architekten ausgesprochene Zahlungsempfehlung ist von erheblichem Gewicht, da sich der Bauherr auf eine solche regelmäßig verlassen darf. Daher hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main in einer jüngst rechtskräftig gewordenen Entscheidung vom 31. März 2016 (Az.: 6 U 36/15) einen Architekten zum Schadensersatz verurteilt. Im konkreten Fall hatte das beauftragte Büro Kenntnis davon, dass der Bauherr dem bauausführenden Unternehmen einen Vorschuss in Höhe von 500.000 Euro gezahlt hatte. Der Architekt gab dann aber eine Abschlagsrechnung nach Prüfung vorbehaltlos frei und empfahl die Zahlung, vergaß aber dabei den bereits gezahlten Vorschuss. Der Bauherr folgte der Zahlungsempfehlung. Die daraus resultierende Überzahlung vermochte er im weiteren Verlauf nicht vollständig zurückzuerlangen. Die Rechnungsprüfung ist Teil der in Leistungsphase 8 zu erbringenden Grundleistungen und eine vertragliche Hauptverpflichtung. Über den genauen Umfang der Prüfpflichten und die Bedeutung des Ergebnisses dieser Prüfung bestehen in der Praxis jedoch häufig Unsicherheiten. Der Architekt hat zunächst zu kontrollieren, ob die abgerechneten Preise mit den vereinbarten Preisen übereinstimmen, ob die abgerechneten Mengen dem Aufmaß entsprechen, ob Leistungen zu Unrecht als zusätzliche Leistungen berechnet werden, ob vereinbarte Skontoabzüge, Rabatte und Sicherheitseinbehalte sowie geleistete Abschläge und Vorauszahlungen korrekt berücksichtigt wurden und ob die abgerechneten Leistungen vollständig und ordnungsgemäß erbracht wurden (Werner/Pastor, Der Bauprozess, 15. Aufl., Rz. 2026). Diese Prüfpflicht erstreckt sich auf alle Rechnungen, die dem Architekten vorgelegt werden, also nicht nur auf Schlussrechnungen, sondern insbesondere auch auf Abschlagsrechnungen (vgl. OLG Köln, Urteil vom 2. Juli 1996, Az.: 9 U 14/96). Die Rechnungsprüfung im Bereich der Technischen Ausrüstung zählt hingegen nicht zu den Grundleistungspflichten des Objektplaners, sondern ist von den Fachplanern zu leisten; die Prüfung der Honorarrechnungen der Fachplaner allerdings ist nach herrschender Meinung Sache des Architekten (vgl. Hebel, in: Thode/Wirth/Kuffer, Praxishandbuch Architektenrecht, 2. Aufl., Rz. 113 zu § 15). Sachwalter für den Bauherrn Der entsprechende Prüfvermerk ist aus umsatzsteuerrechtlichen Gründen vorzugsweise auf einer Kopie der Rechnung und nicht auf dem Original anzubringen. Mit ihm wird aber nicht etwa zum Ausdruck gebracht, dass die vom Architekten als zutreffend angesehene Summe gegenüber dem Rechnungssteller verbindlich als berechtigt anerkannt würde. Vielmehr richtet sich der Vermerk über das Ergebnis der Rechnungsprüfung ausschließlich an den Bauherrn und ist mit einer fachlich fundierten, konkret zu beziffernden Zahlungsempfehlung des Architekten an seinen Bauherrn verbunden (vgl. Locher/Koeble/Frik, HOAI, 12. Aufl., Rz. 225 zu § 34). Vorgeschlagene Rechnungskürzungen sind dem Bauherrn zu erläutern. Stellt der Architekt in der Rechnung Fehler fest, die sich zu Gunsten des Bauherrn auswirken, so hat er dies dem Bauherrn mitzuteilen, darf aber keinesfalls den Rechnungssteller auf einen solchen Fehler hinweisen oder diesen zu Lasten des Bauherrn korrigieren, weil er sonst gegen seine Sachwalterpflichten gegenüber dem Bauherrn verstoßen würde (vgl. Hebel, a.a.O., Rz. 117 zu § 15). Im eingangs angesprochenen Fall verurteilte das OLG Frankfurt den Architekten dazu, dem Bauherrn den Schaden zu ersetzen, der diesem aufgrund einer überhöhten Abschlagszahlung entstanden war. Die Prüfpflicht des Architekten diene, so das Gericht, unter anderem gerade dazu, sicherzustellen, dass der Bauherr nur berechtigte Abschlagsforderungen erfüllt und nicht darauf angewiesen ist, etwaige Überzahlungen später ausgleichen zu können. Daher seien erfolgte Abschlagszahlungen, soweit der Architekt von ihnen Kenntnis hat, bei der Rechnungsprüfung und Zahlungsempfehlung stets zu berücksichtigen. Dabei komme es nicht darauf an, ob der Architekt die Kenntnis von zuvor erfolgten Zahlungen unmittelbar vom Bauherrn oder auf anderem Wege erlangt habe. Es genüge, dass entsprechende Anhaltspunkte vorliegen, die der Architekt dann zum Anlass nehmen müsse, sich durch Rückfrage beim Bauherrn über den tatsächlichen Zahlungsstand zu vergewissern. Abschlagszahlungen beachten Das Gericht ließ nicht den Einwand des Architekten gelten, der Bauherr selbst habe doch von der Vorschusszahlung gewusst und es daher in der Hand gehabt, einen gekürzten Betrag zu zahlen. Dies entspricht der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der bereits am 4. April 2002 entschieden hat, dass der Bauherr einer Zahlungsempfehlung seines Architekten vertrauen darf, sofern dieser dem Bauherrn nicht mitteilt, auch er solle bestimmte Punkte noch prüfen (Az.: VII ZR 295/00). Eine Pflicht des Bauherrn, die Empfehlung noch einmal zu überprüfen, besteht daher, wie das OLG Frankfurt betont, nur, wenn klar erkennbare Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Architekt von unzutreffenden Voraussetzungen ausgegangen sein könnte. Bestehen im Einzelfall Unklarheiten über den Zahlungsstand, ist der Architekt daher gut beraten, diese mit dem Bauherrn zu klären, zumindest aber darauf hinzuweisen, dass die Zahlungsempfehlung nur unter dem Vorbehalt eigener Prüfung durch den Bauherrn erfolgt. Auch wenn der Architekt über das Vorliegen der Voraussetzungen, beispielsweise für einen Skontoabzug oder einen Sicherheitseinbehalt, im Zweifel sein sollte, hat er dies offenzulegen und dem Bauherrn die Einholung anwaltlichen Rechtsrats nahezulegen. Die entsprechenden Sorgfaltspflichten zu beachten, ist auch deshalb unbedingt sinnvoll, weil Architekten bei einer unterlassenen oder allzu oberflächlichen Rechnungsprüfung zugleich ihren Haftpflichtversicherungsschutz gefährden. So hat es auch das OLG Köln am 2. Juni 1996 entschieden (Az.: 9 U 14/96). Dr. Sven Kerkhoff ist Rechtsreferent bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier